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WAVE GOTIK TREFFEN 2013 – TAG 4

Ort: Leipzig WGT

Datum: 20.05.2013

Nach dem Aufwachen am Nachmittag war es wieder da: dieses bedrückende Gefühl, dass alles schon fast wieder vorbei ist. Dabei hatte es doch gerade erst angefangen. So schnell in Fahrt gekommen wie an den anderen Tagen sind wir auch nicht. Die Wohnung verwandelt sich allmählich wieder in ihren normalen Zustand, das flächendeckende Schwarz an Klamotten gibt langsam wieder die Möbel darunter frei. Einige Schlafgäste verlassen direkt nach den Konzerten die „Schwarze Stadt“. Aber ein Höhepunkt steht ja noch an.

ULVER – ARKTAU EOS – PREDOMINANCE – REFORMED FACTION
Leipzig WGT Volkspalast (Kuppelhalle/ Kantine)

CONTRASTATE haben wir leider komplett verpasst und waren erst ungefähr zur Hälfte von REFORMED FACTION im Volkspalast. Hinter dem Projekt stehen Mark Spybey und Robin Storey von ZOVIET FRANCE. Auf der Bühne präsentierten die beiden hinter einem Berg von Technik versteckt angenehmen Dark Ambient.

Als Nächstes steht eines der Highlights des diesjährigen WGT auf dem Programm: PREDOMINANCE. Gerd Zaunig hat mit seinem Projekt zwischen 1995 und 2000 vier Alben veröffentlicht, die in der Dark Ambient-Szene bis heute ihresgleichen suchen. Tief, mystisch, hypnotisch. Jeder Track ein Meilenstein des Genres. Und um das live rüberzubringen, braucht es auch nicht viel außer ein paar bewegten Bildern an der Wand, etwas Licht und die bloße Präsenz von Zaunig. Die Kuppelhalle war gut besucht, aber wir haben uns trotzdem noch ein paar Sitzplätze ergattern können. Augen zu und genießen. Die Musik fesselte dermaßen, dass keine Gefahr bestand, einzuschlafen, auch wenn wir schon Tag 5 im Feiermarathon hatten. Abschließend spielte Zaunig auch noch seine beiden Kracher „Four Symbols“ und „Luftschiffe“. Danach wollte natürlich erst recht keiner PREDOMINANCE von der Bühne lassen. Überrascht von der geforderten Zugabe, gab es dann ein bereits gespieltes Stück des Konzertes in der Wiederholung. Ein fantastisches Konzert, das gerne auch doppelt oder dreimal so lange hätte dauern dürfen. An neuem Material wird zwar gearbeitet, aber wann es das zu kaufen gibt, ist noch offen. Hoffen wir also das Beste.

Nach einer Pause enterten wir abermals die Kantine: Dort wandelten drei Herren mit finster aussehenden Leinenmasken über den Köpfen zwischen Fahnen auf der Bühne. Die Musik: spirituell, rituell und vor allem sehr, sehr düster mit einigen wenigen Folk-Anleihen. Ein bisschen erinnerten mich ARKTAU EOS an ELLI RIEHL. Zum Schluss wandelten die Herren noch mit Glockenband durch das Publikum. Soviel Platz müssten einem mal gemacht werden, wenn man sich VOR zur Bühne kämpft. Aber wir sehen ja auch nicht so finster aus. Fünf Alben haben die Finnen bereits veröffentlicht und nach dem Auftritt werden die mit Sicherheit alle in die heimische Plattensammlung wandern. Ein interessantes Konzert von einer mir bis dato unbekannten Formation.

Als letzte Band dieser Konzertreihe und für uns letzter Act des diesjährigen WGTs spielten ULVER ein exklusives Konzert mit Orchester. Dafür wurde eigens ein Konzertflügel auf die Bühne gestellt und die gesamte Bühne war brechend voll mit Musikern. Warum die Bühne zusätzlich mit halbdurchsichtigen Vorhängen zugedeckt war, ließ sich nicht erschließen. Jedenfalls war der Pressegraben tabu und da der gesamte Bereich vor der Bühne rappelvoll mit Zuschauern war, mussten wir an der Seite Platz nehmen. Die eigentlichen Musiker von ULVER sahen wir daher nicht ein einziges Mal, sondern mussten uns mit der Stimme aus dem Off begnügen. Die Norweger zelebrieren normalerweise eine Mischung aus Folk, Avantgarde und Metal, waren mir aber bisher weitestgehend unbekannt. Das gesamte Konzert über untermalte das Orchester dezent und sehr ruhig die Stimme des Sängers. Die Originalsongs sind mir nicht bekannt, aber hier klang alles nach melancholischen Balladen. Und das spaltete wohl auch das Publikum. Die einen fanden es sehr schön, weil Klassik-affin. Andere, und zu denen zähle ich mich selber auch (und ich bin der Klassik nicht abgeneigt), hielten es für etwas zu „flach“. Mit so einem Aufwand eines ganzen Orchesters hätte man sich mehr Bombast und Gänsehaut-Feeling gewünscht. Stattdessen plätscherte die Aufführung so vor sich hin, ohne nennenswerte Höhepunkte. Da hätten sich viele lieber ein Donnerwetter gewünscht, das noch bis zum nächsten Jahr nachhallt, wie es zum Beispiel bei PSYCHIC TV vor ein paar Jahren war. Einige Zuschauer verließen daher auch eher das Konzert. Wir blieben bis zum Schluss. Und dann ist auch schon wieder alles zu Ende und wir müssen ein Jahr warten.

Obwohl dieses Jahr nicht angekündigt, legte Stephan Pockrandt vom legendären aber leider nicht mehr existenten Eis & Licht-Label noch in der Kantine auf. Da gab es dann endlich mal einen Neofolk-Hit nach dem anderen. Als sich der Saal dann langsam leerte, fuhren wir ins Beyerhaus. Normalerweise steht ja an dieser Stelle die Blaue Stunde als inoffizielles Abschluss-Spektakel an. Aber irgendwie kam es dieses Jahr nicht dazu und der gesamte Freundeskreis verstreute sich auf diverse Feierlichkeiten. Man munkelt sogar, dass einige in die Moritzbastei zum Mainstream gegangen sind. Aber das verfolge ich mal nicht weiter. Jedenfalls haben wir im Beyerhaus noch ein paar Stunden gefeiert und sind dann in den Morgenstunden nach Hause. Wohlwissend, dass nach dem Aufstehen wieder mal alles vorbei ist und wir ein Jahr warten müssen auf die beste Party des Jahres. Aber das Nach-WGT-Tief wird vorübergehen und die Spannung und Vorfreude auf das nächste Jahr beginnen.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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