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VAINSTREAM ROCKFEST 2009 – TAG 2

Ort: Münster - Am Hawerkamp

Datum: 04.07.2009

THE PLAGUES AFTERMATH

Die „Wildcard“ Gewinner THE PLAGUES AFTERMATH aus dem idyllischen Paderborn machten den Anfang am Samstag. Man muss ja was auf dem Kasten haben, wenn man die Mehrzahl der Stimmen des Votings auf der Vainstream Homepage bekommt. So war es dann auch, denn man präsentierte technisch einwandfreien Deathmetal bzw. Deathcore (wie auch immer), was vereinzelte Kids zum tanzen animierte und so war es auch kein Wunder, dass man Circle Pits startete und auch „violent dancete“. Trotz geringer Besucherzahlen zu solch früher Tageszeit, war die Stimmung gut und der erste Schritt am Samstag gemacht.
(Philipp Prüßmeier)

CROSSCUT

Punkt zwei der Tagesordnung am Samstag war der Auftritt der Münsteraner Crossover Combo CROSSCUT, die nicht zum ersten Mal das Vainstream rockten. Man zeigte Spielfreude, die das Publikum merkte und tänzerisch umsetzte. Man forderte zur typischen Wall of Death auf, plauderte ein wenig über den neuen Silberling, der die Tage in die Läden kommt und haute einen Kracher wie das natürlich nicht fehlen dürfende „Roll the dice“ nach dem nächsten aus den Boxen. Gute Musik, gute Stimmung, die selbst nach 17 Jahren Bandgeschichte nicht abzureißen scheint.
(Philipp Prüßmeier)

THE CASTING OUT

Mit BOYSETSFIRE machte er sich einst einen Namen, nun ist der man mit der prägnanten Stimme wieder da. Die Rede ist von Nathan Gray, der am heutigen Tag besonders gut gelaunt schien. Er wirkte während seiner Ansprachen sehr locker und war zu Späßen aufgelegt. So sprach er beispielsweise gerade davon, hier den erst zweiten Auftritt mit ihrer Art von Musik auf einem „Metal Festival“ zu spielen, als Schlagzeuger Matt irgendwas vonwegen „day time“ in den „Raum“ warf. Nathan machte keinen Hehl daraus, nicht zu wissen, was der gute Matt den nun wolle und wiederholte es einfach ein paar mal, bis er zugab: „Ich hab absolut keine Ahnung, was er meint, aber es ist Day time, ich denke da sind wir uns alle einig.“ Und als die Leute applaudierten: „Danke, danke das ihr für day time jubelt. Es ist nämlich immer sehr wichtig bei einem Rock Konzert, für die Tageszeit zu jubeln. Das ist Rock’n’Roll, merkt euch das.“ Weiter ging es mit Späßen wie „Der nächste Song heißt Lullaby – und er enthält ebenfalls keine Pig Squeals“ und enthielt somit ein wenig Selbstironie für diejenigen, die ihre Musik nicht hart genug finden. Dabei braucht sich das amerikanische Quintett aus Newark für ihren Rock mit Punkeinflüssen in keinster Weiße schämen. Zwar ist man von Nathan aus seiner Zeit bei BOYSETSFIRE auch Shouts und andere böse Klänge gewohnt, doch sein wahres Können entfaltet sich nun mal erst bei seiner Reibeisen-Gesangsstimme, mit welcher er Kompositionen wie „I feel fine“ oder „Tell me“ erst zu etwas besonderem macht. Den Leuten gefiel es gut, was sich in bereitwilligem Applaus und wohlwollendes Kopfnicken äußerte. Eine wirklich sympathische Band mit einem netten, gelungenem Auftritt.
(Alexander Vogt)

