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WACKEN OPEN AIR 2010 – TAG 3

Ort: Wacken

Datum: 07.08.2010

Der Wetter-Gott ist Metal-Fan möchte man meinen, denn nach einem diesigen Donnerstag und einem wunderschönen Freitag strahlte auch die Sonne am Samstag über dem Norden Deutschlands. Also beste Voraussetzungen für einen tollen Final-Tag des Wacken Open Air 2010!

EKTOMORF

Und da bereits ILL NINO bewiesen hatten, dass dieses Jahr die Tribal-Rhythmen gut ankommen, waren trotz der Frühstücks-Zeit um 12h Mittags EKTOMORF ein willkommener Start in den Samstag! So brauchten die Ungarn nicht lange, um mit ihren groovenden Rhythmen und eingängigen Refrains die zwar noch überschauliche, aber stetig wachsende Menge vor der Black-Stage zum Mitgehen zu bewegen! Kein Wunder sind doch Tracks wie der Hit „Show Your Fist“ oder auch das drückende „We rise“ Songs, die es einem leicht machen, wieder in Stimmung zu kommen. So hatte Fronter Zoltan die Menge schnell im Griff, wobei allerdings die eigenwillige „Rusty Cage“-Version (SOUNDGARDEN) nicht leicht zu verdauen war. Richtig gut dagegen ging am Ende natürlich die Kombination „I choke“ und „I know them“, bei der schon mal eben der ganze Innenraum fleissig mit rumhüpfte, was in der kurzen „Blind“-Einlage (KORN) noch eine Krönung fand. Da sag noch einer, Metaller seien engstirnig!
(Fafnir)

NIGHTMARE

Der letzte Tag bricht an in Wacken, glücklicherweise geht das Programm erst um 12 Uhr los und wir sind erstaunlich früh wach und fit. Geben wir uns also NIGHTMARE auf der Wet Stage zum Frühstück, statt EKTOMORF auf der Black. Ganz OK, was die Franzosen da so kredenzen, nicht ganz meine Baustelle, es tut aber auch nicht weh. Umso erstaunlicher ist es, dass diese mit ihrer bis ins Jahr 1979 zurückreichenden Bandgeschichte noch nicht größer sind (zu sein scheinen?!) und nur so wenige Fans anziehen können. Locker gefüllt ist das Zelt, was wiederum aber in Anbetracht der frühen Uhrzeit und auch der Tatsache, dass es wie gesagt der letzte Tag ist, geschuldet sein mag.
(Ateacina)

CALIBAN

Vor kurzem noch in Asien unterwegs klappern die deutschen Metalcore-Helden CALIBAN derzeit die Festivals Europas ab. Da darf das Wacken natürlich nicht fehlen und so ging es auch gleich mit dem „Love Song“ in die vollen! Allerdings hatte der frisch frisierte Shouter Andy noch ein wichtiges Anliegen. So hatten die Wacken-Verantwortlichen aus Sicherheitsgründen auch dieses Jahr ein Verbot der Wall of Death ausgegeben, welche ja gerade bei CALIBAN ansonsten obligatorisch ist. Andy sprach eindringlich die Bitte aus, dies auch zu befolgen, so schwer es der Meute auch fallen würde. Dran gehalten wurde sich dann auch halbwegs, wobei es dafür bei den krachenden „No one is safe“ und „I will never let you down“ im Mosh-Pit umso heftiger zur Sache ging. Über die Leinwand wurde dann auch noch ein Verbot der Circle Pits ausgegeben, was aufgrund der Größe der Pits und des massiven Staubaufkommens im gewisser Weise schon verständlich war. Allerdings sollte diese Einblendung auf den Video-Walls später am Abend noch für eine gewisse Komik sorgen. Dazu später mehr, denn zu der Zeit rockten CALIBAN erstmal die Area und das sehr fett. Auch Gitarrist Denis ist mittlerweile ein recht aktzeptabler Sänger geworden, vergleicht man das mit seinen desaströsen cleanen Gesängen vor wenigen Jahren noch. So kamen auch „It’s our Burden to bleed“ und „I rape myself“ richtig gut und das abschließende „Liar“ ist sowieso ein Kracher, bei dem nochmal alles ging!
(Fafnir)

