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WAVE GOTIK TREFFEN 2015 – TAG 4

Ort: Leipzig – WGT

Datum: 25.05.2015

CLOCK DVA – BLACKHOUSE – DISTEL
Volkspalast (Kuppelhalle/ Kantine)

Wer hätte das gedacht… nach vier Stunden Schlaf schon wieder wach, aber auch fit. Und dann der große Schreck: Meine Kamera ist mit dem Besuch, der schon in der Nacht nach Hause aufgebrochen ist, in den Harz gefahren. Schöne Sch… Somit gibt’s keine Fotos von den heutigen Konzerten, außer von BLACKHOUSE, die ich mit einer kleinen Digicam geschossen habe. Was für ein Unterschied, und in den Pressegraben habe ich mich damit auch nicht getraut. Was soll’s. Eigentlich hatten wir nachmittags auch noch einen kleinen Besuch im Heidnischen Dorf geplant… doch siehe da, es regnete. Das hatten wir dieses Jahr ja noch überhaupt nicht gehabt. Gehört doch aber auch zum festen Programm. Lange ging der Regen aber nicht und die für die Nacht angekündigten Schauer blieben auch aus.

Zum letzten Konzertabend des diesjährigen WGT wählten wir wieder den Volkspalast. Das Programm: etwas düsterer, rhythmisch und industriell. Unseren Auftakt machten DISTEL. Der Zusammenhang zwischen der stacheligen Pflanze und den beiden Musikern aus den Niederlanden lässt sich nicht ganz erschließen. Vielleicht sind ja damit einige hohe Töne, die aus dem Angstpop von DISTEL herausstechen, gemeint. Ansonsten brodelt der Sound schön-schaurig und großteils im Downtempo-Rhythmik mit Stimmen aus dem Jenseits aus den Boxen. Einer der Musiker bediente seine Technik aus einem großen, alten Koffer heraus. Gelungener Angstpop in bester Galakthorrö-Manier.

Seit mehr als 30 Jahren macht Brian Ladd mit BLACKHOUSE Musik und zählt damit unbestreitbar zu den Wegbereitern und Top Acts des Industrial/ Power Electronics. Hits wie „Answers for you“ oder „5 minutes after I die“ werden noch heute gerne in den entsprechenden Clubs gespielt. Und jetzt scheinbar tatsächlich das erste Mal auch live auf einem Konzert. Der BLACKHOUSE-Auftritt wird vom WGT-Veranstalter als Weltpremiere angepriesen. Und dann geht’s los. Auf der Bühne steht ein freundlicher Herr um die 50 Jahre mit schwarzen „Minimal Man“-Shirt, Flammenhemd und Basecap. Da würde keiner erahnen, was dann folgt: Noise und Power Electronics mit vielen Versatzstücken, Spoken Words und natürlich die Tanzflächen-Knaller. Ladd hatte die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht und schien sichtlich Freude an seinem Auftritt zu haben. Dem Publikum ging es genauso und so kam es zwischen den Stücken auch zu einem regen Austausch bis hin zu einem gereichten Glas Weizenbier. Das Austrinken gestaltete sich jedoch nicht so einfach, da Ladd ständig ans Mirko musste. Der Auftritt wirkte etwas improvisiert, Ladd hatte auch scheinbar einige Programmierungen vergessen. Der Stimmung hat das jedoch nicht geschadet, im Gegenteil. Mit der Stimmung, die BLACKHOUSE verbreitet hat, war das eines der besten und vor allem lustigsten Konzerte des WGT. Hätte man so nicht erwartet. Als das Konzert zu Ende war und das Publikum Zugabe forderte, zeigte ein gehobener Finger vom Bühnenrand. Ladd: „One song or one minute?“ Es war glücklicherweise noch ein Song. Wunderbar. Ungeklärt bis zum Schluss: Was machte eigentlich der Kugel-Grill so präsent auf der Bühne? BLACKHOUSE, jederzeit wieder. Aber Ladd zeigte sich auch begeistert und ist hoffentlich auf den Geschmack gekommen.

Zeit für eine Pause und dann kommt auch schon unser letztes Konzert des WGT 2015. Und das ist ein weiteres Urgestein der Industrial-Szene. CLOCK DVA aus Sheffield (Wieso sind die Menschen dort so aktiv in dieser Szene?). Nach fast 40 Jahren und einer längeren Schaffenspause steht hier tatsächlich noch mit Adi Newton, Steven James und John Turner die Original-Besetzung auf der Bühne. Musikalisch breit aufgestellt von Industrial über EBM bis hin zu IDM, boten die drei Herren ganz in weiß ein durchweg extrem rhythmisches und eingängiges Set, ohne Schnörkel, dafür ideal fürs Tanzbein. Die Jungs haben es eben drauf, nicht ohne Grund haben sie sich so lange im Geschäft gehalten. Schöner IDM mit Vocals, der nicht den Focus auf möglichst verfrickelte Kompositionen legt sondern auf den idealen Beat. Alle Songs klangen wie aus einem Guss und mögliche ältere Stücke bekamen durchweg ein modernes Gewand. Ein gelungenes Abschlusskonzert. Und das war‘s schon wieder. Das WGT 2015 war vorbei. Aber vorerst nur die Konzerte.

Denn in der Kantine geht es noch mit der Abschlussparty weiter. Wie schon die letzten Jahre lief dort Neofolk und Co. Trotz des Kontrastes zu den vorangegangenen Konzerten war der Saal gut besucht und die beiden DJs hauten wie schon im Jahr zuvor einen Hit nach dem anderen raus, und so wurde noch fleißig getanzt. Mit einsetzendem Morgengrauen wechselten wir traditionell zur Blauen Stunde und feierten dort bei bei Kerzenschein, ruhiger Musik und Lagerfeuer, bis die Sonne wieder ganz weit oben stand. Irgendwie wollte keine nach Hause gehen, denn das würde ja heißen, dass das WGT endgültig zu Ende wäre. Aber irgendwann war es soweit.

Ein Festival, an das man sich gerne zurück erinnert, mit vielen Freunden, tollen Begegnungen und Erlebnissen und natürlich mit viel schöner Musik und Konzerten. Und jetzt heißt es wieder ein knappes Jahr „Warten auf die Jubiläumsausgabe“, dem 25. Wave-Gotik-Treffen. Das findet vom 13. bis 16. Mai 2016 sogar noch eine Woche eher statt. Da könnte man doch vielleicht über einen Tag extra nachdenken. Jedenfalls vielen Dank an alle Beteiligten für ein großartiges Pfingstwochenende.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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