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WACKEN OPEN AIR 2009 – TAG 3

Ort: Wacken

Datum: 01.08.2009

Eine ruhige Nacht, Sonnenschein am Morgen… bessere Voraussetzungen für den Wacken-Samstag kann es doch eigentlich gar nicht geben… So hieß es, Sunblocker 50+ aufzutragen und sich in den finalen Tag, der noch einige Highlights auf dem Plan hatte, zu stürzen.

EINHERJER

Und so ging man motiviert und gut gelaunt zur Comeback-Show der finnischen Viking-Legenden EINHERJER. Gut 6 Jahre war es still um die Norweger, die sich Ende 2008 wieder zusammen gefunden haben, um über das Jahr 2009 verteilt einige Shows zu spielen. Und dies gingen die Nordlichter auch motiviert an, brachten mit „Far Far North“ und „Dragons of the North“ gelungene Highlights ihres Schaffens und zudem mit dem starken „De Sorte Sjoers Land“ einen ihrer ältesten Songs überhaupt. Dabei überzeugte neben der soliden morgendlichen Darbietung des Grundtrios noch der Session-Basser mit seinen starken cleanen Vocals. So werden sich sicherlich so einige Viking-Fans wünschen, dass es von EINHERJER auch bald neuen Stoff geben wird. Warum man allerdings gleichzeitig SUIDAKRA, welche ja sicherlich die gleiche Zielgruppe ansprechen, zeitlich spielen ließ, ist ein weiteres Mysterium der diesjährigen W:O:A-Running Order…
(Fafnir)

SUIDAKRA

Mich zog es eher zu SUIDAKRA (die ja mit NAPALM DEATH getauscht hatten), die mit ihrer Routine und Spielfreude am frühen Morgen genau den Nerv der Menge vor der proppevollen Party Stage trafen. Arkadius und seine Mannen wurden dem tobenden Mob denn auch mit knackigen Songs der Marke „Wartunes“, „Dead Man´s Reel“ oder „The IXth Legion“ gerecht. Hätten auch locker auf einer der großen Bühnen spielen können. Aber dies war ja nicht die einzige merkwürdige Billing-Positionierung auf dem diesjährigen W.O.A.!
(Moses)

RAGE

Schon wieder RAGE… wollte ich eigentlich nur mal kurz reinschauen. Allerdings zogen Peavey, Victor und der Hilgers dermaßen vom Leder, dass ich nicht umhin konnte, mir den ganzen Gig reinzuziehen! Auch hier unverständlich, wieso eine solch etablierte Band schon mittags ran muss (noch dazu mit 25-Jahre-Show!) und z.B. IN EXTREMO (Hallo!?! METAL-Festival…) zur Hauptzeit. Egal, denn der unvergleichliche Peavey hatte Mordsspaß und konnte auch ein rappelvolles Gelände für sich verbuchen. Seine Mimik ist allein schon das Eintrittsgeld zu jeder Show wert, Victor brillierte auf seiner Axt mal wieder alle anderen Gitarristen (OK, außer Iommi) in Grund und Boden und Andre bollert zwar nicht mit soviel Sperenzchen, wie sein Vorgänger Terrana, dafür aber erdiger. Mit derart vielen geilen Alben in der Hinterhand ist es natürlich quasi unmöglich, eine vernünftige Auswahl für eine 12-Song-Setlist zu treffen. „Carved in Stone“ und „Higher than the Sky“ wurden extrem fett ins Gelände geblasen, zum dritten Track „Set the World on Fire“ folgte dann die erste von vielen Überraschungen: Ein Kumpel seit den Anfangstagen anno 1984 wurde auf die Bühne geholt: Hansi Kürsch von BLIND GUARDIAN! Sieht mit komplett kurzen Haaren zwar richtig beknackt aus, aber egal. Geile Sache, die noch viel geiler wurde, denn das von Hansi gewünschte „Invisible Horizons“ wurde nach „All I Want“ entstaubt! Hammerding! Zu „Lord of the Flies“ und „From the Cradle to the Grave“ gesellte sich die bildhübsche Frau von Victor als Co-Sängerin auf die Bühne und ließ den Rest der Band glatt verblassen! Zumal ihre Stimme auch live der wahre Knaller ist. Dann wurde zusammen mit Schmier von DESTRUCTION gaaaanz schwer in der Mottenkiste gewühlt, denn „Prayers of Steel“ vom RAGE-Vorläufer AVENGER von deren 1985er(!)-Debüt hat wohl so gut wie keiner der Anwesenden jemals live gehört! Absolut königlich, dem man mit dem ebenso kultigen Speeder „Suicide“ vom 86er-RAGE-Debut einen weiteren Knaller folgen ließ. OK, beides wurde schon zum 20-jährigen ausgebuddelt, trotzdem töfte Aktion. Nach „Down“ kommt bei der aktuellen Single „Gib Dich nie Auf“ mit Peaveys Kumpel Eric Fish (SUBWAY TO SALLY) der letzte Gast auf die Bühne, bevor mit dem brettharten „Soundchaser“ ein grandioser Gig vieeeel zu früh zu Ende geht. Killer!
(Moses)