ARCHITECTS

Leider viel zu wenig Stimmung war im Publikum zu verzeichnen, als die fünf Briten von ARCHITECTS die Bühne stürmten. Trotz des wirklich guten Sets wurde die Masse nur vereinzelt aufgerissen, sodass einige anfingen, eher der Höflichkeit wegen ein Pit zu starten. Schade schade, steckt in dem Post Hardcore/ Metalcore Quintett doch ein hohes Potential. Ich persönlich fand die Jungs gut und sehe es als kleine „Tragödie“ an, dass die Herren nicht weiter unterstützt wurden.
(Philipp Prüßmeier)

GOD FORBID

Letzten Samstag noch auf dem Serengeti Festival in der Nähe von Bielfeld, gab es für mich und sicher einige andere 7 Tage später schon wieder das ein Wiedersehen mit den amerikanischen Metalcore-Schwergewichten. Und auch dieses mal holzte man wie gewohnt kräftig los. Der Samstag stand klar im Zeichen der härteren Klänge, da bildete natürlich gerade der Fünfer aus New Jersey keine Ausnahme. Pits machten sich breit und auf auch auf der Bühne scheute man sich nicht vor Bewegung. Wenn Frontkoloss Byron Davis schon bei „War of Attrition“ zum Springen auffordert und dann auch noch selber mitmacht, erkennt man schon: hier geht was ab. Byron röhrte gewohnt fies ins Mikro, lies sich aber von Gitarrist Doc Coyle gerne mal mit Cleangesang unterbrechen – der leider (auch wie gewohnt) nicht so pralle ausfiel. Das Saitenzupfen liegt ihm eindeutig besser, und so glänzte er wieder mit netten Soli und feinen Riffs bei Songs wie „Empire of the Gun“, „To the fallen Hero“ und „Broken Promise“. Guter Auftritt, doch irgendwie schaffen es GOD FORBID einfach nicht, so wirklich zu fesseln.
(Alexander Vogt)

AUGUST BURNS RED

Wie hab ich mich doch gefreut, als ich meine Breakdown Helden AUGUST BURNS RED auf dem Billing lesen durfte und so kämpfte ich mich direkt bis ganz nach vorn, um die Stimmung komplett mitzubekommen. Nach dem doch eher untypischen Intro „Everybody’s Free“ von ROZALLA startete man das Set direkt mit „The Truth of a Liar“, spielte aber auch wirklich alle mehr oder minder bekannten Songs wie „Up against the Ropes“, „The eleventh hour“, „Composure“, „Back Burner“ und auch Songs von bald erscheinendem Album „Constellations“ wie „Thirty and Seven“ und „Existence“. Die Menge tobte und der Tag war von meinem Standpunkt aus jetzt schon gelungen – und es sollten ja noch PARKWAY DRIVE und HEAVEN SHALL BURN folgen. AUGUST BURNS RED haben ihre Fans definitiv nicht enttäuscht, eher begeistert und mit Sicherheit auch den einen oder anderen Fan dazugewonnen.
(Philipp Prüßmeier)

DESPISED ICON

Hatte Nathan Gray schon erwähnt, dass es bei THE CASTING OUT keine Pig Squeals gibt, musste man bei der verachteten Ikone aus Kanada auf selbige nicht verzichten. Das Deathcore-Monter zog wiedereinmal alle Register und feuerte Blast um Blast ins Publikum, welches in mehreren großen Pits den aktuellen Trend in Sachen Musik voll mitging. Alex Erian und Steve Marois screamten bzw. growlten wiedereinmal alles in Grund und Boden und zeigten, dass sie in der immer größer werdenden Masse an Bands in diesem Genre definitiv zu der Elite gehören. Die Breakdowns sitzen einfach perfekt und in Sachen Performance macht ihnen bei Brechern wie „A fractured hand”, ”Warm blooded” oder ”Bulletproof scales” eh keiner was vor. Das Sextett wirbelt auf der Bühne durcheinander, wirkt aber weder chaotisch noch planlos oder steht sich selbst im Weg. Dabei wirkte man diesmal optisch weniger wie vermeintliche Rapper, passte sich aber dennoch ausreichend dem Deathcore-Klischee an. Musikalisch gab es nichts zu meckern, lediglich der Sound wirkte ein wenig dumpf, was aber genauso wenig wie die Hitze die Kids davon abhielt, ihre Violent Dancing Show abzuziehen. Bei einer Setlist mit Songs wie “Furtive monologue” und „In the arms of perdition” gibt es eh nichts zu meckern, so das DESPISED ICON wieder einmal ihren Ruf als hervorragende Liveband bestätigten. Breee bree breeee!
(Alexander Vogt)