DEGRADEAD

CALIBAN im Anschluss? Och nö, da wartete ich doch lieber noch ein wenig und gab mir die Schweden von DEGRADEAD, die ebenfalls die Zeltbühne rocken sollten. Hier war die Menge doch schon ein wenig angewachsen und es schien, als wären die Schweden mit ihrer Melo Death/ Thrash Mixtur gar nicht mehr so unbekannt. Sänger Mikael legte sich mit seinen Bandkumpanen jedenfalls ordentlich ins Zeug und feuerte die Menge während der knappen halben Stunde, die ihnen zur Verfügung stand, ordentlich an. Die Jungs haben vielleicht erst zwei Alben im Gepäck und vier Jährchen Bandgeschichte auf dem Kerbholz, doch bin ich mir ziemlich sicher, dass wir von ihnen auch in Zukunft noch etwas hören werden. Sollte man auf jeden Fall mal antesten!
(Ateacina)

UNLEASHED

Nach den Vertretern der „mordernen“ Metal-Schiene wurde es nun auf der Black-Stage Zeit für eine deftige Old School-Keule. UNLEASHED machten sich auf, um nur verbrannte Erde zu hinterlassen. Und da zögerten die Schweden auch nicht lange, sondern feuerten ein kurzes Best Of ihres Schaffens in die hungrige Masse. So wurden neuere Walzen wie „Wir kapitulieren niemals“, „This is our World now“ und „Hammer Battalions“ genauso in fette Mosh-Pits umgesetzt wie auch Klassiker à la „Shadows in the Deep“, „Into Glory Ride“ oder natürlich das abschließende „Death Metal Victory“! Ein Erfolg war der Auftritt auf jeden Fall, auch wenn Johnnys eh schon heisere Stimme heute besonders angestrengt klang, aber musikalisch sind und bleiben UNLEASHED einfach eine Bank!
(Fafnir)

Rüber zu den Hauptbühnen, wir bleiben in Schweden! Es ist halb drei, die Sonne knallt und von der Bühne knallt der Death Metal nun auch amtlich, denn UNLEASHED zelebrieren ihren Death Metal Victory. „Winterland“ ist der Opener und der funktioniert trotz heißer Sonne. Überhaupt bieten die Schweden ein gewohnt buntgemischtes Set, das einen mitreißt. Irgendwie sind sie aber auch ein Phänomen für mich, die Gigs laufen immer gleich ab, die Herren halten sich ans Schema F, wenn es ums Songwriting geht und trotzdem läuft die Death Metal Maschine wie am Schnürchen.
Mal sehen, wie lange das in diesem Stil noch funktioniert.
(Ateacina)

OVERKILL

Eine Bank in Sachen Thrash Metal sind natürlich auch OVERKILL, deren Gassenhauer zu jeder Tages- und Nachtzeit die Fans zu begeistern wissen. Auch an diesem schönen Nachmittag kommen die Thrash-Helden um Bobby Blitz Ellsworth, die nun auch schon gut 25 Jahre auf dem Buckel haben und mit „Ironbound“ nochmals ihre Klasse beweisen konnten. Aber natürlich sind die alten Hits wie „Rotten to the Core“, „Wrecking Crew“ und natürlich „In Union we stand“ die großen Mitreisser des engagierten Sets der New Jersey-Combo. Und dennoch hatte man ein wenig den Eindruck, dass sich die Fans in der heissen Nachmittags-Sonne ihre Kräfte ein wenig aufsparten, es stand ja schließlich noch einiges auf dem Programm! Aber das Finale mit der „Fuck you!“ – „Overkill“-Kombination lässt natürlich keinen Metaller ruhig stehen und bescherte dem soliden Set einen amtlichen Abschluss!
(Fafnir)

DELAIN

Irgendwie ist danach ein wenig die Luft raus und bis 5 geht da gar nichts mehr. Dann wurde erstmal kurz auf der Partystage bei den Niederländern von DELAIN vorbeigeschaut, deren Fronterin mit Modelqualitäten und toller Stimme für mehr Frauenpower auf der Partystage sorgte und eine beachtliche Menge vor eben jene gezogen hat.
(Ateacina)

DIE KASSIERER

Während OVERKILL die Hauptbühne rockten, war am Zelt der WET-Stage ein massiver Andrang auszumachen. Der Grund dafür war der Auftritt von DIE KASSIERER! Die leicht abgedrehten Fun-Punker feiern ebenfalls 25 Jahre ihres Bestehens und sind über die Jahre keines Wegs ruhiger geworden… So schallten auch so zurückhaltene Titel wie „Ich töte meinen Nachbarn und weide ihn aus“, „Mach die Titten frei“, „Mein Gehirnvolumen“ oder „Mein Glied ist zu gross“ aus dem Zelt, wobei ich wegen der Fülle so gut wie gar nix von der Bühne sehen konnte. Dafür allerdings waren die Folgen dieser Show unübersehbar. So torkelten im nachhinein leicht abwesend wirkende, unbekleidete, dafür allerdings mit undefinierbaren Substanzen beschmierte Feierwütige aus dem Zelt und damit war klar, dass ein weiteres aussergewöhnliches DIE KASSIERER-Konzert stattgefunden haben muss!
(Fafnir)

