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WACKEN OPEN AIR 2007 – Tag 2

Ort: Wacken

Datum: 03.08.2007

SUIDAKRA
Aber dass morgens um 11 Uhr ein Festivalplatz bereits dermaßen gut gefüllt ist, hab ich auch noch nicht erlebt/ gehört! Somit rockten SUIDAKRA auf der Black Stage ihren folkigen Death Metal unter eine bereits beachtliche Menge und wurden dementsprechend frenetisch abgefeiert. Die sympathischen Jungs sind schon längst mehr als nur ein Geheimtip!

BLACK DAHLIA MURDER
Mich zog es aber eher zur Party Stage und THE BLACK DAHLIA MURDER, die die Meute mit ihrem patenten Nucore/ Death/ Grind-Geballer mal ordentlich wachrüttelten. Auch hier verheißen neue Songs ein bärenstarkes neues Album. So gab es zu früher Stunde schon amtliche Moshpits zu vermelden.

Nachdem SUIDAKRA und die unglaublichen BLACK DAHLIA MURDER den Mähnenschwingern amtlich die Müdigkeit aus den Knochen gepustet hatten, war es an der finnisch Death/ Folk Metal-Legende AMORPHIS weiter für Stimmung zu sorgen. Etwas verwunderlich, dass die Nordlichter schon zur Mittagszeit ran sollten, fanden sich doch mit „Eclipse“ eindrucksvoll zu alter Stärke zurück und hätten sicherlich einen Platz am Abend verdient gehabt. Etwas weiter nach hinten wurde man dann allerdings zwangsweise verschoben, da ein, durch die Kombination knallende Sonne + trockenes Stroh + Glimmstengel verursachtes, recht großes Feuer auf der Festival-Area den Innenraum und die Bühne mächtig einnebelte und auch die Firefighters gerufen werden mussten. So schickte man die Grind-Legende NAPALM DEATH auf der Black Stage etwas früher ins Rennen und setzte den AMORPHIS-Gig danach an.

NAPALM DEATH
Das erste Beam-Frühstück mußte vernommen werden und so wollte ich passend zu den Grind-Königen NAPALM DEATH zurück sein, womit ich natürlich den Anfang nur im Anmarsch aufs Gelände hörte. Und selbst das beschwor schon Gänsehaut hervor! Ich hab die jetzt schon wer-weiß-wie oft gesehen, aber ein Open Air-Gig vor 20.000 Leuten in praller Sonne ist doch was ganz Eigenes. Und so kloppten sich Barney & Co quer durch ihre über 20-jährige Historie. „Unchallenged Hate“, „Suffer the Children“, „Breed to Breathe“ oder neuer Stoff wie „Sink Fast, Let Go“ ließen Alt- wie Jung-Fans mächtig abgehen. Nebenbei mit einem Bombensound. Und Fronter Barney ist und bleibt ein Unikat im Metal-Zirkus! So kann es gerne noch 20 Jahre weitergehen…

AMORPHIS
Diese Verzögerung (s.o.) tat dann allerdings weder der Stimmung der Band noch der wartenden Fans einen Abbruch. Und obwohl die helle Sonne vom Himmel brannte, schafften es die Finnen mit ihren großartigen düster-atmosphärischen Hymnen Gänsehaut-Stimmung zu erzeugen. So ergänzen sich neuere Granaten, wie „The Smoke“, „Leaves Scar“ und der Ohrwurm „House of Sleep“ ideal mit alten Gassenhauern der Marke „In the Beginning“, dem SloMo-Brecher „My Kantele“ oder das fast vergessene „Alone“ vom unterbewerteten „AM Universum“-Album. Schön zu sehen, wie die Band zusammen mit ihrem neuen Fronter Tomi Joutsen wieder richtig aufgeht und selbst der sonst zurückhaltend agierende Gitarrist Tomi Koivusaari mächtig die Axt kreisen lässt. Leider hat man an diesem Tag noch kein Stück vom anstehenden neuen Album „Silent Waters“ im Set. Aber mit dem Ur-Klassiker „Black Winter Day“ brachte auch mal wieder einen der bekanntesten Death Metal-Songs ever live und krönte damit ein tolles Set zu der noch frühen Stunde!