SONIC SYNDICATE

Zu den wenigen Bands, die selber aufbauten und den Sound checkten, gehörten die Schweden rund um die gebräunte Karin Axelsson und den etwas fülliger gewordenen Robin Sjunnesson. Gut gelaunt versteckte man sich bei den Vorbereitungen nicht großartig vor den Fans, die dann bei dem Opener „Engaged“ mit dem Sound genau so zufrieden sein konnten wie die Truppe, obwohl ich persönlich die Gitarren im Vergleich zum Rest noch zu leise fand. Auch wenn man sich auf der einen Seite freute, dass der Auftritt der „Nuclear Metal“ Band endlich begann, machte sich doch etwas Wehmut breit, als die Stimme von Sänger Roland erklang – wohlwissend, dass es einer seiner letzten Auftritte bei SONIC SYNDICATE sein würde, die er ja aus persönlichen Gründen verlassen wird. Doch der negativen Gedanken wurde man schnell wieder entrissen, so fesselte doch der Gig mit Stücken wie „Jailbreak“ und „Flashback“ doch zu sehr. Bei „Psychic Suicide“ rief man dann auch zu einem großen Circle Pit auf, mit dem Zusatz, dass diese in Deutschland ja am besten sein. Naja, also viel dicker kann man da schon nicht mehr auftragen, ohne zu lügen – aber Schweden sind ja nunmal nett. Ebenso nett war dann auch das Publikum, welches der Aufforderung dann auch bereitwillig nachkam, genau wie bei der Wall of Death zu „Jack of Diamonds“. Auf der Bühne gingen die Skandinavier dann wie gewohnt stylisch ab und boten saubere Arbeit an ihren Instrumenten. Zu Rolands Gesang und vereinzelte Shouts gesellte sich der Schreigesang von Richard, der leider manchmal etwas unterging, während die Gitarristen Robin und Roger fröhlich springend, banged oder sich sonst wie austobend die Riffs peitschen ließen. Das Karin am Bass wiedereinmal die ohnehin schon nicht stillstehenden Köpfe der Anwesenden verdrehte und es noch heißer werden lies, als es ohnehin schon war, dürfte selbstverständlich sein. Es folgten noch Knaller wie „Red Eyed Friend“, „Blue Eyed Fiend“, „Powershift“ und natürlich „Denied“, die einen klasse Auftritt komplettierten und hoffen lassen, dass es für die sympathischen Schweden auch ohne Roland so gut weitergeht.
(Alexander Vogt)

HAVE HEART

Weiter geht es definitiv nicht mehr für die Straight-Edge-Hardcoreband aus Boston, Massachusetts, welche im Mai diesen Jahres den Abschied zum Herbst hin bekannt gab. Schade, doch mich persönlich trifft das eher weniger hart. Ich habe zwar ein Herz, aber irgendwie schlägt es nicht für HAVE HEART. Mehrere Anläufe habe ich probiert, doch irgendwie will bei mir der Funke nicht überspringen – auch nicht bei diesem Live-Auftritt. Die Shouts sind monoton, das Riffing simpel und den überzeugenden Unterschied zu den unzähligen anderen Truppen aus diesem Genre habe ich bislang nicht gefunden. Natürlich ist das nur mein subjektiver Eindruck, sicher hat das Quintett die große Anhängerschaft nicht unverdient, doch nach 15 mich so gar nicht begeisternden Minuten bin ich dann doch lieber etwas essen gegangen – der Terminplan am heutigen Tag war ohnehin stressig genug.
(Alexander Vogt)