LOCK UP

Wenn sich die Grind-Allstars LOCK UP zusammenfinden, ist eines klar… es wird brutal. Kein Wunder, können Tomppa Lindberg (AT THE GATES), Shane Embury (u.a. NAPALM DEATH), Nick Barker (u.a. ehem. CRADLE OF FILTH, DIMMU BORGIR) und der neue Mann Anton Reisenegger (PENTAGRAM) so ziemlich alle ihre Songs in der angesetzten Spielzeit unterbringen. Darunter waren natürlich auch „Castrate the Wreckage“, „After Life in Purgatory“ und „Violent Reprisal“. Dabei war Tomppa wieder unglaublich krass in seinen Vocals, aber der generelle Sound war dann doch sehr matschig und schwammig. Besonders der Drum-Sound vom Tier am Schlagzeug Nick Barker war phasenweise sehr schepperig, so dass es fast weh tat. Aber einen solch brachialen Sound muss man auch erstmal abmischen! Trotzdem ne coole Sache, dass die Jungs wieder da sind!
(Fafnir)

„Moment mal, das sind aber schon LOCK-UP, die da gerade auf der Hauptbühne zocken, oder?“, ja, das fragte ich mich wirklich, als ich sah, wie gähnend leer es während des Auftritts dieser Formation um Shane Embury (NAPALM DEATH), Tomas Lindberg (AT THE GATES) und Nick Barker an den Drums war. Ja, zugegeben, so livetauglich ist Grind nicht, aber hey, es sind 80 000 Metaller da, da werden doch sicherlich genügend Leute unterwegs sein, die damit was anfangen können? Außerdem sieht man die Truppe in dieser Besetzung auch nicht jeden Tag. Aber sehen wir das Ganze auch mal von der positiven Seite, zum einen ließ sich die Band nicht im Geringsten davon beeindrucken, ob da viele oder wenige Zuschauer vor der Bühne standen, zum anderen war somit der harte Kern anwesend und der feierte die Band ab und zu guter letzt konnte man den Gig mal richtig ohne großes Gedränge und gegenseitiges auf-die-Füße-treten genießen.

Während W.A.S.P. gab es erstmal was zwischen die Zähne. Die Klänge, die währenddessen rüberwehten, ließen aber auf eine ordentliche Party schließen, die da vorne im Gange ist.
(Ateacina)

METSATÖLL

Zwischen Grind-Geballer und der nächsten Metal-Legende ging es dann nochmal fix ins Zelt der WET-Stage, wo sich die Wikinger METSATÖLL auf die Bretter begaben. Trotz der gut 10 Jahre Existenz sind mir die Finnen bislang noch ein recht unbeschriebenes Blatt geblieben. Dass ich im Zelt damit allerdings zur Minderheit gehörte, wurde schon recht schnell klar. Wurden doch phasenweise recht proggige Pagan-Hymnen wie „Hundireav“ und der Titelsong des aktuellen Albums „Äio“ ganz ordentlich abgefeiert! Ein gelungenes Intermezzo, bevor es nun auf der True Metal-Stage wieder mit Klassikern aus den 80ern weitergehen sollte.
(Fafnir)

W.A.S.P.

Denn Blackie Lawless und W.A.S.P. schickten sich an, um ordentlich für Stimmung zu sorgen. Auch wenn Mr. Lawless ebenfalls sichtbar in die Jahre gekommen ist, hat er weiterhin eine schlagkräftige Truppe um sich versammelt und startete auch gleich mit „Ony our Knees“ und „The Real me“ durch. Dann folgte mit „L.O.V.E.-Machine“ der erste Gassenhauer und sofort hatte der Ami-Altrocker die Fans auf seiner Seite! Mit Doug Blair hat Blackie auch mal wieder einen richtig guten Gitarristen an seiner Seite und das Titelstück vom kommenden Album „Babylon“, „Babylon’s Burning“, verspricht auch recht gelungene neue Songs. Da liess der Axtmann auch mächtig die Riffs und den Razor an seinem Intrument kreisen. Doch natürlich wollten die Fans die alten Hits hören und wurden sogleich mit einem feurigen „Wild Child“ bedient! Das Medley „Hellion / I don’t need no Doctor/ Scream until you like it“ tat der Stimmung alles andere als einen Abbruch, aber das absolute Highlight konnte natürlich nur mit „I wanna be somebody“ erreicht werden. Ein Song, der damals, heute und sicher noch in 50 Jahren alles und jeden mitreisst! Auch wenn Blackie das dann sicher nicht mehr erleben wird, kann man nur hoffen, dass er uns in dieser Form noch ein wenig erhalten bleibt!
(Fafnir)