Setlist RAGE
Carved in Stone
Higher than the Sky
Set the World on Fire
All I want
Invisible Horizons
Lord of the Flies
From the Cradle to the Grave
Prayers of Steel
Suicide
Down
Gib Dich nie auf
Soundchaser

CATHEDRAL

CATHEDRAL konnten danach nur etwas abkacken, aber Lee Dorrian ist schon so lange dabei, dass er noch jede Meute mit seiner Doom/ Rock-Combo und Groovemonstern wie „Soul Sacrifice“ oder „Ride“ zu Bewegung animieren kann. Sick auch das Ende der Show mit „Hopkins (Witchfinder General)“, als er sich mit seinem Mikrokabel minutenlang als Erhängten darstellt!
(Moses)

TESTAMENT

Schnell zu TESTAMENT rüber, denn dort herrscht schon extreme Fülle vor der Bühne. Zu Recht, wie sich wieder einmal herausstellt! Fronthühne Chuck Billy ist einfach der Ozzy des Thrash Metal und über einen begnadeten Gitarristen wie Alex Skolnick muß man nix mehr sagen. Die riesige Menge steht also in der prallen Sonne schon zu den ersten Takten des Intros Kopf und mit „The Preacher“ bekommt sie´s auch gleich amtlich besorgt. Thrash Metal-Manifeste wie „The New Order“, „Over the Wall“, „Practice what You Preach“, „More than meets the Eye“, „Into the Pit“, „Disciples of the Watch“, „D.N.R.“ oder der abschliessende Knüppelkracher „The Formation of Damnation“ sorgen dafür, dass kein Haar liegen bleibt. Mit einer unglaublichen Wucht, absoluter technischer Brillianz und altbekannter Spielfreude zimmern die Jungs ihr Set in die gierige Meute und räumen ab, was man abräumen kann. Da kann der Nachwuchs noch so geil rödeln, das hier ist die wahre Macht!
Kann man gar nicht oft genug sehen.
(Moses)

BORKNAGAR

Nachdem KAMPFAR leider kurzfristig absagen mussten (angeblich wg. ankommendem Nachwuchs), standen nun BORKNAGAR als nächster große Name des nordischen Metals auf dem Plan. Auch von dieser legendären Formation war schon länger nichts mehr zu hören, so dass man gespannt sein durfte, ob man auch neue Songs vom kommenden „Universal“-Album zu hören bekommen würde. Doch da das Release nun auf 2010 verschoben wurde, gab es nur bekannte Tracks auf die Ohren. Und die Setlist konnte sich mit Krachern wie „Oceans Rise“, „Future Reminisence“ und besonders „Colussus“ sehen lassen. Gerade bei letzterem fühlt sich Sänger Vintersorg mittlerweile sichtbar wohl und auch sonst ist Mann weiterhin ein genialer Sänger. Doch lag es an der Sonne oder war es einfach nur der schlechte Sound, dass die Performance der Nordmannen an diesem heissen Nachmittag doch recht deutlich unterging. Zwar agierte Mr. V am Mikro gewohnt engagiert und Mr. Brun und seine Kollegen sind sowieso über jeden spielerischen Zweifel erhaben. Dennoch wollte nicht so wirklich Stimmung aufkommen, so dass auch Klassiker wie „Ad Noctum“ keine wirkliche Wirkung entfalten konnten. Da freue ich mich doch eher auf die kommenden Club-Shows, wenn BORKNAGAR dann hoffentlich mit neuen Songs ihre gesamte Klasse ausspielen können.
(Fafnir)

