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WACKEN OPEN AIR 2007 – Tag 3

Ort: Wacken

Datum: 04.08.2007

SONIC SYNDICATE
Auch am Samstag musste man unbedingt zeitig aus den Latschen kommen, denn um 12 sollte schon der derzeit heißeste Newcomer auf der Black Stage starten: SONIC SYNDICATE!
Wer hier was von Hype faselt, der soll sich mal schnell wieder hinlegen und die Fresse halten! Die Band spielt trotz ihres noch blutjungen Alters von im Schnitt nicht mal 20 schon seit 7/ 8 Jahren zusammen und hat vor dem von Nuclear Blast gepuschten aktuellen Album schon ein ebenso starkes, selbstverzapftes Debut vorgelegt („Eden Fire“)! „Only Inhuman“ ist also das zweite Werk. Das ist nicht der einzige Lapsus, den sich die Redaktion des ansonsten geilen Wacken-Programm-Heftes erlaubt hat (dort wird „Only Inhuman“ als Debut genannt)! Wer recherchiert denn da? Wer das phänomenale Debut der 5 jungen Herren plus junge Dame (am Bass) gehört hat, der wird sich nicht gewundert haben, dass sie sich 2005 gegen weltweit 1.500 andere Bands durchgesetzt haben und den Plattenvertrag gewannen beim Blast-Contest. Dass man sich jetzt optisch stylisch-modern präsentiert, ist wohl nur mit Business-Shit zu erklären. Die Mucke war auch mit Jeans und T-shirt geil. Schon mit dem Debut verblies man etablierte Combos wie IN FLAMES oder SOILWORK (denen man unüberhörbar nacheifert) aus dem Stand, mit dem Wonneproppen „Only Inhuman“ räumte man in der Presse schon allerorten mächtigst ab. Jetzt hieß es, das Ganze auch Live zu bestätigen. Und was soll man sagen… am besten gar nix! Was hier an Wechsel-/ Doppel-/ Mehrfach-Gesang durch die Mikros gelassen wurde, zog selbst mir, der ja schon so ein „paar“ Bands gesehen hat mittlerweile, die stinkenden Socken aus! Perfekt! Die beiden Hauptsänger Roland und Richard brillierten auf allen Kreisch/ Sing/ Brüll-Ebenen, als wären sie dafür geboren worden. Der Rest der Combo zockte mit enormster Spielfreude tight-as-fuck, der Sound war bombig und die zig-tausende Fans vor der Bühne gingen schon am Mittag voll steil. Von Nervosität ob der Riesenmasse war bei den Sechsen nichts zu spüren. Fast das gesamte 2.Album kam zum Zuge, der Clubhit „Denied“ ragte da nochmal etwas heraus. Schon beim Debut habe ich gesagt, die werden Groß. Jetzt sind sie groß, mit einem solchen Album in der Hand und dermaßen geilen Live-Performances werden SONIC SYNDICATE Riesengroß! Wahnsinnsgig!

DISILLUSION
Wie auch tags zu vor, begann mein Samstag ordentlich progressiv. Zur besten Frühshoppenzeit gaben sich die deutschen Proggies von DISILLUSION die Ehre und bemühten sich redlich, das Publikum vor der Partystage so langsam auf den nun folgenden Festivaltag einzustimmen. So sperrig die Songs auch sein mögen, vor der Bühne hatte sich eine recht ordentliche Menge an Fans eingefunden, die trotz der noch recht frühen Stunde die Band ordentlich abfeierten. Aber auch wie schon bei COMMUNIC gilt auch hier: Die Songs wirken in kleineren Hallen einfach noch viel intensiver und CD Kenntnis ist auch von Vorteil. Sonst passiert es wahrscheinlich nicht wenigen, dass sie einfach keinen Zugang zum Material finden. Kracher wie „Back To Times Of Splendor“ und „The Mirror Cracked“ durften natürlich nicht fehlen und wurden mit eifrigem Headbangen begleitet. Und spätestens beim Rausschmeißer „Don´t Go Any Further“, der wahrlich schmissig war, dürfte auch der letzte vor der Bühne herumlungernde wachgerüttelt worden sein. Geiler Gig, Daumen hoch!

