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VNV NATION – DIORAMA – SOMAN

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 18.04.2005

Schon lange hatten sich Ronan und Mark nicht mehr gigtechnisch im direkten Terror-Einzugsgebiet aufgehalten, da war es natürlich am heutigen Abend Pflicht in die Nachbarstadt Osnabrück zu reisen, zumal mit DIORAMA noch eine sehr angenehme Vorband zur Seite stehen sollte. Gespannt war ich auch auf die Location: Den Rosenhof kannte ich noch von früher, allerdings als gemütliches Kino. Irgendwann in grauer Vorzeit habe ich dort mal „Nightmare on Elm Street 4“ konsumiert, am heutigen Abend stand dann wohl eher kein Alptraum zu erwarten. Als wir gegen 19 30 Uhr eintrafen, ließen sich schon einige Schwarze vor dem Eingang blicken, ein Parkplatz war allerdings schwieriger aufzutreiben. Irgendwann ward aber auch das Problem gelöst und während ein Kollege sich zum Interview mit dem Wahlhamburger aufmachte, wurde ich von einem netten Ordner mit den räumlichen Gegebenheiten vertraut gemacht. Den Spruch am Einlass: „Wir haben einen Graben, aber da passt DU nicht rein“ hatte ich zwar zunächst persönlich genommen, nach Besichtigung musste ich aber zugeben, dass der junge Mann Recht hatte. Ansonsten ein durchaus schöner Laden, mit Discokugel, breiter Bühne, nach hinten aufsteigend und mit einem Fassungsvermögen von vielleicht 800 Zuschauern. 400 Elektrofans sorgten für einen sehr ordentlichen Rahmen, und da sich schon alle benötigen Gerätschaften auf der Bühne befanden, konnte es losgehen.

Als Opener fungierte eine Formation namens SOMAN bzw. ein durchtrainierter, glatzköpfiger Herr mit Sonnenbrille. Mmh, ich dachte Vin Diesel wäre gerade als „Babynator“ in unseren Lichtspielhäusern unterwegs, was springt er denn hier so eigenwillig herum? Als „Gig“ im eigentlichen Sinne kann man den Auftritt nicht bezeichnen, es handelte sich eher um eine Performance, die es zu vorgerückter Stunde auf Ibiza auch zu einigen Ehren bringen würde. Ein paar Tracks lang kam Rave-Feeling im Rosenhof auf und einige der Anwesenden nutzen die halbe Stunde, um ihre Körper einzutanzen oder die eigens mitgebrachten Leuchtstäbe einzuweihen. Mit „schwarzer“ Musik hatte die ganze Angelegenheit eher wenig zu tun, wo bei COMBICHRIST oder XOTOX durch Samples oder Härte ein gewisser Bezug hergestellt wird, würde SOMAN auch auf der Loveparade nicht als Fremdkörper wirken. Im Grunde habe ich nichts gegen Hardtrance, oder wie man so was genau nennt, aber so richtig aus den Latschen gehauen hat mich die ganze Angelegenheit nun auch nicht gerade. Nach einer halben Stunde verabschiedete sich das Kraftpaket, nur um dann später in anderer Funktion noch mal zurückzukehren. Doch nun stand erstmal eine Synthiekapelle von ganz anderer Lesart auf dem Programm.

Nachdem der coole junge Mann mit der bescheuerten Sonnenbrille endlich seine Drohung wahrgemacht und das letzte Stück aus dem Soundtrack zur Wurzelbehandlung ohne Betäubung zum Besten gegeben hatte, fing für mich persönlich der interessanteste Teil des Abends an. Als ich auf dem Pluswelt Festival in der Krefelder Kulturfabrik im November 2004 DIORAMA zum ersten Mal überhaupt live sah, fand ich es sehr schade, dass die Band nur acht Lieder spielen durfte. Die Atmosphäre an dem Abend war einmalig, die Bude gerammelt voll – da ausverkauft – und obwohl die Band um Mastermind Torben Wendt nur eine der vielen Support Acts war und relativ früh ran musste, ging das Publikum richtig mit. Von dem Auftritt als Vorgruppe von VNV NATION versprach ich mir vielleicht ein etwas längeres Set und vor allem einige Lieder aus dem hervorragenden neuen Album „Amaroid“. Eigentlich ist DIORAMA eine gute Wahl, um vor Ronan und Marc das Publikum anzuheizen. Genauer gesagt ist die Gruppe sogar ein kleines bisschen zu gut angesichts der Tatsache, dass Torben seine Gesangskünste nicht nur als Frontmann seiner eigenen Band, sondern auch mehr als einmal als Backing Vocalist und Keyboarder auf DIARY OF DREAMS Tourneen unter Beweis gestellt hat. Und Ronan Harris… na ja, ohne gleich gehässig zu wirken, den kleinen, äußerst sympathischen Iren habe ich mehrmals relativ unsauber singend erleben dürfen, was bei der Art musikalischer Live Darbietung auch nicht sonderlich stört. Das meine ich wirklich ernst und nicht etwa zynisch. Man nehme z.B. ASSEMBLAGE 23, beschwert sich da jemand? Eben.

