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VNV NATION – STRAFTANZ

Ort: Köln - Live Music Hall

Datum: 11.09.2011

Viele Menschen dürften an diesem Tag 10 Jahre zurück denken, an die grauenhaften Szenen aus New York, die am 11.09.2001 die ganze Welt in einen Schock-Zustand versetzten. Aber gerade solche Tragödien sollten uns daran erinnern, dass jeder Tag wertvoll ist und bewusst gelebt werden sollte. Und dafür ist Musik für viele Leute eine unverzichtbare Zutat. Und so war es auch kein Wunder, dass die Live Music Hall in Köln rappelvoll war, als die britischen Elektro-Helden VNV NATION zum Tanz baten. Insbesindere wenn ein neues Album noch nicht in den Regalen steht, sind Konzerte interessant. So erlebt man unverfälschte und spontane Reaktionen auf neue Songs. Stimmt die Qualität, reissen sie mit, ansonsten lösen sie bei den Fans eher Fragezeichen über den Köpfen aus. Viel Sorgen muss man sich bei VNV NATION da bekannterweise nicht machen, aber dennoch war die Neugier auf „Automatic“ bei vielen Anhängern deutlich zu spüren!

Zuvor allerdings standen STRAFTANZ auf dem Programm, um die Meute aufzuwärmen. Das Gelsenkirchener Elektro-Kolletiv, das auf dieser Tour in Person von K-X und JL als Duo auftritt, ist vielen vor allem durch ihren Clubhit „Straftanz“ und dessen verschiedene Versionen bekannt. Natürlich hatte man auch einige neue Tracks mit am Start, das neue Album „Mainstream Sellout Overground“ erscheint ja ebenfalls während der Tour! Von diesem hatte man u.a. „Für die Kinder (ist mir egal!)“ , „Turbo“ und „die neue f-klasse (Panzerlied)“ im Gepäck. Musikalisch gehen diese in die gleiche Richtung wie das Vorgänger-Album „Forward Ever“ , nämlich treibender Electro mit eigenwilligen Texten. Mehr als einmal kommen einem da Kollegen von ROTERSAND, AND ONE oder auch ASCII DISKO in den Sinn. Von dem Erstling durfte natürlich der oben erwähnte Tanzfflächenfeger nicht fehlen, der schon recht früh eingesetzt wurde, aber auch das von einem Fan geforderte „Gummimann“ und das an den TON STEINE SCHERBEN-Klassiker angelehnte „Tanz kaputt was Euch kaputt macht“ fanden ihrenWeg ins Set. So eigenwillig vor allem die Texte der Ruhrpottler daherkommen, so seltsam anzuschauen war auch die Live-Show. Als Duo ist es ohnehin schwer, ein packendes Stage Acting hinzubekommen, aber auf der Bühne einfach immer hin und her zu stapfen und dabei die Texte vozutragen oder ein wenig am Laptop auf Knöpfen drücken und sonst mit einem Einhorn-Steckenpferd herumzuwedeln, ist dann doch ein wenig mager. So fielen die Reaktionen auch recht zurückhaltend aus, was aber auch daran liegen mag, dass eigentlich alle Anwesenden auf den Headliner warteten!

