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VOLBEAT – RAUNCHY – THE NEW BLACK

Ort: Leipzig - Haus Auensee

Datum: 30.01.2009

Legt die Arbeitsutensilien weg und dreht eurem Werk für heute Abend den Rücken zu. Denn was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen. Schnell das Haargel herausgekramt und fix ein Elvis-Löckchen gezaubert, denn – meine Damen und Herren – die Jungs von VOLBEAT stehen nun auf dem Programm!!! Nach der ausgiebigen Guitar Gangsters & Cadillac Blood Tour 2008, die einige Auftritte in Deutschland und Nachbarländer beinhaltete, machen die dänischen Energiebündel auf dem Absatz kehrt und verwöhnen uns erneut mit wohligen Tönen, die in saftige Johnny Cash– und Elvisatmosphären getaucht und gepaart mit deftigen Metalkomponenten den Speichel schon allein beim Gedanken daran zirkulieren lassen. Na dann zu Tisch!!!

Doch bevor es richtig losgehen sollte, schien der Abend für uns frühzeitig zu Ende zu gehen, dank Übertragungsfehlern der Presse-Akkreditierungen. Presse zieht Fresse. Glücklicherweise eilte uns Tourmanager Hr. Menthe zu Hilfe und so stand nun unserem Glück nichts mehr im Wege. Ein herzliches Dankeschön gebührt ihm an dieser Stelle! Also endlich ab mit uns in die gute Stube, die mittlerweile aus allen Nähten zu platzen droht. Mit THE FLAMING ROCKS wiegen sich die Massen bereits in Vorfreude. Doch dank unserem kleinen Zwischenfall bekommen wir von der rockigen Combo rund um Sängerin Laura nicht mehr viel mit, wobei mich die ganze Geschichte irgendwie an eine sehr viel härtere Variante von WIR SIND HELDEN erinnert.

Nun gut, Vorhang auf für den zweiten Akt. „Wer hat Bock auf Rockmusik?“ feuert Sänger Fludid des Nachfolgers THE NEW BLACK in die VOLBEAT-hungrige Masse. Was für eine Frage – na, wir natürlich!!! Die Heavy Rocker, die sich aus dem ehemaligen Motion Control Foundation-Fronter, Gitarrist Christof „Leimsen“ Leim, der schon bei SINNER die Klampfe schwingt, Fabian „Fabs“ Schwarz und Chris Weiss von RUNAMOK und Günther „Günt“ Auschrat, der zusammen mit Fabs und Chris auch bei der deutsch/ amerikanischen Cooperation PROPHECY basste, zusammensetzt, machen wohl eindeutig klar, dass sie schon ganz schön was auf dem Kerbholz haben. Dies beweist die Combo an diesem Abend überdeutlich und schwingt mit Tracks der neuen gleichnamigen Platte den Dreizack. Der Rock-Rodeo-Metal geht unausweichlich in Kopf, Ärmchen und Beinchen und lässt uns verzückt durch die Gegend zappeln. Daumen hoch dafür!

Auch wenn sich der eine oder andere nun in Startposition gebracht hat, die Herren der Schöpfung, die nun die Bühne erklimmen, sind nicht die, auf die wir alle warten, sondern die Kollegen RAUNCHY. Da kann man sich vor Schreck schon mal aufs Piercing beißen. Sch….
„Heut Tag ist ein guter Tag“, begrüßt uns Sänger Kasper Thomsen. Mit überaus dreschenden Beats und fetten Shouts ziehen sie in den Kampf, um zwischendurch immer wieder dem melodischen Singsang von Keyboarder Jeppe Christensen Platz einzuräumen. Eine wirklich eigene Existenznische haben sie mit diesem Stil zwar nicht gefunden, aber ordentlich Laune machen sie allemal. Die Menge pogt und pogt und pogt – Auftrag erfüllt und abtreten, denn langsam werden die Fans ungeduldig…

