Ort: Hallstadt - Vamos
Datum: 29.11.2025
Nachdem VNV NATION schon im Frühjahr monatelang auf großer Construct // Destruct -Tour waren, dürfen sich die Fans in diesem Jahr auch wieder über einige Weihnachtskonzerte von Mastermind Ronan Harris und Begleitung freuen. Den Anfang machte der Ire mit Wohnsitz in Hamburg im beschaulichen Frankenland, konkret in Hallstadt bei Bamberg. Möglich, dass die Stimmung auf dem Mediaval Festival im rund 100 km entfernten Selb den liebenswerten Musiker bewogen hat, erstmals hier für einen Gig Halt zu machen. Zumindest hat er sich während des Konzertes lobend über die besondere Stimmung bei dem immer im September stattfindenden Festival geäußert, bei dessen diesjähriger Ausgabe auch VNV NATION vertreten waren. Anders als die übrigen Termine der Weihnachtskonzerte war der Auftakt im Vamos nicht ausverkauft; es waren jedoch nur noch wenige Restkarten, die noch an der Abendkasse zu haben waren und entsprechend hätte die örtliche Crew auch auf den Ansturm der schwarzen Gemeinde vorbereitet sein müssen, doch leider dauerte der Einlass der rund 650 Gäste extrem lange, sodass sich auch der Konzertbeginn um knapp eine halbe Stunde auf 21.25 Uhr verschob.
Aber immerhin nimmt Ronan auf solche Umstände Rücksicht und auch sonst zeigte sich 58-jährige wieder von seiner besten Seite: immer seinem Auditorium zugewandt und sichtlich angetan von der Begeisterung der Crowd. Den Hinweis, die Handys doch wegzupacken und das Leben nicht vermittels eines Bildschirms, sondern unmittelbar zu erleben, gab es natürlich auch an diesem Abend, genauso wie einen Haufen Hits aus der VNV-NATION-Discografie, mit denen die Anwesenden auch ihre Textsicherheit unter Beweis stellen konnten. Die Menschen auf dem oberen Rang und der Treppe brauchten zwar ein wenig mehr Ansprache von Mr. Harris, um aus sich rauszukommen, doch am Ende hatte der Mann seine Fans einmal mehr voll im Griff. Dabei half natürlich ganz entscheidend der großartige Future Pop, den VNV NATION über fast 2 ½ Stunden servierten. Los ging’s mit „Sunflare“ vom 2023er „Electric Sun“, ehe mit „Space + Time“ (2011 auf „Automatic“ erschienen) ein erster Kracher auf dem Programm stand. „Chrome“ („Matter + Form“ aus 2005) schloss sich in gleicher Weise an und auch zu „The Farthest Star“ (2007 auf „Judgement“ veröffentlicht) konnte hervorragend getanzt werden. Das hymnische „Legion“ vom 1999er „Empires“ wurde als Song für die alten Fans angekündigt. Doch sogleich verbesserte Ronan sich und erklärte, dass er meinte, es sei ein Song für die Fans der alten Lieder. Aber sind wir mal ehrlich: VNV NATION gibt es seit 1990 und zwar werden nicht alle Anwesenden Fans der ersten Stunde sein, aber das Durchschnittsalter war mit Sicherheit deutlich näher an der 40 als an der 30 – ein Umstand, der auf Gigs innerhalb der schwarzen Szene jedoch nicht unüblich ist. Für diese Art von Musik muss man wohl erst reif genug sein oder es handelt sich um eine Anhängerschaft, die auch noch im „hohen Alter“ Bock auf Live-Mucke hat. Auf jeden Fall konnte die Crowd zum industriellen „Honour“ vom 1998er „Praise The Fallen“ ganz hervorragend abgehen und auch das brandneue „Silence Speaks“ vom aktuellen „Construct“ zeigte, dass VNV NATION immer noch für absolute Tanzbarkeit mit jeder Menge Biss stehen. Dank „Control“ verwandelte sich das Vamos alsbald in einen Hexenkessel und Ronan durfte sich über ein Bier aus dem Publikum freuen, das er brüderlich mit seiner Bühnenmannschaft teilte. Das sphärische „Carbon“ hat Mr. Harris über die Dummheit der Menschen geschrieben und leider verliert diese eindringliche Nummer vom 2002er „Futureperfect“ auch einfach nicht an Relevanz. „Homeward“ und „Gratitude“ gingen derweil erneut auf die Hüften, bevor Drummer Jannik mit dem Kopfschmuck bedacht wurde, den zuvor irgendjemand auf die Bühne geworfen hatte. Es war ja schließlich ein Weihnachtskonzert und so sah man nicht nur die üblichen Schwarzkittel, sondern vereinzelt auch Weihnachtspullis, Nikolausmützen und allerlei blinkendes Geschmeide. In Janniks Fall war es ein bunt beleuchtetes Elchgeweih, das allerdings schon nach ein paar Liedern seinen Geist aufgegeben hat. Zuvor hatte die Menge das großartige „When Is The Future?