SACRED REICH
Womit wir von der einen persönlichen Gewinnercombo zur Nächsten gehen können: SACRED REICH! Die letzten Takte von DISILLUSIONS „Don´t go any Further“ ballerten amtlich von der Party Stage herüber, während sich Horden, echt Horden um die Mittagszeit vor der True Stage positionierten! Bestimmt 30.000 oder so hatten schon vor dem Gig der Ami-Thrasher einen verklärten Glanz in den Augen und der Jubelorkan, der losbrach, als Phil und Mannen die Bühne enterten, ist kaum zu beschreiben und dieser Gig wird den Herren wohl ewig in Erinnerung bleiben! Hoffentlich überlegen sie es sich nochmal und machen doch noch weiter, denn es sind ja nur 6 Gigs geplant gewesen weltweit. Wer allerdings nach 18 Jahren Abstinenz einen dermaßen fulminanten Spaß-Gig in technischer Perfektion hinlegt, der gehört einfach auf die Bühne! Nichts, aber auch gar nichts haben die alten Säcke verlernt. Da sitzt jedes Riff, jedes Break, jeder Ton schlafwandlerisch sicher. Die können’s halt einfach. Phil ist zwar etwas rundlicher geworden und sieht mit seiner Kurzfrisur wie ein Schuljunge aus, das stört aber bei derart sympatisch-witzigen Ansagen niemand. Und ebenso wie bei POSSESSED oder SABBAT hat anscheinend auch SACRED REICH niemand vergessen, anders ist diese Vollversammlung vor der Bühne nicht zu erklären. Wacken und Mitläufer-Hype? Hab ich in 3 Tagen nicht viel von gesehen! Eher im Gegenteil, dermaßen viele alte bis uralte Metal-Leibchen auf einen Haufen gab es wohl noch nie zu bewundern… mir wollte man ja auch schon wieder zigfach meine EXHORDER-Shirts abwerben… ohne Erfolg natürlich! Und die Amis gaben der Meute, was sie verlangte: THRASH! In Form von zeitlosen Klassikern wie „Death Squad“, „Ignorance“, „Independant“, „Love+Hate“, „The American Way“, „Crimes against Humanity“, „Who´s to Blame“, dem obligatorischen Sab-Cover „War Pigs“ oder dem Überflieger „Surf Nicaragua“. Eine Zeitreise, die einfach nicht enden darf. Dieser Wahnsinnsgig zeigte eindrucksvoll, wie wichtig die alten Helden immer noch sind(und auch bleiben!) und in dieser Verfassung sind SACRED REICH aus der Szene nicht wegzudenken. Come back!

HEAVEN SHALL BURN
Keine Zeit zum Abkühlen, denn der nächste Brocken wartete schon mit HEAVEN SHALL BURN in den Party Stage-Startlöchern. Und weshalb die Jungs die absolute Macht im Death Metallischen NuCore-Sektor sind, wurde am heutigen Spätmittag bei brütender Hitze allzu deutlich klar. Lediglich im hinteren Sektor des Geländes hätten noch ein paar Mäuschen Platz gefunden, ansonsten dicht gedrängter Wahnsinn auf Beinen. Wer Brecher wie „Profane Believers“, „Counterweight“ oder den derzeit größten Metal/ Core-Hit „The Weapon they Fear“ am Start hat, der braucht sich um komplett ausrastende Tausendschaften keine Gedanken machen. Aber das reichte Fronter Marcus nicht, man wollte den Weltgrößten Pit sehen…und man bekam ihn! Wohl auch zum Erstaunen der Band, und wer auf youtube die zahlreichen Clips zu diesem Happening während „Voice of the Voiceless“ (glaub ich) gesehen hat bzw. live vor Ort war, der kann das nur staunend bestätigen. Abertausende von Fans setzten sich entgegen des Uhrzeigersinns in Bewegung und bildeten einen mit Fullspeed dahinrasenden Circle-Pit, der sich um die im hinteren Drittel des Geländes aufgebauten Saufbuden bewegte! Und das während des ganzen Songs. Ein neben uns platzierter Rollstuhlfahrer kam nebst Begleitungen gar nicht so schnell weg, er wurde einfach „umflossen“ und blieb Arschcool dabei. Sowas hat noch keiner gesehen und der aufgewirbelte Staub legte sich danach nur langsam wieder. Nicht nur auf Grund dieses Spaßes ein absoluter Abräumergig der „Ossis“.

