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WAVE GOTIK TREFFEN 2016 – TAG 3

Ort: Leipzig - WGT

Datum: 15.05.2016

BACKWORLD
(Altes Landratsamt)

Da wir den Pfingstsonntag , der quasi traditionell von Regenschauern begleitet wird, im Heidnischen Dorf mit den dort reichlich zu erwerbenden Leckereien und Mokka starten wollten und wir zwischen den kurzen aber heftigen Güssen immer wieder Unterstand suchen mussten, kamen wir – wieder mal – nicht ganz pünktlich zum ersten Konzert unseres heutigen Programms. Umso glücklicher waren wir, im Alten Landratsamt seitlich an den zahlreichen Konzertbesuchern vorbei nah an die Bühne zu gelangen, um Joseph Budenholzer alias Backworld und dem klassischen Streichquartett zu lauschen. Gemeinsam hüllten sie die Neofolk Hits wie „Mary of the blue sky“, „Bed of stone“, „After the fall“ und „The isles of the blest“ in ein sehr stimmungsvolles Gewand. Nicht weniger feierlich wurde „The devil‘s plaything“ präsentiert, bei dem ihn – in Reminiszenz an Joseph Budenholzers Glasgower Zeit – Rose Mc Dowall als Duettpartnerin begleitete. Das Konzert, dessen Stücke der sich selbst als Hobbytheologe bezeichnende Budenholzer auf einer handlichen Taschen Playlist notiert hatte, wurde abgerundet durch eine Auswahl an Titeln seiner bis 2011 sieben erschienen Alben, die er solo mit Akustikgitarre vortrug. Sein neuestes gerade veröffentlichtes Werk „The Hound Of Heaven – A Paraliturgical Opera In One Act“ sollte besonders würdig als theatralische Aufführung in der Peterskirche vorgestellt werden, wohin er die Konzertgäste ab 21:30 Uhr einlud.

BACKWORLD: „The hound of heaven – a paraliturgical opera in one act“
(Peterskirche)

Dieser Einladung folgend verließen wir das Alte Landratsamt, wo nun Rose Mc Dowall ein zweites Mal zu erleben war, und begaben uns glücklicherweise motorisiert durch den Regen an den Ort des Geschehens, der für alle Besucher offen war. Im liebevoll geschmückten Kirchenschiff fanden wir auf den zahlreich vor den Kirchenbänken aufgestellten Stühlen Platz. Bevor es mit zehnminütiger Verspätung losging, erfuhren wir, dass die Rollen des Stückes von in Leipzig lebenden Gastmusikern besetzt wurden, die erst eine Nacht zuvor gefunden und somit nur eine Probe mit Joseph Budenholzer hatten. Er selbst schlüpfte in die Hauptrolle des Francis Thompson seiner eigens komponierten und unter anderem von Texten dieses viktorianischen Poeten inspirierten Oper. Leider versagte schon in der ersten Szene sein Headset Mikrofon und das ihm gereichte schnurlose Geräte legte er ungenutzt zur Seite, um der Handlung folgend beide Hände zum Schreiben in einem Notizbuch einsetzen zu können. Somit entschieden wir uns, die Peterskirche zu verlassen und die Chance zu nutzen, einen weiteren Kontrastpunkt mit einem Abstecher in den Felsenkeller zu setzen.

MY DYING BRIDE
(Felsenkeller)

Dort wartete die vornehmlich der Metal Szene zugehörigen Gemeinde auf die zu den „Big Three“ des Doom-Metals der frühen 1990ern zählende Formation MY DYING BRIDE, die zuletzt vor sieben Jahren beim WGT zu erleben war. Der Sänger und Mitbegründer Aaron Stainthorpe scheint beim nachdenklichen, voller Leidenschaft geprägten Vortragen seiner Texte regelmäßig auf der Bühne zu zerbrechen, während seine Bandkollegen an den Seiteninstrumenten fast unbeweglich wie eine Wand neben ihm postiert stehen – wie eindrucksvoll bei „The cry of mankind“ zu erleben war. In der aktuellen Besetzung wurde voriges Jahr das aktuelle Album „Feel the misery“ veröffentlicht, von dem wir „And my father left forever“ zu hören bekamen. Leider mussten wir unsere Stippvisite bei dem mit zehn Minuten verspäteten Konzert früher als gewollt abbrechen, um noch eine Chance zu haben, in die Veranstaltungstonne der Moritzbastei zu gelangen.

