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WAVE GOTIK TREFFEN 2015 – TAG 1

Ort: Leipzig – WGT

Datum: 22.05.2015

DEATH IN ROME – SOPHIA – MUSHROOM’S PATIENCE
Volkspalast (Kuppelhalle/ Kantine)

Donnerstag

Das 24. Wave-Gotik-Treffen ist Geschichte und nur noch süße Erinnerung. Viel zu schnell war wieder alles vorbei, obwohl wir doch gefühlt noch mittendrin sein müssten. Das After-WGT-Burnout ist überstanden, also schwelgen wir in Erinnerungen. Vorab noch ein großes Lob an die Veranstalter für einen reibungslosen und problemlosen Ablauf der gesamten Veranstaltung. Mir ist jedenfalls nichts Kritikwürdiges aufgefallen.

Obwohl das WGT offiziell erst am Freitag begann, haben sich schon zahlreiche Besucher einen Tag zuvor nach Leipzig aufgemacht. Das Stadtbild wurde zunehmend schwärzer und gegenüber vom Bahnhof bildete sich eine beachtliche Schlange an der Bändchen-Ausgabe. Der Bahnhof selber, sonst erste Station der Schwarz Gekleideten blieb dank des Streiks weitestgehend bunt. Trotzdem fanden so nach und nach alle den Weg in die sächsische Metropole. Die Party konnte beginnen.

Unser Start in das WGT war traditionell die „EBM-Warmup-Party“ in der Villa, Leipzigs bekanntestem Szene-Club, wenn man dem üblichen Mainstream entgehen möchte. Ab 20 Uhr fanden auf dem Hauptfloor einige Konzerte statt. Wir entschieden uns dieses Mal allerdings vorher für einen Abstecher zur Eröffnungsfeier der Blauen Stunde im Garten des Parkschloss Markkleeberg. Umringt von Fackeln tanzte und feierte dort eine (gar nicht mehr so) kleine, feine Gesellschaft zu Neoklassik, Neofolk und Heavenly Voices. Die warme Sonne des Tages täuschte allerdings die Besucher, und so zogen wir aufgrund der fast winterlichen nächtlichen Temperaturen schließlich weiter zurück in die City. Die Villa war so gut besucht, dass zeitweise sogar Einlass-Stopp war. Schließlich kamen aber doch alle Tanzfreunde auf ihre Kosten. Neben EBM auf dem Mainfloor, liefen noch Industrial und Power Electronics sowie Electrometal auf den anderen beiden Floors. Zwischen den zahlreichen Wiedersehensfreuden wurde auch fleißig das Tanzbein geschwungen. Ein toller Abend der Punkt 5 Uhr leider viel zu schnell beendet wurde. Aber wir hatten ja noch vier Tage vor uns.

Freitag

Am Nachmittag haben wir dann unsere Bändchen geholt und gleich einen Abstecher auf das Agra-Gelände, dem Herzstück des WGT, gemacht… und uns natürlich wieder festgequatscht. Auch das ist ein fester Programmpunkt jedes Jahr, der auch einen Großteil des Flairs ausmacht und die Veranstaltung zu dem Familientreffen macht, das es ist.

MORTHOUND, den ersten Act im Volkspalast, haben wir dadurch leider verpasst. Unsere erste Band des Festivals wurde dadurch MUSHROOM’S PATIENCE. Sage und schreibe 30 Jahre existiert das Projekt aus Rom bereits und hat sich jahrelang wacker im tiefsten Underground angesiedelt. Erst mit den Veröffentlichungen auf dem HAU RUCK!-Label wurde die Formation einem größeren Publikum bekannt. Aktuell setzten sich MUSHROOM’S PATIENCE aus Dither Graf (im bunten Freizeithemd, Sommerhut und blue Jeans), Vinz Aquarian (im Mafiosi-Style mit schwarzem Sakko, offenem Hemd und Sonnenbrille) und Echo Eerie (im Hip-Hop-Streetlife-Outfit) zusammen. Um ein adäquates Outfit schert sich das Trio schon mal nicht. Und auch sonst machen sich MUSHROOM’S PATIENCE nichts aus Konventionen. Ihr Mix aus Folk, Blues, Jazz, Experimental und Avantgarde gefällt oder gefällt eben nicht. Ganz im Stile von NOVY SVET und einigen PUNCH RECORDS-Bands sind auch die Konzerte immer eine Überraschung. Mal sehr experimentell, mal klassischer Folk. Wir hatten das Glück, Zweiteres zu erleben. MUSHROOM’S PATIENCE spielten ausschließlich eingängige Folk-Songs, sehr gekonnt und gelungen und trotzdem mit einer experimentellen Prise. Den Großteil der Songs sang Eerie, anders als auf den Alben. Aber mit ihrer schönen Stimme erzeugte sie eine angenehme Stimmung. Wunderbar. Zwischendurch wurden Seifenblasen versprüht, Fotos vom Publikum und sich selber gemacht oder mit der Taschenlampe Schattenspiele ins Gesicht gezaubert. Ein Gastauftritt von GENEVIÈVE PASQUIER rundete das Konzert noch ab. Ein toller Auftakt, und das Publikum in der sehr gut gefüllten Kantine war ebenfalls angetan.