MOONSPELL
Nachdem die Portugiesen von MOONSPELL nach dem großen Erfolg von „Wolfheart“ und „Irreligious“ auf experimentellen Pfaden wanderten, sind die letzten drei Alben wieder um einiges härter geworden. Dementsprechend fiel auch die Bühnenshow, soweit am frühen Nachmittag möglich, ne Ecke düsterer und böser aus. Schwarze Klamotten, stark geschminkt und sehr energisch enterten die Südländer zum ersten Mal in ihrere Karriere eine Bühne des W:O:A:! Und dann gab es Moonspell in Höchstform. Eine Setlist gespickt mit alten Hits, wie die grandiosen „Vampiria“, „Alma Mater“, „Mephisto“ und“ Opium“ ergänzten sich mit neueren Krachern der Marke „Everything Invaded“ und brachten doch so einige skeptische Zuschauer zum mitgehen und abgehen. Kein Halten gab es natürlich, als zum Ende der Top-Knaller „Full Moon Madness“ angestimmt wurde. So melden sich MOONSPELL nach einem alkoholgetränkten Auftritt auf dem Tuska in Deutschland eindrucksvoll zurück!

STRATOVARIOUS
Während STRATOVARIUS konnte man sich gut ein Päuschen erlauben und nachtanken. „Hunting High and Low“ und ähnliche Skandinavien-Melodik eignet sich gut als Hintergrundmusik zum Grillen und Saufen…schien aber der Lautstärke nach auch auf dem Gelände gut frequentiert zu sein. DIR EN GREY klangen sogar aus der Ferne etwas anstrengend, es gibt definitiv interessantere Festivalbands.

SECRETS OF THE MOON
Die Osnabrücker Prog-Black Metaller von SECRETS OF THE MOON sind spätestens seit dem grandiosen „Antithesis“ keine Geheimtipp mehr. Drummer Jörg gehört mittlerweile zu den gefragtesten Trommlern in der deutschen Düster-Szene und von der Ausstrahlung von Fronter Phil könnte sich CELTIC FROSTs Tom Gabriel Fischer heutzutage noch einiges abschauen! Gleich mit dem Oberknaller „Ordinance“ versetzte man das prall gefüllte Zelt in pure Ekstase! Da wurde gemosht, geklatscht und mächtig abgegangen, so schnell hatte man die Massen auf seiner Seite. Das stachelte auch die Band an, die in ihren leider nur 30 Min.-Set alles aus sich heraus holte und mit dem grandiosen „Lucifer Speaks“ ein viel zu kurzes Set beendete. Da sollte man sich früh zu den diesjährigen Hellflame Festivals begeben, um mehr von diesen Jungs zu sehen. Und nächstes Jahr gehören SECRETS OF THE MOON auf die große Bühne!

THE VISION BLEAK
SECRETS OF THE MOON-Schlagwerker Jörg konnte eigentlich gleich hinter seinem Kit sitzen bleiben, hilft der doch derzeit bei den deutschen Düster-Rockern THE VISION BLEAK aus. Da musste also nur kurz frisches Make Up aufgelegt werden und weiter ging’s. Und was für einen Status die Band um Gitarrist Schwadorf mittlerweile hat, wurde mit dem im Line-Check eingespielten Intro von „Lone Night Rider“ deutlich, bei dem das gesamte Zelt prompt ausflippte. Doch den Start markierten die Horror-Metaller mit dem Knaller „Kutulu“. „Carpathia“ durfte natürlich genauso wenig fehlen wie „Metropolis“ und „Deathship Symphony“, welche die Band um die beiden Hauptakteure Konstanz und Schwadorf gewohnt engagiert und schön theatralisch darbot. Als Vorboten zum neuen Album „the Wolves go hunting their Prey“ präsentierte man den letzten Songs des neuen Werks „By our Brotherhood with Seth“, welcher in typischer THE VISION BLEAK-Manier mit fetten Riff-Wänden nach vorne walzt. Durch die viel zu kurze Spielzeit blieb am Ende leider keine Zeit mehr für den Überhit „The Lone Night Rider“, was auch die massiven „Zugabe“-Rufe der Menge nicht ändern konnte. Aber in wenigen Wochen gibt es ja frisches Futter für die Meute!