DEVILDRIVER

Eine wichtige Rolle in jenem Terminplan spielten nämlich vor allem die Teufelsaustreiber, welche wir an diesem Tag auch noch zum Gespräch gebeten hatten. Doch dazu an andere Stelle mehr. Bis es nämlich soweit war, wollte natürlich der Auftritt der Mannen um Frontmann Dez Fafara nicht verpasst werden. Diesen eröffneten die „Clouds over California“, von welchen in Münster zwar nichts zu sehen, aber dafür umso mehr zu hören war. Dez oberfieses Organ offenbarte einmal mehr bitterböse Shouts, die zusammen mit den drückenden Drums und den walzenden Riffs über das Gelände hinwegfegten. Es folgte „Die (and die now)“ und spätestens bei „Not all who wander are lost“ standen nur die wenigsten Nacken noch still. Insgesamt hätte ich allerdings mehr Bewegung und Euphorie erwartet. Der Zuspruch der Menge war zwar da, man applaudierte und folgte Anweisungen wie „Horns up“, doch wirklich viel Schwung kam nicht auf. Mag vielleicht an dem wiedermal etwas verwaschenem Sound der Doppel D-Jungs gelegen haben, oder sie waren halt doch einfach zu Metal für das überwiegend corige Publikum. Trotzdem feierte man aber „Hold back the day“, „These Fighting Words“ und den Titeltrack des neuen Albums „Pray for Villains“ gut ab. Auch den neuen Song spielte der Fünfer aus Santa Barbara sauber und energievoll, man lies die Haare kreisen und pumpte das Metal nur so von der Bühne. „Before the Hangman’s Noose“ und den Durchbruch-Titel „I could care less“ legte man in weiterer Folge nach, ehe man mit „Meet the wretched“ die Circle Pit Hymne präsentierte, die dann der Menge auch endlich mal Beine machte. Damit legte der vermeidliche „Weltmeister der Circle Pits“ schon einmal ganz nett vor, doch schon bald sollten ja die „Europameister“ von HEAVEN SHALL BURN nachlegen. Vorab legte Dez schonmal die sinnvolle Regel fest, dass Hardcore-Kicks in einem Circle nichts zu suchen haben und spendete Applaus, als er die Resonanz auf die Frage „Wer von euch ist Straight Edge?“ bekam. Nach dem abschließendem „End of the line“ hatte man dann sicher einige Nacken auf dem gewissen.
(Alexander Vogt)

MAROON

Die fünfköpfige Kapelle MAROON aus dem wunderschönen Nordhausen begannen um 17:15 Uhr an die „Distortion Stage“ auseinander zu nehmen, haute alte und neue Stücke wie „Stay Brutal“ raus, ließ das Publikum bis hinter die Soundtürme begeistert mittanzen und widmete dem kürzlich verstorbenen MICHAEL JACKSON den Song „Wake up in Hell“. Alles in allem spielte das Quintett eine gute Mischung aus alten und neuen Stücken vom aktuellen Album „Order“ und bewies einmal mehr Livequalitäten, den Hang zur Wall of Death und zerstörerischen Breakdowns, denen wir gerne länger gefolgt wären, doch wir hatten noch eine Verabredung.
(Philipp Prüßmeier)

DARK TRANQUILLITY/ TERROR
Beide konnten wir leider nicht verfolgen, da wir zu dieser Zeit zusammen mit DEVIL DRIVER Frontmann Dez Fafara eine nette Unterhaltung führten.

