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VNV NATION – STRAIGHT RAZOR

Ort: Bielefeld – Lokschuppen

Datum: 15.03.2025

Nachdem ein plötzlicher Wintereinbruch mit massiven Schneefällen meinen Besuch des letzten VNV-NATION-Konzertes in Bielefeld vor ziemlich genau zwei Jahren vereitelt hat, war mir der Wettergott an diesem Samstag wohlgesonnen und so fand ich mich mit gut 2.000 Fans im Lokschuppen ein, um einen gut aufgelegten Ronan Harris und eine fulminante Show zu erleben. Die Anhängerschaft der Future-Pop-Legende wartet sehnsüchtig auf die neue Platte „Construct“, die am 28.03.2025 erscheinen und später im Frühjahr von der nicht minder sehnsüchtig erwarteten „Destruct“ komplettiert wird. Einen kleinen Einblick in das neue Album gewehrte uns der gebürtige Ire mit Wohnsitz in Hamburg natürlich auch – zusammen mit einer großartigen Auswahl aus der bisherigen VNV-NATION-Diskografie.

Zunächst startete jedoch pünktlich um 20 Uhr der Support STRAIGHT RAZOR aus den USA. Ein maskierter Musiker kümmerte sich bereits um Tasten und Regler, bevor der Sänger Omar Doom zu opulenter Orgelmusik seinen großen Auftritt hatte. Bekleidet mit einem zugeknöpften schwarzen Trench und schwarzen Lederhandschuhen stimmte er zu wummernden Beats den Opener „Casualty“ vom gleichnamigen Longplayer aus 2024 an, der vom tanzbaren „Black Smoke Rising“ gefolgt wurde. Den 48-jährigen werden die Liebhaber:innen der Quentin-Tarantino-Filme übrigens eher als Schauspieler kennen, denn Mr. Omar ist nicht nur mit Tarantino befreundet, sondern hat auch in mehreren seiner Filme mitgespielt, z.B. in „Inglorious Basterds“ oder „Once Upon a Time In Hollywood“. Als Musiker überzeugt er mit einer angenehmen Stimme, nur seine Songs dürften für meinen Geschmack etwas mehr Varianz mitbringen. So stammten nicht nur alle Songs von derselben Veröffentlichung, sie waren auch recht gleichförmig, was im Düster-Electro-Genre nicht zwingend von Nachteil ist, aber nach einer halben Stunde dann auch reichte. Der Auftritt, der auch einen kleinen Ausblick auf die Lighshow des Headliners gab, wurde freundlich beklatscht, doch sind wir mal ehrlich: eigentlich warteten alle nur auf VNV NATION.

Setlist

  • Casualty
  • Black Smoke Rising
  • Suffering
  • Misery
  • The End
  • Black Elixir
  • The Curse

Die Warterei dauerte nur überschaubare 15 Minuten, schließlich musste auf der Stage nichts mehr aufgebaut werden, das Arbeitsgerät der drei Begleitmusiker stand bereits parat, und da auch der zeitige Start des sich anschließenden Disco-Betriebs berücksichtigt werden musste, betraten Ronan Harris und seine Live-Begleitung um 20:45 Uhr unter dem tosenden Applaus des Auditoriums die Bühne. „Save Me“ sorgte für ein hymnischen Opening, bei dem Ronan von hinten angestrahlt wurde, während der Rest im Dunklen lag. Das nachfolgende „Only Satellites“ vom 2018er „Noire“ wurde sogleich mitgeklatscht, während auf dem Backdrop bewegte Bilder zu sehen waren und die ausgeklügelte Lightshow auch optisch für einen Hochgenuss sorgte. Ronan Harris, der VNV NATION 1990 gegründet hat und nach dem Ausstieg von Mark Jackson, der von 1995 bis 2017 mit von der Partie war, einziges festes Mitglied, Mastermind und Produzent ist, suchte regelmäßig den Kontakt zu seinem Publikum, freute sich über die gute Stimmung und bat auch um Respekt, als die ersten Handys gezückt wurden: Filmen sei okay, aber man möge das Smartphone bitte in Augenhöhe halten, damit alle eine Chance hätten, die Show in Gänze zu genießen. Dazu gehörte auch ausgiebiges Tanzen, denn eine Nummer wie das brandneue „Silence Speak“ vom kommenden „Construct“ ging ebenso auf die Hüften wie das blitzschnelle „Nemesis“, das 2007 auf „Judgement“ erschienen ist. „Legion“ („Empires“ – 1999) ließ es zunächst etwas ruhiger und emotional angehen, um es dann erneut krachen zu lassen. Dank „When Is The Future?“ gab es einen weiteren Hit auf die Ohren, bei dem sich der sympathische Ronan zu Recht feiern ließ. Wenn man auf erfolgreiche 35 Jahre Bandgeschichte zurückblicken kann, ist es fast unausweichlich, dass ein Kracher auf den nächsten folgt. „Space & Time“ vom 2011er „Automatic“ gehörte auch in diese Kategorie und löste zugleich ein Massenklatschen aus, ehe „Tomorrow Never Comes“ vom 2009er „Of Faith, Power And Glory“ mit viel Drive übernahm. Dank des krachenden „Honour“ ging es weit zurück in der Diskografie, denn dieser knackige Track wurde bereits 1998 auf dem zweiten Album „Praise The Fallen“ veröffentlicht. Weiße Lichtbalken wiesen bei dieser vergleichsweise harten Kost, die den Lokschuppen in einen Hexenkessel verwandelte, Richtung Decke, während die Crowd sich den Klängen nicht entziehen konnte und reichlich klatschte und tanzte. Im Anschluss bot „The Farthest Star“ einen ganz kurzen Moment des Durchatmens, wirklich Stillstehen konnte man auch bei diesem Lied nicht. Bei „Carbon“ („Futureperfect“ – 2002) verschwand dann jedoch die Stage im Dunkeln, nur Mr. Harris stand in grünen Lichtbündeln im beleuchteten Mittelpunkt, um das ebenso opulente wie getragene Stück angemessen zu performen, bevor zu „Retaliate“ vom 2013er „Transnational“ erneut getanzt werden durfte. Derweil sorgten sirenenartige Klänge für die gebührende Aufmerksamkeit für „Lights Go Out“, wobei die Zuschauerschaft durchgängig bei der Sache war, weshalb auch die Singspielchen beim hämmernden „Control“ in der gebotenen Ausführlichkeit zelebriert werden konnten. In der Vergangenheit hat Ronan auch schon mal einen Song abgebrochen, weil ihm nicht die gewünschte Konzentration geschenkt wurde, heuer musste er nur einzelne Ermahnungen erteilen, dass es mit den Selfies auch mal genug sei. „Prophet“ von der letzten Langrille schloss sich überaus temperamentvoll an und auch „Resolution“ ließ keine Wünsche offen. Als dann „Perpetual“ vom 2005er „Matter + Form“ an der Reihe war, klatschte nicht nur das Publikum im Takt mit, auch der Keyboarder auf der linken Bühnenseite ging ordentlich steil. Arme wurden gereckt und geschwenkt und gemeinsam lauthals gesungen. Wahnsinn! Auch, dass es bereits 22.20 Uhr und das reguläre Set an dieser Stelle beendet war.

