Konzert Filter

VNV NATION

Ort: Bremen

Datum: 06.02.2016

Eigentlich hätte dieses Konzert ja schon am 19.12.2015 stattfinden sollen, doch Ronan Harris hatte aufgrund einer Kehlkopfentzündung seine Stimme verloren und der Gig musste verlegt werden. Sieben Wochen später war es dann aber so weit und die schwarze Future-Pop-Gemeinde strömte in Scharen an die Weser, um gemeinsam mit dem sympathischen VNV-Fronter und dem Drummer Mark Jackson (sowie zwei weiteren Herrschaften an den Tasten und Reglern) einen dreistündigen Ritt durch die 20 Jahre umfassende VNV-NATION-Diskografie zu unternehmen. Die Compendium-Tour bot dazu eine wunderbare Gelegenheit, die dem Pier 2 ein volles Haus verschaffte und den Fans einen großartigen Samstagabend.

Da noch eine lange Schlange am Einlass ausharrte, wurde der Start kurzerhand auf 20.25 Uhr verschoben, damit auch wirklich alle in den Genuss der kompletten Show kamen, die mit einem Vorwort begann und mit dem ersten Song „Space & Time“ vom 2011er „Automatic“ kraftvolle Melodien offerierte. Nicht minder knackig übernahm „Tomorrow Never Comes“, das 2009 auf „Of Faith, Power And Glory“ erschienen ist, ehe „Darkangel” („Empires” aus 1999) zum Mitsingen animierte. Treibende Sounds zeichneten währenddessen „Nemesis“ vom 2007er „Judgement“ aus, während „Carbon“ („Futureperfect“ – 2002) leisere Töne anschlug, die von wummernden Bässen und grünen Nebelschwaden begleitet wurden. Nach diesem Ausflug in dramatische Gefilde durfte zu „Epicentre“ erneut getanzt werden. Lichtblitze zuckten durch das Industriegemäuer, das wenig später bei „Legion“ in magentafarbenes Licht getaucht wurde. Mit „Arena“, welches 2005 auf der Langrille „Matter + Form“ in die Läden kam, ging es zunächst ein wenig gemächlicher zur Sache, doch zwischenzeitlich nahm auch diese Nummer gern Fahrt auf, um bei „The Great Divide“ vollends in den Tanzmodus umzuschalten. Bevor es mit dem stampfenden „Control“ weitergehen konnte, machte Mr. Harris zunächst ein paar Fotos vom Auditorium, das wiederum während des gesamten Gigs mit Videosequenzen, die über die große Leinwand im Bühnenhintergrund flimmerten, verwöhnt wurde. Das emotionale „Illusion“ holte die Leute im Anschluss dann wieder runter und bot Gelegenheit zum Mitsingen, bevor es mit „Sentinel“ abermals ab durch die Mitte ging. Auch das blitzschnelle „Gratitude“ ging gehörig auf die Hüften und natürlich ließ es „Off Screen“ vom 2013er „Transnational“ nicht weniger heftig krachen. Währenddessen drängte „Testament“ unter zuckenden Lichtblitzen nach vorn. Eine stimmungsvolle Auswahl an Bildern bot daraufhin das brillante „Standing“, worauf zu „Homeward“ ebenso wie zu „Everything“ einmal mehr zum Tanze gebeten wurde. Mit dem „Farthest Star“ ging’s zum Ende der regulären Spielzeit nochmals richtig rund, dann war nach knapp Stunden zunächst ein kleiner Break angesagt.

VNV NATION ließen sich ein wenig bitten, ehe sie zu den relativ harten Klängen von „Frika“ (1995 auf dem Debüt „Advance And Follow“ veröffentlicht) die dritte Musikstunde einläuteten. Dank des nachfolgenden „Chrome“ gab’s schließlich kein Halten mehr und auch „Procession“ vom 1998er „Praise The Fallen“ gefiel mit Highspeed und krachenden Tonfolgen. Für einen kurzen Moment lag die Bühne ein letztes Mal im Dunkeln, bevor das grandiose „Nova“ für ein Meer aus Taschenlampen-Apps sorgte und über die Stage rote Nebelwände zogen. Eine besondere Überraschung gab’s beim sich anschließenden AOPOTYGMA-BERZERK-Cover „Kathy’s Song (Come Lie Next To Me)“, denn die Nummer wurde von Stephan Groth höchstpersönlich performt. Der Norweger hatte es sich nicht nehmen lassen, seinen Track selbst zum Besten zu geben und erntete für seine kleine Stippvisite natürlich donnernden Applaus und beste Unterstützung bei den mit dem Vortrag verbundenen Singspielchen. Auf der Zielgeraden ging es wirklich Schlag auf Schlag, denn „Beloved“ zählt sicherlich zu den VNV-Schwergewichten und „Resolution“ ist ganz sicher nicht nur Ronans „Gänsehaut-Song“. Entsprechend stand an dieser Stelle auch kein Fuß mehr still und wurde auch mit dem Beifall nicht gespart. Einen würdigen Abschluss bescherte selbstredend der Evergreen „Perpetuel“, der seit mehr als zehn Jahren zum festen Live-Bestandteil gehört. Mark verließ bei dieser Gelegenheit seinen Arbeitsplatz hinter der elektronischen Schießbude und auch die flankierenden Keyboarder traten an den Bühnenrand, um sich von den lauthals singenden Anwesenden feiern zu lassen.

Wie sagte Ronan Harris so schön: „Mann, hat das Spaß gemacht!“ – dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, denn an diesem rundum gelungenen Abend gab’s wirklich nichts zu meckern. Okay, hier und da hätte der Sound etwas besser abgestimmt sein können, aber hier jammere ich auf hohem Niveau. Zumal der Abend lange noch nicht zu Ende sein musste, denn nach einer Autogrammstunde agierten Ronan und Mark noch als DJs im Pier 2. Der Terrorverlag machte sich allerdings alsbald auf den Heimweg und freute sich über einen weiteren gelungenen Gig mit dem nimmermüden Ronan Harris, der nach zwei Wochen Stimmverlust sichtlich Bock hatte, für seine Fans zu singen und gewohnt energiegeladen über die Bühne tigerte.

Setlist
Intro
Space & Time
Tomorrow Never Comes
Darkangel
Nemesis
Carbon
Epicentre
Legion
Arena
Streamline
The Great Divide
Control
Illusion
Sentinel
Gratitude
Off Screen
Testament
Standing
Homeward
Everything
Farthest Star

Frika
Chrome
Procession

Nova
Kathy’s Song (Come Lie Next To Me) (APOPTYGMA-BERZERK-Cover mit Stephan Groth)
Beloved
Resolution
Perpetual

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu VNV NATION auf terrorverlag.com