SWALLOW THE SUN
SWALLOW THE SUN waren definitiv mit eine der Bands, auf die ich mich am meisten gefreut hatte. Getrübt wurde die Vorfreude eigentlich nur durch die Tatsache, dass man die Finnen um Sänger Miko Kotamäki auf die W.E.T.Stage verfrachtet und man ihnen obendrein nur 30 (!) Minuten Spielzeit gegeben hatte, was für eine Doomband nun wirklich lächerlich wenig ist. Angesichts der saunamäßigen Temperaturen, die im Zelt herrschten, wäre sicherlich niemand böse gewesen, hätten die Finnen ihrem Namen alle Ehre gemacht und das grell leuchtende Ding am Himmel wirklich verschluckt – ok zumindest während des Auftritts. Wie dem auch sei, der Sound war wirklich nicht der beste, was aber weder die Band selbst, noch die wirklich zahlreich erschienenen Fans so richtig zu stören schien. Das Zelt war zum Bersten gefüllt und das Publikum feierte SWALLOW THE SUN von der ersten Sekunde an. Eine sichtlich zufriedene Band doomte sich quer durch alte und neue Songs und machte das Beste aus der recht knapp bemessenen Spielzeit. Wenn sie jetzt noch zu späterer Stunde gespielt hätten, hätte die Dunkelheit dem ganzen Auftritt noch das gewisse Etwas verliehen. Aber man kann ja nicht alles haben und mit geschlossenen Augen doomte es sich doch gleich noch eine Ecke besser! Definitiv ein Siegeszug für die Finnen, die hier mit Sicherheit einige neue Fans dazu gewonnen haben sollten.

RAGE
RAGE zockten parallel zu SECRETS und TVB vor imposanter Menschenmasse mit Klassikorchester, was natürlich definitiv seinen Reiz hat. Brilliant musiziert und frenetisch abgefeiert. Trotz aller Klasse, ein solcher Mega-Gig schreit natürlich geradezu nach einer DVD-Verwertung, nicht nur ich wünsche mir wohl auch hier mal eine Tour mit ollen Kamellen, die man ja mittlerweile überhaupt nicht mehr zu Gehör bekommt (leider). So lag das Augenmerk logischerweise auf Lingua Mortis-Material wie „From the Cradle to the Grave“ oder Brechern vom aktuellen Hammeralbum „Speak of the Dead“. Das statt Animal Terrana nun ex-AXXIS-Schlagwerker Andre Hilgers an den Kesseln hockt, fällt Spieltechnisch rein gar nicht auf. Ziemlich einmalige Aufführung also, da man einen solchen Kraftakt finanziell normalerweise ja nicht stemmen kann. Großes Kino!

