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VNV NATION – HOLYGRAM

Ort: Bielefeld - Lokschuppen

Datum: 24.10.2018

Gerade ist mit „Noire“ das zehnte Studioalbum von VNV NATION erschienen. Es ist das erste ohne Mark Jackson, der Ende 2017 die Future-Pop-Institution verlassen hat, und folgt auf „Transnational“ das 2013 das Licht der Plattenläden erblickte und die 2015er Zusammenarbeit „Resonance – Music For Orchestra Vol. 1“ mit dem Babelsberger Filmorchester, bei der bekannte Stücke ein orchestrales Gewand bekommen haben. Der neue Silberling hat bereits #4 der deutschen Charts erklommen und natürlich präsentiert Mastermind Ronan Harris seine Songs auch live. So auch an einem Mittwochabend im gut gefüllten Ringlokschuppen, wo mehr als 1.200 Fans den seit 28 Jahren als VNV NATION agierenden Wahl-Hamburger bei bester Laune erleben durften.

Zuvor wurde der Abend jedoch zu ungewöhnlich früher Stunde um 19.15 Uhr von HOLYGRAM aus Köln eröffnet. Es folgte eine Reise in die Eighties, denn der düstere Post-Punk-/New-Wave- und Shoegaze-Sound schien direkt diesem Jahrzehnt entsprungen zu sein. Während die Stage überwiegend in dämmrigen Zwielicht lag, ließ der Opener „Modern Cult“ an THE CURE denken. In ähnlicher Weise schloss sich „A Faction“ an, ehe sich die nächsten Songs treibender präsentierten und durchaus ins Bein gingen. Die Ostwestfalen zeigten sich jedoch noch recht reserviert und auch seitens der 2015 gegründeten Band, die aus den Herren Patrick Blümel, Sebastian Heer, Marius Lansing, Pilo Lenger und Bennett Reimann besteht, kam wenig Interaktion mit dem Publikum. Man nannte nicht einmal den Namen der Combo und schon gar nicht wurde auf das Debüt „Modern Cults“ verwiesen, das am 09.11.2018 erscheinen soll. So gerieten die ersten 35 Minuten ähnlich wie die Nummer „Still There“ ein wenig statisch, wobei der Sound durchaus Charme hatte, nur wurde das Ganze arg unterkühlt dargeboten, was durchaus generell zum Stil passte, jedoch insgesamt etwas übertrieben wirkte.