Nun wird es Zeit für den marktlückenfüllenden Elvis-Metal Marke VOLBEAT. Meine Fresse, wenn man den Karriereschwung des Quartetts verfolgt, würde sich wohl jedes Individuum der Kohorte Musiker die Augen reiben. Noch vor kurzer Zeit gerade einmal einen überschaubaren metalwütigen Haufen zusammengekratzt, werden mittlerweile Hallen gefüllt, die einige tausend Metalheads und Zugehörige andere Szenen umfassen. Beachtliche Leistung! Es scheint als würde heute Abend jeder einzelne noch so kleine Staubfetzen Beinchen bekommen und durch den Saal pogen. Ist ja alles gut und schön, aber mit der Masse kommt die Aggressivität, die sich an diesem Abend leider in geballter Ladung zeigte. Während sich also einige an der Bar prügeln, manche in ungewollten Moshpits untergehen und einige fiese spitze Fingernägel in ihrem Hüftfleisch spüren müssen, lassen sich andere ganz in eine Heavy Metal-/ Rockabilly-lastige Welt entführen. Michael und Co. machen ihrem Ruf, dass da ein ganz besonderer Stern am Himmel funkelt, wieder einmal alle Ehre. Die Nase voll vom Death Metal, entschied sich Sänger Michael Poulsen vor einiger Zeit, komplett neue Pforten zu öffnen. Dass er damit ein goldrichtiges Näschen bewiesen hat, zeigt ein Blick auf die Chartplatzierungen: Debüt-Nachfolger „Rock the Rebel / Metal the Devil“ und das aktuelle Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ schlagen sofort ein, erklimmen in Dänemark den ersten Rang und sahnen Platin bzw. Gold ab. Und das Resultat daraus? Nach Spice und Co. scheint eine neue stimmungsaufhellende Partydroge umherzugehen, Herkunft Kopenhagen. Songs der ersten Platte, wie „Garden’s Tale“, „The Human Instrument“ oder „Radio Girl“, die wahrlich ohne Gegenmeinung einfach nur Arsch rocken, werden von den Fanmassen angenommen, als wären es alte Klassiker. Neulinge wie „Maybellene I Hofteholder“ oder „Mary Ann’s Place“ stehen dem gegenüber überhaupt nichts nach und werden im Kollektiv aus vollen Röhren mitgebrüllt. Michael, auch als Rocker Mensch geblieben, ist wie üblich von all dieser Treue gerührt, was heute sogar darin endet, dass er einen Sprung von der Bühne wagt – und von den Fans, wie es sich gehört, auf Händen getragen wird; Stars zum Anfassen eben.

Akustikgitarrist Christian Voltech kommt immer mal wieder vorbei geschaut und versucht kurzum auch noch etwas zur grandiosen Stimmung beizutragen. Na logo, alter Freund, lass die Akustik schwingen … Melodien, die unser Gedächtnis nie wieder verlassen werden, werden zusammen mit Achselhaar-Kämm-Aktionen und der Ankündigung der Anwesenheit auf dem diesjährigen Wacken Open Air präsentiert. Die Menge schießt sich förmlich ins Delirium. Wer hier noch den Boden unter seinen Füßen spürt, muss vermutlich vor der Halle stehen. Denn von Schwächeln kann hier bei niemandem die Rede sein. Vom ersten Akkord an bis zur letzten Stimmbänderschwingung ziehen Circle-, Moshpits und Crowdsurfer ihre Kreise. Mit „Still Counting“ (phänomenal!) endet auch die letzte Zugabe und die nach Luft hechelnde Masse hat sich nun endlich ein Päuschen verdient…

Fazit: Eine Band, die schon lange kein Geheimtipp mehr ist, dreschen von einem Kopf auf den nächsten. An ihren Shows gibt es einfach nichts zu rütteln. So wird die VOLBEAT-Manie wohl zu Recht auf unbefristete Zeit weiterleben…

Setlist VOLBEAT
Guitar Gangsters & Cadillac Blood
Back To prom
Caroline Leaving
Radio Girl
Say Your Number
Sad Man’s Tongue
Soulweeper 1+2
A Moment Forever
Maybellene
Light Away
Wild Rower
Boa
Pool Of Booze
Mary Ann’s Place
I’m So Lonesome I Could Cry
The Garden’s Tale
We

Human Instrument
Broken Man And The Dawn
Still Counting

Copyright Fotos: Tine Kersten

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