COMMUNIC
Juhu, besser kann doch der Freitag für mich gar nicht beginnen. Progressiver Metal aus Norwegen. COMMUNIC gaben sich die Ehre auf der Party Stage. In Angesicht der für verkaterte Menschen noch recht frühen Uhrzeit hatte sich doch eine ansehnliche Menge vor der Bühne versammelt und lauschte andächtig den Klängen der Norweger. In absolut gewohnt guter Qualität gab es älteres und neueres Material, wobei ich wieder mal sagen muss, dass COMMUNIC in einer kleineren Halle einfach noch viel intensiver wirken. Nichtsdestotrotz ein genialer Gig, der gerne noch länger hätte dauern können! In diesem Fall war vielleicht auch noch das kleine Feuerchen, welches kurz nach Beginn des AMORPHIS Auftritts vor der True Stage ausgebrochen war, von Vorteil für die Norweger, da sich wohl nicht wenige rüber zur Partystage begaben, während sich das Programm auf der anderen Bühne erstmal nach Hinten verschob

VOLBEAT
Elvis lebt! Die Dänen sind los! So oder so ähnlich fühlte man sich am Freitag Mittag, wenn man sich zur Partystage begeben hatte, um sich Rock’n‘ Roll made in Denmark um die Ohren blasen zu lassen. Wem POSSESSED, die zeitgleich auf der Blackstage spielten, zu oldschoolig waren, war hier genau richtig aufgehoben. VOLBEAT machten dem Namen der Bühne wirklich alle Ehre und feierten einfach eine riesige Party, bei der jeder Song, egal ob älteren oder neueren Datums vom Publikum gefeiert und stellenweise lauthals mitgesungen wurde. Wer’s verpasst hat, darf sich gerne in den Hintern beißen, denn die Jungs aus Kopenhagen wissen, wie man das Publikum anheizt! Ich ernenne hiermit die Dänen zum partyfreudigsten Völkchen unter den Bands, wenn man bedenkt, dass die Landsmänner von VOLBEAT am Tag zuvor eine Party gefeiert haben, die ebenfalls nicht von schlechten Eltern war.

POSSESSED
Dann kamen endlich die eingefleischten Ur-Metaller auf ihre Kosten in Form von POSSESSED! Und es wurde wie erwartet richtig voll vor der Bühne, kaum zu glauben, welchen Status die Combo nach 18 Jahren Abstinenz immer noch hat! Und das, obwohl mit Sänger Jeff Beccerra nur ein Orignalmitglied am Start ist, die tighte Backing Band besteht aus SADISTIC INTENT. Und so kamen viele in den historischen Genuß der allerersten wirklichen Death Metal-Songs, die damals offiziell auf die Menschheit losgelassen wurden! Das Jeff vor einigen Jahren von einer verirrten Kugel getroffen wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt, hinderte ihn nicht an einer geilen Performance. Seine Begleitband schredderte die Tracks schön sauber runter, aber es ist natürlich schon was anderes, einen Larry Lalonde an der Klampfe zu sehen. Trotzdem wurde bis in die hintersten Reihen frenetisch gehuldigt und Jeff fehlten so manches Mal die Worte. Die Tracks des Bahnbrechenden 85er-Debuts „Seven Churches“ kamen natürlich am Besten an. „Exorcist“, „Burning in Hell“ und natürlich „Death Metal“ wurden gefeiert, als wäre die Band nie weg gewesen. Für mich die größte Überraschung des Festivals! Die etwas technischeren Tracks des 86er-Zweitlings „Beyond the Gates“ wurden auch wohlwollend aufgenommen, etwa „Heretic“, „Tribulation“ oder „Seance“. Die wesentlich straighteren Titel der finalen 87er-Mini „The Eyes of Horror“ luden aber erst recht zum Bangen ein, u.a. „Confessions“ und „My Belief“. Hoffentlich sehen wir Jeff nochmal wieder auf deutschen Bühnen, in der Verfassung gehören POSSESSED nach wie vor zur Speerspitze der Death Metal-Szene! Ein satanisches DANKE an die Wacken-Crew, die diesen Reunion-Gig ermöglicht hat…und jetzt auf die DVD warten.

