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VAINSTREAM ROCKFEST 2016

Ort: Münster - Am Hawerkamp

Datum: 02.07.2016

Dass nun endlich Sommer in Deutschland sein soll, glaube ich nicht so recht. Dass Münster sich am 02.07.2016 in eine Hochburg für Punk-, Metal- und Hardcore Fans verwandelt hat, erkannte ich schon auf dem Weg zum Festival: da kamen die Menschen in Hoodies, Shorts, Basecaps, Bandshirts, übersät mit Tattoos und Mädels mit bunten Haaren plus Autoschlangen stauten sich vor den Parkhäusern. Auch dieses Jahr war das Rockfest zurecht erneut ausverkauft, so quoll das Line-Up mit 30 Bands über, wenn man die Opening Party im Skaters Palace mit TAMAS, ANY GIVEN DAY (anstelle von VITJA) und BURY TOMORROW mitzählte.

So viele Bands wollten ohne große Überschneidungen untergebracht werden – somit gab es vier Bühnen und bereits um 9.45 eröffneten ANY GIVEN DAY auf der EMP Stage mit einem Dank an die zahlreichen Anwesenden, die ihre Frühstückszeit lieber gemeinsam mit der Band verbrachten. Das Festival war bereits erstaunlich gut besucht und so wurde der Morgen mit „Endurance“, „Home Is Where The Heart Is“ und dem ersten Circle Pit begrüßt. Es sollten noch etliche weitere Circle Pits am heutigen Tag folgen, welche neben Schuhen, Handys, Portemonnaies auch Jacken nach vorne spülten und dank der Security wiedergefunden wurden. Einige „Walls Of Death“ standen unter dem Zeichen der EM und wurde von isländischen Huh-Chören begleitet.

Bei AUGUST BURNS RED wurde die selbige dagegen mit den Worten „God Bless you“ angekündigt. Die Band startete nach dem Intro ihr Set mit „Martyr“ und schon ging zum Hardcore die Mikrofonakrobatik von Jake los. Das Bisschen an Sonne knallte auf die Bühne und trieb dem Sänger den Schweiß auf die Stirn. Im Publikum sah man am Laufe des Tages mehr und mehr rote Stiernacken, Oberarme und Gesichter. Nicht nur die Sonne haute ab und an rein, auch die Crowdsurfer waren bereits bei AUGUST BURNS RED Song „Composure“ gut unterwegs, Mädchen in den ersten Reihen duckten sich und die Security gab Anweisungen und fischte die Hardcore Surfer raus.

OUR LAST NIGHT und THE AMITY AFFLICTION zogen nun hauptsächlich Mädels in die ersten Reihen, auch wenn OUR LAST NIGHT zu „Destroyer“ einige härtere Parts hatte, so lud der Cleangesang eher zum Mitsingen ein und zu „Sunrise“ kam passenderweise dann doch endlich die Sonne raus. Gab es bei OUR LAST NIGHT keine Crowdsurfer, so forderten BURY TOMORROW beim zweiten Song zum Massencrowdsurfen auf und warnte die Security und die Fotografen vor.

Härter und straighter ging es auch bei DEEZ NUTS im Anschluss mit dem Song „Shot After Shot“ zur Sache. Vor der Bühne war es um kurz vor 12 Uhr so voll, wie es sonst erst um 16 Uhr der Fall ist… kein Wunder, so gab es u.a. neben den DEEZ NUTS und LIONHEART etliche weitere Bands vom Feinsten.

Das „Ausverkauft“ bekam man im Laufe des Tages mehr und mehr zu spüren, so musste man sich, um von einer der Haut- zu den Nebenbühnen zu kommen, regelrecht durchquetschen. Der Weg durch diverse Nadelöre lohnte sich, denn so eröffneten WOLF DOWN die Green Hell Bühne in der Sputnikhalle und ein weiteres Highlight war mit Sicherheit die Hardcore Formation BEARTOOTH, bei der der Einlass wegen Überfüllung zeitweise geschlossen werden musste. Auch MANTAR heizten mit ihrem Punk der kleinen Halle ein. Dort klang das Festival mit THE CASUALITIES übrigens um 01:00 aus.