DESTRUCTION
Also direkt rüber zu dem im Vorfeld aufgebauschten DESTRUCTION-Specialgig, der ja einige Überraschungen parat haben sollte. Und die hatte er definitiv! Wie sollte es anders sein: Mordsmäßig voll vor der Black Stage um 18:45, der Jubelorkan, als Schmier & Co.die Bühne enterten, muß von dort oben gigantisch ausgesehen haben. Kann man gut auf der mitgeschnittenen Jubiläums-DVD nachprüfen im nächsten Jahr! Die Herren ließen sich auch nicht lange lumpen und feuerten eine Thrash-Granate nach der Nächsten in die unersättliche Meute. Selten so viele Thrasher auf einen Haufen ausrasten gesehen (siehe auch SODOM bzw.SACRED REICH). „The Butcher Strikes Back“, „Thrash ´til Death“ (YESSSS!!!), „Nailed to the Cross“ oder „Soul Collector“, da blieb kein Nackenwirbel auf dem Anderen! Dann war allerdings wieder historische Oberkultstunde angesagt: Für die alten Klopper kamen die alten Originalmitglieder auf die Bühne! „Total Desaster“ und „Bestial Invasion“, „Curse the Gods“, „Antichrist/ Reject Emotions“, „Eternal Ban“, „Death Trap/ Unconscious Ruins“ und natürlich „Mad Butcher“, da blieb kein Strohhalm auf dem anderen und die Kuh flog! Zumal man dann mal eben mit 3 Schlagzeugen parallel agierte (Olli/ Sven/ Marc)! Das gab’s noch nie (außer vielleicht bei MANOWAR) und ließ die Songs noch fetter erschallen. Besonders sick kam allerdings Urgitarrist Harry rüber, der im S/M-Outfit mit Gasmaske über die Bühne bretterte! Spielerisch haben er und Olli am Schlagzeug allerdings nichts verlernt in all den Jahren. Ur-Drummer Tommy wirkte immerhin noch an den Vocals mit. Ob man jetzt dabei noch die optischen Gimmicks wie die tanzenden Pleasure Slaves und einen Fleisch in die Menge werfenden Mad Butcher braucht, lassen wir mal dahingestellt. Sieht aber auf der DVD bestimmt gut aus. Zu „The Alliance of Hellhounds“ gesellten sich zwar nicht die Originalgastsänger, aber immerhin Peavy (RAGE), Tom (SODOM), Oddleif (COMMUNIC) und Blitz (OVERKILL)! Also mehr geht nun wahrlich nicht und die weltweiten Huldigungen auf der DESTRUCTION-Site zeigen, wie einmalig dieser Gig war. Nächstes Jahr darf vor der Flimmerkiste abgethrasht werden!

TYPE O’ NEGATIVE
Die grüne Düster-Legende um Playgirl-Model Pete Steel hat sich in den letzten Jahren nicht wirklich Lorbeeren verdient, wenn es um ihre Live-Shows ging. So erlebte ich die Band zuletzt in lustloser Form, mit ungewöhnlicher Setlist und dazu auch noch schluderig dargeboten. So durfte man gespannt sein, wie diese Show ausfällt. In dieser tat sich der polarisierende Fronter übrigens nicht nur klassisch am Rotwein gütlich, sondern sich während der gut 70 Minuten auch noch ne Flasche Jägermeister in den Schädel. Passend rotzig-punkig dazu legten der Ersatz für BULLET FOR MY VALENTINE auch los.“Trux“, „We hate everyone“ oder „Profits of Doom“ knallte man zu Beginn in einem recht matschigen Sound runter. Nach der zweiten Flasche Rotwein, deren Rest mitsamt Behältnis in den Fan-Reihen landete, waren die Ansagen des Herrn Steele dann nicht mehr wirklich zu verstehen. Doch die Texte der nun folgenden Hitreihe mit „Love you to death“, „Christian Woman“, „Waste of Life“ und natürlich „Black No.1“ kannte eh jeder der zigtausenden Anwesenden in und auswendig. Da der Herr Steele sich mittlerweile auf dem Bühnenboden herumwälzte, übernahmen wieder einmal der noch am routiniertesten und sichersten agierende Gitarrist Kenny Hickey und Keyboarder Josh Silver einen Großteil der Vocals. So hinterließen TYPE O’NEGATIVE auch diesmal wieder einen mehr als nur zwiespältigen Eindruck. Ich persönlich werde mir in Zukunft genau überlegen, ob ich mir diese Band, die auf Platte und live einst so eine großartige Atmosphäre erschaffen konnte, noch einmal anschauen werde.

