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WAVE GOTIK TREFFEN 2014 – TAG 2

Ort: Leipzig – WGT

Datum: 07.06.2014

Samstag, 7. Juni

Heidnisches Dorf
ANDREW KING

Das Thermometer ist weiter auf 33 Grad geklettert. Kein Windzug und keine Wolke am Himmel. Die obligatorischen Stiefel? Flip Flops tuns erst mal auch. Und kurze Hose … aber immerhin in camouflage. So ging es nachmittags erst einmal ins Heidnische Dorf. Nach einer kleinen Runde haben wir es uns vor der großen Bühne auf dem noch einzigen freien Platz im Schatten gemütlich gemacht und das Treiben beobachtet. Dann wurde die angenehme Atmosphäre je durch fröhlich-melancholisches Gedudel von der Bühne unterbrochen. Einige Ausdruckstänzer rafften sich sogar wider der Hitze auf und hüpften durch die Gegend. Stimmt ja, wir sind ja im Mittelalter und da gehört das halt dazu. Eine Weile hielten wir es auch aus, sind dann aber irgendwann in den anderen Teil des Heidnischen Dorfes umgezogen und bepackt mit Flammkuchen und Bier standen wir auf einmal vor ANDREW KING, der gerade auf der 2. Minibühne angefangen hat zu spielen. Unfassbar, einen Tag zuvor hatte der König der traditionellen britischen Folk-Musik noch in der Kuppelhalle vom Volkspalast musiziert und jetzt steht er zusammen mit Drummer John Murphy zu dritt auf einem vielleicht 5×3 Meter großen Holzverschlag, der mit bunten Stoff umhüllt ist. Fast wie im Mittelalter. Im Programmheft stand davon nichts, laut Freunden sollte er aber tatsächlich hier sein. So hatten wir noch eine schöne Beschallung zu Speis und Trank und lauschten der markanten Stimme des Barden über Geschichten von Freud und Leid in der alten Zeit. Immer wieder beeindruckend, wie dieser Mann seine Musik nicht nur macht, sondern regelrecht lebt. Leider mussten wir schon wieder weiter ziehen.

Altes Landratsamt
SIEBEN – SONNE HAGAL

Eigentlich waren wir pünktlich im Alten Landratsamt und wollten auch gleich reingehen. Doch es standen einfach zu viele Freunde davor, um ungesehen und ohne zu quatschen zu entern. Zum 2. Song von SIEBEN konnten wir uns dann aber doch losreißen. Draußen wurde die Luft schon wieder halbwegs angenehm, aber als wir in den Saal reinkamen, war es, als liefen wir gegen eine Feuerwand. Die Temperatur kam der in einer Sauna sehr nahe und Sauerstoff enthielt die Luft auch nicht mehr viel. Egal, die fantastische Musik von SIEBEN entschädigt alles. Ein Mann, eine Geige und unendlich Leidenschaft. Was MATT HOWDEN mit seinem Instrument vollbringt, schafft manch Orchester nicht. Mit dem Bogen, zupfend, klopfend, pickend, sogar mit den Bartstoppeln. In allen erdenklichen Variationen erzeugt Howden die verschiedensten Töne mit seiner Geige, sperrt diese dann in einen Loop und schafft den nächsten Klang bis es sich anhört, als stehen zehn Musiker auf der Bühne. Dazu noch seine tolle Stimme. Und dabei springt Howden mit einem Enthusiasmus über die Bühne, dass es regelrecht ansteckend wirkt. Fantastisch. Der sehr gut gefüllte Saal war begeistert. Und als Zugabe gab es noch JOY DIVISION’s „Transmission“ … natürlich nur auf Geige, aber mindestens genauso genial wie das Original.

Nach dem Konzert leerte sich die Saal so schnell wie bei einem Feueralarm. Der Sauerstoffgehalt im Blut war bedrohlich gesunken und der Wasserverlust lag bei gefühlten fünf Litern … bei Matt Howden dürften es zehn gewesen sein. Als nächstes spielten ARGINE. Wir haben es wirklich versucht, aber im Inneren des Alten Landratsamtes war es immer noch erdrückend heiß. Und so mussten wir auf den Auftritt der italienischen Neofolk-Formation verzichten und haben stattdessen vor der Tür erzählt und erzählt und erzählt. Und sind nur ab und an mal für eine Minute rein.

Als finale Band an dem Abend traten dann SONNE HAGAL auf, und die wollten wir uns nicht entgehen lassen, auch wenn es im Saal nicht viel frischer geworden war, denn ein Konzert dieser Formation ist immer ein akustischer Genuss. Entsprechend voll war auch die alte Amtsstube. Mit zwei Akustikgitarren, Bass, Cello und Keyboard gaben sie ihre Weisen zum Besten. Unterstützung gab es noch von Kim Larsen (OF THE WAND AND THE MOON) an den Drums. Auch wenn SONNE HAGAL viele experimentelle Stücke im Portfolio haben, gab es wie bei den meisten Konzerten ausschließlich klassischen Neofolk zu hören. ERNTE’S Hit „Sonnenwende“ durfte auch nicht fehlen. Insgesamt fing das Konzert ziemlich ruhig an, erst zum Ende hin holten SONNE HAGAL ihre Hits und schnelleren Stücke raus. Das Publikum dankte es mit Tanzeinlagen in der Sauna. Immer wieder sehenswert.

Zum Feiern ging es dann zuerst in Städtische Kaufhaus und anschließend in die Villa bis weit in den Morgen.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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