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WACKEN OPEN AIR 2008 – TAG 3

Ort: Wacken

Datum: 02.08.2008

Pünktlich um 12 aufs Gelände gestolpert und gleich mal von den 3 INCHES OF BLOOD wach pusten lassen. Deren kruder Mix aus Death, Thrash und True Metal war ein gefundenes Fressen für die zahlreichen Frühaufsteher. Wer es lieber traditioneller und melodischer haben wollte, der musste sich parallel zur Party Stage begeben, um die Maiden-Soundalikes MACHINE MEN zu begutachten. Auch die konnten schon zahlreiche Banger vor die Bühne locken und vor allem mit ihrem Dickinson-lastigen Sänger punkten.

Dann sollte es eigentlich mit dem ersten Höhepunkt des Tages weitergehen, doch EXODUS zockten aus unerfindlichen Gründen erst eine Stunde später und die vollversammelte Thrasher-Gemeinde vor der Bühne staunte Bauklötze ob der Rock-Combo, die statt dessen auf der Bühne stand. Ansage der Wacken-Crew ebenso Fehlanzeige, wie von der Band selber, was aber auch niemanden interessierte, da völlig unwichtig. Leute, wenn schon Änderungen im Billing, dann kann man das auch mal kurz auf der Bühne kund tun! Nun gut, EXODUS spielten dann an der Stelle der STONE GODS, die vorher wohl abgesagt hatten, wie man so hörte.

Vorher gab’s allerdings noch HOLY MOSES auf der Black Stage! Und Sabina konnte mit ihren Mannen eine beachtliche Meute mobilisieren. Die Band überzeugte mit enormer Spielfreude und einer recht oldschooligen Setlist, in deren Vordergrund die 80er-Kultalben „Finished with the Dogs“ und „New Machine of Liechtenstein“ standen. Da fügten sich auch die 2 neuen Tracks nahtlos ein, da sie -wie das ganze Album – in genau diese Richtung tendieren. Der positive Eindruck auf der Januar-Tour mit OBITUARY trog nicht, die Band will es definitiv noch mal richtig wissen und mit starken Auftritten wie heute gehört man definitiv zur Speerspitze des deutschen 80er-Thrash Metals!

Da verblassten MERCENARY auf der Party Stage doch etwas gegen, wenn auch sie ihre Fanschar in den Bann ziehen konnten. Dann war es endlich Zeit für Bay Area-Thrash der ersten Stunde… EXODUS! Und die Herren überrollten in ihrem x-ten Frühling einfach mal wieder alles. Tight wie ein Schweizer Uhrwerk mit unglaublicher Wucht und einer Spielfreude, bei der sich so manch vollkommen überbewertete Jungspundcombo eine Lehrstunde abholen kann, blies man Wacken nieder. „Bonded by Blood“ gleich zum Einstieg runtergeholzt und der Acker stand gleich Kopf… da hatte die Band schon gleich zu Beginn gewonnen. „War is my Shepherd“ ist mittlerweile nicht mehr aus der Setlist wegzudenken und neben den längeren Neutracks tötete vor allem altes Material wie „Strike of the Beast“ mal wieder formidabel. Thrash ist so was von back!

Dann kam um 16:00 die Qual der Wahl: gleichzeitig HATEBREED, OBITUARY und EVOCATION! Ok, zuerst HATEBREED auf der Black Stage. Und die Jungs zerlegten erneut das gesamte Gelände mit ihrem infernalischen und mörderfetten Sound, der an diesem Wochenende von allen anderen Bands nicht mal im Ansatz erreicht wurde! Brutaler geht nicht… Lauter allerdings auch nicht, was bei fast allen Bands so war. Sogar ich fand’s mal zu laut (und das will schon was heißen!), auch wenn der Sound an sich bombig war. „This is Now“, „A Call for Blood“ usw. kennt mittlerweile wohl so ziemlich jeder Hartwurstfreak. Aber trotz des geilen Gigs und der irren Moshpits schleicht sich so langsam auf der Bühne so etwas wie Routine ein. Also weiter zu OBITUARY, für die aber das Gleiche gilt. Zu oft auf Tour und die Performance wirkt mittlerweile zu routiniert. Die Songs stehen natürlich für sich selber und John Tardy am Mikro ist ebenso einzigartig, wie Waldschrat Trevor Peres an der Klampfe. Aber mehr als ein „normal guter“ Gig war das nicht, auch ein neuer Song konnte nichts rausreißen.

Daher fix zu EVOCATION ins Zelt, die leider nur eine halbe Stunde hatten. Diese aber nutzten mit ihrem totalen oldschool-Schwedentod, auch wenn das Zelt nicht so richtig voll war. Ein neuer Track wurde vorgestellt, der aufzeigte, wie ENTOMBED heutzutage eigentlich klingen müssten (eben wie auf „Left Hand Path“ und „Clandestine“!). Starker Gig, die Band muss jeder Freund schwedischen Death Metals der ersten Stunde kennen!