VARG

Während der letzten Monate hat es ja eine Reihe Diskussionen um die Formation VARG und die politische Gesinnung ihrer Mitglieder gegeben. Mittlerweile sollte dies hoffentlich erledigt sein und erfreulicherweise ließ das Wacken Open Air diese Band auf dem Billing. Darüber freuten sich auch viele Fans, denn das Zelt wurde doch sehr schnell voll, als sich der Auftritt der Süddeutschen ankündigte. Diese fingen auch gleich mit Volldampf und in voller Kampf-Montur/ Bemalung an und verwandelten die WET-Stage zu einem Mosh-Fest. Kein Wunder gehen doch „Windzeit“, „Viel Feind – Viel Ehr“ und das feuchtfröhliche „Skal“ auch live oder gerade live richtig schön ab! Mit dieser Energie sehen wir VARG sicherlich bald auf einer der großen Bühnen!
(Fafnir)

CANNIBAL CORPSE

Volldampf ist natürlich auch für CANNIBAL CORPSE das richtige Stichwort. Auch nach all den Jahren haben die Amis noch mächtig Druck im Kessel und liessen den auf der Black-Stage auch deftig ab. Und dabei setzen die Deather nicht auf große Show-Elemente, sondern einfach auch die Wirkung ihrer Songs. Und die verfehlten eben diese natürlich nicht. Kein Wunder, wenn man „The Wretched Spawn“, „Unleashing the Bloodthirsty“, “Priests of Sodom”, „I cum Blood“ oder „I will kill you“ um die Ohren gepustet kriegt, dass es nur so schallert! Und auch wenn „Meat Hook Sodomy“ oder auch „Pit of Zombies“ dieses Mal im Köcher blieben, ist es auf jeden Fall auch dieses Mal eine Freude zu sehen, was Pat O’Brien (ehem. NEVERMORE) und Rob Barret (ehem. MALEVOLENT CREATION) aus ihren Äxten zaubern und welche kräftige Bass-Läufe Mr. Webster immer wieder auspackt. Dazu lassen diese Herren noch permanent die Haar-Rotoren laufen, was schon beim Zusehen Muskelkater bereitet. Der Herr im Ring ist dabei natürlich Mr. George „Corpsegrinder“ Fisher, der nicht nur in seinen Growls brilliert, sondern sicherlich den schnellsten Propeller-Mosh drauf hat, den es gibt. Kein Wunder, dass der Typ scheinbar keinen Hals mehr hat… CANNIBAL CORPSE sind und bleiben die Death Metal-Bank überhaupt, und wenn man zum Ende „Staring through the Eyes of the Dead“, „Hammer smashed Face“ und „Stripped, Raped and Strangled“ oben drauf setzt, kann man nur gewinnen!
(Fafnir)

„I wanna see some Headbanging out there, you can try to be faster than me, but you´ll lose!“ – Schallt es von der Bühne, ganz klar, wer da gerade am Werk ist. George „Corpsegrinder“ Fisher, propellert in schier unmenschlichem Tempo drauf los und lässt wieder einmal die Vermutung hochkommen, dass das gar keiner richtiger Nacken aus Fleisch und Blut mehr sein kann. Nun, wer es bisher immer noch nicht mitbekommen hat, CANNIBAL CORPSE massakern gerade über die Hauptbühne und egal wie eintönig die Vocals auch sein mögen, es ist wie bei SLAYER, man kommt einfach nicht dran vorbei. Routiniert zocken sich die Amis durchs Set und nun ist der Platz vor der Bühne auch wieder so gefüllt, wie es das gesamte Open Air über der Fall war: Es ist verdammt nochmal richtig voll! „Wretched Spawn“ und Co verfehlen ihre Wirkung natürlich nicht und logischerweise darf auch ein „Hammer Smashed Face“ nicht fehlen. Passt schon!
(Ateacina)

