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VNV NATION – STRAFTANZ

Ort: Hamburg – Große Freiheit 36

Datum: 30.09.2011

In Sachen Future Pop geht aus gutem Grund seit Jahren kein Weg an VNV NATION vorbei. Bereits 1990 hat Ronan Harris VNV NATION aus der Taufe gehoben und macht seit 1995 mit Mark Jackson gemeinsame Sache. Vor 14 Tagen veröffentlichten sie ihren elften Longplayer „Automatic“, der mal eben bis auf Platz 8 der deutschen Albumcharts durchmarschiert ist. Bevor es im Rahmen der „Automatic“-Tour ab Samstag ins Ausland gehen sollte, wollte Mr. Harris wohl gern noch mal im eigenen Bett schlafen (und mit dem Taxi statt mit dem Tourbus nach Hause fahren, wie er zudem anmerkte), weshalb er die schwarze Gemeinde in seine Wahlheimatstadt Hamburg geladen hatte. Wie nicht anders zu erwarten, war die große Freiheit 36 dann auch schon im Vorfeld ausverkauft, während der Support STRAFTANZ vor noch überschaubaren Zuschauerreihen spielte.

Allerdings war der Einlass auch auf zeitige 18.00 Uhr terminiert und bereits eine halbe Stunde später stand die erste Hälfte der Elektoniker aus Gelsenkirchen auf der Stage. Nach einem gesangslosen Intro stieß schließlich auch der Mann am Mikro hinzu und gemeinsam präsentierten K-X und JL neben Songs vom am 16.09.2011 erschienenen zweiten Silberling „Mainstream Sellout Overground“ natürlich auch den namensgebenden Clubhit „Straftanz“, zu dem vereinzelt auch schon das Tanzbein geschwungen wurde. Insgesamt waren die Reaktionen allerdings eher verhalten-freundlich. Das mag erstens an der relativ frühen Stunde gelegen haben, zum anderen waren Show und Musik auch nicht weltbewegend. Bei „Die neue F-Klasse (Ein Panzerlied)“ durfte schon mal ein Plüschsteckenpferd mit piepsender E-Stimme ins Mikro singen, ansonsten gab’s vom „Proletariat des Industrials“ (STRAFTANZ über STRAFTANZ) wenig Interaktion. Der glatzköpfige Herr am Apple verließ hier und da seinen Arbeitsplatz und trug auch ein wenig Gesang bei, wohingegen der kräftige Kollege über die Bühne stampfte; insgesamt blieben Tracks wie „Für die Kinder (ist mir egal)“, „Weltzeitvernichter“ und „Turbo“ jedoch einigermaßen farblos. Und wenn wir mal ehrlich sind, wurde „Tanzt kaputt, was euch kaputt macht“ eindeutig dadurch aufgewertet, dass Mark Jackson der Band zu ihrem ersten Drummer verhalf. Der Hüne spielte bei der Nummer schon mal sein Drumkit ein und auch Ronan schaute kurz auf der Stage vorbei und warf ein wenig Konfetti, während das Publikum mit Astern bedacht wurde, die bislang das Bühnenbild verschönert hatten. Mit der Anwesenheit der VNV-Crew kam dann auch tatsächlich Bewegung in die große Freiheit – auf diese Jungs warteten die inzwischen zahlreicher gewordenen Zuschauer nun einmal und um mit so einem Hauptact mithalten zu können, braucht es schon einen Anheizer anderen Kalibers. Dass es den aber eigentlich auch gar nicht brauchte, zeigte sich schon bald…

Nach einer schlanken Umbaupause von knapp 20 Minuten war das Feld für VNV NATION bestellt und das Publikum wurde mit dem „On-Air“-Intro auf eine kurze Folter gespannt, dann enterten Ronan, Mark und die beiden Mitstreiter an den Tasteninstrumenten die Bühne und hauten mit „Chrome“ auch gleich einen ihrer größten Hits raus. Keine Frage, dass unter diesen Umständen auch die Schwarzkittel gleich von Null auf 100 gingen. Aber auch die neuen Tracks wurden nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, wie sich beim folgenden „Space & Time“ zeigte. Harris schritt derweil wie üblich unermüdlich seinen Arbeitsplatz ab, forderte zum Tanzen auf und bewies, wie gut er in den zehn Jahren, in denen er inzwischen in Deutschland lebt, die Sprache gelernt hat. Die Fans hingen an seinen Lippen und quittierten Songs wie „Further“ oder „Epicentre“ mit begeistertem Mitklatschen und -tanzen. Der Brite sah’s mit einer gewissen Fassungslosigkeit und stellte bei „Resolution“ mit einem forschen „Jetzt geht’s los!“ den Stand der Dinge klar. Aus der Textzeile „raise your head“ machte das Auditorium kurzerhand ein „raise your hands“ und schon bald konnte man sehen, wie sich Hunderte Hände in die Luft reckten, bevor die Stage zu „Illusion“ in kühles, blaues Licht getaucht wurde und das Konzert seinen ersten ruhigen Augenblick hatte. Tatsächlich stand auch Herr Harris hier einmal still, während seine Fans ihre Textsicherheit unter Beweis stellten. Doch schon das anschließende „Gratitude“ lud erneut zum Tanzen ein. Da auf dem Balkon der Bewegungsdrang wohl noch nicht so ausgeprägt war wie sich der Brite vorstellte, gab’s bei „Farthest Star“ von Ronan eine Extra-Einladung, die ansonsten aber wohl nur Einzelne brauchten. Wenig später bildeten auf den Leinwänden im Hintergrund unzählige Leuchtdioden die Buchstaben des Songtitels „Control“, womit nach 75 Minuten mit recht harten Klängen das Ende des regulären Sets eingeläutet wurde.