AS I LAY DYING hatten nach HATEBREED natürlich etwas schlechtere Karten, zogen sich aber dennoch mit ihrem straighten Thrash-lastigen Geballer gut aus der Affäre. Die wilde Performance und geile Granaten wie „Nothing Left“ oder „Confined“ taten ihr übriges, um auch Campnachbar David von Metal Blade (der u.a. ja auch diese Jungs während des Festivals „bemuttern“ musste) ein fettes Grinsen auf die Rübe zu zaubern.

Vor dem langerwarteten CARCASS-Auftritt hieß es noch mal Kräfte sammeln mit metal.de-Kollege Benny (Gruß hiermit an die coole Sau!), man wird halt nicht jünger… Um viertel nach 6 betraten die legendären Grinder dann endlich die Bühne und konnten auf eine riesige Schar von alten Fans blicken. Da Originalschlagzeuger Ken Owen ja auf Grund seiner schweren Krankheit nicht mehr trommeln kann, wurde er von Daniel Erlandsson (ARCH ENEMY) ersetzt. Ken wurde allerdings später für ein ganz kurzes und ganz simples Schlagzeugsolo auf die Bühne gebracht. Währenddessen war es mucksmäuschenstill und alle zollten diesem Mann für seinen eisernen Willen andächtig Respekt. Man sah ihm die Anstrengung förmlich an, die es ihn kostete, eine Minute lang diesen simpelsten Beat zu halten, allerdings auch, wie sehr ihm das ganze Spaß machte und er den frenetischen Jubel förmlich aufsog! Vom Hocker runter musste ihm geholfen werden, allerdings ließ er es sich nicht nehmen, noch mal auf die Bühne zu gehen und sich an Jeffs Mikro bei allen Leuten/ Fans für die Unterstützung zu bedanken. Historische Aktion! Da verblasste der eher durchwachsene Gig seiner Kollegen doch glatt gegen. Das nahezu komplette Weglassen von Songs der ersten beiden Meilensteine enttäuschte wohl nicht nur mich, lediglich zwei wurden angespielt. Somit kam das Meiste natürlich von der Überscheibe „Heartwork“, aber auch von der extrem rockigen „Swansong“ wurde u.a. „Keep on Rotting in the Free World“ gebracht. Erlandsson und Amott zockten brillant wie bei ARCH ENEMY auch, Jeff wirkte tranig wie gehabt und Bill hüpfte wohl im Geiste zu seinen eigentlichen 70er-Sounds. Songs einwandfrei, bei einer Re-Union-Performance kann man allerdings etwas mehr erwarten (siehe SACRED REICH letztes Jahr!).

Kein Wunder also, dass bei POWERWOLF wohl das Zelt gerammelt voll war und die Band nach allen Regeln der Kunst abräumte. David war jedenfalls wieder zufrieden am Grinsen… Während einer ebenfalls recht routinierten Show von KILLSWITCH ENGAGE konnte man Backstage immer wieder einen gewissen Herrn Tägtgren (PAIN, HYPOCRISY) rumtorkeln sehen, der exzessives Fotoshooting mit den ebenso vollen EXODUS-Herren betrieb und ansonsten natürlich von alles und jedem zugelabert wurde… Aber alle bereiteten sich natürlich auf das nächste absolute Megahighlight vor: AT THE GATES!

Direkt vor deren Gig gab es den einzigen großen Guss von oben, der aber pünktlich versiegte. Die alten Schweden enterten um 21:15 die Black Stage, legten mit glasklarem Fettsound los wie die Feuerwehr und waren danach 75 Minuten einfach nur überirdisch! Die Mutter ALLER melodischen Schwedentod-Bands zeigte nach 12 Jahren Abstinenz, wer hier wirklich King ist. Tompa war, ebenso wie seine Kollegen, bestens aufgelegt. Die Jungs spielten sich in einen wahren Rausch, zockten erstaunlich viel altes Material und dabei sogar mit „All Life Ends“ was von der 90er-Debut Mini!!! Berauscht von der enormen Menschenmasse vor der Bühne folgte ein Klopper dem nächsten und als es nach gut 60 Minuten unter frenetischem Jubel von der Bühne ging, war natürlich allen klar, das dieser Wahnsinnsgig nicht ohne die Bandhymnen „Blinded by Fear“ und „Kingdom Gone“ beendet werden konnte. Die beiden Songs wurden dann natürlich im Zugabenteil in die Menge geblasen und hinterließen nichts als verbrannte Erde und eine völlig ausgepowerte Meute. Packender und geiler kann man melodischen Schweden Death Metal nicht zelebrieren… Welcome back guys!!!