“ („Noire“ – 2018) abgefeiert und war selbstverständlich beim nachfolgenden „Close To Heaven“ der Aufforderung zum Klatschen nachgekommen. Eindeutig liebt nicht nur sein Schöpfer – wie er uns wissen ließ – dieses noch neue, hochenergetische Lied. Weiter ging’s mit dem temperamentvollen „Resolution“, bei dem die Stage in lilafarbenem Licht erstrahlte und hunderte Arme geschwenkt wurden. Gleiches galt auch für „Perpetual“, das seit mehr als zehn Jahren auf keiner Setlist fehlen darf und lautstark mitgesungen wurde. Schließlich gibt es auch keinen anderen VNV-NATION-Track, den man so gut mitgrölen kann! Apropos Setlist: das emotionale „Armour“ stand in den letzten fünf Jahren auf keiner, kam aber bei den Franken bestens an. Im Anschluss durfte zum rhythmusbetonten „The Game“ abermals getanzt werden. Währenddessen war Ronan aufgefallen, dass in der ersten Reihe jemand mit einem „VNV-T-Shirt-Plagiat“ stand. Flugs wurde die Größe überprüft und das korrekte Shirt bei Basti am Merch geordert, der das gewünschte Kleidungsstück auch sofort zur Bühne brachte. Auch zwei Autogrammwünsche wurden „im laufenden Betrieb“ erfüllt, dieser Auftritt wird nicht nur den beiden so bedachten Damen in guter Erinnerung bleiben, denn mit „Only Satellites“ und „Prophet“ wurden noch zwei Dancefloor-Filler vom Feinsten performt. Beim letztgenannten Stück rückten Janniks Drumkit und Grygorys Tasten-Ensemble in den Fokus, denn die Instrumente waren nicht nur mit Lichterketten geschmückt, sondern wurden an dieser Stelle auch von hinten mit blau leuchtenden Spots angestrahlt. Es wurde gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr und ehe man sich versah, war das reguläre Set auch schon Geschichte und der Dreier verließ um 23.20 Uhr die Stage. Die Wiederholungstäter im Auditorium wussten natürlich, dass noch lange nicht Schluss war und schon wurden auch zwei Toms am rechten Bühnenrand platziert. Die brauchte es freilich erst ganz zum Schluss, denn als die Band wenig später wieder ihre Plätze einnahm, waren dank „Illusion“ erst einmal große Emotionen am Start, die hier und da sogar zu Tränen rührten. Nicht minder gefühlvoll schloss sich „Nova“ an. Es wurde nochmals lauthals mitgesungen, bevor die Trommeln beim abschließenden „All Our Sins“ ihren Einsatz hatten. VNV NATION lieferten ein furioses Finale, bei dem Ronan einmal nicht unermüdlich über die Bühne fegte, sondern relativ starr (und vielleicht auch ein bisschen ergriffen) am Mikroständer verharrte. Inzwischen war es 23.45 Uhr und VNV NATION verabschiedeten sich endgültig von den Fans, die jedoch noch zur Konservenmusik weiterfeiern konnten.
Vor mir lagen aber noch 400 km Heimweg und so habe ich mich nach zwei Tagen in Bamberg von der wirklich schönen Stadt verabschiedet und im Auto meiner persönliche VNV-NATION-Tracklist gefrönt. Es gab selbstverständlich etliche Überschneidungen mit der Setlist, aber live kommen die Songs einfach immer noch besser rüber, wofür dem sympathischen Ronan Harris ein ganz besonderer Dank gebührt. Aber auch Jannik und vor allem Grygory waren mit vollem Einsatz bei der Sache. Es war mir wieder einmal ein Fest, schönen kann Weihnachten auch nicht werden!
Setlist (ohne Gewähr)
- Sunflare
- Space + Time
- Chrome
- The Farthest Star
- Legion
- Honour
- Silence Speaks
- Control
- Carbon
- Homeward
- Gratitude
- When Is The Future?
- Close To Heaven
- Resolution
- Perpetual
- Armour
- The Game
- Only Satellites
- Prophet
- Illusion
- Nova
- All Our Sins
Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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