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WACKEN OPEN AIR 2009 – TAG 1

Ort: Wacken

Datum: 30.07.2009

Jedes Jahr wieder zum August zieht es die Metal-Gemeinde ins gemütliche 2000 Seelen-Dorf Wacken, um mit 75.000 Gleichgesinnten ordentlich abzufeiern. Dieses Jahr gab es zudem noch einen besonderen Anlass, denn das W:O:A feierte sein 20-jähriges Bestehen! Auch aus diesem Grund war das Festival bereits vor dem Jahreswechsel 2008/2009 vollständig ausverkauft, wobei zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht alle Bands bestätigt und ankündigt waren. Nach entspannter Anreise und noch entspannterem Check-In am Donnerstag-Nachmittag und mit recht guten Wetter-Aussichten gesegnet, konnt es dann auch endlich losgehen.

DER W

Stephan Weidner ist wieder da. Und von vornerein hat der ehemalige BÖHSE ONKEL klar gestellt, dass er live keine Songs seiner Ex-Band zocken würde und das ist auch gut so. Das Kapitel ist zu Ende und es geht weiter nach vorne, ganze gemäß dem Motto „Schneller, Höher, Weidner“. Klar, DER W war nun mal Songwriter bei den ONKELZ und das hört man auch bei seinen Solo-Songs durch. Ob nun „Waffen und Neurosen“, „Angst“ oder „Mein bester Feind“, der Weidner ist halt der Weidner und hält mit seinen Gedanken nicht zurück. So feuerte er auch an diesem frühen Donnerstag-Abend seine Rock-Songs mit ordentlich Druck und mächtig laut in die schon zu diesem frühen Festival-Zeitpunkt zahlreich angetretenen Fans. Dabei entwickeln die Lieder von DER W zwar nicht so eine Stimmung, wie die ONKELZ und Stephan wirkt ohne Bass am Mann auf der Bühne weiterhin ein wenig verloren, aber die Tracks rocken, packen und bleiben hängen. Und auch oder gerade wegen seiner ehrlichen und kontroversen Art kommt Weidner weiterhin sympathisch rüber und wird mit seinem Solo-Projekt ein gern gesehener Live-Gast bleiben!
(Fafnir)

RUNNING WILD

Die Vorzeichen für eins der absoluten Wacken-Highlights ever standen im Vorfeld perfekt. Die längste Spielzeit mit 2 Stunden, die Setlist konnte vorab im Netz mitbestimmt werden und der erste Gig nach gut 4 Jahren Bühnenpause, zugleich der allerletzte der 33-jährigen RUNNING WILD-Karriere! OK, über die Setlist kann man natürlich streiten (wo bitte schön war z.B. „Victim of States Power“???), die war aber unterm Strich noch das Beste am Auftritt… Mr. Rock´n´Rolf (und seine Mietmusiker) versenkten den Kahn nach allen Regeln der Kunst! Das Positive: Rein musikalisch war die Darbietung einwandfrei, somit dürfte einer tollen Live-Doppel-CD nichts im Wege stehen. Von einer DVD reden wir mal lieber gar nicht. Wenn ich die allerletzte Show zocke, noch dazu vor über 60.000 Leuten, darf man wohl etwas mehr erwarten als ein paar weiße Hemdchen und 2 Piratenkopftücher. Gab es aber nicht! Keine Bühnendeko, keine großartigen Effekte (die lächerliche und viel zu lange Einlage mit den Hamburg Dungeon-Piraten vergessen wir mal lieber) und nicht ein einziger Gastmusiker aus den zahlreichen Bandbesetzungen! Erbärmlich und dem Erbe dieser einzigartigen Combo nichtmal Ansatzweise gerecht werdend. Die Band versprühte Null Esprit und Herzblut, selbst Rolfs Ansagen wirkten eher wie notgedrungen gelernt. Gekrampftes Posing gab´s wenigstens von Rolf und Zweitgitarrist Peter Jordan, Schlagzeuger Matthias Liebetruth erledigte seinen Part solide, aber unspektakulär, und Bassist Jan S. Eckert war so deplaziert wie Blümchen bei SLAYER. Gelangweilt, nahezu permanent obercool Sonnenbebrillt und auf einer derart großen Bühne mit null Aktionsradius – da hätte man lieber eine hungrige Covercombo hinstellen sollen. Bei diesem Gig ging´s nur nochmal um den großen Cash-In (es gab ihn ja schon gleich online über die RW-Site als kompletten download! CD + DVD folgen ja eh noch), Spaß an der Musik an sich sieht mal völlig anders aus. Ein DIO hat im kleinen Zeh mehr Metal als dieses Piratentheater zusammen. Natürlich wurde jeder einzelne Song von der Masse abgefeiert, ich habe aber noch keinen Altfan getroffen, der dieser Show etwas Positives abgewinnen konnte. Nochmal: Rein Instrumental einwandfrei dargeboten! Aber bei Übersongs wie „Riding the Storm“, „Prisoner of Our Time“ oder dem abschliessenden „Under Jolly Roger“ muß Leidenschaft fliessen, da muß die Bühne auch ohne Pyros in Flammen stehen… das war nicht mal ein Flämmchen heute.

