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WINTERFEST 2009

Ort: Esch-Alzette (L) - Rockhal

Datum: 13.01.2009

DEICIDE – SAMAEL – VADER – DEVIAN – ORDER OF ENNEAD – THE AMENTA

Hat die Weltwirtschaftskrise nun auch schon in der Konzertwelt Einzug gehalten? Diese Frage drängte sich mir doch in gewisser Weise auf, als ich knapp 10 Minuten vor Konzertbeginn in der Rockhal eintrudelte und für einen Moment dachte, ich wäre am falschen Tag vor Ort. Nun, immerhin hatten sich schon mal ca. 30 Nasen in den Club verirrt, die alle in respektvoller Entfernung einen Halbkreis vor der Bühne bildeten. In der Hoffnung, dass sich dieser Platz vor der Bühne doch in Kürze füllen möge, betrat der Opener des heutigen Abends die Bühne.

THE AMENTA aus Australien hatten die wahrlich undankbare Aufgabe, den Winterfest Reigen zu eröffnen. Nicht nur, dass es wie schon erwähnt recht leer war, nein obendrein war die Truppe wohl auch kaum einem der Anwesenden ein Begriff. In Verbindung mit der spärlichen Bühnenbeleuchtung mag es für die Jungs von der Bühne aus wohl ausgesehen haben, als stünde niemand in der Halle. Man gab sich dennoch professionell und zockte die Setlist routiniert mit schwarz bemalten Gesichtern – Corpsepaint auf Australisch?! Wie dem auch sei, „Ennea“ eröffnete den Industrial Death Gig, gefolgt von „Mictla“. Auffällig war, dass sich die Australier ausschließlich auf Material ihres Debütalbums von 2004 („Occassus“) beschränkt haben – warum man nicht einen Song des letztjährigen Werkes „n0n“ gespielt hat, nun, keine Ahnung. Mehr als einen Höflichkeitsapplaus, der irgendwo aus dem „schwarzen Loch“ vor der Bühne kam, konnten sie aber leider an diesem Abend nicht einfahren, wirklich schade drum!

Setlist THE AMENTA
Ennea
Mictla
Zero
Nihil
Erebus

ORDER OF ENNEAD fanden zu Beginn ihres Gigs nur minimal bessere Bedingungen vor. Immerhin waren nun schon ein wenig mehr Leute anwesend und einige trauten sich gar, sich direkt vor der Bühne zu positionieren. Schön, wenigstens mussten die Amis nun nicht mehr vor eben genannten schwarzem Loch spielen. Dennoch machte das Publikum auf Sänger Kevin einen recht müden Eindruck. „So either you guys got too many gigs over here… or not enough…“. Die Truppe aus Tampa passte nicht nur rein musikalisch noch am ehesten zum Headliner des Abends mit ihrem angeschwärzten Death Metal, Drummer Steve Asheim schob obendrein auch noch eine Doppelschicht. Zum Abschluss des Abends trümmerte er noch eine Runde bei DEICIDE weiter – gute Kondition der Mann! OOE Fronter Kevin Quirion war im Übrigen auch mal als Tour Gitarrist beim Headliner unterwegs – das mal nur so am Rande, um die Konstellation etwas klarzustellen. Im Übrigen machten sie es einem wirklich leicht, sich die Setlist zu merken. Man spielte, bis auf Song 9 und 10, alles vom gleichnamigen Debütalbum in genau der Reihenfolge, wie die Stücke auch auf der CD auftauchen. Gegen Ende des Gigs konnte man zumindest behaupten, dass einige zaghaft die Nackenmuskulatur auf Betriebstemperatur gebracht hatten.

Setlist ORDER OF ENNEAD
Seeking The Prophets
Reflection, An Endless Endeavour
As Long As I Have Myself I Am Not Alone
The Culling
Conferring With Demons
As If A Rose I Wither
Dismantling An Empire

DEVIAN waren dann die erste Band, die wirklich in den Genuss einer soweit anständig gefüllten Halle kamen. Zum Glück, denn was die Schweden da fabrizierten, hatte wahrlich Aufmerksamkeit verdient. Basser Carl Stjärnlöv sorgte bereits beim Aufbau für einige grinsende Gesichter im Saal, da er mit einer, sagen wir mal recht „knuffigen“ Haarfrisur auf die Bühne kam, die leichte Assoziationen an einen Yorkshire Terrier aufkommen ließ. Der Grund dieser doch eher metal-untypischen Haarpracht war schnell gefunden, als Sänger Legion verkündete, man würde jeden Tag mit THE AMENTA einen kleinen Wettbewerb veranstalten, der heute unter dem Motto „weirdest hairdo onstage“ liefe – den die Schweden ganz klar gewannen. Aber nicht nur frisurentechnisch konnten die Nordmänner punkten, auch musikalisch entpuppte sich die Truppe um Ex-MARDUK Fronter Legion als äußerst unterhaltsam. Gitarrist Tomas Nilsson war nicht anzusehen, dass er ob einer Erkältung noch recht angeschlagen war. So oder so funktionierte die Schwedenmucke ziemlich gut, was mit eifrigem Applaus und jeder Menge Mattenschwingen belohnt wurde. Wer im Übrigen weiterhin über das Tourgeschehen auf dem Laufenden bleiben will, der möge sich den sehr unterhaltsamen Tourblog der Jungs auf der offiziellen MySpace Seite mal zu Gemüte führen.