EDGUY

Nach/ Während/ In all diesem Gemetzel sind SOLSTAFIR leider völlig untergegangen und knapp 5 Minuten vor Ende ihrer Spielzeit fiel mir siedend heiß ein, welcher musikalische Leckerbissen mir da gerade entgangen war. Verdammt! (nur zu gut, dass es beim Summer Breeze eine zweite Chance geben sollte). Diese Erkenntnis kam, um genau zu sein, während des EDGUY Gigs, der direkt nach Corpse ganz andere Töne anschlug. Statt schnell, laut, rumpelig und blutig war hier nun Happy Metal und Unterhaltung pur angesagt. Sänger Tobias Sammet wunderte sich, ob die Menge nach all der Party noch in der Lage sei, mit der Band zu feiern, und ja, das war sie! „Tears Of A Mandrake“ hinterließe einen großartigen Eindruck und es hagelte nicht nur bei diesem Song Crowdsurfer. Zu „Lavatory Love Machine“ holte man sich noch einen weiteren Gitarristen auf die Bühne, Markus Grosskopf (HELLOWEEN). Egal ob man die Mucke mag oder nicht, Tobi ist der geborene Entertainer und da wundert es auch nicht, dass das Publikum bei jedem Spielchen brav mitmacht. Linke Seite brüllt gegen rechte Seite, wer ist lauter? „King Of Fools“ war dann nach einem tollen Auftritt der Rauschmeißer und jeder der Anwesenden musste neidlos zugeben, dass hier wirklich eine tolle Party im Gange gewesen war.
(Ateacina)

Zwischen Kannibalen-Geschepper und Panda-Gesäge hatten nun EDGUY die ganze Aufmerksamkeit für sich. Und ganz nach dem Beathe Uhse-Beispiel „jeder kennt es, aber keiner will es zugeben“ wurde es tatsächlich mächtig voll vor der True Metal-Stage. Und man kann unken, was man will, Tobias Sammet und seine Jungs bieten einfach eine klasse Show. Hier passt einfach alles! Sei es das pompöse Outfit vom Fronter, dessen Flirterei mit Fans und Kamera, sowie natürlich die stimmliche Leistung oder die spielerische Performance der Band. Ob nun „Dead or Rock“, „Vain Glory Opera“ oder „Sacrifice“ – Hier geht’s gekonnt und mit vollem Engagement zur Sache. Eine kleine Überraschung hatten EDGUY auch noch parat. So stiefelte Markus Großkopf (Bass, HELLOWEEN)auf die Bühne, um mit der Band „Lavatory Love Machine“ und „SuperHeros“ zu zocken! Und das nicht ohne Grund. So kann Basser Eggi in diesen Tagen zu jeder Zeit Vater werden und da erklärte sich Großkopf bereit, ihn im Fall der Fälle zu vertreten und hatte sich bereits das gesamte Set draufgepackt. Diese Möglichkeit wollte man natürlich nicht ungenutzt lassen! Und dass EDGUY sich ihres Status’ durchaus bewusst sind, machte Tobi deutlich als er spasste, dass man einige Songs nicht nur als Tribut an EUROPE geschrieben hat, sondern auch aus dem gleichen Grund, nämlich um Geld zu verdienen! Aber auch so ist die Ballade „Save me“ ohne Zweifel großes Kino und „King of Fools“ kann eh jeder mitsingen, Fan oder nicht! Und so kann man ohne sich einen abzubrechen zugeben, dass man nicht unbedingt Fan sein muss, aber dennoch eine gute Zeit mit EDGUY haben kann!
(Fafnir)

IMMORTAL

Die Nacht war gekommen, der Himmel schwarz, die Luft würde kühl… alles bereitet für die Meister des Blashyrkhs, die Sons of Northern Darkness!! Auch 2010 war es wieder ein Phänomen, wie IMMORTAL mit ihren kalten Riffings und knarrenden Vocals die Massen begeistern können. Und so war der Jubel groß, als Horgh hinter seinem Drum-Kit Platz nahm, Fronter Abbath in seiner unnachahmlichen Manier auf die Bühne stolzierte undzusammen mit Basser Apollyon gleich mit „All Shall Fall“ richtig Gas gaben. Mit „Sons of Northern Darkness“, „Rise of Darkness“ und „Damned in Black“ (worüber ich mich persönlich besonders freute) folgte weiterer Black Metal erster Klasse, unterstützt von typisch knarrig-humorigen Ansagen von Abbath und fetter Pyro-Unterstützung! Und auch wenn das aktuelle Album IMMORTAL in Bestform präsentiert, waren nicht alle Fans wirklich glücklich mit der gewählten Setlist. So fehlten die ersten 4 Alben komplett und damit so herrlich fiese Klassiker wie „Unholy Forces of Evil“, „The Sun no longer rises“ und sogar „Battles in North“ und das eigentlich nicht fehlen dürfende „Blashyrkh (Might Raven Dark)“. Sogar den Knaller „Tyrants“ ließ man aussen vor, und das konnte auch klasse Finale mit „One by One“ nicht gänzlich wett machen. Eine aufgefrischte Setlist ist ja immer eine gute Sache, aber derart umgekrempelt, gab diese einigen Fans doch zu knacken! Dennoch boten die Norweger eine tolle Show und verschwanden dieses Jahr nicht einfach plötzlich mit einem Knall, sondern verabschiedeten sich ausgiebig von ihren Fans.
(Fafnir)