Selbstverständlich war das lange noch nicht das Ende der Show, schließlich war der Abend noch jung und die lauten VNV-Rufe ließen zudem keinen Zweifel aufkommen, dass die Zuschauer noch lange nicht genug hatten. Mark heizte bei seiner Rückkehr auf die Bühne der Meute zusätzlich ein und Ronan konnte die Euphorie der Fans überhaupt nicht fassen. Mit „Legion“ legten VNV NATION, die von [:SITD:]s Thomas Lesczensk und Andre Winter an den Keys unterstützt wurden, zunächst einen Slow-Motion-Start mit viel Dramatik hin, doch schon bald ließen es die Herrschaften wieder tanzbar krachen und auch „Honour 2003“ gab in gewohnter Weise Vollgas und ließ keine Wünsche offen. Nach einem weiteren kleinen Break, vielen „VNV“-Shoutern und mit allerlei Geschrei konnten die Elektro-Heroen jedoch schon bald zurück im Rampenlicht begrüßt werden. Für die Hyme „Beloved“ hatte Ronan Harris extra ein neues Hemd angezogen, bei der alten Oberbekleidung konnte man im Vorfeld auch bereits zusehen, wie die Schweißtropfen zu Boden fielen, weil der Stoff offensichtlich keine Flüssigkeit mehr aufnehmen konnte. Dass der glatzköpfige Fronter bei der Nummer die Musik seiner Kollegen nicht hören konnte, sorgte bei ihm für ein wenig Verwirrung, aber als Profi bewältigte er dieses Problem souverän und bot im Anschluss im gleißenden orangefarbenen Licht mit „Nova“ was fürs Herz. Im Folgenden durfte sich das Auditorium über den erneuten Vortrag von „Resolution“ freuen, da man noch ein wenig Zeit hatte, bevor das Venue für den freitäglichen Diskobetrieb geräumt werden musste. Der absolute Höhepunkt war jedoch eindeutig das finale „Perpetual“, bei dem die Publikumsgesänge gar nicht mehr abreißen und das Auditorium seine Stars nicht gehen lassen wollte. Deshalb bestätigte ihnen Harris auch, DIE Hammershow der Tour abgeliefert und damit die Gigs in Dresden und Krefeld in den Schatten gestellt zu haben.

Tatsächlich war von hanseatisch-vornehmer Zurückhaltung an diesem Abend in der Großen Freiheit 36 wahrlich nichts zu spüren. Aber wie sollte man sich auch der Live-Präsenz eines Ronan Harris und der Musik von VNV NATION entziehen können? Da wird dann auch schon mal a cappella weitergesungen und vermutlich hätten die Besucher der Traditionskonzertstätte auf der Reeperbahn genau wie ich nichts dagegen gehabt, wenn sich die Truppe wieder auf ihre Positionen begeben hätte und es noch ein oder zwei Stunden mit VNV-NATION-Output weitergegangen wäre. Genug hörenswertes Material wäre schließlich vorhanden! So hieß es dann jedoch um 21.45 Uhr nach 135 Minuten Abschied nehmen. Auch für STRAFTANZ, die bei der weiteren Tour nicht mehr mit von der Partie sein werden und sich für die letzten Wochen mit einem Küsschen bei Ronan bedankten.

Setlist VNV NATION
On Air (Intro)
Chrome
Space & Time
Sentinel
Darkangel
Further
Epicentre
Tomorrow Never Comes
Resolution
Illusion
Gratitude
Standing
Farthest Star
Control

Legion
Honour 2003

Beloved
Nova
Resolution
Perpetual

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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