Dieser ließ dann auch bald auf den LED-Wänden hinter den Instrumenten (Keys und natürlich wieder E-Drums) den Countdown runterlaufen und startete mit „Chrome“ gleich richtig durch. Wer mit so einem Knaller startet, kann eigentlich nur gewinnen und so brachte man die Halle schon mit dem ersten Song zum Feiern! Unterstützt wurden Mark Jackson und Mastermind Ronan Harris live von [:SITD:]s Tom und von Andre Winter, die sich während der Songs dezent zurückhaltend an ihren Keyboards positionierten. Schon während des ersten Titels merkte man, dass Ronan ein paar Probleme mit seiner Stimme hatte. Als Erklärung gab der Ire eine allergische Reaktion an, was zur Folge hatte, dass der Fronter sich morgens noch ne Ladung Kortison vom Arzt abholen durfte und somit ein wenig angeschlagen in den Abend ging. So entschuldigte er sich gleich vorweg für etwaige nicht perfekte Passagen. Besonders die neuen Songs würden sich auf Platte sicherlich besser anhören, heute allerdings müsste man sich mit einer rauen „Black Metal-Version“ der Vocals begnügen. So schlimm wurde es allerdings nicht! Nachdem die Halle kollektiv ihr Mitgefühl bekundete, konnte es dann aber endlich mit „Space & Time“ weitergehen. Eine neue Hymne, die sich wunderbar ins VNV-Set einfügt und bei der keine großen Stimm-Probleme auszumachen waren, genausowenig beim folgenden „Sentinel“! Auch im folgenden waren nur ab und an kleinere Makel bei den Vocals auszumachen, der Mann ist halt ein Profi und weiss, wie er seine Stimme am besten zur Geltung bringt. Und so feierte sich die Halle durch alte Klassiker („Darkangel“, „Further“), neuere Knaller („Tomorrow Never Comes“) und potenzielle Hits („Resolution“). Mark Jackson gab dabei hinter seinem Kit engagiert den Beat vor, auf den die Fans natürlich enthusiastisch abgingen. Dazu sangen alle lauthals die Texte mit, so dass Ronan mehr als einmal sichtlich ergriffen aufgrund der tollen Reaktionen nur ungläubig mit den Kopf schüttelte. Dazu wuselte der glatzköpfige Fronter wie gewohnt sehr agil über die Bühne, animierte die Fans immer weiter zum Abfeiern und flachste mit den Leutchen in den ersten Reihen. Als Untermalung hatten VNV NATION dieses Mal keine Leinwand mit zu den Songs passenden Animationen dabei, sondern bedienten sich einzelner LED-Wände, auf welchen man passende Symbole, Worte und Visualisierungen präsentierte! Für viele Fans besonders erfeulich hatte man die wunderbaren „Illusion“ und „Standing“ auch wieder im Gepäck und auch hier hielt Harris‘ Stimme recht gut durch. Zum Ende des regulären Sets, das als Extended-Set angekündigt wurde, gab’s dann den Kracher des neuen Albums „Automatic“! Beim energischen „Control“ ging nochmal alles und hier stieß die Stimme des Fronters schon merklicher an ihre heutigen Grenzen.

Nach der obligatorischen Pause kehrte die Band dann recht schnell zur ersten Zugabe zurück. Herr Harris erklärte dabei, dass man ihm geraten habe, mit seiner Stimme hauszuhalten, doch das fiel dem sympathischen Iren deutlich schwer, feuert er doch zu gerne die Fans an! Die Zugabe wurde mit „Legion“ eingeleitet und das folgende „Beloved“ ist natürlich immer ein richtiges Highlight! Nicht weniger enthusiastisch allerdings wurde die neue Ballade „Nova“ aufgenommen. Live mit eindrucksvollen Supernova-Animationen im Hintergrund unterlegt, hat dieser Song echtes Klassiker-Potenzial! Ursprünglich waren für die Zugaben noch „Honour“, „Genesis“, „Homeward“, „Saviour“ und „Great Divide“ eingeplant, aber aufgrund der gesundheitlichen Probleme gab es schon jetzt das abschließende „Perpetual“ auf die Lauscher. Und wieder einmal ist es faszinierend, wenn die feiernde Menge noch minutenlang nach Ende des Tracks die Zeilen „Let there be, let there always be, neverending Light“ singt und die Band beklatscht. So ist es kein Wunder, dass die Fans nach der Show nochmals den Merch-Stand stürmten, der bald schon den Ausverkauf des neuen Albums bekannt geben musste. So stehen VNV NATION weiterhin live und auf Platte für Qualität und Engagement und lassen sich auch nicht von gesundheitlichen Schwierigkeiten davon abhalten eine klasse Show zu bieten. Ronan Harris verabschiedete sich dann mit den Worten, er würde nun nach hinten gehen und irgendwo zusammenklappen. Die Pause sei ihm gegönnt!

Setlist VNV NATION
On Air
Chrome
Space & Time
Sentinel
Darkangel
Further
Epicentre
Tomorrow Never Comes
Resolution
Solitary
Illusion
Gratitude
Standing Motion
Farthest Star
Control

Legion Live
Beloved
Nova
Perpetual

Gestrichen:
Genesis
Homeward
Honour 2003
Saviour
Great Divide

Copyright Fotos: Michael Werneke

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