SOULFLY

Nun denn, die Sons of Northern Darkness IMMORTAL verbreiteten eisige Kälte auf der Hauptbühne, während andere eine Verschnaufpause einlegten und auf SOULFLY warteten. Aus dem kühlen Norden nun ins heiße Brasilien. Max Cavalera bittet zum Tanz. Die Groovemaschine wurde angeworfen und Max pfefferte eine Granate nach der anderen ins Publikum. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bands, die brav der Aufforderung „Keine Circlepits, keine Wall of Death“ folgten, schien das den SOULFLY Fronter herzlich wenig zu interessieren und so peitschte er die Menge weiter an und ließ Circlepit auf Cirlepit folgen. Das ergibt, in Kombination mit den immer wieder aufleuchtenden Bildern auf der Videoleinwand „No Circlepit, please“, ein beinah schon fast lustiges Bild. „Roots Bloody Roots“ und „Jump Da Fuck Up“ ließen jedenfalls keinen der anwesenden Fans vor Ende des Gigs auch nur ansatzweise zur Ruhe kommen. Die Fotografierversuche von der ersten Reihe aus wurden jedenfalls das ein oder andere Mal gründlich vermasselt, da die Menge ein wahres Erdbeben erzeugt und jedes Bild verwackeln ließ. Bilder hin oder her, das zeigt aber, wie gut die Stimmung war und die war top, Daumen hoch!
(Ateacina)

Alle Metaller warten auf eine Reunion der richtigen SEPULTURA! Doch solange dies nicht passiert, muss man sich doch mit THE CAVALERA CONSPIRACY und natürlich SOULFLY begnügen, die ja mit den letzten Alben deutlich härter geworden sind. Das bewiesen Max Cavalera und seine Jungs, zu denen nun ein neuer Bassist gehört, auch gleich am Anfang mit „Blood Fire War Hate“, wonach man allerdings erstmal mit „Seek N’Strike“, „Prophecy“ und „Primitive“ die sogenannten Clubhits abarbeitete. SOULFLY hin oder her, steht ein Cavalera auf der Bühne, will man auch SEPULTURA-Songs hören. Die gab es dann auch mit „Refuse/ Resist“ auf die Ohren, bei dem sich dieses Mal Max‘ Sohn Zyon hinters Kit klemmte und die Sache ganz in Familien-Tradition gekonnt umsetzte. Als Tribut an Dimebag baute man zu „L.O.T.M.“ noch PANTERAs „Walk“ ein und ein krachendes „Troops of Doom“ brachte die Stimmung erst recht richtig zum Kochen! Und nun kam die schon erwähnte Komik ins Spiel. Denn während der sehr engagierte Max die Meute immer weiter zu Circle Pits antrieb, wurden die Wacken-Vertreter nicht müde, auf den Leinwänden „Please no Circle Pits“ einzublenden! Herrliche Situations-Komik und natürlich hielten sich die Fans an die Band und liessen es vor der Bühne ordentlich rotieren! Ein starkes „Roots bloody Roots“ und das ebenfalls zu den Klassikern gehörende „Jumpdafuckup / Eye for an Eye“-Finale bestärkte die Metal-Gemeinde noch mehr in dem Wunsch nach einer SEPULTURA-Reunion. Da kann man doch sicher auch einige SOULFLY-Songs einbauen, oder???
(Fafnir)