Doch selbstverständlich war noch längst nicht Schluss und so eröffneten die Pianoklänge von „The Game“ den ersten Zugabenblock. Stampfende Elektronik-Sounds ließen nicht lang auf sich warten und auch „Gratitude“ setzte sich umgehend im Hirn fest und erteilte dort den Beinen den Befehl, sich zu bewegen. „Einfach nur Spaß“ versprach Ronan im Vorfeld des straighten „Close To Heaven“ und natürlich hat der 57-jährige Wort gehalten. Es folgte ein weiterer kleiner Break, der genutzt wurde, um zwei Trommeln vor dem eigentlichen Drumkit zu positionieren. Die nächsten Zugaben hatten es in sich, denn mit „Illusion“ und „Nova“ durfte Ostwestfalen sich auf zwei extrem emotionale Nummern freuen. Zuvor erhob der in Dublin geborene Hauptprotagonist des Abends mit einem „Slainte“ sein Glas und stieß mit seinen Freunden im Saal an, denn man trinkt nur mit Freunden, nicht mit Feinden, um dann das wunderbare „Illusion“ zu performen. Nach eigenem Bekunden, bedeutet das Lied ihm sehr viel und auch, dass er von vielen Menschenweiß, dass es ihnen ganz ähnlich geht. Nicht minder gefühlvoll präsentierte sich „Nova“, bei dem die Stage zunächst im Dunkeln lag und am Ende die Zuschauer:innen für ein Lichtermeer aus Handy-Lichtern sorgten. Was sollte da noch kommen? Nun, es war „All Your Sins“, bei dem dann auch die bereits erwähnten Trommeln zum Einsatz kamen und der Konzertabend ein ebenso fesselndes wie kraftvolles Ende nahm.

Jetzt galt es noch, ein gemeinsames Selfie mit STRAIGHT RAZOR und den Fans zu machen und sich ausgiebig von Bielefeld zu verabschieden. Dann wurden die Anhängerschaft um 23:10 Uhr entweder in Nacht entlassen oder es standen für die Fans noch weitere Tänzchen zur Konservenkost auf dem Programm. Schnöder Discobetrieb hätte meinen Abend nicht mehr toppen können, weshalb ich den Heimweg angetreten habe. Nachdem die neuen Tracks Lsut auf mehr gemacht haben, muss jetzt nur noch der neue Studio-Output in die Plattenläden kommen, um mein Fan-Glück perfekt zu machen, denn live haben VNV NATION einmal mehr bewiesen, dass sie auf allerhöchstem Niveau unterwegs und aus gutem Grund eine der Speerspitzen der schwarzen Szene sind. Der Alternative-Electronic-Sound ist einfach mitreißend und so vielfältig, dass man sich ihm – insbesondere live – einfach nicht entziehen kann. Unterstrichen wurde dies im Lokschuppen durch tolle Licht- und Videomalereien und einen super Sound.

Setlist

  • Save Me
  • Only Satellites
  • Silence Speaks
  • Nemesis
  • Legion
  • When Is The Future?
  • Space & Time
  • Tomorrow Never Comes
  • Honour
  • The Farthest Star
  • Carbon
  • Retaliate
  • Lights Go Out
  • Control
  • Prophet
  • Resolution
  • Perpetual
  • The Game
  • Gratitude
  • Close To Heaven
  • Illusion
  • Nova
  • All Our Sins

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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