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WEST SIDE ROCKFEST 2013

Ort: Duisburg - Landschaftspark

Datum: 25.08.2013

Ich muss zugeben, mittlerweile – wahrscheinlich auch durch das fortschreitende Alter – ein immer größerer Fan von 1-Tages-Festivals zu sein. Man hat geballt an einem Tag eine Vielzahl guter Bands und keinen größeren Aufwand, was die Übernachtung usw. angeht. Darum war meine Freude entsprechend groß, dass an zwei aufeinander folgenden Wochenenden zuerst das X-Rockfest in Herford und dann das Westside-Rockfest in Oberhausen stattfinden sollten.

Während das X-Rockfest ein musikalisch sehr homogenes Line-Up darbot, waren die beim Westside Rockfest auftretenden Bands schon bunter gemischt. Und leider gab es dann noch einen sehr großen Unterschied, der den Organisatoren des Westside Rockfests eine Menge Unmut entgegen brachte, geäußert vorwiegend bei Facebook.

Geplant war das Festival, das von Beginn an mit großartigen Bands und einem sehr fairen und günstigen Eintrittspreis an den Start ging, als Open Air im Duisburger Landschaftspark. Die Planungen klangen sehr verlockend und wer den Landschaftspark kennt, weiß die wunderbare Atmosphäre dort zu schätzen, und so konnte man sich auch sehr gut ein Open Air vor der Kulisse der alten, nachts illuminierten Industrieanlagen vorstellen.

Dazu sollte es leider nicht kommen, da sich Veranstalter und die Stadt Duisburg wohl in verschiedenen Punkten kurzfristig doch nicht einigen konnten. Es gab die Optionen, das Festival komplett ausfallen zu lassen oder es zu verlegen. Man entschied sich für die zweite Variante und da wohl zu dem Zeitpunkt noch nicht alle Tickets verkauft waren, konnte mit der Turbinenhalle in Oberhausen eine zumindest von der Größe passende Location gefunden werden.

Dass jedoch die Turbinenhalle bei weitem nicht das Flair des Landschaftsparkes zu bieten hat, war allen klar, aber nun hieß es auf jeden Fall, das Beste aus der Situation zu machen und zumindest alle angekündigten Bands spielten an diesem Sonntag weiterhin, so dass man wenigstens keine Änderungen im Line Up hatte.

Leider wurde durch die Verlegung des Festivals der eigentlich wichtigste Aspekt, nämlich die Musik, etwas in den Hintergrund gedrängt. Nachdem wir die Auftritte von THE IDIOTS und ANYGIVENDAY verpasst hatten und punktgenau zum Start von DEAD BY APRIL eingetroffen waren, passierte … erst einmal gar nichts. Technische Probleme, die den Schweden erst einmal die Hälfte der regulären Spielzeit kostete. Und auch danach konnte die Band nicht mehr wirklich in Schwung kommen und das gekürzte Set konnte in der halbvollen Turbinenhalle kaum mehr als höflichen Applaus hervorrufen.

Zum Glück sollte das die einzige Verzögerung bleiben und alle anderen Bands konnten ohne Probleme durchstarten. Die nun folgenden Gigs waren ausnahmslos großartig, man merkte allen Bands an, dass diese den Fans auch in der Turbinenhalle einen großartigen Festivaltag verschaffen wollten.

Erstaunlich, dass dabei gerade die vermeintlich „Alten“ am meisten Gas gaben. Zwar sind die EMIL BULLS und gerade auch CALIBAN, die ein Heimspiel hatten, live immer eine Bank und liefern seltenst wenn überhaupt mal einen mittelmäßigen Auftritt ab, aber was hingegen ein Herr JELLO BIAFRA an diesem Tag für eine Spielfreude und Spaß an der Sache verbreitete, blieb unerreicht. Nicht zuletzt die DEAD KENNEDYS-Klassiker „California über alles“ oder „Holiday in Cambodia“ wurden frenetisch abgefeiert.

Gefeiert wurde ebenfalls ausgiebig und lautstark bei den Lokalhelden von BETONTOD (zumindest gab es keine weitere Anfahrt), die mit ihren punkig rockigen Songs und den deutschen Texten vor allen bei den Saufliedern lautstarke Untermalung des Publikums und hochgereckte Bierbecher erzielen konnten.

SKINDRED lieferten wieder einmal den Beweis, dass sie musikalisch und mit ihrer Live-Performance in ihrer eigenen Liga spielen. Unvergleichbar der Mix aus groovendem Metal und Reggae/ Dancehall Einlagen und unisono sprang und feierte die proppenvolle Turbinenhalle die Band ab.

Nachdem ich persönlich die letzten Auftritte von MILLENCOLIN (z.B. als Vorband der DONOTS bei deren Jahresabschluss in der Halle Münsterland) eher etwas lahm fand, schien die Band an diesem Tage wie ausgewechselt und sprühte nur so vor Spielfreude und konnte zudem mit einer Setlist punkten, die kaum Wünsche offen ließ.

Zu NOFX noch viele Worte zu verlieren, wäre ebenso unnötig. Solange es Punk gibt, wird diese Band an der Spitze stehen und werden deren Fans diese abfeiern. Und das, obwohl (und diesen einzigen Kritikpunkt wiederhole ich gern und immer und immer wieder) Fat Mike mal ein kleines bisschen weniger reden und dafür gut und gern noch 3-4 Klassiker im Set unterbringen könnte.

Alles in allem ein gutes Festival mit durchweg überzeugenden Bands. Bleibt zu hoffen, dass dieses Festival Überlebenschancen hat und im nächsten Jahr auch noch mit einer passenden Location punkten kann.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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