Konzert Filter

WELTENBRAND – THE BEAUTIFUL DISEASE

Ort: Leipzig WGT Moritzbastei

Datum: 11.05.2008

Dass ich eine ganz besondere Perle des diesjährigen WGTs verpasst hatte, wurde mir klar, als ich zu den letzten Stücken von THE BEAUTIFUL DISEASE die Moritzbastei betrat. Grandiose Atmosphäre, toller Sound. Wo sonst wäre eine Stimme wie die von Chris Goellnitz mit den bildreichen Kompositionen, die – so konnte ich in Erfahrung bringen – an diesem Abend größtenteils von der neuen Veröffentlichung „Hallucination Picturebook“ entstammten, besser aufgehoben als hier unten in den spärlich beleuchteten Gewölben. Viele Festivalbesucher schienen dieses echte Highlight vorhergesehen zu haben, und so drängte man sich bis hinaus in den Flur. Die Herren auf der Bühne präsentierten bei meinem Eintreffen gerade einen mir unbekannten Titel, gefolgt von dramatischen „Blüten im Mai“. Beides absolut fesselnde Präsentationen! Nur durch Musik und Stimme wurde der Zuhörer gebannt. Klingt so simpel, gelingt aber immer weniger Bands. Die Stimme Goellnitz’ ähnelt an diesem Abend zeitweise deutlich der von SOPOR AETERNUS’ Anna Varney. Nach diesen Gänsehaut erzeugenden Minuten verließen THE BEAUTIFUL DISEASE zunächst die Bühne, um jedoch schon bald von stark fordernden Zugabe-Rufen des beigeisterten Publikums zurück gelockt wurden. Leider gab es nun einige Soundprobleme. Was genau an der Technik nicht funktionierte, konnte ich nicht eindeutig nachvollziehen. Immerhin gab es dann doch noch ein weiteres Stück zu hören – wenn auch das just zuvor präsentierte Titel „Blüten im Mai“ statt eines ursprünglich geplanten anderen Titels. Was mich bei vielen Bands sicherlich zum Nörgeln verleitet hätte, störte mich hier nun gar nicht, und so lauschte ich erneut diesem überaus eindringlichen Titel. Sänger Goellnitz, dem das warten auf die Lösung des technischen Problems sowie das neuerliche Anstimmen besagter Komposition unangenehm war, meisterte die Situation überaus sympathisch. Er schlug Stanley Carr am Synthesizer vor, den Song „doch einfach mal rockiger“ zu spielen – das Resultat klang de facto aber kein bisschen anders. Goellnitz lieh sich in der ersten Reihe des Publikums einen Fächer und bewedelte Carr ein wenig mit Luft. Beim Zurückbringen des Fächers stolperte er und konnte sich ein hörbares Lachen während des Singens nicht verkneifen. Um Viertel vor elf war dann endgültig Schluss und THE BEAUTIFUL DISEASE bedankten sich sichtlich erfreut beim tollen Publikum. Zukünftig, so mein persönliches Resumé der wenngleich kurzen Vorstellung, werde ich die Tourdaten THE BEAUTIFUL DISEASES’ im Auge behalten und wage es, selbiges jedem Freund und jeder Freundin atmosphärisch-düsterer Klänge ebenfalls nahe zu legen.