HEAVEN SHALL BURN

Schon lange sind unsere deutschen Metalcore-Helden voll bei den Metallern etabliert und so war es auch kein Wunder, dass es bei der HSB-Show mächtig voll vor der Black Stage wurde. Nach dem sphärischen Intro ging es mit dem „Endzeit“-Kracher auch gleich in die vollen und ohne Umschweife rotierten auch die ersten fetten Pits! Kein Wunder, denn auch ein nicht Metalcore-Fan muss einfach anerkennen, welchen Druck diese Jungs entfalten! Und das war auch trotz des leicht matschigen Sounds auch an diesem Nachmittag nicht anders. Natürlich durften Kracher wie „Behind the Wall of Silence“, „Counterweight“ oder das obligatorische „The Weapon the fear“ nicht fehlen, aber auch bei „Forlorn Skies“ oder dem Höllen-Groover „Black Tears“ rotierten Mega-Pits im Infield des Wacken-Areals, während die Band selbst auf der Bühne, wie man es nicht anders von ihnen kennt, richtig Gas gab. Dieses Engagement plus Lautstärke und Druck hätte man sich auch am Vorabend bei IN FLAMES und AMON AMARTH gewünscht!
(Fafnir)

AXEL RUDI PELL

AXEL RUDI PELL und seine famos gezockten Hits wie „Tear Down the Walls“ kann man sich immer geben, auch wenn er für meinen Begriff zu hoch im Billing stand, was sich auch im geringeren Zuschauerzuspruch widerspiegelte.
(Moses)

PAIN

Während IN EXTREMO auf der Black Stage mit Pauken, Trompeten und Pyros ihren Mittelalter-Rock in die Menge donnerten, machte sich auf der Party Stage Peter Tägtgren mit PAIN auf, um für ordentlich Druck zu sorgen. Doch damit war erstmal nicht so viel, denn die eröffnenden „I’m going in“, „Monkey Business“ und das an sich geniale „Suicide Machine“ verpufften recht klar in der bratenden Abend-Sonne. Da halfen egangierter Propeller-Mosh, Anfeuerungsversuche und einige seiner legendären Mega-Screams von Mr. Tägtgren nicht wirklich. Erst zur Mitte mit „Zombie Slam“ und dem Klassiker „End of the Line“ bekamen die Riffs deutlich mehr Kraft und damit auch die Stimmung der zahlreich anwesenden Fans ein deutliches Hoch. Das nutzten PAIN dann auch gleich, um mit „Bitch“ ein hartes Ausrufe-Zeichen zu setzen und mit dem obligatorischen „Shut your Mouth“ zum Finale kann man natürlich nur gewinnen! So konnten die Schweden durch eine engagierte Performance und eine starke Setlist noch ein zufriedenstellendes Endresultat erzielen. Allerdings erwarten wir 2010 mit HYPOCRISY eine um einiges druckvollere Show von Mr. Tägtgren!
(Fafnir)

VOLBEAT

Mit VOLBEAT folgte die nächste Überraschung. Ich glaube in den letzten Jahren ist keine andere Band derart rasant durch die Decke gegangen wie die verrückten Rockabilly-meets-Metal Dänen. Bester Beweis: Das Gelände war brechend voll, wie sonst nur bei IN FLAMES und MACHINE HEAD! Ab Soundturmhöhe gab es kein Durchkommen mehr und dahinter stand man auch dicht gedrängt. Ein Phänomen, zwei Jahre zuvor zockte die Band noch auf der Party Stage. Mit dem eröffnenden „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ ging natürlich mal gleich alles Steil und der gesamte Acker stand Kopf. Mit extrem hartem und druckvollem Sound wurden gleich zu Beginn die Megahits „Radio Girl“, „Sad Man´s Tongue“ und „Mr. & Mrs.Ness“ in die feiernde Meute geblasen. Das war schon sehr Headliner-würdig, was die Jungs da praktizierten. Weshalb sie allerdings im zweiten Showteil gleich auf 2 Coverversionen zurückgriffen („Angelfuck“ von den MISFITS und „I only want to be with You“ von DUSTY SPRINGFIELD), bleibt mal fraglich, denn bei 3 starken Alben sollte doch genug eigenes Material im Fundus sein. Ein kleiner Dämpfer einer ansonsten rundum grandiosen Show, die mit „The Garden´s Tale“ kurz vor Toreschluß den nächsten Überfliegersong präsentierte. Mit „We“ entließ man die ausgepowerte Menge. Nach dieser Demonstration werden sie beim nächsten Mal als Headliner in Wacken fungieren!
(Moses)

