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WAVE GOTIK TREFFEN 2014 – TAG 1

Ort: Leipzig – WGT

Datum: 06.06.2014

Kaum war es da, ist es auch schon wieder vorbei. Das 23. Wave-Gotik-Treffen ist Geschichte. Was bleibt, sind ausschließlich schöne Erinnerungen an tolle Konzerte, einzigartige Treffen mit alten Freunden und neuen Bekannten sowie fantastische Partys. Und der riesige schwarze Berg vor der Waschmaschine zeugt von dem hohen Klamottenverschleiß aufgrund der unfassbaren Hitze während des gesamten Wochenendes: waren es anfangs noch „beschauliche“ 30 Grad, so ist bis zum Montag das Thermometer stetig auf stattliche 38 Grad angestiegen. Kein Wind und kein Tropfen Regen taten ihr Übriges.

Doch fangen wir von vorne an…

Donnerstag, 5. Juni

Villa

In Leipzig coolsten Szene-Club startete für uns wie die letzten Jahre auch das Treffen mit dem „WGT-EBM-Warmup“. Bereits ab 20 Uhr begannen hier die ersten Konzerte überhaupt. Da mal wieder alles anders kam als geplant, haben wir es natürlich erst 22:30 Uhr geschafft. Die Villa war zeitweise so voll, dass es sogar gelegentlich Einlassstopp gab. Auf dem Mainfloor waren noch Konzerte im Gange, daher war der Saal auch brechend voll. Wir konnten von der Tür aus noch die letzten lieblichen Klänge vom EBM-Muskelmatrosen RUMMELSNUFF erleben. Die beiden anderen Floors beschallten mit Industrial bzw. eher rockigeren Klängen. Also insgesamt eine gute Mischung für einen schönen Abend. So nahmen die Stunden ihren Lauf. Neben Tanzen war der zweite Hauptteil des Abends erst einmal, alle Bekannten zu begrüßen und ein Schwätzen zu halten. Schließlich sind wir beim WGT ja auf einem Familientreffen und je länger ich dabei bin, desto mehr bekommt die Bezeichnung auch Bedeutung. Als es gerade so richtig losgegangen ist, muss sich wieder dieses WGT-Zeitrad in Gang gesetzt haben… denn auf einmal war es schon nach 5 Uhr und die letzten Gäste wurden langsam aber bestimmt raus gekehrt. Ein gelungener Auftakt-Abend war es dennoch.

Freitag, 6. Juni

Agra
CHRISTIAN DEATH

Nachdem es in der Nacht noch regelrecht kühl war, beginnt das Wetter heute mit seiner Hitze-Attacke auf die „armen“, schwarzen Treffenbesucher. 30 Grad, aber beeindrucken lässt sich bisher noch keiner. Frisuren, Make Up, Outfit, alles sitzt noch perfekt. Nachdem dann auch die letzten Mitstreiter eingetroffen sind, können die Konzerte beginnen.

Und da gab es gleich das erste Dilemma. Bei der Wahl zwischen CHRISTIAN DEATH und 7JK im Volkspalast entschied sich zumindest unsere „Reisegruppe“ für die US-amerikanische Gothic Rock-Legende. Wann bekommt man die schon mal zu Gesicht? Zuletzt 2008 auf dem WGT haben wir sie leider verpasst. Die wunderbare Kollaboration 7JK zwischen Violinen-Gott MATT HOWDEN (SIEBEN) und den polnischen Industrialisten von JOB KARMA läuft man schließlich öfters mal über den Weg. Nach einem gemütlichen Walk über die Treffenmeile kamen wir schließlich in die Agra. Für 18 Uhr war es gut gefüllt. Dafür, dass der absolute Headliner des Abends spielt, natürlich viel zu leer. Wer hat bitteschön dieses Lineup geplant, was zum einen falsch herum ist und zum anderen aufgrund der musikalischen Ausrichtung für einen fast vollständigen Austausch des Publikums nach jedem Konzert schreit. Jedenfalls legten CHRISTIAN DEATH dann los und ließen es von Anfang an ordentlich krachen. Der Bandname hatte ursprünglich nichts mit dem Tod des Christentums zu tun, sondern war eine ironische Anspielung an den Designer Christian Dior. Nichts destotrotz sind CHRISTIAN DEATH natürlich neben ihrer Musik auch für anti-christliche Äußerungen bekannt. Von der Originalbesetzung zu Beginn der 80er Jahre ist keiner mehr an Bord. Die ältesten aktuellen Mitglieder sind Valor, der seit 1984 dabei ist und seine Frau Maitri, die 1991 zur Band kam. Noch ein in Tüll gehülltes Schlagzeug und fertig ist die Besetzung. Trug Maitri anfangs noch ein züchtiges hochgeschlossenes weißes Brautkleid, fielen nach den ersten Songs die Hüllen und sie stand als schwindelerregend dekolletierter Gothic Vamp am Bass. Valor hätte mit seinen Minipli auch problemlos als PRINCE durchgehen können, inklusive seiner Sprüche. Auch wenn mir die wahren Kracher (ich muss dabei zugeben, dass ich wohl nicht viele davon kenne) gefehlt haben, hat CHRISTIAN DEATH ordentlich gerockt und der Weg zur Agra hat sich auf jeden Fall gelohnt. Und wir haben eine Legende mehr auf der Liste.

