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WAVE GOTIK TREFFEN 2015 – TAG 3

Ort: Leipzig – WGT

Datum: 24.05.2015

MOTORAMA – TEMPERS – KING DUDE – KELUAR
Volkspalast (Kuppelhalle/ Kantine)

Und wieder war ich nach exakt vier Stunden wach… aber erstaunlicherweise auch wieder topfit. Bei meinen Schlafgästen sah das allerdings etwas anders aus. Und so kamen wir wieder erst recht spät aus dem Haus. Ein Abstecher ins Heidnische Dorf musste noch sein und dann ging es wieder in den Volkspalast. Idealerweise wäre ich gerne schon bei ASH CODE vor Ort gewesen. Aber wer zum Teufel plant denn schon für 16:30 Uhr ein Konzert? Naja, man kann eben nicht alles haben. Und der Abend sollte noch viele Perlen parat halten.

Und die erste legte auch gleich in der Kuppelhalle los. KELUAR ist das neue Projekt Alison Lewis (Ex- LINEA ASPERA) und Sid Lamar. KELUAR ist dabei aber experimenteller und mehr in Richtung Minimal Wave als der Vorgänger gehalten, welcher eher in Richtung Synthie-Pop ging. Qualitativ allerdings beide auf höchstem Niveau und so wollte ich mir den Auftritt auf keinen Fall entgehen lassen. Mit gerade einmal zwei Vinyl-EPs ist die Werkschau noch recht überschaubar, enthält aber schon zahlreich Hits wie „Surface“ oder „Ennoea“, die auch beim Auftritt nicht fehlen durften. Die hübsche, kleine Blondine Alison Lewis bewegte sich in typisch unterkühlter 80er-Minimal-Wave-Manier über die Bühne und stellte sich gelegentlich auch an die Drums. Sid Lamar groovte am Keyboard. Irgendwie kam er mir nicht unbekannt vor, und siehe da, es handelt sich um keinen geringeren als Jonas Förster von der Elektro-Punk-Band SCHWEFELGELB. Kurios wie doch immer Konstellationen zusammenfinden. Hier ergänzen sich die beiden Talente jedenfalls bestens und spielten ein famoses Konzert. Hoffentlich gibt es KELUAR länger als LINEA ASPERA.

Wir gönnten uns dann erst einmal eine kleine Pause und kamen erst wieder zu KING DUDE in den Volkspalast. Die Mischung hier und heute war doch schon sehr skurril. Sonst achten die Macher beim WGT ja immer auf gleiche Musikstile in einer Location. Glück für uns, dass es bei uns geschmacklich genau passte. Denn auch wenn KING DUDE ursprünglich zusammen mit CHELSEA WOLFE auftreten sollte, stach er doch genau wie der spätere Hauptact ziemlich aus der Runde heraus. Stattdessen stand der King alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne. Naja, nicht ganz alleine. Jim Beam leistete ihm natürlich Gesellschaft. Und die Flasche verlor im Laufe des Auftritts auch einiges an Inhalt. Musikalisch konnte der Soloauftritt auch wie gewohnt überzeugen. Auch wenn der Amerikaner erst vor fünf Jahren in Erscheinung getreten ist, hat er sich völlig zu Recht schon einen bedeutenden Namen auch jenseits der Neofolk-Szene gemacht. Songs, Charisma, einfach alles stimmt beim King. Für die Performance wäre natürlich eine komplette Band nicht verkehrt gewesen. Der JOHNNY CASH des Neofolk spielte alle seine Hits, „Lucifer is the light of the world” durfte natürlich auch nicht fehlen und die Fans sangen sogar mit. Zwischendurch gab es auch die eine oder andere Anekdote. Das Publikum war begeistert. KING DUDE: immer wieder gerne gesehen.

Weiter ging es mit TEMPERS. Jasmine Golestaneh und Eddie Cooper aus New York sind vor zwei Jahren in Erscheinung getreten und sämtliche Singles wie das SWANS-Cover „Killing for company“, „Strange harvest“ oder „Hell hotline“ sind wahre Meisterwerke des Minimal Wave. Außer vier digitalen EPs mit jeweils nicht mehr als drei Songs gibt es noch keine Tonträger des Duos. Das muss sich unbedingt ändern. Denn TEMPERS sind großartig und ihr Auftritt war es ebenfalls. Alle Hits wurden gespielt… viel mehr gibt es ja auch noch nicht. Cooper begleitete Golestaneh abwechselnd am Keyboard oder an der E-Gitarre. Schnell ein paar Fotos gemacht und dann wurde getanzt. Am Rand stehen und zuschauen ließ die Musik nicht zu. Wunderbar. Jetzt fehlt nur noch das erste Album. Das wäre nach diesem Auftritt weggegangen wie warme Semmeln.

Der heutige Headliner wurde mir von einigen Freunden wärmstens ans Herz gelegt. Ich kannte MOTORAMA bisher nur vom Namen. Erfreulicherweise änderte sich das an diesem Abend. Nachdem wir in dieser Location heute schon Minimal Wave und Neofolk hatten, kam nun noch ein drittes Genre hinzu: Die fünf (auf der Bühne standen allerdings nur vier) Jungs aus Rostow am Don im äußersten Südwesten Russlands spielen lupenreinen Post Punk/ Indie Rock. Der Sound von MOTORAMA brennt sich schnell ins Ohr und auf der Bühne geben sie auch ordentlich Gas. Der Sänger mit überragendem Topfschnitt und eigenwilligem Tanzstil muss wohl für seine Verhältnisse relativ ruhig geblieben sein. Auf anderen Konzerten soll er richtig frei drehen. Aber so läuft die Musik eben und so wollen es die Fans. Ein Vergleich mit JOY DIVISION lässt sich nicht vermeiden: Gitarrenspiel, Drums und sogar der Gesang erinnern an die Musiklegende … allerdings im eigenen Gewand. Die Songs haben Ohrwurmcharakter und wie schon zuvor bei TEMPERS musste man einfach mittanzen. Tolle handgemachte Musik und der krönende Abschluss eines bunt gemischten musikalischen Abends. Und ich bin eine Lieblingsband reicher.

Als Party des Abends wurde der „Göttertanz“ im Stadtbad gewählt. Dort war es richtig voll. Auch davor waren viele Leute und scheinbar hatte sich fast der gesamte Freundeskreis eingefunden. So wurde in erster Linie viel gequatscht und jedes Mal wenn wir reingingen, folgte Ausdruckstanz oder elektronische Musik, der Neofolk wurde aufgehoben, bis wir wieder draußen standen. Auch hier war wieder viel zu früh Schluss. Das wäre noch ein einziger Kritikpunkt: Macht länger Party! Aber das liegt wohl auch an den Besuchern. Wir Alten sind noch fit und würden gerne wie früher bis 9 oder 10 oder länger feiern. Irgendwie lagen wir dann allerdings auch erst um 9 Uhr im Bett. Trotzdem ein famoser Abend. Und… ach du meine Güte, das war ja schon der vorletzte Abend.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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