R.I.P. RUNNING WILD – besser ist das! Durch den einsetzenden Schauer bei RUNNING WILD verkrümelte man sich dann doch lieber ins Trockene, wodurch man leider LACUNA COIL verpasste. Schade, aber nächstes Mal wieder gerne!
(MOSES)

Setlist RUNNING WILD
Intro
Port Royal
Bad To The Bone
Riding The Storm
Soulless
Prisoner Of Our Time
Black Hand Inn
Purgatory
The Battle Of Waterloo
Raging Fire
The Brotherhood
Draw The Line
Whirlwind
Tortuga Bay
Branded And Exiled
Raise Your Fist
Conquistadores
Under Jolly Roger

HEAVEN & HELL

Nach dieser herben Enttäuschung und dem ersten Regenschauer hatte ich eigentlich schon gar keinen Bock mehr auf diesen Tag, aber es galt ja noch HEAVEN & HELL zu beehren. Und die altehrwürdigen Herren zeigten mal allen, ALLEN Musikern (und Besuchern) des diesjährigen W.O.A., was Herzblut, Leidenschaft und Perfektion ist! Den Herren hätte man 2 Stunden Spielzeit geben sollen, von mir aus auch 3 Stunden. Von diesem legendären Gig muß man die DVD haben! Wer hier nicht dabei war, hat definitiv eines DER Erlebnisse seiner Konzertkarriere verpasst. Tony Iommi ist und bleibt einfach der verdammte Gottvater des Heavy Metal-Riffs, pure Magie! Der darf auch als einziger auf diesem Planeten ein ellenlanges atmosphärisches Solo spielen und trotzdem starren 75.000 Metalheads gebannt auf die Bühne. Ein Phänomen, wie es wohl nicht noch mal auftauchen wird. Passend dazu steht mit dem kleinen Sangesriesen Ronnie James Dio „the Voice of Heavy Metal“ auf der Bühne. Der hat auch mit 66 Jahren noch Feuer und Leidenschaft auf der Bühne, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt. Dem wird niemals irgendwer aus der alten Garde das Wasser reichen können, die Junggeneration sowieso nicht. Diese zwei Unikate stellen sich natürlich nur mit würdigen Herren auf die Bühne, Bassikone Geezer Butler groovt nach wie vor grandios und Vinnie Appice sieht zwar mittlerweile etwas fülliger aus, haut aber in die Kessel, dass die Ohren klingeln. Wer das neue Meisterwerk „The Devil You Know“ gehört hat, der weiß, dass hier nichts altbacken oder angestaubt klingt. Selbst nach 40 Jahren im Geschäft geben die Herrschaften noch Gas und sind laut, als gäbe es noch was zu beweisen. Der brettharte, glasklare und dennoch megadüstere Sound überrascht, bläst aber gleichzeitig enorm um. Dazu gesellt sich eine perfekt-atmosphärische Lightshow, die dem Ganzen den richtigen morbiden Touch gibt. Geiler kann man eine Messe nicht zelebrieren! Die neuen Göttergaben „Bible Black“, „Fear“ und der Obergroover „Follow the Tears“ fügten sich perfekt in die Klassiker der „BLACK SABBATH mit DIO“-Alben ein, darunter unglaublich druckvoll interpretierte Knaller wie „The Mob Rules“, „Children of the Sea“, „I“, „Time Machine“ oder „Die Young“. Der Übersong schlechthin sollte natürlich der letzte Reguläre sein, die Bandhymne „Heaven and Hell“! Mit exorbitantem Iommi-Solo. Im frenetisch geforderten Zugabenteil gab´s dann noch „Country Girl“ und das unfaßbar geile „Neon Knights“ serviert. Die Darbietung endete mit huldigendem Megalangapplaus der Crowd, die erstmal das gerade erlebte realisieren musste.Vor den Herren Dio/ Iommi/ Butler/ Appice kann sich nur jeder Metalfan weltweit in Ehrfurcht verneigen und jede Metalcombo kann sich hier anschauen, wie’s gemacht wird. Ein rundum in allen Belangen perfekter Auftritt und mit Abstand der faszinierendste Gig, den jemals eine Band in Wacken gespielt hat!!!
(MOSES)

Setlist HEAVEN & HELL
E5150
The Mob Rules
Children of the Sea
I
Bible Black
Time Machine
Fear
Falling Off the Edge of the World
Follow the Tears
Die Young
Heaven and Hell
Country Girl
Neon Knights

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