Autogrammjäger kamen beim Vainstream auch auf ihre Kosten, wenngleich die Autogrammstunde von THE AMITY AFFLICTION gestrichen wurde. Die Bands hatten kurze knackige 30 Minuten Zeit, um ihre Fans abzuarbeiten, da blieb nur eine „schnelle“ Unterschrift. Als erstes wurde die Autogrammsession von STICK TO YOUR GUNS bestritten. Es folgten noch OUR LAST NIGHT, DEEZ NUTS, FRANK TURNER im Sonnenschein, HEAVEN SHALL BURN im Regen sowie ANTI-FLAG. Daniel Winter Bates von BURY TOMORROW humpelte verletzungsbedingt durch das Publikum und stand für Selfies, Autogramme und Smalltalk zur Verfügung. Gegen Abend entdeckte man dann noch zwischen den Zuschauern Gitarrist Actionhorn (Bernhard Horn) von CALLEJON und Marc Görtz (CALIBAN), der sich den Auftritt von K.I.Z. ansah.

Aber auch die ThrowdownäStage am Rande der Bierzelte hatte mit FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES einen weiteren Publikumsmagneten zu bieten. FRANK CARTER ballerte im coolen Anzug den Fans seinen Punk um die Ohren und die legten einen großen Circle Pit hin. Mit H20 war eine weitere fette Band auf der kleinen Bühne am Start, die die Besucher weg von den Mainstages und den zahlreichen Fressgelegenheiten lockte. Die Auswahl an Essen war reichlich dank der interessanten Foodtrucks und Festivalklassikern wie Crêpes, Brezeln, Rostbratwurst, Döner und Chinapfanne. Zusätzlich gab es neben Merch-Ständen auch Kleidung zu kaufen oder man konnte sich bei Peta, Hardcore Help und Sea Shepard informieren.

Abwechslungsreich zeigte sich auch das Wetter mit Wolken und einer frischen Brise bis hin zu Wärmeattacken durch die Sonne. So hieß es Jacke aus, Jacke an und kurz stimmte einen das Festivalwetter milde. Doch dann kam zu FRANK TURNER in kürzester Zeit gefühlt 100 l/qm Regen runter, der mit den ersten Takten zu „I Still Believe“ schwächer wurde. Vor der EMP Stage feierten die Fans zu der Musik von FT, der Bereich vor der Lonsdale Stage war dagegen leergefegt. Nur der Boden war übersät mit Plastikbechern und Regenpfützen. Als der Regen endlich vorbei war wärmten sich die Besucher an der Restsonne, die jedoch hinter der Mainstage viel zu schnell unterging.

Die Lonsdale Stage wurde von BEING AS AN OCEAN eröffnet und bereits zum zweiten Song begab sich Shouter Joel ausgiebig an das Publikum und besuchte sogar die wartenden Fans vor der anderen Bühne. Neben „Dissolve“ spielten BEING AS AN OCEAN „L’exquisite Douleur“ und natürlich ließ es sich Joel nicht nehmen, zum Ende des Auftritts durch das Publikum zu schreiten.

Mit ANTI-FLAG gab es nun puren, rotzigen, politischen Punk und ein Meer von Mittelfingern zu „Fuck Police Brutality“. Der erste Circle Pit folgte umgehend zu „Turncoat“ und lauthals wurde zu „All Of The Poison, All Of The Pain“ mitgesungen. Währenddessen kühlte die Security mit Wasserschlauch den tanzenden, pogenden Punkmosh. Die Mitsinghymne des Festivals war das Cover „Should I Stay Or Should I Go“. Zu „Die For The Government“ begaben sich Chris #2 und Pat mit einem kleinen Drumset direkt ins Publikum! Die Powershow der Amerikaner endete mit „Power Of The Peaceful“.

Zurück zur EMP Stage: Dort waren nun STICK TO YOUR GUNS an der Reihe und mit gemeinsamen Hey-Chören ging es mit „Bringing You Down“ los. Zu „Empty Heads“ antworten die Fans auf „Fuck the world“ mit einem lauten „Fuck you“ und weiter ging der Abriss zu „Such Pain“. Bei „I Choose Nothing“ gab es von dem Sänger Dave (WOLF DOWN) gesangliche Unterstützung und mit „Against Them All“ endete der Gig ohne die geforderte Zugabe, denn die Digitaluhr auf der Bühne war unerbittlich zu den Fans.