Also zurück zu DIORAMA. Nach einer straffen Umbaupause betraten Frontmann Torben Wendt, Felix Marc am Keyboard und Sash Fiddler an der Gitarre etwas unspektakulär die Bühne. Los ging es erwartungsgemäß mit dem „Amaroid“ Opener „Logic Friends“, gefolgt von „Last Minute“ von „The Art Of Creating Confusing Spirits“. Nun, ich muss zugeben, der Funke sprang nicht über. Das Publikum stand eher lustlos da, obwohl ich auch einige gesehen habe, die alle Songs mitgesungen haben. Ok, DIORAMA machen keine Musik zum mitzappeln, aber auch bei ihrem größten Clubhit „Advance“ bewegte sich kaum jemand. Um weiterhin objektiv zu bleiben, muss ich aber auch sagen, dass trotz dieser gewissen Reglosigkeit jedes Stück am Ende heftig beklatscht wurde. Neben mir machte sich derweilen eine Gruppe sturzbetrunkener, hirnloser Idioten breit, die ständig laut „Sabine!!!“ gebrüllt haben. LEUTE, DAS NERVT! Respekt an Torben und Co., dass sie es ohne mit den Wimpern zu zucken den ganzen Auftritt hinweg über sich ergehen ließen. Aus dem neuen Album hörten wir noch das sehr tanzbare „The Girls“ und meinen Favoriten „Someone Dies“. Nach nur sieben Liedern war alles vorbei, was ich wirklich enttäuschend fand. Für das nächste Mal wünsche ich DIORAMA vielleicht ein etwas anderes Publikum und überhaupt – nach vier Alben sollte eine Tour als Main Act auch mal drin sein, dafür besitzt die Band mehr als genug Live Qualitäten.

Gegen 21 45 Uhr war es denn endlich soweit und die Osnabrücker schienen urplötzlich aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen. VNV NATION is in da house! Und überraschenderweise sogar in Quartettstärke. Neben Mark Jackson am Schlagwerk in der Mitte waren links und rechts noch 2 Keyboarder zugegen und die waren nicht von schlechten Eltern. Während rechts der SOMAN-Herr ohne Sonnenbrille wesentlich sympathischer rüberkam, rätselten wir eine ganze Weile, wer denn der südländische Herr zur linken sein könnte. Etwa… nein doch nicht… zu pummelig… oder doch? Am Ende war es tatsächlich Vasi von den Schweizern NAMNAMBULU, der doch leicht an Körpermasse zugelegt hat. Möglicherweise haben Ronan und er sich beim Elektronischen Hilfswerk kennen gelernt? Aber egal, nach einem Intro stiegen VNV mit der aktuellen Single „Chrome“ vom neuen Album „Matter and Form“ ins Programm ein, im Hintergrund unterstützt von bewegten Bildern auf den 2 Leinwänden. Während die neue Scheibe im Netz von einigen Fans ja durchaus kritisch beurteilt wird, war davon heute nichts zu sehen. Songs wie „Entropy“, „Endless Skies“ oder „Arena“ wurden fließend in die Setlist eingebaut und ebenso abgefeiert wie die endlos vielen Klassiker der „Deutsch-Briten“. Ronan wuselte andauernd von links nach rechts über die Bühnenbretter und wurde dabei seinem Status als sympathischer Entertainer mehr als gerecht. Der Benny Hill der Elektrofraktion? Jedenfalls redete er sich auch zwischen den Songs immer mehr in Fahrt, so dass die Ansagen gegen Ende fast länger waren als die Musik „dazwischen“. Immer wieder kommunizierte er mit dem nicht zu übersehenden Bielefelder VNV-Fanclub, natürlich auf Deutsch, das hat der gute Harris mittlerweile recht gut drauf. Egal ob er mit Städtenamen jonglierte (Gütersloh vergaß er leider in seinem Eifer), über Fußball-Vorlieben diskutierte (zu Vasi: „Du stehst doch auf den 1.FC Käsekuchen Zürich“) oder einem „Fan“ klarmachte, dass er sich für ihn heute nicht ausziehen würde, meistenteils war das alles sehr amüsant. Dazwischen wurden Tracks wie „Darkangel“ oder „Honour“ (in der neuen 2003er Version) heftigst abgefeiert. Die Hände waren fast permanent in der Höhe, die Leiber wunden sich im dunklen Strobolicht, von oben ein sehr beeindruckender Anblick. Und VNV NATION revanchierten sich mit einer ausgedehnten Performance: Kurz vor Mitternacht waren die Herren immer noch zugange! Nach einem schon beachtlichen Hauptteil gab es noch 3 Zugaben, von trampelnden Füßen herausgefordert. Der erste Block wurde eingeleitet von der laut Ronan nächsten Single „Homeward“, während es in der 2ten Verlängerung mit „Further“ und „Beloved“ 2 absolute Klassiker auf die Ohren gab. Bei letzterem hatte sich Mark hinters rechte Keyboard gestellt und die beiden „Gastmusiker“ waren zugunsten einer etwas intimeren Atmosphäre verschwunden.

Alles in allem eine Klasse Leistung, was Spielzeit, Unterhaltungswert und Songauswahl angeht. Wo andere mit den Jahren fett und zufrieden werden, holen Ronan und Mark immer mehr aus sich heraus und geben sich fannah as ever. Harris’ Hemd hätte man am Ende ohne Probleme zum Bodenaufwischen benutzen können, so durchgeschwitzt war es. Wenn man noch DIORAMA mithin zunimmt – für die sanfteren verträumten Klänge – kann man diesen Abend nur als echtes Elektro-Highlight bezeichnen.
TK

Setlist DIORAMA
Logic Friends
Last Minute
Advance
The Girls
Smeone Dies
Howland Road
Her Liquid Arms

Setlist VNV NATION
Intro
Chrome
Joy
Darkangel
Arena
Standing
Epicentre
Entropy
Endless Skies
Legion Live
Kingdom
Honour 2003

Homeward
Distant/ Rubicon
Perpetual

Futher
Beloved

Electronaut

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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