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VNV NATION

Ort: Hannover – Capitol

Datum: 10.01.2014

Nachdem ich krankheitsbedingt leider nicht beim November-Gig in Bielefeld dabei sein konnte, machte ich mich an diesem Freitagabend auf nach Hannover, um mich selbst von der Live-Tauglichkeit der neuen VNV-NATION-Songs zu überzeugen. Ronan Harris und Mark Jackson waren ja wieder fleißig und haben im vergangenen Oktober ihr neuntes Studioalbum „Transnational“ rausgebracht, das es wie der 2011er Vorgänger „Automatic“ bis in die Top Ten geschafft hat. Das Interesse ist also nach wie vor groß an der Musik des irisch-englischen Future-Pop-Duos und entsprechend lang war auch die Schlange vor dem Capitol, das sich am Ende sehr gut gefüllt zeigte und von feierfreudigen Schwarzkitteln jeden Alters bevölkert war.

Auf einen Support hatten die Herrschaften, die auf der Stage von André Winter (im Übrigen auch mit der VNV-Produktion befasst) und Lennart A. Salomon (den man ebenfalls als Fronter von SONO kennt) an den Tasten komplettiert wurden, verzichtet und gingen stattdessen um 21.20 Uhr mit ihrem Opener „Retaliate“ vom aktuellen Silberling gleich einmal in die Vollen. Währenddessen wurde an Marks Elektro-Schießbude schnell noch ein Union Jack befestigt, der auf der Rückseite sogar die irischen Farben präsentierte – da hatte es offensichtlich ein Fan gut gemeint mit dem Hünen am Rhythmusgerät, denn üblicherweise drapiert Ronan am Bühnenrand seine irischen und Hamburger Wimpeln, um auf Herkunft und Wohnort hinzuweisen. Wie auch immer – der menschliche Flummi Harris hatte sein Publikum vom ersten Moment an im Griff und so wurde das folgende „Sentinel“ mit seinem knackigen Auftrommeln ebenso heftig beklatscht wie das Highlight „Chrome“ mit eingebauter Bewegungsgarantie. Im Hintergrund flimmerten auf der LED-Wand diverse Videoeinspieler und Farbflächen, während „Primary“ eingängiges Elektro-Frischfutter lieferte und „Illusion“ zwischendurch Zeit zum Durchatmen gab. Wobei es vom Chef im Ring hier auch gleich die Aufforderung zum Mitsingen gab, da der Song andernfalls nur halb so schön sei. Das ließen sich die Hannoveraner nicht zweimal sagen und in den ersten Reihen wurden zudem noch bunte Leuchtstäbe geschwungen, bevor „Everything“ wieder Fahrt aufnahm und Ronan sich über die Textsicherheit der Anwesenden freute. Mit „Space & Time“stand der nächste – noch junge – Klassiker der VNV-Diskografie auf der Setlist, der ebenso wie das treibende „Tomorrow Never Comes“ abgefeiert wurde. Nach diesem Stomper vom „Of Faith, Power and Glory“-Longplayer aus 2009 folgte mit „Standing” (2000 auf „Empires” veröffentlicht) der nächste Höhepunkt, für den die Bühne in magentafarbenes Licht getaucht wurde. „Holding On“ („Futureperfect“ – 2002) ließ es im Anschluss ein wenig ruhiger angehen, damit „Off Sreen“ temporeich serviert werden konnte. Auch „The Farthest Star“ (vom 2007er „Judgement“ ging wie „Resolution“, mit dem das reguläre Set endete, umgehend ins Bein.

Nach dem kurzen Break stand „Further“ in einer gefühlvollen Piano-Version auf dem Programm. Ronan bat das Auditorium in diesem Zusammenhang für ein paar Minuten um Ruhe natürlich war es ihm erneut nicht vergönnt, die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu erhalten. Was ist so schwierig daran, einfach mal die Klappe zu halten? Insbesondere, wenn der Künstler ausdrücklich darum bittet? Wenn ich quatschen möchte, muss ich doch nicht EUR 35,00 für eine Konzertkarte zahlen und stell’ mich dann auch noch nach ganz vorn?! Mit Recht war der Sänger ein wenig missgestimmt und machte seinem Unmut auch Luft. Leider werden es die Leute, die es anging wohl nicht gehört haben. Die waren ja mit ihrem Nebenmann beschäftigt… Da das VNV-NATION-Publikum offensichtlich lieber tanzt als mal still zuzuhören, durfte zu „Epicentre“ und „Control“ dann auch wieder dem allgemeinen Bewegungsdrang nachgegeben werden, bevor der Vierer anschließend erneut von der Bühne ging.

Die Musiker ließen sich zunächst auch ein wenig bitten, doch letztlich lockten die zahllosen VNV-Rufe das Quartett doch wieder zurück ins Rampenlicht, wo sich auch Mark Jackson in die erste Reihe traute und von den Anwesenden sogleich ordentlich gefeiert wurde. Mit dem eindringlichen „Nova (Shine A Light On Me)“ hatten die Elektroniker auch noch eine wahre Hymne im Gepäck, die vor und auf der Stage für überbordende Emotionen sorgte. „If I Was“ setzte schwungvoll nach und für das große Finale skandierten die erfahrenen Fans schon einmal die markante Melodie, die zum Smasher „Perpetual“ vom 2005er „Matter + Form“ gehört. Mit diesem ausgiebig zelebrierten Track gingen alle Beteiligten auf der Zielgerade noch mal richtig steil und es sollte auch noch ein paar zusätzliche Minuten nach dem Verklingen der Musik dauern, bis die Band am Ende um 23.20 Uhr unter tosendem Beifall entlassen wurde.

VNV NATION sind einfach eine sichere Bank für ein großartiges Konzert. Ronan Harris und Mark Jackson sind seit mehr als zwei Jahrzehnten im Geschäft und haben in dieser Zeit nicht nur einen Haufen Hits abgeliefert. Nein, sie wissen sie auch immer wieder mitreißend live umzusetzen. Mr. Harris hatte in dem ehemaligen Kino im ziemlich abgerockten Ihme-Zentrum abgefragt, wer denn zum ersten Mal auf einem VNV-Konzert war und es hoben sich nur wenige Arme. Wer die hochenergetische Truppe mal live erlebt hat, wird einfach zum Wiederholungstäter und auch ich werde mit Sicherheit bei nächster Gelegenheit wieder zuschlagen.

Setlist
Retaliate
Sentinel
Chrome
Primary
Illusion
Everything
Space & Time
Tomorrow Never Comes
Standing
Holding On
Off Screen
The Farthest Star
Resolution

Further (Piano Version)
Epicentre
Control

Nova
If I Was
Perpetual

Copyright Fotos: Holger Bücker

1 Kommentar

  1. Fafnir sagt:

    Oh ja, der Chef war mächtig angepisst… das hat man noch ein/zwei Songs deutlich gemerkt…

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