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WACKEN OPEN AIR 2008 – TAG 2

Ort: Wacken

Datum: 01.08.2008

Eine warme Nacht, ein sommerlicher Morgen… und dann schon gleich der erste Hammer. GRAVE, eine der legendärsten schwedischen Death Metal-Bands, die zudem noch eine Hammer-Album raus haben, sollen um 11:00Uhr morgens spielen! Was soll das denn bitte? Na ja, angeblich hatte man die Wahl zwischen diesem Slot und mitten in der Nacht im Zelt zu spielen… Die Schweden machten das Beste draus und heizten den für diese Zeit schon zahlreich angetretenen Fans ordentlich ein. Dabei ging es bei den jüngeren Tracks, wie dem göttlichen „Burn“ und den neuen Songs vom aktuellen „Dominion VIII“-Knaller schon annähernd so fett ab, wie bei Klassikern der Marke „Soulless“ und natürlich dem abgefeierten „Into the Grave“. Starkes Set, aus welchem aus zeitlichen Gründen kurzfristig leider der Video-Track „Bloodpath“ gestrichen werden musste. Schade, aber dennoch ein Gig, der absolut ins abendliche Hauptprogramm gehört!

Während CYNIC alle Frickel-Fans ins Delirium ballerten und JOB FOR A COWBOY mehr dumpf als knallig umherrumpelten, sorgten dann die starken UNEARTH für die nächste dicke Alarm-Meldung am Freitag. Metalcore ist sicherlich nicht die beliebteste Metal-Un(ter)art für viele Fans, doch UNEARTH konnte sich mit starken Alben aus dieser Schublade befreien und sorgten auch beim diesjährigen Wacken für ordentlich Ansturm auf die True Stage. Wenngleich Songs wie „Giles“ stark sind, kommen die alten Kracher à la „Zombie Autopilot“ oder das krachende „Endless“ noch am besten an und sorgten auch prompt für massive Circle Pits. Einen Vorboten zum neuen Album „The March“ hatten die Massachusetts-Metaller auch im Set und „My will be done“ passt sich wunderbar ins UNEARTH-Set ein. In dieser Form dürfen wir uns noch lange über diese Band freuen!

Die finnischen Battle-Metaller ENSIFERUM sind ebenfalls immer wieder für eine Party gut. Auch von dem während UNEARTH einsetzenden Regen ließen sich die Fans nicht davon abhalten, bei den Finnen mächtig abzugehen! Doch leider konnten die Nordlichter die Stimmung nicht so ganz oben halten. Ob die Band nun keine Festival-Band ist, die Setlist dieses Mal nicht so ganz stimmig war oder der schlechte Sound dran schuld war… vielleicht einfach eine Mischung, denn zwar gingen „Ahti“, „Windrider“ und natürlich der mit einer Mitsing-Passage eingeleitete Abschluss-Song „Iron“ gut nach vorne. Wirklich mitreißen konnten ENSIFERUM an diesem Nachmittag dann doch nicht…

Auch KAMELOT konnten mit ihren sphärischen Songs nicht so wirklich für Party-Stimmung sorgen, was sicherlich besonders am schwächelnden Fronter Roy Khan lag. Das änderte sich dann allerdings bei SOILWORK komplett. Schon mal den Begriff „Mud-Pit“ gehört? Dieser ging nämlich vor der Bühne ab! Kein Wunder, Kracher wie „Nerve“, „Stabbing the Drama“, „One with the Flies“, „Rejection Role“ und das knallige „Bastard Chain“ ließen den Fans gar keine andere Wahl als mächtig steil zu gehen und den Matsch fliegen zu lassen. Trotz der guten Stimmung und der spielerisch guten Show merkte man den Schweden schon an, dass sie recht müde zu sein schienen. So fehlte z.B. Fronter Björn Speed Strid doch besonders bei den cleanen Refrains die letzte Power.

