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WAVE GOTIK TREFFEN 2016 – TAG 1

Ort: Leipzig - WGT

Datum: 13.05.2016

Zum 25. Jubiläum des Wave-Gotik-Treffens war vieles anders. Ein „großer“ Auftraggeber machte es unmöglich für mich, selbst dabei sein zu können und ich musste einen Ghostwriter finden, der die traditionellen Pfade zu Pfingsten für mich beschritt. Zum Auftakt wurde hier ein schwacher, um nicht zu sagen Fehlstart gemeldet – keine der Veranstaltungen zur Eröffnung, die von der blauen Stunde über die Party im Felsenkeller bis zum eigens angemieteten Belantis Park mit freier Fahrt in den Fahrgeschäften und Feuerwerk reichten, wurden besucht. Auch der erste „richtige“ Tag verlief noch nicht ganz flüssig, wartete jedoch gleich mit einem ersten Höhepunkt auf.

THE PROTAGONIST
(Kantine Volkspalast)

Nach zehn Jahren war Magnus Sundström wieder beim WGT live zu erleben. Seine Setlist hatte der Filmmusiker gekonnt auf die ablaufenden Sequenzen der hauptsächlich aus den 70ern stammenden Streifen abgestimmt. Während das Publikum gebannt dem Mix aus Drama, Horror und Fantasy gewürzt mit Erotik und Western folgte, trommelte der Mastermind im konzentrierten Spiel die bekannten Klänge begleitet von Violine und Soundflächen vom Roland Synthie. Ein wahres Klang- und Bilderlebnis, das leider seit inzwischen ebenfalls zehn Jahren ohne weitere Veröffentlichung noch lange im Gedächtnis bleiben muss. Wer nicht dabei sein konnte oder seine Eindrücke vertiefen möchte, findet hier die passenden Zutaten aus Song- und Filmtiteln:

1. „Der Wahnsinn“ – Das siebente Siegel, schwedisches Filmdrama aus dem Jahr 1957 von Ingmar Bergman
2. „Hesperia” – Girl Slaves of Morgana Le Fay, Fantasy Horror von Bruno Gantillon (1971)
3. “The sick rose” – School of the Holy Beast, japanischer Erotik-Thriller (1974)
4. „Kämpfende Pferde“- Fighting Stallion, amerikanischer Western von 1949
5. „La fin de la journée“ – Valerie – Eine Woche voller Wunder, erotisches Fantasy Drama (1970)
6. “Strife” – The Mansion of Madness, mexikanischer Horror von Juan López Moctezuma (1973)
7. „The hunt“ – Die Nacht der reitenden Leichen, erster Teil aus der spanisch-portugiesischen Horrorfilmreihe von Amando de Ossorio

HENRIC DE LA COUR
(Stadtbad)

Nächste Station war das immer wieder stimmungsvolle Stadtbad zum Auftritt von HENRIC DE LA COUR. Von der charismatischen Stimme des schwedischen Sängers, der als Frontman der Bands YVONNE in den 1990ern und STRIP MUSIC Anfang der 2000er bekannt wurde, war hier leider nicht viel zu hören.

NOUVELLE VAGUE
(Agra)

So wechselten wir mit den eingängigen Dark-Popklängen im Ohr in die agra Halle, um die mit Coverversionen von bekannten 1980er Jahre Hits bekannt gewordenen NOUVELLE VAGUE zu sehen. Und wir wurden nicht enttäuscht: “Just Can’t Get Enough”, “This Is Not A Love Song”, “Too Drunk To Fuck”, “Marian”, “Dancing With Myself” und “Escape Myself” seien nur stellvertretend genannt. Auch ihre Interpretation von „Bela Lugosi’s Dead“ durfte nicht fehlen, was Peter Murphy leider zum Anlass nahm, diesen Song in seinem anschließenden Set auszulassen. Vielmehr sei hier zum ersten Mitternacht-Spezial des diesjährigen WGT nicht vorweggenommen. Die beiden Frontdamen Marina Celeste und Mélanie Pain wußten nicht nur mit Stimme und sexy Tanzeinlagen, sondern auch an Percussion Instrumenten und Drums zu überzeugen. Selbst zum – wenn auch zögerlichen – Mitsingen wussten die Französinnen die sonst eher mit ernster Miene das lebendige Geschehen auf der Bühne verfolgenden Zuhörer zu „Love will tear us apart“ zu bewegen.

PETER MURPHY
(Agra)

Im Anschluss und zum krönenden Abschluss des ersten Abends an die beiden Energiebündel trat der Altmeister PETER MURPHY mit seiner Mr Moonlight one-off performance vor seine Fans, die einen Abend mit Bauhaus-Klassikern versprach. Mit „King Volcano“, „Kingdoms Coming“ und dem manischen „Double Dare“ kommt die Band bestehend aus John Andrews an der Violine, Andee Blacksugar und einem mir nicht bekannten Drummer gleich ohne Vorspiel richtig zur Sache. Peter Murphy gibt von der ersten Minute an den eitlen unnahbaren Gockel mit mal ausladenden Bewegungen und mal an einen Cowboy erinnernd mit der Gitarre auf dem Rücken posend. Bekleidet mit weißer, eng geschnittener, per Reißverschluss hochschließenden Jacke und einer festgebundenen Rose am rechten Arm sieht er aus wie eine New Romantic-Version seiner selbst. Ein Klassiker folgte auf den anderen: „Passion of lovers“, „In a flat field“, „God in an alcove“, „Silent hedges“, „Stimata martyr“, „Dark entries“ und die BOWIE-Coverversion „The Bewlay brothers“. Die Ballade „A strange kind of love“ aus seinem 89er Soloalbum „Deep“ fällt von der Qualität im Vergleich zum BAUHAUS-Material nicht ab. Höhepunkt unter Höhepunkten ist sicherlich die mitreißende Version von „She’s in parties“, in welcher PETER MURPHY selbst Perkussion und Viola beisteuert. Anstelle von „Bela Lugosi is dead“ wurde ein perkussives Ethnostück gespielt, welches vermutlich dem Solowerk zuzuordnen ist. Ruhige Momente gibt es beim ergreifenden „All we wanted was everything“ und dem stimmungsvollen „Hollow hills“ zu genießen. Im Zugabenteil werden MARC BOLAN („Telegram Sam“) und nochmals DAVID BOWIE mit „Ziggy Stardust“ würdig glorifiziert.

Den ersten Abend ließen wir in der Villa mit „Lärmbelästigung“ bis in die hellen Morgenstunden ausklingen…

Copyright Fotos: Nora Tausendfreund

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