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UNTOTEN – PLASTIC AUTUMN

Ort: Osnabrück - Lagerhalle

Datum: 12.04.2008

Ein wenig irritiert war ich ja schon, als ich gegen 20h an der Lagerhalle Osnabrück ankam und mit etwas gutem Willen nur etwa 30 Leute ausmachen konnte, die sich im folglich viel zu weitläufigen Veranstaltungsraum weit verteilten. Wenngleich sich das Publikum bis zum Auftritt der UNTOTEN noch einmal um rund die Hälfte erweitern sollte, so ist Osnabrück in dieser Hinsicht trotzdem schlichtweg sonderbar: Bei der Rabenschwarzen Nacht im Hyde Park platzt der Laden regelmäßig aus allen Nähten, und dann gastiert tatsächlich mal jene Band vor Ort, die häufig – und zu Recht – als ein Flagschiff der deutschen Gothic-Szene bezeichnet wird… und niemand kommt. Für die Bands sicherlich nicht optimal, aber so entstand eine ziemlich private Atmosphäre, von der die anwesenden Konzertbesucher letztlich profitieren konnten.

PLASTIC AUTUMN
PLASTIC AUTUMN betraten nach einem langen Intro gegen 20:15h die Bühne. Fronter Falk Pitschk – die anderen beiden Herren hinter ihrer Elektronik fielen gar nicht weiter zum Tragen – schien trotz des verstreuten Publikums recht guter Dinge. Eingangs wurden die Songs der neuen „Counterstrike E.P.“ in chronologisch mit dem Album identischer Reihenfolge präsentiert. Danach boten PLASTIC AUTUMN ein buntes Potpourri ihres bisherigen Schaffens. Insgesamt kann ich resümieren, dass PA bei den langsamen Songs – so etwa „Waiting“ oder „Unrest“ – nicht zu überzeugen wissen. Die Stimme von Pitschk ist für solche Dinge einfach nicht ausgelegt; er hat Probleme, die Töne vernünftig zu treffen und zu halten und diese Titel sind an sich einfach zu ereignislos. Zudem erweist sich der ziemlich stümperhafte Einsatz der Gitarre durch Pitschk als überaus kontraproduktiv. Die Songs mit gesteigerter BPM-Zahl sind da schon deutlich passender, wenngleich die Aufforderung zum Tanzen bei „A Thousand Times“ vom Publikum noch nicht gleich umgesetzt wurde. Bei „Plastic Autumn” und „Angel (Without Wings)” ließen sich dann aber vereinzelte Damen lokalisieren, die das Tanzbein schwangen. Auch Pitschk selbst brauchte einen Moment, so schien es, um warm zu werden. Gegen Ende des Gigs jedenfalls war er aufgetaut und bewegte sich viel über die Bühne, was im Vergleich zum ansonsten recht statischen Auftritt Auflockerung bot. Vielleicht sollten PLASTC AUTUMN über eine Erweiterung ihrer Bühnenshow nachdenken. Gegen Ende des Gigs wurde dann das „Photographic“-Cover vom 1981er Depeche Mode-Debütalbum „Speak and Spell“ dargeboten, was mich durchaus freudig stimmte. Wenngleich sich Synthie-Klänge doch recht identisch reproduzieren lassen, so kann ein Dave Gahan nicht annähernd durch einen Falk Pitschk ersetzt werden – was PLASTIC AUTUMN mit dieser Hommage an DM sicherlich auch nicht vorhatten. Insgesamt dauerte der Auftritt rund 45 Minuten, die mich als Zuhörerin recht unschlüssig darüber gelassen haben, was ich nun eigentlich von der Band halten soll. Zwischendurch immer wieder wirklich nette Passagen; aber im Großen und Ganzen hat es mich nicht umgehauen und kann abschließend vielleicht mit einem „ausbaufähig“ kommentiert werden.

Setlist PLASTIC AUTUMN
Black Mails
Counterstrike
Older
Unrest
A Thousand Times
Waiting
Plastic Autumn
Angel (Without Wings)
Photographic
Pain