Ohne große Pause ging es gleich mit SOPHIA in der Kuppelhalle weiter. Das Seitenprojekt von PETER BJÄRGÖ (ARCANA) befasst sich mit martialischem Bombast-Industrial und zählt in diesem Genre nach wie vor zu einem der besten Acts, obwohl schon seit zwölf Jahren kein neues Material mehr erschienen ist. Leider gab es auch beim WGT keine Aussicht auf Selbiges. Aber auch die alten Hits fanden nach 13 Jahren Abstinenz beim WGT nach wie vor großen Anklang. Auf der Bühne erhielt Bjärgö Unterstützung von seiner Ehefrau Cecilia an den Drums, die neben SOPHIA auch noch bei DER BLAUE REITER involviert ist… und einer nicht geringen Anzahl Bier. Also alles wie gehabt. Musikalisch war der Auftritt sehr gelungen, ein wenig mehr Aktivität auf der Bühne, abgesehen von einem Hintergrundvideo hätte sicherlich noch gut getan.

Und sofort ging es zurück in die Kantine. Der Volkspalast war inzwischen schon richtig voll, und die Kantine tat es ihr gleich, so dass es unmöglich war, zu den vorderen Reihen zu gelangen. Scheinbar waren viele Besucher zum bevorstehenden Auftritt von KIRLIAN CAMERA sehr früh angereist. Sicherlich hatte aber auch die Neugier auf den bevorstehenden ersten Auftritt von DEATH IN ROME viele Anwesende neugierig gemacht. Der Bandname kombiniert offensichtlich die beiden Neofolk-Formationen (Legenden) DEATH IN JUNE und ROME. Als Logo dient als Anspielung auf DEATH IN JUNE ein Totenkopf mit Perücke und die Ziffer 7 im weißen Kreis. Noch abgefahrener ist aber, dass DEATH IN ROME aktuelle und vergangene Pop-Songs covern und ihnen ein gelungenes Neofolk-Gewand geben. So wurde das Konzert zum heiteren Lieder-Raten. A-HAs „Take on me“, PAT BANATARs „Love is a battlefield“, RIHANNAs „Diamonds“ oder auch MYLEY CYRUS‘ „Wrecking ball“ sowie viele andere Gassenhauer waren dabei. Teilweise dauerte e seine ganze Weile, das Original zu erkennen. Aber erstaunlich war auch, wie viele Neofolker doch die ganzen Pop-Songs erkannt haben. Im Hintergrund liefen passend zum Genre entsprechende Videos und die drei Jungs auf der Bühne, von denen zwei vermummt waren, schienen ihr Handwerk gut zu verstehen und mach(t)en sicherlich nicht zum ersten Mal Musik. Wer nun aber dahintersteckt, ließ sich dennoch nicht herausfinden. Trotzdem ein grandioser Auftritt.

Der Volkspalast war inzwischen richtig voll und vor dem Eingang hatte sich eine fast 100 Meter lange Schlange gebildet, die auch noch bis weit nach Konzertbeginn von KIRLIAN CAMERA anhalten sollte. Enttäuscht von den letzten Auftritten der italienischen Band hatten wir aber auch gar nicht vor, noch einmal reinzugehen. Die Zeiten, in den KIRLIAN CAMERA noch irgendwie zum Neofolk gehört haben, sind lange vorbei. Und die alten Stücke, die heute gespielt werden sollen, in Kirmes-Techno-Manier zu hören, muss ja auch nicht sein.

Stattdessen haben wir uns zum alten Stadtbad aufgemacht. Ein wirklich beeindruckendes Gebäude, und im alten Schwimmbecken-Bereich, das überdeckt wurde, war es sehr anmutig. Musikalisch lief beim „Dunkelromantischen Tanz“ Neofolk, Heavenly Voices und andere passende Musik. Wir wollten eigentlich nur kurz bleiben, daraus wurden dann aber doch noch mehr und so haben wir es erst gegen 5 Uhr in die Villa geschafft, wo gerade wieder die Lichter angingen. Unglaublich. Wir hatten keine andere Wahl, also mussten wir in den Darkflower weiterziehen. Da war immerhin noch bis 7 Uhr etwas los … und wir hatten dank ausreichend Alkohol sogar unseren Spaß dort.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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