VADER haben nun schon mehr als 25 Jährchen auf dem Buckel und wer die Death Metal Institution aus Polen immer noch nicht kennt, hat wahrlich was verpennt – wie war das noch… was sich reimt ist gut – völlig zutreffend in dem Fall. Nicht nur in einigen skandinavischen Ländern kann man vermuten, dass sich wohl irgendwas im Trinkwasser befindet, was die Musik beeinflusst. Bei den Polen wird definitiv ein Schuss Brutalität hinzugefügt, denn wenn man eines bei dem Gros der Bands aus dem Nachbarland sagen kann, ist es, dass die meisten einer Dampfwalze gleich das Publikum von der ersten Sekunde an platt machen. So sollte es dann auch an diesem Abend sein. VADER zeigt keine Gnade, ließen sich auch nicht anmerken, dass man mit neuem Line up unterwegs war und setzen nach einem schon ziemlich famosen Gig der Schweden mal locker einen drauf – man feiert schließlich immer noch das Bühnenjubiläum. Wer die Aufwärmchance bisher nicht wahrgenommen hatte, hatte bei Krachern wie „Xeper“ und Konsorten wohl ziemlich schlechte Karten. VADER sind VADER, Ende der Durchsage. Brutal gut!

Nach knapp einer halben Stunde, war alleine schon am Bühnenaufbau ersichtlich, dass nun ein ziemliches Kontrastprogramm angesagt war: SAMAEL aus der Schweiz waren nun an der Reihe. Entweder waren alle Anwesenden am heutigen Abend äußerst tolerant in Sachen Musik, oder… es waren einfach sehr viele Fans der Schweizer vor Ort, jedenfalls war die Menge vor der Bühne unverändert groß. Nach der Dampfwalze aus Polen war nun Musik mit ordentlich elektronischer Schlagseite angesagt. Auch das funktionierte von Song eins an tadellos. Die Musiker sprangen auf der Bühne herum, als ginge es darum ein Sportprogramm während des Gigs zu absolvieren und der Funke sprang zügig über. Kein Wunder bei Krachern wie „Slavocrazy“, „Solar Soul“ oder „Valkyries’ New Ride“. Sänger Vorph verkündete, man wolle Nichts vom neuen Album „Above“ spielen, sondern sich eher auf die alten Stücke konzentrieren, falls niemand etwas dagegen einzuwenden hätte. Nun, da beinah ausschließlich zustimmende Rufe zu vernehmen waren, konnten die Schweizer wohl davon ausgehen, dass diese Entscheidung mit Begeisterung aufgenommen wurde.

Bereits jetzt konnte man schon mal feststellen, dass DEICIDE Fans wohl doch nicht so schwierig sind, wie ich es schon häufiger gehört hatte in punkto Vorbands. Denn an diesem Abend war jeder auf seine Kosten gekommen bei Bands verschiedenster Couleur. Waren VADER schon brutal gewesen, setzte Mr. Antichrist himself, Glen Benton dem Ganzen noch mal die Krone auf. Äußerst kommunikativ und immer einen flotten blasphemischen Spruch auf den Lippen knüppelte sich die Amis durch ein Set, welches den Höllenfürsten persönlich sicherlich erfreut hätte. „Scars Of The Crucifix“ kamen da ebenso zum Zug wie „Dead But Dreaming“, um nur mal zwei Songs zu nennen. Zwischendurch wurde noch ein wenig mit dem Publikum geflachst, bei dem Glen einen Fan in der ersten Reihe mit seinem Bruder verglich und später leicht resigniert feststellen musste, dass er „fuckin‘ nothing“ über Luxemburg wusste. Die Bitte um einige erhellende Zurufe, für was dieses Land denn nun berühmt sei, verliefen jedenfalls nicht so erhellend, wie er sich das vielleicht erhofft hatte, denn außer „beeeeer“ war im lauten Durcheinandergebrülle wohl kaum etwas auszumachen.(„highest gross domestic product in the world” wäre wohl in gebrüllter Form wohl auch zu lang und unverständlich gewesen… also doch besser beer!) Bewandert in Sachen Lëtzeburger Kultur hin oder her, über Christen konnte er so oder so herziehen und machte das dann schnell mit „Kill The Christians“ klar. Gegen zwanzig nach 12 war dann so langsam Schicht im Schacht, keine Zugabe wie bei einigen Bands zuvor, war aber auch ein langer Abend.

Ja, 6 Bands sind vielleicht doch zuviel des Guten und 18:30 war nen Tacken zu früh, aber nein, die Weltwirtschaftskrise hat die Konzertwelt in dem Fall wohl doch noch nicht erfasst. So oder so, wer die Wintertour noch nicht gesehen hat, sollte die Chance noch ergreifen, es lohnt sich.

Setlist DEICIDE
Deicide
Dead By Dawn
Once Upon The Cross
Scars Of The Crucifix
Stench Of Redemption
Death To Jesus
Desecration
Serpents Of The Light
Bastards Of Christ
When Satan Rules This World
Holy Deception
Dead But Dreaming
From Behind The Light Thou Shall Rise
When Heaven Burns
Homage For Satan
Lunatic Of God’s Creation
Kill The Christians

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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