TIAMAT

Als Abschluss eines interessanten Metal-Wochenendes hatte ich mir die „Wildhoney-Show“ von TIAMAT dick in meiner Running Order markiert. Kein Wunder, dieses Album doch nicht nur meiner Meinung nach mit das bester Düster Metal-Werk überhaupt und wenn sich Chef Johan Edlund dazu durchringt dieser Platte eine ganze Show zu widmen, muss man ja dabei sein. Natürlich waren die Erwartungen, wie auch die Skepsis nicht unbedingt die kleinsten. Wie soll man ein solches Album entsprechend live umsetzen und dann auch noch Open Air? Vor allem durch Licht-Effekte und Projektionen auf eine Leinwand, die an Stelle eines Backdrops angebracht wurde. Dazu Johan im schwarzen Gewandt, ganz der dunkle Meister. Seine Band-Kumpanen traten dagegen recht einfach und schlicht auf die Bühne. Der Einstieg gestaltete sich nun etwas schwierig. Die Balance des phasenweise recht lauten Keyboards, den nicht ganz stimmigen Gitarren und den zu leisen Vocals wollte sich bei „Whatever that hurts“ & „The Ar“ noch nicht wirklich einstellen. Als der Sound dann soweit ok war, verhaute der Lead-Gitarrist doch glatt das geniale Solo. Johan, mach’s am besten selbst! Zwar konnte die Vocal-Performance von Edlund einiges wett machen, so wirklich mitreissen, konnte mich dieser Einstieg allerdings nicht. Passend zu „Gaia“ fielen dann die ersten Tropfen vom nächtlichen Himmel, was bei einigen Fans so langsam für Aufbruchstimmung sorgte. Und eben zu diesem genialen Song machten sich die Schwierigkeiten der an sich schön atmosphärischen Lichtshow bemerkbar. Wurde diese nämlich hochgedreht, verloren die Projektionen an Wirkung und man sah eigentlich nur noch die Leinwand an sich. Na gut, auf dieser gab man eh nur meist die gleichen Abbildungen ähnlich des „Wildhoney“-Covers wieder, von daher hätte man dies auch gleich weglassen und nur die gelungene Lichteffekte wirken lassen können. Dennoch ist es schön zu sehen, wie der TIAMAT-Mastermind noch immer hinter dem Album steht und auch live in den Songs aufgeht. Auch wenn ich weiterhin die Meinung vertrete, und da bestätigte mich diese Show schon, dass „Wildhoney“ eher für die Kombination Heimat-Anlage plus Kopfhörer geeignet ist.
(Fafnir)

Zum Ende wurden wir ein weiteres und letztes Mal vor die Wahl zwischen zwei Bands gestellt: FEAR FACTORY oder TIAMAT. Da FF beim Hellfest zwar musikalisch, nicht aber stimmlichen einen mitreißenden Gig abgeliefert hatten und man TIAMAT nun auch nicht alle Tage zu sehen bekommt, fiel die Wahl verhältnismäßig leicht. Rüber zur Partystage also, welche trotz des groß angekündigten Gigs mit „Wildhoney“ in voller Länge nur einen durchschnittlichen Zuschauerzuspruch zu verzeichnen hatte. Die meisten waren nach 3, bzw. 4 Tagen Dauerparty und Dauerbeschallung einfach nur müde und das zeigte sich nun mit aller Macht. Ohne großartige Ausschweifungen und Ansagen wurde nun wirklich das komplette „Wildhoney“ Album zum Besten gegeben, bei tollem Sound und durch die Bühnenbeleuchtung geförderter doch recht spezieller Atmosphäre. Nicht nur die Musiker auf der Bühne, auch das Publikum vor der Bühne erweckte einen recht hypnotisierten Eindruck. Ich für meinen Teil gab der Müdigkeit nach und setzte mich an die Seite, um den Gig von dort aus zu genießen. Definitiv ein etwas anderer Auftritt, auf jeden Fall ganz anderes, als das, was wir im Laufe des Festivals sonst so zu hören und sehen bekamen, sehr ruhig, aber trotzdem gut.
(Ateacina)

Fazit 1

Neben Beschwerden und Kritik muss man ganz klar anmerken, dass trotz der Größe des Festivals, bzw. Masse der Bands, die Spielzeiten ohne große Verzögerungen beibehalten wurden. In dieser Hinsicht herrschte wirklich Disziplin und dafür muss die Organisation gelobt werden. Wirklich empfehlenswert war das Essen im Wackinger Bereich. Da gab’s ordentliche Portionen fürs Geld und es schmeckte verdammt gut. Egal, ob es sich um vegetarisches Essen, Brot oder Fleisch handelte. Das lob ich mir doch wirklich als Alternative zum üblichen Festivalessen á la Pizza, Döner und Co. Abgesehen davon, war dieser Bereich des Festivals beinah schon ruhig und lud zum relaxten Ansehen von Bands ein, abseits der großen Bühnen. Wenn ich lese, dass das X-Mas Package (mal ehrlich, warum heißt das Ding eigentlich noch so, wenn es bereits im August komplett weg ist?!) bereits in 5 Stunden ausverkauft war, besteht keinerlei Zweifel daran, dass das Festival auch im nächsten Jahr wieder so pickepacke voll, wenn nicht gar voller wird, als schon in diesem Jahr. Was man einfach nicht vergessen sollte, ist die Tatsache, dass „Wacken“ mittlerweile auch dem durchschnittlichen Ottonormalbürger ein Begriff ist – ganz im Vergleich zu so manch anderem Festival. Das bedeutet aber auch, dass zu einem solchen Festival mehr und mehr Nicht-Metaller anrücken. Breitere Masse, breiteres Angebot – auf die Dauer auch mehr Probleme.