OPETH sind großartig, keine Frage! Ihre richtige Klasse und die zu den Songs passende Atmosphäre lassen sich aber bei einem Festival nur schwer entfalten. Besonders, wenn viele tausende Fans da sind und es zudem noch nicht ganz dunkel ist. Da hilft es auch nicht viel, wenn die Band spielerisch on top agiert und die Setlist mit einer härteren Ausrichtung schon richtig gewählt ist. So muss man bei den überlangen Songs schon überlegen, welche man in ein Set von weniger als einer Stunde packt. Da haben die Schweden sicherlich richtigerweise auf bewährte Songs wie „Demon of the Fall“, „Heir Apparent“, „Wreath“ oder auch „Drapery Falls“, welche über genügend harte Passagen verfügen, um die Meute in Bewegung zu bringen. So wechselten sich die brettharten Parts und die inbrünstigen Growls schön mit den melancholischen Einschüben ab und ließen mehr als einmal die musikalische Klasse der Band durchblicken. Doch ein etwas matschiger Sound und die nun mal dazugehörende Langatmigkeit einiger Tracks machen es dem Festival-Fan halt schwer, die Aufmerksamkeit zu behalten, so dass viele sich doch schon mal am Bierstand für COB in Stimmung brachten. Bei der Headliner-Clubtour funktionieren OPETH ohne Frage garantiert besser!

Setlist OPETH
Demon Of The Fall
Baying Of The Hounds
Masters Apprentice
Heir Apparent
Wreath
The Drapery Falls

Wer glaubt, dass der Fan-Ansturm bei IRON MAIDEN als Einzelfall abzutun sei, sah sich am milden Freitag-Abend getäuscht. CHILDREN OF BODOM sollten dies ebenso auslösen, wie tags zuvor die britische Heavy Metal-Legende. Auch wenn die finnische Hate Crew mit ihren letzten beiden Alben „Are you dead, yet?“ und dem neuen „Blooddrunk“ wirklich keine Bäume ausreißen konnte, gehören sie dennoch mittlerweile zu den ganz Großen und bewiesen dies auch an diesem Abend mit einer amtlichen Show. Mit Spielfreude, knalligen Sound und reichlich Pyro-Action rotzen die Nordlichter eine vielseitige Setlist runter, die keinen Fan unglücklich zurück ließ. Kein Wunder, wer mit dem wuchtigen „Sixpounder“ den Einstieg landet, kann eigentlich nur gewinnen. Mit Krachern wie „Silent Night, Bodom Night“, „Needled 24/7“, dem grandiosen „Angels don’t Kill“ und den göttlichen „Hate me!“ und „Mask of Sanity“ (welches man gelungen in „Deadnight Warrior“ überleitete) hatte man die durchdrehende Menge fest in der Hand. So lagen die 70.000 Fans dem „Wild Child“ förmlich zu Füssen, feierten die „Umbrella“- und „Jump“-Einlagen ab, honorierten die starke Show sogar mit Jubel zu den durchwachsenen neuen Songs „Banned from Heaven“ oder „One Day you will cry“ und rasteten zu den abschließenden „Hatecrew Deathroll“ und „Downfall“ noch mal richtig aus, was im Pit ein weiteres Mal gefährliche Ausmaße annahm. Über 2100 gezählte Crowdsurfer… das ist meiner Meinung nach schon nicht mehr feierlich…

Setlist CHILDREN OF BODOM
Sixpounder
Hellhounds On My Trail
Silent Night, Bodom Night
Follow The Reaper
Living Dead Beat
In Your Face
Banned From Heaven
Needled 24/7
One Day You Will Cry
Mask Of Sanity/ Deadnight Warrior Medley
Hate Me!
Angels Don’t Kill
Blooddrunk