ENSLAVED
Wunderbar bombastisch und absolut mitreißend war auch die Show der Norweger ENSLAVED. Wie lange hatte ich auf eine Chance gewartet, diese Band einmal live erleben zu können. Endlich hat es geklappt. Einfach ein rundum perfekter Auftritt, bei dem das Publikum der Band wirklich aus der Hand fraß. Kein Wunder, wer derart hymnische Songs im Gepäck hat, kann nichts falsch machen und so wurden auch ENSLAVED mit einer ordentlich Menge an Zuschauern, die sich vor der Party Stage eingefunden hatte, belohnt. Auch Open Air sind neuere Hymnen wie das grandiose „Isa“ oder das urtümliche „Jotunblood“ vom „Frost“-Album wahre Hits, die eine düstere, epische und dennoch brutale Atmosphäre kreieren. Imposant!!

DRONE
Ab ins Zelt gewandert zu DRONE, die mit ihrem neuen Album „Head on Collision“ ein fettes Ausrufezeichen in der Thrash-Community setzen konnten. Dementsprechend brechend voll war es im Headbangers Ballroom. Nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal, was die Überlegung zulässt, das Dingen zu vergrößern oder hier nur wirkliche Newcomer zocken zu lassen. Denn etliche der hier spielenden Bands hätten auch locker auf einer der Bühnen bestanden und ihre Berechtigung gehabt! DRONE räumten auf jeden Fall gnadenlos ab mit ihrem MACHINE HEAD-lastigen Thrash Metal, die werden wir auf jeden Fall auf einer der großen Bühnen wiedersehen.

SABBAT
Die englischen Thrasher um Frontwirbel Martin Walkyier und mittlerweile Top-Producer Andy Sneap haben sich nach 17 Jahren auch wieder zusammengerauft und zockten einen Gig runter, der einem die Kinnlade auf halb 8 rauschen ließ! Unfaßbar tight und mit einem gnadenlos geilen Sound gesegnet feuerte man eine Granate nach der nächsten in das übervolle Zelt. Auch vor dem Zelt drängte sich noch eine riesige Meute und mit seinen altbekannten lispelnd-kauzig-lustigen Deutsch-Ansagen hatte Martin die Menge jederzeit im Griff. Waren die echt so lange weg? War nix, aber auch gar nix von zu merken! Die Originalbesetzung zockte Thrash-Perlen wie „Hosanna in Excelsis“, „For those who Died“, „A Cautionary Tale“, „The Clerical Conspiracy“ oder „Do Dark Horses Dream of Nightmares?“ mit einer Freude wie damals runter, Sneap zauberte göttliche Soli aus seiner Klampfe und der Mob rastete komplett aus. Geiler kann eine Reunion nicht aussehen und die von Martin angekündigte Herbst-Tour dürfen Thrash-Fans auf keinen Fall verpassen! Am Merch-Stand fand nach dem Gig ein wahrer Run auf die selbstgemachten SABBAT-Shirts statt, die nach wenigen Minuten bereits vergriffen waren! Und es waren nicht nur alte Säcke wie ich, die ein solches Leibchen ergatterten. Phänomenaler Gig!

LACUNA COIL
Zu LACUNA COIL wollte wohl nicht nur ich… Proppevoll war´s um 8 vor der Black Stage! Und Cristina legte mit ihren Mannen extrem fett los, richtig metallisch das Ganze. Perlen wie „Heaven´s a Lie“, „Within Me“, „Our Truth“ oder der Gänsehaut-Abräumer „Enjoy the Silence“ luden nicht nur zum Träumen, sondern auch allerorten zum Bangen ein. Andrea und Cristina hatten die versammelte Metaller-Meute im Griff und die Band legte einen Arschgeilen Gig hin

BLIND GUARDIAN
BLIND GUARDIAN sollten ja mit der längsten Spielzeit (90 Minuten) aller Bands in diesem Jahr loslegen. Taten sie auch, mit imposanter Lightshow, abermals brilliantem Sound und alten Kloppern wie „Born in a Mourning Hall“. Schön schön. Auch schön brechend voll. Aber so richtig umgefegt hat mich das jetzt nicht. Hansis Sprüche kenn ich ja schon fast besser als er selber und irgendwie wird man dass Gefühl nicht los, dass die Magie im letzten Jahrtausend liegen geblieben ist bei den Gardinen. Klar, „Nightfall“ kommt imposant, der „Bard´s Song“ einfach nur gigantisch in einem solchen Ambiente. Aber die Gänsehaut will nicht mehr so recht rauskommen. Vielleicht sollten die Herren einfach mal eine kleine schweissige Clubtour spielen.

