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WARRIOR SOUL – THE STONED – SEVERE ZERO

Ort: Essen - Turock

Datum: 07.03.2009

Das ist doch mal ein Start in den Konzertabend, der so richtig Punkrock ist. Trotz angekündigten „Doors 19 Uhr“ finden die noch recht wenigen Zuschauer zunächst das Schild „Doors 20 Uhr“ an der eisernen Pforte des Essener Turocks. Dies verblüfft umso mehr unseren Terror-Fotografen Sebastian, der um 18.45 Uhr noch die Club-Website besucht hat, auf der die alte Info noch Gültigkeit hatte. Bei kuscheligen 6 Grad war dies wohl eine Promo-Aktion für das wunderbare und grandiose Nord, in dem sich eine Vielzahl der Konzertgäste bei SODOM, TOOL und Weizen für den netten Retro-Abend in Form brachte.

„Doors 20:00 Uhr“ blieb dann erwartungsgemäß ein eher frommer Wunsch, da nach Angaben eines (wohl auch) verblüfften Security-Mannes eine (leider nicht genannte) Band ihr Schlagzeug vergessen hatte. Kann mal passieren, bei Auftritten Samstag abends jedoch allemal ein logistisches Problem. Wenn nun verhindert werden soll, dass dies zu viele Menschen mitkriegen, dann gilt was? Richtig, besser keine Presse. Und so gibt es zunächst keine Gästeliste und die kleine Terror-Delegation soll mit vollem Preis zur Konzertkasse gebeten werden. Damit ist für Sebastian der Abend auch schon fast beendet, nachdem er keine Antwort auf die Frage findet, warum er 20 Ocken für eine Band zahlen soll, die er nicht einmal kennt und für die er aus Dortmund hergekommen ist, um etwas für sie zu tun, nämlich sie mit seinen Fotos zu promoten. Insgesamt eine reichlich suboptimale Vorstellung vom Turock, insbesondere vom Kassenbereich, der auf unsere Akkreditierung nicht einmal einen vorgetäuschten Blick wirft, sondern nur unser Bestes will.

Kurz bevor wir entnervt nach Hause fahren, taucht die Gästeliste doch noch auf, wir sind drin und sehen mit SEVERE ZERO eine fukin’ junge fukin’ Punkrock Band mit ’nem fukin’ guten Schlagzeuger, noch fukin’ zwei anderen Mitgliedern dieser fukin’ Band, fukin’ stylischen Klamotten und fukin’ viel jugendlicher fukin’ Energie. So, mit ein wenig Phantasie könnt Ihr euch jetzt die Qualität der Ansagen von SEVERE ZERO gut vorstellen, ansonsten bieten die drei Engländer einen quirligen und engagierten Auftritt, in dem der Drummer aber leider etwas arg viel Wert auf die Darstellung seiner technischen Möglichkeiten legt und die Songs mit unzähligen Schlagwirbeln erstickt. Dennoch unterhaltsam, es zeichnet sich aber ab, dass an diesem Abend die Vorband die jüngsten Konzertteilnehmer stellt! THE STONED fallen dagegen sehr ab. Ganz lahmarschiger Altherren Rock der AC/DC Zero Variante, zudem nach bald 20 Minuten aus mir nicht bekannten Gründen wieder von der Bühne runter. Hinterließen nur Fragezeichen…

Dies kann man vom nachfolgenden Hauptact nicht sagen: WARRIOR SOUL rockten Essen! Zumindest ich war vorher sehr gespannt, mit welchen Songs Chef Kory Clarke und seine Side Kicks auftreten würden, schließlich hatte sich mit dem letzten „richtigen“ WS Album „Space Age Playboys“ der Sound der Band doch reichlich in Richtung Punk verschoben. Hier gab schon der Beginn Entwarnung: Intro und das folgende „Interzone“ bilden den Anfang der zweiten Scheibe „drugs, god and the new republic“. Alle Befürchtungen bezüglich der Setlist werden im Verlaufe des Abends zerstreut, im Band Vokabular „Blown Away“! So wird das legendäre Debüt „Last Decade Dead Century“ mit gleich vier Songs gewürdigt, darunter die wunderbaren Melancholie-Hymnen „Lullaby“ sowie das immer wieder verlangte „The Losers“. Diese Nummern boten auch live die erhoffte Ganzraumgänsehaut. Clarke selbst war im kritischen Bereich heiser, aber diese Nummern werden auch so vom jetzt gut gefüllten und begeisterten Turock gesungen (na ja).

Insgesamt werden alle Alben der Bandgeschichte berücksichtigt, also auch die umstrittene „Chill Pill“, zusätzlich gibt es mit „Fuck The Pigs“ einen vergleichsweise neuen Song. Jedoch wird die Auswahl der Songs immer unwichtiger. Dies liegt zum einen an der durchgehend tollen Qualität der allermeisten WS Songs: auch nach 90 Minuten fehlen noch etliche Superstücke, von daher hätten die Jungs auch noch mal 90 Minuten dranhängen können, ohne dass sich ein mäßiger Titel auf die Liste geschlichen hätte. Zum anderen und viel entscheidender ist die Energie und die Begeisterung, mit der die Band (die Band!) hier auftritt. Das Urteil von Deutschlands größtem Fachmagazin, Clarkes Mitstreiter hätten nicht die Qualität früherer Tage, kann so nicht stehen bleiben. Zwar gehört die Aufmerksamkeit der Fans naturgemäß dem Bühnen- und Rock ’n Roll Tier Kory Clarke. Dennoch spielt die Band wie eine Eins und kriegt von mir noch ein Plus oben drauf! Wenn ich die Truppe nicht kennen würde, käme ich nie auf die Idee, dass die Jungs hier Stücke spielen, an deren Entstehung sie gar nicht beteiligt waren. Im Gegenteil: Die Band hängt sich rein wie eine Nachwuchscombo, die mit ihren Stücken die Welt erobern will. Zumindest im Turock (übrigens dem einzigen Deutschland-Gig) verläuft die Mission erfolgreich, die alte Phrase der „Feier verloren gegangener Söhne“ muss dringend aufgefrischt werden! Erneut wird schmerzlich bewusst, was für ein himmelschreiendes Unrecht der mangelnde Erfolg dieser Band eigentlich war und ist. Die Szene braucht WARRIOR SOUL, WARRIOR SOUL braucht aber auch EUCH. Bei der nächsten Tour seid Ihr alle da! Ja, das könnt Ihr!

Copyright Fotos: Sebastian Steinfort

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