Wo wir gerade beim Stichwort „breiteres Angebot“ sind: Wozu braucht es aber ein Wrestling/ Freakshow Zelt plus Wet-T-Shirt Contest? Wacken mutiert mit solchen Nebenbei-Bespaßungseinrichtungen mehr und mehr zum Disneyland für Metaller – oder aber auch zu einer Art Ballerman für Metaller. Sicher, auch für diese Sachen gibt es Fans, die das mögen und ja, so ist für Jeden was dabei, aber im Grunde genommen funktioniert es auf zig anderen Festivals auch ohne dieses Brimborium. Bands, Freunde treffen, Party, das macht im Grunde ein Festival aus, oder sehe ich das falsch? Der Spielplan ist so oder so schon verdammt vollgepackt, das große Gelände verlangt eh schon einiges an Zeit, um von A nach B zu gelangen, warum also noch soviel Drumherum? Gewissermaßen amüsant waren die Bildschirmanzeigen „no circlepit/ no wall of death“, sowie passende Ansagen, abgesehen vom Grinsen im ersten Moment, war das letzten Endes aber doch keine so schlechte Sache. Klar, diese Dinge „gehören zu einem Festival halt dazu“, andererseits, gibt es Festivals, bei denen bereits Crowdsurfen partout verboten ist und die Fans feiern trotzdem ihre Bands ab und der Stimmung haben weniger/ keine Crowdsufer bisher auch noch nie einen Abbruch getan. Für die einen „doof“, für die anderen die Gelegenheit, sich Bands mal von weiter vorne aus ansehen zu können, ohne gleich von Circlepits und Co aus dem Weg gekickt zu werden.

Fakt ist: Wenn man Wacken nur aus musikalischer Sicht betrachtet, gab es eine Menge sehr ordentlicher Auftritte, man trifft Freunde aus aller Welt, die man vielleicht aufgrund der Entfernung nur einmal im Jahr sieht. Das ganze Programm drumherum lässt das Festival allerdings leider mehr und mehr zu einer Art Jahrmarkt mutieren, sprich, man schießt meilenweit übers Ziel hinaus. Wer wirklich der Meinung ist, dass gute Gigs und Party nicht ausreichen… nun… Das Open Air scheint mittlerweile einfach zu sehr zu wuchern, dass das immer noch „nur“ 75000 Besucher sein sollen, wie seit Jahren verkündet wird, ist schwer zu glauben – besonders nach einem Blick von oben aus der Jägermeister Skybar und beinah ständig ordentlich gefülltem Infield, auch bei Bands am Nachmittag. Mein persönliches Fazit: Es wird wohl mein letztes Wacken gewesen sein, auch wenn ich das bereits 2007 gesagt habe und mir das Ganze einfach noch einmal anschauen wollte, es ist für mich einfach zu groß.
(Ateacina)

Fazit 2

Im Grunde kann ich mir meiner Kollegin nur anschließen. Die Orga auf dem Wacken ist wiedermal absolut top gewesen. Es gab meines Wissens nach keine nennenswerten Zwischenfälle, die Running Order wurde wunderbar eingehalten und die Preise sind zwar nicht die günstigsten, aber bei einem Festival dieser Größe sicherlich und leider normal. Ohne Frage muss man die große Frage stellen, ob das ganze Jahrmarkt-Gerassel wirklich notwendig ist. Denn eines darf man nicht vergessen: Auch dieses Jahr waren richtige Mega-Acts und massenweise weitere starke Bands am Start, die alleine schon Anreiz genug sein sollten, zu einem Festival zu fahren. Und legt man wer auf die Musik, dann hat man eh den ganzen Tag zu tun, um nur annähernd alle Bands zu sehen, die man sich eingeplant hat. Wer Bock auf Jahrmarkt und Mittelalter-Feierei hat, kann übers Jahr eine Vielzahl von Gelegenheiten wahrnehmen. Ich persönlich fahre dazu nicht auf ein Festival. Ich will Bands sehen! Und solange weiterhin Bands solcher Klasse und Bandbreite aufgefahren werden, wird auch das Wacken weiterhin eine der ersten Adressen für mich bleiben!
(Fafnir)

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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