Volkspalast (Kuppelhalle und Kantine)
JOY OF LIFE – DESIDERI MARGINIS – SIX COMM

Wie geplant schafften wir es kurz vor 20:30 Uhr in den Volkspalast. Nach 2008 und 2010 war das englische Neofolk-Urgestein JOY OF LIFE wieder zu Gast beim WGT. Auch wenn das bereits seit Mitte der 80er Jahre existierende Projekt um Gary Carey nach wie vor bei seiner überschaubaren Diskographie von zwei Alben sowie einer Split mit APOPTOSE geblieben ist, versteht es Carey doch immer wieder, einen abwechslungsreichen und sehens-/ hörenswerten Auftritt zu bieten. Rüdiger von APOPTOSE war wieder als Gastmusiker mit dabei. Außerdem am Akkordeon der Slowene Miro Snejdr, der 2010 das DEATH IN JUNE-Album „Peaceful Snow“ mit der Bonus-CD „Lounge Corps“ mit Piano-Stücken der Band bereichert hat. Ein fantastisches Konzert und als zum Showdown noch der FANFARENZUG LEIPZIG wie damals auf die Bühne kam, war das Publikum nicht mehr zu halten: Ein einzigartiges Trommelfeuerwerk zu „Warrior Creed“. Viel zu schnell vorbei.

Ohne Pause geht es gleich rüber in die Kantine des Volkspalastes zu DESIDERII MARGINIS. Als eines Dark Ambient-Aushängeschilder des ehemaligen Kultlabels Cold Meat Industry macht der Schwede Johan Levin mit seinem Projekt bereits fast 20 Jahren anspruchsvollste dunkle Klangcollagen die mit seinem 2012er Album „Procession“ in einer wahren Traumwelt aus melodischen Strukturen und düsteren Flächen gipfelte. Soundtechnisch famos spulte Levin seinen Auftritt optisch auf das Wesentliche reduziert mit mystischen Aufnahmen versehen am Laptop runter. Der Hörer soll sich eben seine eigenen Bilder schaffen.

Und weiter geht es zum Konzertfinale des Tages zurück in die Kuppelhalle. Dort treten SIX COMM auf. Mastermind Patrick Legas hat mit seinem Projekt gleich zwei Auftritte auf dem diesjährigen WGT. Das heutige widmet sich älteren Schaffensphase. Legas begann seine musikalische Karriere bei DEATH IN JUNE und hatte für die Band auch einige Stücke geschrieben, die auch nach wie vor Bestandteil seiner Shows sind. So war der Auftritt der guten alten Zeit gewidmet, mit Songs halb noch Wave und halb schon Neofolk. Camouflage-Outfits und Masken durften natürlich nicht fehlen. Auch ein sehr genialer Auftritt, der noch dadurch bereichert wurde, das erstmalig Gaya Donadio von ANTICHILDLEAGUE live am Start war, und eine beachtliche Trommelperformance ablegte. Die Zugabe in Form von „State laughter“ aus der DIJ-Frühphase, bisher selten oder vielleicht sogar noch nie gespielt, dürfte wohl den eingefleischtesten Fans das Herz erweicht haben.

Gegen 0 Uhr wurden wir dann in die Party-Nacht entlassen und starteten zuerst zur Robotomy im Pamanoke. Die Jahre vorher war diese Industrial-Veranstaltungsreihe im Beyerhaus gleich in der City. Da diese Location wegen angeblicher Ruhestörung nicht mehr zur Verfügung steht, musste sie nach Plagwitz ausweichen. Trotzdem war es ganz gut besucht und auf dem Mainfloor lief EBM und Electro. Da aber der Großteil unserer Leute in der Villa war, sind wir nach kurzer Zeit auch weitergezogen und haben die Nacht bei Lärmbel#stigung und Apocalyptic Cocktails zum Morgen werden lassen. Etwas zu früh für unsere Verhältnisse war aber hier schon wieder vor 6 Uhr Feierabend.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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