Hate Crew Deathroll
Downfall

Neben IRON MAIDEN waren AVANTASIA das erste angekündigte Highlight für 2008 und so versammelten sich auch zahlreiche Fans, um den bombastischen Auftritt von Tobias Sammet und Gästen beizuwohnen. Dass leider nicht immer alles so klappt, wie man hofft, mussten AVANTASIA und besonders die Fans dann allerdings gleich zu Beginn erfahren. Minutenlang funktionierte Jorn Landes Mikro überhaupt nicht, so dass bei „the Scarecrow“ und ein Großteil von „Another Angel Down“ überhaupt kein Gesang zu hören war. Scheinbar bekam dieses Problem außer den Fans keiner mit, den Jorn sang sich die Seele aus dem Leib (hörte bloß niemand) und Tobi wunderte sich sichtlich über die lautstarken Unmutsbekundungen tausender Anhänger. Schade schade, der Herr Matos war klar und deutlich zu hören, Bob Catley brachte es auch voll, der Herr Sammet am Höhepunkt seines Schaffens… nur der Herr Lande bekam nur über die Bühnenmonitore seinen Auftritt. Bei solch einer Zusammenkunft erwarteten viele Fans natürlich auch den Auftritt von Roy Khan (KAMELOT). Doch da dieser beim Auftritt seiner eigenen Band alles andere als überzeugen konnte, übernahm Tobi selbst die Vocals bei „Twisted Mind“ und legte an diesem Abend generell wohl einer seiner besten Performances überhaupt hin. Die Single „Lost in Space“ darf natürlich auch nicht fehlen und mit „Reach out for the Light“ und natürlich „Avantasia“ geht die Meute noch mal richtig mit. Bei „Sign of the Cross“ versammeln sich noch mal alle und geben auch alles, was mit dem Refrain von „The Seven Angels“ einen glorreichen Abschluss fand! Trotz des dicken Aussetzers bei Jorn Landes Mikro und dem ein oder anderen leicht verspäteten Einsatz der Sänger, waren AVANTASIA ein echtes Wacken-Highlight. Diese Performances vom Donnerstag und Freitag dürfte vom Samstag nur schwer zu toppen sein!

Nach diesen mächtigen Auftritten brauchte man nun erstmal ne Pause, die viele von Musik und Bier schwer berauschten Fans gleich bis zum nächsten Tag ausweiteten. So war es zwar noch recht voll, als die Black Metal-Veteranen GORGOROTH um 02:00h nachts ihr Feuer entzündeten, aber sicherlich nicht so, wie bei den Headlinern des Abends. Im Vorfeld des Auftritts der Norweger gab es viel Aufruhr… erst der skandalöse DVD-Shoot in Polen (der ja letztendlich gar nicht so wild war, siehe Rezi), dann die rechtlichen Streitigkeiten mit dem GORGOROTH-Gründer Infernus und zur Krönung gibt Front-Kreischer Gaahl auch noch bekannt, dass er mit einem Designer, mit dem er „strong Feelings“ teilt, demnächst Klamotten entwerfen will. Dazu taucht der „Satansbraten“ Backstage dann auch noch mit einem recht jungen Begleiter mit Emo-Frisur auf. Doch es geht ja um die Musik und die Show und da fahren GORGOROTH in dieser Nacht natürlich entsprechend fett auf. Ähnlich wie bei der DVD werden Kreuze aufgebaut, nackte Menschen beider Geschlechter mit Kapuze übern Kopp aufgehängt (nein, nicht dran genagelt) und reichlich Aufbauten mit noch mehr Tierschädeln installiert. Die derzeitige Live-Besetzung besteht derzeit neben den beiden Hauptleuten Gaahl und King noch aus Langzeit-Livemember Teloch (Gitarre), sowie Nick Barker (Drums, ex-CRADLE OF FILTH, ex-DIMMU BORGIR) und Ice Dale (Gitarre, I, ENSLAVED). Und diese Formation entfachte ein richtiges Feuerwerk. So loderte auf der Bühne eine wahre Feuersbrunst mit viel Pyros und blutroter Lightshow. Perfekt für Hassbrocken der Marke „Profetens Apenbaring“, „Of Ice and Movement“, das starke „Bergtrollets Hevn“ und natürlich „Carving a Giant“. Gaahls Screams sind nach wie vor krank und krass, wie kaum eine andere Black Metal-Performance und mit Nick Barker hat man sich natürlich einen Schlagwerker erster Güte ins Team geholt. Dazu strahlen GORGOROTH auch weiterhin noch mit am stärksten die old school Black Metal-Energie aus. Leider konnte der Sound mit dieser amtlichen Performance nicht mithalten, so wummerte dieser allzu matschig und wenig differenziert in die dunkle Nacht hinaus und konnte die sonst wirklich amtliche Show nur bedingt unterstreichen. Ein feuriger Abschluss für einen starken Festival-Tag!

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