HEAVEN SHALL BURN

So ging es also der musikalische Teil erst wieder um 19:30 Uhr weiter – dann aber so richtig! Am Nachmittag hatten wir sie noch bei der Autogrammstunde im Imperial Clothing-Zelt besucht, nun betraten sie nach „Echoes“, einem der wundervollsten Intros überhaupt aus der Feder des isländischen Klassikkomponisten Ólafur Arnalds, die Bühne und begannen mal eben ganz lässig mit dem Megaknaller „The Weapon they fear“. Es hat keine Sekunde gedauert, bis die Leute ausrasteten und eine wahre Schlacht entbrannte (natürlich im friedlichen Sinn). Shouter Marcus sprach die Freude darüber aus, endlich wieder auf dem Vainstream zu sein und künigte „Counterweight“ an. Es ist kaum zu erklären, woher die Menge noch immer die Energie hatte, dermaßen die Sau rauszulassen, nachdem man nun fast zwei Tage bei drückender Hitze durchpowerte – doch wenn man den Fünfer aus Ostdeutschland so betrachtet, hat man schon eine Antwort. Die Jungs zeigten sich völlig gnadenlos und setzen ihre Granate „Endzeit“ nach und die Menge stand Kopf; Vergleichbares fand weder am vorangegangenen Tag noch an diesem statt. Man kann es sich aber erlauben, gleich mal eben mit seinen bekanntesten Clubhits zu beginnen, schließlich hat man mittlerweile viele starke Songs in der Hinterhand, die man durch die zahlreichen, grandiosen Liveauftritte zu echten Knallern gepuscht hat. Einer davon folgte mit „Profane Believers“, doch es sollte selbstverstädnlich nicht der letzte sein. „Wollt ihr mehr?“ – „Jaaa!“. „Wollt ihr wirklich meeehr??“ – „Jaaaaa!!!“. „Okay, mehr Wasser!“ verkündete Marcus und tat dem Publikum, was sicher etwas anderes erwartete, damit einen großen Gefallen. Gleiches galt natürlich für die Wall Of Death, die nun zu „Voice oft he voiceless“ folgen sollte. „Links bereit?“ – „Yeah!“. „Was ist mit rechts?“ – „Yeah!!“. „Wieso jubelt ihr, wenn ich rechts rufe?“ spaßte Marcus und setzte gleichzeitig ein Zeichen in die politische Richtung. Wer allerdings nicht bereit war, war die Band, denn die hatte bis auf das Mirko keinen Strom. Peinliche Panne, für welche sich Marcus ironisch beim Management bedankte, während die Fans die Zeit mit „Schlauch! Schlauch! Schlauch!“-Rufen überbrückte. Gemeint war der Feuerwehrschlauch, aus dem man mit einem C-Rohr immer wieder Wasser in die erhitzte Menge schoss. Für die meisten eine Wohltat! Marcus hatte derweil die Idee, einfach auf der Bühne nebenan zu spielen und rannte einfach schonmal rüber und winkte freundlichst herunter. Doch ehe die Massen ihm folgen konnten, war der Strom wieder da und auf der „on fire“-Stage konnte es nun weitergehen. Die Wall of Death klappte reibungslos und wurde kurze Zeit später noch um einen Crowd-Teppich ergänzt, zu dem man vor allem die Mädels aufrief. Es folgten weitere Stücke, bekannt von der frisch veröffentlichten Live-DVD, von welcher natürlich „Forlorn Skies“ nicht fehlen durfte. Hier rief Marcus auch nochmal zur Rücksicht auf, da er gerade jemanden mit völlig blutigem Gesicht gesehen habe und schon den Song stoppen wollte, bis er gesehen hat, dass die Sanitäter bereits einschritten. „Passt auf einander auf, wir brauchen euch doch noch die nächste 10 Jahre – und darüber hinaus!“ Schadlos setze man dann mit „The Diesease“ fort und widmete das abschließende „Black Tears“ allen Besuchern des Vainstreams. Als Entschädigung für die Warterei beim Stromausfall und damit als Zugabe fungierte noch „Murderers of all murderers“ – wiedereinmal mit einem riesigen Circle Pit um einen der Soundtürme – womit man DEVIL DRIVER locker den Schneid abkaufte!
(Alexander Vogt)