DEUTSCH NEPAL
(Veranstaltungstonne der Moritzbastei)

Zwar trafen wir fast rechtzeitig ein und gelangten dank eines kräftig, fast aggressiv durch die dicht gedrängten Konzertgäste voranschiebenden Pressevertreters sogar noch in die vorderen Reihen, hatten jedoch schon den überpünktlichen Beginn des Auftritts von Peter Anderssons aka Deutsch Nepal verpasst. Doch wir hatten Glück, denn der für seine je nach Pegel eher kurz ausfallenden Konzerte bekannte Schwede war heute gut drauf. So kamen wir neben dem Titelsong und weiteren Stücken seines im vorigen Jahr erschienen Studioalbums „Alcohology“ auch in den Genuss des Zarah Leander-Songs „Ich steh‘ im Regen“ von der zweiten Ausgabe seiner in diesem Jahr erschienen „Dystopian Partycollection“. Krönender Abschluss des circa 45 minütigen Auftritts bildete die Zugabe „Society“ – im und mit dem Publikum gesungen – Deutsch Nepal zum Anfassen! Vollkommen beseelt tauschten wir uns noch eine Weile mit Freunden aus, bevor wir uns zum zweiten Mitternachtsspezial des Jubiläums WGT aufmachten.

PIL
(Agra Halle)

Kein geringerer als John Lydon, seines Zeichens lebende Legende, Punk Urgestein und ehemaliger Sänger der Sex Pistols, wurde mit Public Image Ltd. (PIL) kurzfristig vor Beginn des Festivals angekündigt. Seine aus den exzellenten Musikern Lu Edmonds an Gitarre und anderen Saiteninstrumente plus Co-Gesang, Scott Firth an Bass und Keyboards sowie Bruce Smith am Schlagzeug bestehenden Band kann ihrem überpräsenten Sänger natürlich nicht die Show stehlen, aber sorgt dafür, die Songs aus verschiedenen Schaffensperioden in einem einheitlichen Gewand zu präsentieren. Eine reine Nostalgieveranstaltung war trotz der enormen Menge an geschichtsträchtigem Stoff, der hier zur Verfügung steht, nicht zu erwarten. Denn mit „This is PIL“ (2012) und „What the world needs now“ (2015) wurden zwei hochgelobte Spätwerke im Spannungsfeld von Postpunk, elektronischem Dub und der unverwechselbaren Stimme des Meisters veröffentlicht. Nach einem Einstieg mit dem launigen „Double trouble“ und dem energetischen „Know now“ wurde mit „This is not a love song“ ein früher Höhepunkt des Konzerts präsentiert. Voller Energie reihten Lydon und seine Mitstreiter alte und neue Songs aneinander: „Deeper water“, „Corporate“, „Death disco“ und das wunderbare „The order of death“, das vielen über den Horrorfilm „Mark 13“ bekannt sein dürfte, wurde zumindest angestimmt. „This is what you want, this is what you get“: Man bekommt eben nicht immer, was man sich wünscht. Weitere Klassiker folgten mit einem kraftvollen „Warrior“, ein bösartigem „Religion“ und einem hymnischen „Rise“. Letzteres legt mit der Textzeile „Anger is an energy“ letztendlich die Motivation hinter PIL offen und muss nicht zufällig als Titel von John Lydons Biographie herhalten. Nach dem programmatischen „I‘m not satisfied“ war dann erst mal Schluss – bis der gelungene Konzertabend mit einer ganz besonderen Zugabe abgeschlossen wurde: „Burn burn burn…“ intoniert Lydon tatsächlich den Hit „Open up“ aus dem damaligen Mega Album „Leftism“ (1995) der Electronica Helden Leftfield, deren Gastsänger er damals war. Und damit dürfte doch ein Großteil des Publikums zufrieden mit dem Abend sein – vielleicht sogar „Completely satisfied“.

Copyright Fotos: Nora Tausendfreund

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