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VNV NATION – DESTROID

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 01.02.2012

Festspielwochen für die ostwestfälischen Electro Fans – Nach PROJECT PITCHFORK im Herforder X hatten sich nur wenige Tage später die Obersympathen VNV NATION angekündigt, um den Ringlokschuppen mit ihren synthetischen Hymnen zu fluten. Ein seltener Besuch in Bielefeld, ergo zeigte sich die große Halle trotz eisiger Außentemperaturen gut gefüllt, ca. 1500 Schwarzkittel sorgten für ein angemessenes Ambiente. Nach der Begrüßung diverser anwesender Bekannter/ Terrorverleger konnte es auch schon mit dem Support Act losgehen, in unseren Breiten wahrlich kein Unbekannter.

Einer der beiden DESTROID-Masterminds ist bekanntermaßen Daniel Myer, DAS Bielefelder Electro-Urgestein schlechthin, wenngleich mittlerweile in Leipzig residierend. Der urige OWLer konnte an diesem Abend sicherlich einige alte Bekannte begrüßen, die ihn noch aus HAUJOBB-Zeiten kennen dürften. Für Jüngere: Er ist mittlerweile auch fest im Line Up von COVENANT. Bei DESTROID agiert er zusammen mit dem gebürtigen Chemnitzer Sebastian Ullmann, gemeinsam frönt man einem treibenden, relativ melodischen Electro, der in Teilen nicht so weit weg von VNV ist. Nach 2 in Kritikerkreisen recht erfolgreichen Alben ist die neueste Veröffentlichung die „Silent World“-EP aus dem Jahre 2010, von der neben dem Titeltrack auch ein sehr interessantes Cover dargeboten wurde. Wie schon tagsüber bei Facebook angekündigt (ein Hoch auf die modernen Kommunikationswege!) befand sich „Lucretia My Reflection“ von den ehrwürdigen SISTERS OF MERCY im Set, das von den Anwesenden auch sehr freundlich aufgenommen wurde. Ansonsten konnte der eher Genre-untypisch gekleidete Sänger die Massen schon ein wenig warm machen, die offensichtlich in Feierlaune waren, bühnentechnisch halt ein echter Profi, der weiß, welche Knöpfe er beim Publikum drücken muss. Sehr nett auch die vereinzelten Live-Drum-Einlagen. Stimmlich allerdings war das eine oder andere Defizit auszumachen, letzten Endes fiel das aber nicht ins Gewicht, vor allem wenn man so tolle Tracks wie den Rausschmeisser (mit „VNV-Break“) im Gepäck hat.

Wenige Minuten später war das alles nur Makulatur, per Countdown auf den rückseitigen Moodlights wurde die Einkehr der Electro-Heroen angekündigt, die dann auch unter großem Jubel die Bühne betraten. An den Keys rechts Andre Winter, links der gute Tom von [:SITD:] sowie natürlich der harte VNV-„Kern“: Mark Jackson an den E-Drums und Wuchtbrumme Ronan Harris als Rampensau. Der Ire war sofort voll da, rannte wie ein Berserker von links nach rechts und animierte die Anwesenden oftmals auch in Deutsch mit einem „niedlichen“ Akzent. Erst viel später „entschuldigte“ er sich dafür bei den Fans aus den angrenzenden Ländern. Für die „Automatic-Tour 2012“ hatte man ein extra langes Set angekündigt, und das sollte sich nicht (nur) auf die Ansagen des guten Ronan beziehen, der immer für ein Späßchen gut ist. Von Anfang an gingen die Massen steil, wurden immer wieder in Mitsing-Spielchen einbezogen und manchmal auch direkt adressiert, wenn im Publikum beispielsweise wild geknutscht wurde. Die Balance aus treibenden Hymnen, härteren Tracks wie beispielsweise „Control“ zum Abschluss des regulären Sets und tränentreibenden Pathos-Balladen (hier sei das wunderschöne/ tieftraurige „Illusion“ genannt) wurde perfekt gehalten. Mittlerweile gilt für VNV-Gigs: All Killer No Filler! Neben vielen Blödeleien war auch Zeit für ein paar ernstere Worte, wenn etwa das komplette Konzert einem leider verstorbenen Hardcore-Fan gewidmet wurde, auch hier funktionierte die Kommunikation von Devotees und Band perfekt. Das alles unterlegt von eher einfachen aber sehr effektiven Animationen im Hintergrund und der absolut dynamischen Performance von Herrn Jackson an seinen Fellen. Kein Wunder, dass das Auditorium vehement nach einer Zugabe verlangte, die natürlich gewährt wurde, auch wenn Ronans Stimme aus dem Off verkündete, dass er erst noch „aufs Klo“ müsse…

Es folgte eine kurze Einweisung in den Gemütszustand des Glatzkopfes: Wann ist ein Konzert „fucking great“? Wenn der „fat guy with lots of energy“ wie ein Berserker auf der Bühne umherstapft und „The Farthest Star“ intoniert. In diesem Sinne alles ok an diesem Abend in Bielefeld. Zur Krönung wurde ihm dann noch ein Bier aus den Zuschauerreihen gereicht, das er natürlich fürsorglich mit seinen Mitmusikern teilte, wobei sich Mark nicht ganz kollegial verhielt („these fucking drummers“ war die scherzhafte Replik). Musikalisch ging es bei der 2ten Verlängerung mit dem hochemotionalen „Nova“ weiter, bevor „Perpetual“ den endgültigen Stimmungshöhepunkt markierte. „Viel besser als youtube“ – der launige Kommentar des Dubliner Unikats. Und gerade als man dachte, das Pulver wäre endgültig verschossen, überraschte man mit der Ankündigung, einfach einen Song ein 2tes Mal zu präsentieren, die Wahl fiel auf „Resolution“, zu dessen Klängen wir den Weg in die arktische Kälte antraten. VNV NATION hatten ein überwältigendes und in Teilen hochemotionales Konzerterlebnis abgeliefert und den Beweis dafür angetreten, dass auch bei Electro-Konzerten Menschen für Stimmung sorgen und Maschinen nur Mittel zum Zweck sind…

Setlist VNV NATION (ohne Gewähr)
Intro
Chrome
Space & Time
Tomorrow Never Comes
Darkangel
Illusion
Standing
Streamline
Honour 2003
Nemesis
Holding On
Epicentre
Resolution
Control

The Farthest Star
The Great Divide

Nova
Perpetual

Resolution

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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