Ruckzuck wechselte die Masse zur zweiten Mainstage, denn nun waren CALIBAN am Start und legten mit „Memorial“ los. Nach „Walk Alone“ gab es von den Fans „unaufgefordert per Facebook“ ein Geburtstagslied für Andreas. Dafür gab es vom neuem Album „Gravity“ den Song „Paralyzed“ und zu „We Are The Many“ nahm Andy ein Bad in der Menge.

Weiter ging es mit BOYSETSFIRE, die die Massen mit ihrem Post-Hardcore begeisterten. Da Nathan aus Gesundheitsgründen die Growlparts nicht übernehmen konnte, holte er sich zu „Let It Bleed“ die Unterstützung von Benny (NEAERA) und bei „ After The Eulogy“ half Sänger Shane von SILVERSTEIN aus. Die zuvor auch aufgetreten waren und die Fans mit „My Heroine“ begeistert hatten. BOYSETSFIRE packten zu „Walk Astray“ die Akustikgitarre aus und das Publikum sang lauthals mit, wie auch zu dem Song „Empire“. Mit „Rookie“ endete der Auftritt der sympathischen Band aus Newark.

Neben CHRISTIAN STEIFFEN, dem „Bernsteinzimmer der guten Musik“, war auch der Auftritt von K.I.Z. ein musikalischer Ausreißer. Doch wieder einmal weit gefehlt! Auch die Regenwolke, die erneut das Festival streifte, konnte die Fans nicht davon abhalten zu „Urlaub fürs Gehirn“ mitzusingen und zu bouncen. Ja, die Berliner haben erneut Vainstream- Tauglichkeit bewiesen. Zu „Geld“ ließen K.I.Z. auf die Menge Geldscheine mit dem Konterfei der Bandmitglieder regnen. Fans kaufen? Das hatten die Berliner nicht nötig, so zeigten sich die Leute textsicher und legten ein perfektes Armbouncing und Jumping hin.

Die Party rollte weiter zu „Hurensohn“ und endete auch nicht mit dem letzten Song „Hurra die Welt geht untern“, sondern nun wurde zu FLOGGING MOLLY beschwingt und tanzfreudig auf der Lonsdale Stage zu „Paddy’s Lament“ weitergefeiert. Das Banjo zu „Drunken Lullabies“ gab den Hüpftakt vor. Zu dem neuen Song „The Hand Of John L. Sullivan“ half das Publikum mit helfenden Händen aus und klatschte im Takt. Von Beginn bis zum Ende war Gute-Laune-Pub-Party-Stimmung zu der letzten Show von FLOGGING MOLLY in diesem Jahr angesagt. Die Band zieht sich danach zurück, um ein neues Album zu produzieren.

Nicht nur FLOGGING MOLLY, auch Headliner HEAVEN SHALL BURN mussten gegen die EM antreten und um 21 Uhr herrschte in der Happy Area drangvolle Enge. Noch einmal gab es für das Festival mit HSB die volle Breitseite Metalcore. So legte die Band gleich zu Beginn bei „Hunters Will Be Hunted“ mit Feuerfontänen und Konfettischlangen los. Dazu gab es ein fettes Gitarrengebretter und Headbanging. Hinzu kam eine gewaltige Lichtshow. Die Combo aus dem Osten der Republik hatte nicht nur fette Songs wie „Voice Of The Voicelsess“ und „Behind A Wall Of Silence“ am Start. Zu „Combat“ und „Godiva“ schaffte es Marcus, die Fans zu La Ola-Wellen zu bewegen und den Zwischenspielstand abzufragen. Mit „Of No Avail“ und einem Dank an die Fans für den tollen Tag für die Ossis im Westen endete der Gig leider ohne Zugabe, dafür aber mit der Ankündigung, dass im Herbst ein neues Album erscheinen wird.

Wer jetzt noch Energie übrig hatte, konnte das Vainstream Rockfest in der Sputnikhalle ausklingen lassen.

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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