MACHINE HEAD

Nach dem Release vom Überalbum „The Blackening musste die Metal-Gemeinde satte 2 Jahre warten, bis MACHINE HEAD endlich zum Wacken kommen/ kamen! Und das Warten hatte sich gelohnt, denn Robb Flynn und seinen Mannen donnerten ein Set runter, das sich gewaschen hatte. Schon beim Mega-Opener „Imperium“ gab es auf und vor der Bühne kein Halten mehr. Mit einer Spielfreude, die nach dieser langen Tour-Phase für das letzte Album sicherlich keine Selbstverständlichkeit ist, ging das Quartett in die Vollen und legte mit „Ten Ton Hammer“ und dem brachialen „Beautiful Mourning“ gleich satt nach. Klar, dass sich auch die Fans nicht lumpen ließen, sie kamen Flynns Aufforderungen nur zu gerne nach und liessen mit zeitweise 6 (!!) Circle Pits selbst die routinierten Amis mächtig staunen! Diese grinsten nur so um die Wette, kommentierten die Action nur mir einem dicken „WOW“ und schossen sogleich mit „Old“ und „Aesthetics of Hate“ die nächsten Burner ab. Ein dickes Highlight war dann die Gänsehaut-Performance zu „The Burning Red“, wozu die gesamte Bühne in ein dunkles Rot getaucht wurde. Bei der beinharten Überraschung „Struck a Nerve“ konnte sich dann auch der hier schreibende Terrorverleger kaum noch halten, wobei die meisten Fans natürlich auf das geniale Meisterstück „Halo“ abgingen. Immer wieder wirkten MACHINE HEAD glaubhaft beeindruckt aufgrund der tollen Reaktionen der Menge und Robb konnte kaum mehr anders, als zwischen jedem Stück Fans ein „Prossstt!“ zu brüllen, um gleich darauf den nächsten Circle Pit zu fordern! Am abschließende „Davidian“ kommt natürlich kein MH-Set vorbei und nicht nur für mich war damit der Höhepunkt des Wochenendes markiert. Noch minutenlang ließ sich die Band feiern und auch wenn SAXON anschließend noch eine gelungene und mit mächtigen Pyros versehende Heavy Metal-Show boten, war es für den Terrorverlag somit an der Zeit die Reise Richtung Heimat anzutreten…
(Fafnir)

Setlist MACHINE HEAD
Imperium
Ten Ton Hammer
Beautiful Mourning
Non but my Own
Aesthetics of Hate
Old
Bulldozer
The Burning Red
Struck a Nerve
Halo
Davidian

Das Fazit für das Jubiläums-Festival des Wacken Open Air fällt am Ende doch sehr gemischt aus. Einerseits war das Wochenende wieder fett besetzt. Mit u.a. MACHINE HEAD, RAGE, VOLBEAT, INSIDIOUS DISEASE, TESTAMENT, HEAVEN SHALL BURN und ganz vorne weg HEAVEN & HELL gab es einige fette Highlights und auch die starken Auftritte von MOTÖRHEAD, SAXON oder DORO wussten die Massen trotz spürbarer Routine-Performance durchaus in Verzückung zu versetzen. Die Soundaussetzer bei vielen Bands (besonders IN FLAMES, BORKNAGAR und AMON AMARTH), sowie die derart übersättigten Auftritte, wie z.B. von IN FLAMES schmälern den Spaß doch schon erheblich. Zudem war über das gesamte Wochenende eine gewisse Enttäuschung unter der Menge zu spüren, da viele Fans ihr Ticket schon frühzeitig gezogen hatten, mit der Erwartung zum Jubiläum würde man einen Mega-Kracher (METALLICA, AC/DC, SLAYER waren als Kanditaten im Gespräch) an den Start bringen. Doch so wurde es ein weiteres WACKEN OPEN AIR mit tollem Wetter, starken Auftritten, und einigen Ausfällen (besonders beim Sound, Zelt-Billing) sowie einigen netten Gimmicks, wie z.B. der Mittelalter-Bereich, aber keine aussergewöhnliche Jubiläums-Feier, wie es sicher einige Fans gehofft hatten und ein solch legendäres Festival auch verdient hätte. Aber schon in den ersten 10 Stunden des Vorverkaufs für 2010 waren die ersten 10.000 Tickets vergriffen und mit IMMORTAL ist auch schon der erste Headliner bestätig. So steht schon jetzt einem erfolgreichen WACKEN OPEN AIR 2010 nichts im Wege!

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