Von Reserviertheit war ab 20.15 Uhr auf der Bühne allerdings dann auch nichts mehr zu spüren. Die glatzköpfige Knutschkugel Ronan Harris war ganz eindeutig voll in seinem Element und hoch erfreut, seine neuen Lieder zu Gehör zu bringen, wobei selbstredend auch die alten Hits nicht zu kurz kamen. Los ging es mit dem aktuellen „A Million“, das auch den neuen Longplayer eröffnet und der Crowd ganz offensichtlich schon gut bekannt war. Im Hintergrund erschien der „Noire“-Schriftzug auf großen LED-Leinwänden und wie üblich wurde während der gesamten, mehr als zweistündigen Show nicht an den Lichteffekten gespart. Damit diese auch richtig zur Geltung kommen konnten und alle Anwesenden Spaß am Konzert hatten, erteilte Ronan noch schnell einige Hinweise zum Gebrauch der Handys, bevor es mit „Retaliate“ vom bereits erwähnten „Transnational“ druckvoll weiterging. Gefühlvoll und doch flott schloss sich „Armour“ an. Auch diese Nummer ist neu und Mr. Harris ließ es sich nicht nehmen, zu erwähnen, dass er das Stück liebt. Während die Stage in blaues Licht getaucht wurde, erklangen die ersten Töne vom Smasher „Space & Time“ vom gefeierten „Automatic“ aus 2011. Ganz klar wurde der Track ebenso wie das sich anschließende „Sentinel“ („Of Faith, Power and Glory“ – 2009) abgefeiert. Derweil ergossen sich mit „When Is The Future?“ wahre Synthie-Kaskaden auf das Publikum, das wenig später zu dem stampfenden Rhythmen von „Honour 2013“ steil ging. „Tomorrow Never Comes“ verstand es im Folgenden, Gefühl und Tempo gekonnt in Einklang zu bringen, ehe „The Farthest Star“ vom 2007er „Judgement“ abermals zum Tanzen animierte. Wie üblich hielt es Ronan Harris kaum an einem Fleck und so tigerte der sympathische Sänger unermüdlich über die Stage, ehe ihn das hochemotionale „Illusion“ einen Moment inmitten purpurner Strahlenbündel verharren ließ und das Auditorium den Refrain lautstark mitsang. „God of All“ übernahm mit viel Wumms und markierte damit den Anfang eines knackigen Dance-Abrisses des Lokschuppen. „Epicentre“ (2002 auf „Futureperfect“ erschienen) und erst recht „Chrome“ („Matter + Form“ – 2005) verwandelten das alte Industriegemäuer langsam aber sicher in einen brodelnden Hexenkessel, bevor das gelungene Spiel mit dem Licht das atmosphärische „Lights Go Out“ Lügen strafte. „Control“ ging wenig später erneut in die Vollen, bevor mit dem ruhigeren „Carbon“ eine gewisse Dramatik ins Spiel kam. Dank „Homeward“ zog das Tempo wieder an und der gute Ronan testete, wie lange er einen Ton halten konnte. Einen neuen Rekord stellte er dabei zwar nicht auf, war aber ebenso wie seine Anhängerschaft mit dem Ergebnis zufrieden. Beim Hören der neuen Platte hatte ich „Immersed“ bereits auf der Live-Setlist gesehen und in der Tat machte sich der Stomper gut und eignete sich für den Fronter bestens, die Meute weiter einzupeitschen. Mit „Resolution“ hatten VNV NATION einen stimmigen Song für das Ende des regulären Sets ausgewählt. Die Bühne lag in lilafarbenen Licht, unzählige Arme wurden geschwenkt und der neue Drummer Basti, der wie sein Vorgänger Mark Jackson im Stehen agierte, zeigte sein Können vermittels eines Schlagzeug-Solos, bevor der Vierer seinen Arbeitsplatz der beiden letzten Stunden verließ.

Natürlich kamen die Herrschaften noch einmal zurück. Schließlich bedeuten die Konzerte Mr. Harris sehr viel, wie er dann auch alsbald zu berichten wusste. Welcher Titel hätte dies besser unterstreichen können als das großartige „Nova“, das selbstverständlich zum emotionalen und optischen Highlight der Show geriet? Die Stimmung in diesem Moment lässt sich nur schwer beschreiben, eigentlich muss man dabei gewesen sein, um die Energie selbst zu spüren, die während dieser Minuten durch die Halle floss. Für „Standing“ vom 1999er „Empires“ durften die Fans dann ihre Smartphones doch noch in die Höhe recken. Allerdings erst, nachdem sie die Taschenlampen-Apps aktiviert hatten, um gemeinsam diesen Oldie but Goldie standesgemäß zu würdigen. Blieb noch „All Our Sins“, das Ronan in einem weißen Lichtkegel stehen ließ und für einen bombastischen Abschluss einen grandiosen Gigs sorgte. Um 22.25 Uhr ging die Band schließlich unter Zuhilfenahme eines orchestralen Abgesangs von der Bühne, kam jedoch unter tosendem Applaus noch einmal zurück, um sich ein letztes Mal feiern zu lassen und ein Foto mit dem Publikum zu machen.

Setlist VNV NATION
A Million
Retaliate
Armour
Space & Time
Sentinel
When Is The Future?
Honour 2013
Tomorrow Never Comes
The Farthest Star
Illusion
God of All
Epicentre
Chrome
Lights Go Out
Comtrol
Carbon
Homeward
Immersed
Resolution

Nova
Standing
All Our Sins

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