IMMORTAL
Für viele eigentlich schon seit Monaten erwartet sorgte die Reunion der Black Metal-Helden IMMORTAL für großes Aufsehen in der Metal-Welt. Schon der Gig von SATYRICON feat. DARKTHRONE brachte unglaubliche Massen zum Ausrasten und auch dieses Mal war es mehr als erstaunlich, wie viel Tausende von Leuten eine Band mit einem derart rohen und kalten Sound faszinieren kann. Nach einem atmosphärischen Intro verbliesen IMMORTAL, die ja nun durch AURA NOIRs Apollyon am Bass ergänzt werden, mit „the Sun no longer rises“ auf die letzten Kritiker dieser Reunion. Derart kalt, roh und dennoch zutief atmosphärisch kommt kaum eine Band rüber. „Tyrants“ und „One by One“ sorgten für wahre Begeisterungsstürme in den Massen, auf denen man ein Meer an Crowdsurfern Richtung Bühnen wogen sah. Selbst das brachiale Ungewitter „Unholy Forces of Evil“ pumpte Stimmung weiter nach oben, welche mit dem obligatorischen Feuer-Spucken zu „Unsilent Storms in the North Abyss“ und dem grandiosen „At the Heart of Winter“ ihren Höhepunkt erreichte! Es ist einfach königlich zu beobachten, wie Abbath auf der Bühne abgeht, rockt, posed und krächzt, Horgh mit unglaublicher Präzision seine Felle verdrischt und Apollyon das zuletzt nie so ganz passende Puzzle-Stück am Bass darstellt. Zum Ende hin gab es dann natürlich Black Metal-Geschichte pur. So wurde erst das Meisterstück „Battles in the North“ energisch runtergeprügelt und beim Überknaller „Blashyrkh“ gab es in ganz Wacken natürlich kein Halten mehr. Und so kultig böse IMMORTAL auch sind, so typisch ist auch ihr Abgang. „Blashyrkh“ zu Ende: Licht aus, Band Weg, fertig! Noch Fragen? Eigentlich keine, sondern viel mehr die Vorfreude auf das neue Album auf dem (und nicht live) auch endlich wieder Demonaz an der Gitarre mitwirken soll!

IN FLAMES
Nun hieß es Beeilung, damit man sich auch ein gutes Plätzchen für die schwedischen Todesblei-Helden IN FLAMES zu sichern. Und haben die Nordlichter zuletzt im Vorprogramm von IRON MAIDEN mehr durch Routine-Shows „geglänzt“, wirkten sie an diesem Abend wie ausgewechselt. Und auch wenn man wieder viele alte Klassiker außen vor ließ, konnte man die Massen beeindruckend mitreissen. Auch wenn mein Kollege Moses da anderer Meinung ist, können andere Bands wie z.B. SONIC SYNDICATE noch lange werkeln und werden kaum diesen Status erreichen. Denn es ist schon grandios wie die Massen zu „Trigger“ völlig ausrasteten, bei „Pinball Map“ mächtig steil gehen“, lautstark zu „Crawl through Knives“ mitsingen oder es zu „Cloud Connected“ kein Halten mehr gibt. Diese Kracher wurden dann noch mit amtlichen Pyro-Bomben unterstrichen. Doch wahrliche Schauder überkamen einen, als der gut gelaunte Anders Friden die Fans bat Feuerzeuge, leuchtende Displays oder was auch immer in die Höhe zu recken, um dann mit der Band das grandiose „Come Clarity“ zu spielen. DAS ist großes Kino! Genauso wie „Only for the Weak“ bei den man alle Massen von vorne bis hinten und rechts nach links, das gesamte Gelände hüpfen sah! Hammer! Nach all den Jahren und all den Gigs noch so eine Show abzuziehen… Respekt! Dieser grandiose Auftritt wurde dann klassisch mit „My sweet Shadow“ beendet und da nahmen Künstler und die Wacken-Leute die Zeile „burn out, burn out“ und besorgten diesem würdigen Festival-Finale mit einem großen Feuerwerk die angemessene Krönung!

CANNIBAL CORPSE
Für CANNIBAL CORPSE galt es nochmal die Augen aufzureißen um Viertel vor Eins. Wollte ich mir eigentlich gar nicht komplett anschauen, die letzten Gigs waren mir einfach zu routiniert und zäh. Doch heute war ganz großes Kino angesagt! Die Jungs haben ja immer einen glasklaren Sound, aber das fette Geballer setzte dem Ganzen heute Nacht die Krone auf. Zudem die Riesenmenge vor der Bühne und eine amtliche Lightshow. Ansagen wie immer keine, und Kommunikation mit dem Publikum gibt´s ja bekanntlich auch so gut wie gar nicht. „The Time to Kill is Now“ oder „Murder Worship“ benötigen ja auch keine Ansage, „Hammer Smashed Face“ erst recht nicht! Die brüllen auch so alles nieder. „Decency Defied“ kam mächtiger denn je und ließ des Schreibers Birne rotieren, wie beim Sanktnimmerleinstag… Gegen den Todesbanger vor dem Satan, Mr.Corpsegrinder am Mikro, kommt man natürlich nichts an. Immer wieder erstaunlich, wie der dieses viehische Propellerbanging seit Jahren durchhält. Der Rest der Combo zockte tighter, wie man nicht tighter zocken kann. So verging die Stunde viel zu schnell und CORPSE hinterliessen mit u.a.“Devoured by Vermin“, „Fucked with a Knife“ oder „Born in a Casket“ nichts als verbrannte Erde! Endlich mal wieder ein Hammergig der Kannibalen.