BELPHEGOR
Die entfachten ein wahres Inferno im erneut übervollen Headbanger´s Ballroom! Tight wie ein Österreicher (hä?…) Uhrwerk ratterten die Herren durch ihre mittlerweile auch schon 16-jährige Historie. Vornehmlich kamen Songs vom neuen Hammerwerk „Pestapokalypse VI“ zum Zuge, von denen „Bluhtsturm Erotica“ alles glattbügelte – was ein Monstersong!

DIMMU BORGIR
Nachdem BLIND GUARDIAN dass klassische Metal-Highlight gesetzt hatten, wurde es nun Zeit für die schwarzen Seelen aus Norwegen. So machten sich DIMMU BORGIR auf, um mit ihrem atmosphärischen Black Metal die Massen in Trance zu versetzen. Dabei fuhren sie nicht nur eine eindrucksvolle Light- und Pyro-Show auf, sondern besannen sich in ihrem Set auf reichlich bekannte Hits der Marke „Kings of the Carnival Creation“, „Progenies of the great Apocalypse“, „A Succubus in a Rapture“, das vor nicht zu langer Zeit neu eingespielte „Spellbound“ oder den brutalo Kracher „Indoctrination“! Vom neuen Album „In Sorte Diaboli“ hatte man ledeglich den quasi Titelsong „The chosen Legacy“ und natürlich die Single „The Serpentine Offering“ im Gepäck. Herausragend bei der Show der nordischen Bösewichter fiel besonders Basser Simen Hestnaes alias ICS Vortex auf, welcher durch grandiose cleane Vocals und tightes Spiel beeindruckte. Zum Abschluss durfte dann natürlich „Mourning Palace“ nicht fehlen. Unterstützt wurden die routiniert agierenden Norweger dabei wieder einmal von Drummer Tony Laureano (NILE, 1349, MALEVOLENT CREATION, ANGEL CORPSE), der dieses Mal den verletzten Hellhammer (MAYHEM) vertrat. Und auch wenn die DIMMU BORGIR durchweg abgefeiert wurden, zogen sich Song für Song einige Fans zurück. Dies lag einmal an dem bevorstehenden Gig von ICED EARTH auf der True Stage, aber auch an dem phasenweise doch arg breiigen Gitarrensound, welcher gegen die fetten Doublebass-Attacken und die wummernden Bassläufe kaum ankam. Dennoch ein gelungener Auftritt von DIMMU BORGIR, wenn auch kein herausragender.

ICED EARTH
Die Vorfreude war groß, endlich wieder ICED EARTH! Die Enttäuschung umso größer! Klar war´s voll, klar wurde gefeiert. Aber der Ripper gehört genauso wenig zu ICED EARTH wie Blaze zu IRON MAIDEN. Beides begnadete Sänger, aber in den falschen Bands. „Melancholy“ wurde mal gleich ausgelassen, ein Unding! Die Tracklist war ansonsten OK, vornehmlich bei den älteren Stücken überkam einen allerdings ein leichtes Grausen, wenn Owens diese Klassiker in höchsten Sphären zersang. So muß man das leider sagen, und das, obwohl ich seit WINTER´S BANE-Zeiten ein Fan von ihm bin und auch seine Solo-Scheibe/ Tour stark fand.Die vorgestellten neuen Songs verheissen ein starkes Album, welche Mannschaft Mr. Schaffer parat hat, ist dabei nebensächlich. Alles gute Musiker, aber austauschbar halt. Barlow, übernehmen Sie!

Dem langen Tag und den paar eingeflössten „Säften“ musste Tribut gezollt werden und so lieferten DIE APOKALYPTISCHEN REITER das Motto des Wochenendes (na,eigentlich des Lebens!) noch zu nächtlicher Stunde vor immer noch etlichen tausend Bangern ab: METAL WILL NEVER DIE!

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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