PARKWAY DRIVE

Bei ihrem letzten Auftritt auf dem Vainstream Rockfest (2007) noch auf einer kleinen abseitsgelegenen Bühne im Nachmittagsprogramm, fand man die Australier diesmal als vorletzte Band und Headliner der „Distortion Stage“ wieder – und das völlig zurecht. Begeisterungsstürme erhallten, als man das Bandbanner hochzog. Wobei „Banner“ eigentlich nicht so ganz hinkommt, eher war es ein mit PARKWAY DRIVE beschriftetes Handtuch, was ein wenig an den 2007er HEAVE SHALL BURN Auftritt an gleicher Stelle erinnerte, als man lediglich ein HSB-Shirt präsentieren konnte (das eigentliche Banner war damals bei der Show am Vorabend abgebrannt). Doch das Größe nicht alles ist, bewies das Quintett umgehend mit dem Opener „Boneyards“, zu dem gleichzeitig die ersten Pits starteten. Sänger Winston McCall shoutete und growlte in vollster Pracht, während seine Kollegen an den Instrumenten gnadenlos die Breakdown-Keule kreisen ließen. Nach einigen Sprüchen über den nahezu allseits vorhandenen Sonnenbrand schoss man mit „Gimme A D“ das Eröffnungsstück des Debütalbums raus, während die Violent Dancer vermehrt Anspruch auf Platz einforderten. Diesen nutzten man dann erfolgreich zu einem Circle Pit bei „Idols and Anchors“ gefolgt vom gemeinschaftlichen Sing-Along zum Clubhit „Carrion“. Während sich Winston mit den Zähnen eine Flasche mit Schraubverschluss öffnete, sprach die Menge das „Stirb Langsam“-Sample von „Guns for Show, Knives for a Pro“ nach, bis man gemeinschaftlich eintauchte in die Welt der unbeugsamen Breakdowns, die keine Metalcore-Band so perfekt aufbaut wie die Australier. „Smoke ‚Em If Ya Got ‚Em“ und „Dead Man’s Chest“ wurden kredenzt, ehe man sich erkundigte, wie das allgemeine befinden ist: „Are you tired? I don’t care!!“, provozierte der gute Winston die ohnehin schon tobende Meute zu weiteren Steigerung, wozu der „Siren’s Song“ besten Anlass gab. Zur Abkühlung rieselte wieder das Wasser aus dem Schlauch hernieder, worauf Winston trocken meinte „Regen und Sonne zur gleichen Zeit, wo gibt es sowas schon?“ Den Abschluss bildete selbstverständlich der Überhit „Romance is dead“, bei dem die Band nochmal alles gab und Gitarrist Jeff Ling weiterhin Moonwalks vollführte. „So cry me a fucking river Bitch!“
(Alexander Vogt)