Nachdem sich ein fast vollständiger Publikumswechsel vollzogen hatte und spürbar weniger Zuhörer als zuvor bei THE BEAUTIFUL DISEASE anwesend sowie diverse Soundchecks der Instrumentalisten vollzogen waren, eröffneten WELTENBRAND ihre Spielzeit mit „Question by the night ghost“. Die beiden Sängerinnen, Manja Wagner und Dina Falk, betraten die Bühne dabei nach den Musikern. Anzumerken ist hier vielleicht, dass WELTENBRAND eine Band mit langer Historie und diversen Formationswechseln ist. 1995 begründet ist bspw. das ursprüngliche Gesangsduo Ritchie Wenaweser/ Simone Steiner inzwischen mehr mit dabei – was bei Teilen des Publikums anscheinend zu Irritationen führte. Wohl gerade auch, weil der männliche Part Wenawesers durch eine weitere weibliche Stimme, der Manja Wagners, ersetzt wurde. Zumindest fragte ein Konzertbesucher nach rund der Hälfte des Gigs energisch nach der männlichen Stimme. Diese ist – zumindest bei einem der vorgestellten Titel („Foal in an egg“) – durch Jens Wagner besetzt worden, seines Zeichens Sänger und Bassist bei den nach der bandinternen Trennung und Neubegründung ELIS’ immer noch existierenden ERBEN DER SCHÖPFUNG. Also: Mit DEN WELTENBRAND aus den Zeiten der ersten Alben hat die heutige Besetzung nur noch rudimentär etwas zu tun. Optisch leider ein recht zusammen gewürfelter Haufen, der kein harmonisches Bild ergeben wollte – nicht nur wegen des neuen, erst 14-jährigen Drummers Patrick Margadant, dessen zwangsläufig mangelnde Spielerfahrung hier und da zum Tragen kam. Die meiste Zeit zog jedoch ohnehin die hochschwangere, zentral auf der Bühne platzierte Sängerin Manja Wagner meine visuelle Aufmerksamkeit auf sich, die nicht nur physisch in ihren Gesichtszügen, sondern auch von innen heraus zu strahlen schien. Wenn sie dann noch mit ihren langen blonden Locken in Bühnennebel gehüllt stand, weckte sie Assoziationen mit der Sagenfigur Loreley, was ja wiederum wunderbar zum Songkonzept der Band passte. Manjas Ansagen zwischen den Songs und ihre Kommunikation mit dem Publikum allgemein schienen mir indes ein wenig unsicher.

Der Sound, um es vorweg zu nehmen, war wirklich mies. Gleich von Anfang an gestikulierte Manja wild mit dem Mischer, und dies sollte auch zwischendurch immer wieder passieren. Die Bühnenmonitore der Sängerinnen schienen nicht richtig zu funktionieren und ich fragte mich, warum die beiden nicht ohnehin den obligatorischen Knopf ins Ohr bekommen hatten. Fakt ist, dass beide Damen viel Spielzeit damit verbrachten, sich das jeweils rechte Ohr während des Singens zuzuhalten, um ihre Stimme zumindest etwas besser hören zu können. Nur leider, leider hat dies nicht verhindern können, dass der Gesang über weite Strecken sehr schief klang, bei Dina noch mehr als bei Manja. Leider verbesserte sich der Sound nicht und oft waren die Instrumente im Vergleich zum Gesang einfach unglaublich laut. Nach dem dritten Song überlegte ich bereits, das Feld zu räumen, entschied mich aber zu bleiben und stellte fest, dass sich der Sound durch Positionswechsel innerhalb des Veranstaltungsraums partiell verbessern ließ. Auch hier und da machten sich im Publikum Unmutsbekundungen bemerkbar, aber auch immer wieder fanden sich begeisterte Fans, die sich dem schlechten Sound zum Trotz zur Musik bewegten. Dieses dominierende Manko einmal ausgeklammert – ist halt blöd gelaufen und man muss WELTENBRAND honorieren, ihre Show wacker bis zuletzt durchgezogen zu haben – fand ich Dina Falks Auftreten zeitweise ein wenig gewöhnungsbedürftig: Ihre Versuche, zu einigen Titeln wie bspw. „End of the Wizard” die Haare zu schwingen, hätte sie besser unterlassen wollen, ebenso die halbherzigen Animationsversuche in Richtung Publikum. Kam sehr verkrampft rüber. Auch der teilweise stilistisch in eine ganz andere Schiene passende, sehr goovige Bass Christian Seles hätte dem Songkonzept WELTENBRANDs besser angepasst werden müssen.

Nach Ende der regulären Spielzeit gab es als Zugabe noch „A witch reveals herself“ und hier und da jubelten die Zuschauer nahezu frenetisch. Insgesamt hat der Sound den Auftritt jedoch wirklich vermiest. Zurück bleibt die Hoffnung, dass beim nächsten Mal alles besser läuft und WELTENBRAND die Gelegenheit bekommen, ihre schönen Kompositionen vernünftig vor zu tragen.

Setlist WELTENBRAND
Question by the Night Ghost
Ghost of New Year’s Eve
The French and the wine
Bewitched herd boys
Among them
End of the Wizard
Foal in an egg
Cursed by the Zyprio
Gipsy Magic

A witch reveals herself

Copyright Fotos: Dirk Ruchay

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu THE BEAUTIFUL DISEASE auf terrorverlag.com

Mehr zu WELTENBRAND auf terrorverlag.com