UNTOTEN
Zugegebener Maßen war ich ein wenig besorgt vor dem Auftritt der UNTOTEN, denn der Titel des derzeitigen Bühnenprogramms „Die Nonnen von Loudun“ ließ für mich den Rückschluss zu, dass der Fokus der Titelauswahl auf den gleichnamigen jüngsten Veröffentlichungen der Truppe aus Berlin liegen würde. Seit vielen, vielen Jahren verfolge ich nun schon sehr interessiert den Werdegang der UNTOTEN, und mit dem 2006er Werk „Die Blutgräfin“ wurde meine Loyalität erstmals auf die Probe gestellt. Wenngleich dieses „schwarzromantische Singspiel“ diverse starke Songs aufweist, so konnte mich das Konzept des Albums als quasi vertontes Theaterstück nicht gänzlich überzeugen. Gleiches Phänomen wiederholte sich dann Anfang dieses Jahres mit den Veröffentlichungen zu den Nonnen von Loudun – „Hysteria, die ganze Geschichte“ und „Das geheime Tagebuch einer Nonne“. Zwischendurch immer wieder grandiose musikalische Perlen, aber die Konzipierung als Singspiel finde ich nach wie vor schwierig. Meine Befürchtung jedenfalls, dass die UNTOTEN die Geschichte der Nonnen chronologisch zu den entsprechenden Neuveröffentlichungen darbieten und zugleich die vielen Kracher der vorherigen Alben vernachlässigen würden, wurde schnell zu Nichte gemacht. Nach dem stimmungsvollen Opener „Die blutende Nonne“ begannen die UNTOTEN direkt, in ihrem bunten Sammelsurium an Songs aus inzwischen elf Alben zu kramen. So stellte ich später fest, dass neben dem genannten Einstieg nur ein weiterer Titel, „Flammen der Liebe“, aus dem Nonnen-Konzept entstammte – und gerade diese Stücke sind ziemliche Sahneteilchen. Diesem Anspruch getreu hatten die UNTOTEN auch die weitere Setlist zusammengestellt, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich viele der vorgetragenen Kompositionen auch auf der 2007er Best Of-Scheibe finden lassen. Und trotz des beherzten Griffs quer durch rund 10 Jahre Diskographie – mit „Sperm Finger“ wurde ein Titel des 1997-Albums „Kiss Of Death“ präsentiert – gelang es den UNTOTEN dennoch, eine grobe thematische Ordnung in die Setlist zu bringen. So wurden Stücke ausgewählt, die sich i.d.R. doch irgendwie auf die Geschichte des „verhexten“ Klosters in Loudun und den sich darum webenden Geschichtchen beziehen lassen. Interessant war die Umsetzung einiger Stücke in einer sehr minimalistischen Gitarren-Rock-Version, so geschehen bei „Die Out By The Sea“, „Love Spell“ und „Des Raben Flug“. Wenngleich mir die originale Interpretation mehr zusagt. Bei Erstgenanntem dieser drei legte Fronterin Greta Csatlós mitten im Song eine kleine Gesangspause ein und versprach, jeden persönlich zu begrüßen, der jetzt zu ihr vorne an die Bühne käme. Dieses Angebot nutzte ein guter Teil der Konzertbesucher. Wie hieraus schon deutlich wird: Was die Performance betrifft, so stand wie gewohnt die immer sympathischer werdende Sängerin der UNTOTEN im Mittelpunkt und versprühte von Anfang an große Dosen an Charme, Authentizität und natürlich auch Sex Appeal. Jeder Song wurde mit Inbrunst vorgetragen und nicht nur auf stimmlicher Ebene umgesetzt. Mastermind David A. Line trat wie immer eher weniger in Erscheinung, ebenso wie die Dame am Bass, um die das Live-Line Up erweitert wurde. Die beiden Tänzerinnen in ihren Nonnengewändern (freilich mit halterlosen Strümpfen unten drunter) waren – entgegen der Choreographie früherer Auftritte – zu weiten Teilen ebenfalls nur als Randerscheinung bemerkbar, was Sängerin Greta noch zusätzlich in den Vordergrund rückte. Lange Zeit saßen oder standen sie lediglich im hinteren Bühnenbereich, und selbst wenn sie in Aktion waren, dann zumeist nur im synchronen Einheitsschritt. Insgesamt aber ein überaus stimmungsvoller Auftritt der UNTOTEN, bei dem es Sängerin Greta scheinbar mühelos schaffte, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu bannen und an sich zu fesseln. Noch bevor die Band nach „Herz der Finsternis“ die Bühne verlassen hatte, begannen bereits die Zugabe-Rufe, die recht bald Gehör fanden. So boten die UNTOTEN noch den Klassiker „Willst Du?“ dar, bevor sie dem Publikum mit „Des Raben Flug“ nach rund einer Stunde und fünfzehn Minuten einen guten Heimweg wünschten.

Setlist UNTOTEN
Die blutende Nonne
Die Jagd
Raubtieraugen
Die Gruft
Kindertotenlied
Abdomination
Die Out By The Sea
Grabsteinland (Wach Auf)
Hexenfieber
The Look Of Blasphemie
Sperm Finger
Love Spell
Cynthia
Raben
Flammen der Liebe
Herz der Finsternis

Willst Du?
Des Raben Flug

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