VITAL REMAINS
Die Death Metal-Horden zog es dann ins Zelt zu VITAL REMAINS, die natürlich ohne Benton spielten. Zu fünft entfachte man ein wahres Inferno im trotz vorgerückter Stunde proppevollen Zelt.

SUBWAY TO SALLY
Parallel durften SUBWAY TO SALLY auf der True Metal Stage das diesjährige W:O:A um 3:00 beschliessen. Waren erstaunlich metallisch ausgerichtet die Mittelaltermetaller und anhand der immer noch immensen Zuschauerzahl konnte man sehen, dass die Band aus dem Metal-Universum nicht wegzudenken ist. Grandioser musikalischer Abschluß eines grandiosen Festivals.

Fazit?!:nächstes Jahr natürlich dabei!
Alle Bands hatten einen ausnahmslos bombigen Sound, auf allen Stages! Ebenso wurden alle Combos mächtigst abgefeiert und die Stimmung war von mittags bis nachts durchgehend ausgelassen.
Definitiv verbesserungswürdig ist die Instruktion der Ordner und die Vorab-Information der Presse, was Wege und Einlässe angeht. Auch der Durchgang zur Party Stage ging phasenweise gar nicht und war viel zu klein. Ebenso ging der Einlaß am Haupteingang nicht wirklich, besonders zur Mittagszeit, wenn Massen reinwollten und es sich arg staute. Auch das Zelt ist mitterweile zu klein für die Klasse der dort antretenden Bands.

Trotzdem:Die größte Heavy Metal-Party der Welt darf man nicht verpassen. Das Festival soll lt.Veranstalter definitiv nicht größer werden, was abzuwarten bleibt. Aber es wird wieder ausverkauft sein 2008, und das liegt nicht an der Verpflichtung von IRON MAIDEN (mit einzigem Gig next year und special Powerslave-Show). Das Festival wäre auch ohne Maiden voll, siehe dieses Jahr. Nicht umsonst heißt das Motto: Das Festival ist der Star. Möchtegerns tummeln sich auf dem Party San, Summerbreeze oder in Balingen ebenso, wie auf jedem Club-Konzert oder eben Wacken. Ich habe allerdings in den 3 Tagen nur wenige gesehen, eher im Gegenteil: So viele Oldschool-Metalshirts mit historischem Wert trifft man sonst nirgends an. Und wer will denn bei einem Open Air schon direkt vor die Bühne??? Das geht ja beim Rock Hard schon kaum und die Birne schütteln kann man auch am hintersten Bierstand noch. Durch die Leinwände bekommt auch ein Blinder alles mit, was auf der Bühne (und davor) abgeht und auch der Sound ist auf dem ganzen Gelände prächtig. Natürlich will man Kohle scheffeln mit einer solchen Veranstaltung (wer will das nicht als Veranstalter?) und die Preise sind zum Teil recht happig. Aber das weiß man vorher schon und ob ich für das Wochenende nun 280 oder 300 Oi ausgebe, macht den Kohl auch nicht mehr fett. Andere Festivals sind billiger? Ja gut, aber da fahr ich auch mehr als doppelt so weit, kommt also auf´s Gleiche raus.

Hat alles seine Vor-und Nachteile, im kleinen Club- wie im großen Festival-Rahmen.
Man kann es nunmal nicht jedem Recht machen und uns passte dieses Jahr auch längst nicht alles. Trotzdem heißt es auch 2008: Seeya in Wacken – Rain or Shine!

Copypright Fotos: Cynthia Theisinger

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