Danach konnte natürlich nichts mehr groß folgen, obwohl ja noch NIGHTWISH und KREATOR anstanden… NIGHTWISH boten denn eine gewohnt gigantische Show und musikalische Perfektion. Allerdings vieeeel zu laut. Die Songauswahl war erwartet großartig, aber auch ohne Überraschungen. Anettes Stimme erwies sich als recht dünn (vor allem im Vergleich zu Tarja), aber – wie auf dem Album schon – als erfrischend und gut für den Bandsound. Manchmal wirke sie etwas verloren auf der riesigen Bühne, agierte aber ansonsten sicher und mit viel Spaß inne Backen. Die vollversammelte Meute vor der Bühne fraß der Band wie gehabt aus der Hand, Marco erweist sich immer mehr als Quasi-Fronter und die 90 Minuten vergingen recht flux.

Womit wir dann wieder mal bei Mille und KREATOR angekommen wären. Natürlich war es rappelvoll vor der Bühne, natürlich agierte die Band technisch sicher, natürlich war die Songauswahl toll… Aber irgendwie scheint die Luft etwas raus zu sein, grad bei Herrn Petrozza. Von enttäuschend kann man jetzt auch nicht gerade sprechen, aber wenn bei 75 zur Verfügung stehenden Minuten nicht die gesamte Zeit genutzt wird (bei dem opulenten Material der Band) und Mille zudem noch etwa 10 Minuten insgesamt damit verdamelt, in altbekannter Weise ins Mikro zu schnaufen (diesmal ganz extrem lang zwischen den Songs) und „I can feel the aggression“ etc. zu brüllen, kommt einem das sattsam bekannt und etwas statisch vor. Das war vor 3 Jahren an gleicher Stelle (Ok, rechte Bühne damals) eine ganz andere Attacke. Macht dann knapp eine Stunde Nettospielzeit und routiniert runtergebolzte Klopper wie „Violent Revolution“, „Enemy of God“, „Extreme Aggression“, „Europe after the Rain“ oder der finale Doppelschlag (mit ellenlangem „It´s time to raaaaaaise…´-Vorspiel) „Flag of Hate/ Tormentor“, die wieder einmal nicht komplett ausgespielt wurden. Guter, solider Gig, mehr nicht. Wird Zeit für eine neue Scheibe und eine neue Setlist!

Wer es etwas weniger thrashig brauchte, der konnte zu den gut abrockenden AXXIS wandern, die auf der Party Stage mal eben ihre altbekannte Party rockten. Kultfronter Bernhard Weis bringt noch jede Menge zum Toben und musikalisch kann man mittlerweile locker mit den Melodic-Größen im Genre mithalten.

Den Schlusspunkt durften dann in diesem Jahr LORDI setzen, die auch noch mal alle, die noch stehen konnten, mobilisierten und mit ihrer extravaganten Bühnenshow und den wirklich geilen Songs (u.a. „Bloodred Sandman“ und natürlich „Hard Rock Hallelujah“) einen würdigen Abschluss bildeten.

Fazit: Wacken war halt wieder… Wacken! Das es voll ist, weiß man vorher, ebenso, dass es etwas teurer ist. Alles altbekannt. Man versucht von Veranstalterseite nach wie vor auf Kritik zu reagieren. So wurde in diesem Jahr der Durchgang zur Party Stage komplett geöffnet gelassen und ein dritter Ein-/ Ausgang geschaffen, was aber auch mit Sicherheit an dem Brand im letzten Jahr vor dem AMORPHIS-Gig vor der True Stage lag. Der dürfte zu einigen Auflagen geführt haben, da der Durchgang einfach zu eng für die Menschenmassen war und keine großen Fluchtwege von der Party Stage aus bestanden (wenn dort etwas Ähnliches passiert wäre). Die Lösung ist trotzdem suboptimal, da sich der Sound der Stages nun wieder vermischt. An der Einlassproblematik (die ja besonders bei MAIDEN am Do. und COB am Fr. so katastrophal war, dass das Gelände dichtgemacht wurde!), wird schon gebastelt und das ist auch dringend notwendig. Es soll Ampeln geben, zudem ein Lautsprechersystem. Vielleicht werden dann Änderungen im Billing ja auch mal bekannt gegeben…

Thema Billing: Das war in diesem Jahr eher so lala. Zig Bands, die man alle Jahre auf Festivals antrifft (und wozu KREATOR oder HATEBREED, die noch nicht mal neue Alben am Start haben und x-mal mit den alten auf Tour waren???). Nächstes Jahr kommen bestimmt AMON AMARTH, SEPULTURA in Original-Besetzung, DORO und die üblichen Verdächtigen… METALLICA werden als 20-Jahres-Special-Headliner gemunkelt…aber eigentlich auch egal, wer spielt, denn: Der Star ist wie immer in Wacken das Festival! Seeya next year in Wacken… rain or shine.

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