DIMMU BORGIR

Zum Höhepunkt des Festivals sollte es nun also episch und schaurig werden. Mit den norwegischen Black Metalern hatte wohl für das Vainstream Rockfest niemand so wirklich gerechnet. Dementsprechend wenig Publikum war zumindest auf den ersten Blick auszumachen, dafür aber einige, die das Gelände bereits an dieser Stelle schon verließen. Ihnen entging eine wirklich gute Show, die ihren Anfang schon mit einem herrlich apokalyptischen Intro nahm. Lodernde Fackeln waren aufgestellt, die Lichtshow einem Alptraum entsprungen und nach einer Pyro-Exolosion betraten das schwarz-weiße, mit Nieten gespickte Sextett die Bühne. Stian Tomt Thoresens (alias „Shagrath“) Stimme ertönte und schnitt sich gleich wie eine Kreissäge den Weg in die Gehörgänge der Anwesenden. Unter jenen befanden sich auch einige von der Bühne bekannte Gesichter wie etwa Andre Moraweck (MAROON), Marcus Bischoff, Matthias Voigt und Maik Weichert (HEAVEN SHALL BURN) und Alex Erian (DESPISED ICON), die sich die lupenrein inszenierte Show nicht entgehen lassen wollten. Ein wenig ehrfürchtig blickten das verbliebende Publikum in Richtung Bühne, von der die Norweger mit Brechern wie „Puritania” oder “The Chosen Legacy“ einher metzelten. Dabei gingen sie mit unheimlicher Präzision vor und offenbarten keinerlei Schwächen, abgesehen vom ziemlich leiernden Cleangesang. Keyboarder Øyvind „Mustis“ Mustaparta (wie auch immer man seinen Vornamen aussprechen mag) sorgte für ordentlich Gänsehaut, die jedesmal in ein erschrockenen Schrei seitens des Publikums nach einer der zahlreichen Pyro-Explosionen mündete. Mastermind Shagrath hatte seine Leute wie auch das Publikum fest im Griff und fesselte mit seiner fiesen Stimme an das epische Songwriting. DIMMU BORGIR zogen ihr Programm vollends beeindruckend durch: keine Break- oder Beatdowns, keine Wall Of Deaths, keine Violent Dancer – einfach eine Wahnsinns Show, die selbst mir als nicht so wirklich Black Metal-Fan doch sehr gut gefallen und positiv überrascht hat. Ein weiteres Wagnis, das man von Seiten der Veranstalter einging, doch wenn man so einen Act wie die Norweger bekomme kann – wer würde da nein sagen? Es folgten noch weitere Reißer wie „The Serpentine Offering”, “Added Kings of The Carnival Creation” und “Progenies of the Great Apocalypse”, die das Vainstream Rockfest 2009 ungewohnt, aber dennoch begeisternd beendete.
(Alexander Vogt)

Das vierte mal Vainstream Rockfest, das erste mal zweitägig – es war aus meiner Sicht ein voller Erfolg! Ein ausgezeichnetes Billing lockte an den beiden Tagen jeweils 8000 Besucher nach Münster, und eigentlichsollte keiner von ihnen etwas zu meckern haben. Das Konzept mit den beiden Bühnen, auf denen abwechselnd gespielt wurde, ging auf, der Zeitplan wurde weitestgehend eingehalten. Sonnenschein ist immer Glück für ein Festival, Hitze dagegen schonmal ein kleines Problem. Doch durch die Security an der Bühne, die immer mal wieder mit Schläuchen abkühlte und auch ansonsten einen super Job machte, war bestmöglich für eine Sommerparty gesorgt, die es dann auch geworden ist. 2,50 € für eine Wertmarke, mit der man sich vielleicht nur mal ein Wasser holen wollte, sind zwar schon etwas zu viel des Guten, dafür war der Preis der Karte mit 60 € für beide Tage bei dem Programm schon sehr fair. Jahr für Jahr präsentiert sich das Vainstream besser, so dass man schon gespannt auf die nächste Ausgabe sein darf und was man sich dann wieder für Sachen einfallen lässt. Ein Tipp wäre da vielleicht, sich etwas mit den Soundtürmen zu überlegen. Denn man hatte vor den Bühnen zwar von der Breite her ausreichend Platz, nach hinten raus verdeckten einem die Dinger aber die Sicht, wenn man mal nicht mitten in einem Pit stehen wollte. Wenn es aber mit den Verbesserungen so weiter geht, wie es bisher, mache ich mir da keine Sorgen. Dann hat das Vainstream auch sicher keine Probleme damit, sich über Jahre zu etablieren. Bis nächstes Jahr!

Copyright Fotos: Dani Vorndran

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