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WINTERNACHTS-TRAUM FESTIVAL 2008

Ort: Arnsberg-Oeventrop - Schützenhalle

Datum: 08.02.2008 - 09.02.2008

FREITAG

Für mich mehr als nur passend, nämlich einen Tag nach der letzten Prüfung, fand auch 2008 wieder das mittlerweile bekannte und im Sauerland wohl schon zum Kult gewordene Winternachtstraum Festival statt. Über 2 Tage mit 28 Bands und 2 – 4 Headlinern auf 2 Bühnen sollte das 5jährige Jubiläum in der Schützenhalle im sonst so verschlafenen Dörfchen Arnsberg Oeventrop stattfinden – mit einem Line Up, das sich durchaus sehen lassen konnte. Niemand geringeres als die Helden des Folk Metal – ENSIFERUM – sollten das Festival anführen, flankiert von SUIDAKRA und MYSTIC PROPHECY und unterstützt von mehreren Underground-Perlen.

Recht früh – also gegen 15 Uhr – kam ich am Ort des Geschehens an, wo noch alles drunter und drüber ging. Die Halle stand noch voll mit diversen Utensilien und vor der Bühne wurde noch fleißig am Fotograben geschraubt. Es ging noch sehr geschäftig zu hier, so dass ich mich dazu entschloss, erstmal was Essbares aus dem benachbarten Kaufland zu besorgen. Draußen füllte sich im Laufe der Zeit der Platz auch merklich mit schwarzen Gestalten, die sich schon mal warm tranken – die ein oder andere Truppe baute sogar einen Pavillon auf der Wiese nebenan auf und es kam selbst bei den noch sehr winterlichen Temperaturen echtes Festivalfeeling auf – wenn auch es in der Halle selbst echt verdammt kalt war – was sich auch nicht so wirklich ändern sollte…

Als dann endlich Einlass gewährt wurde, war das Gebäude auch ruck zuck voll – am Eingang ging alles sehr schnell und professionell von statten, so dass sich niemand lange die Beine in den Bauch stehen musste. Eine Halbe stunde später ging es auch direkt los mit den Knüppelmetallern von DEVILSTICK. Die Metalcore Combo aus Werl gab sich alle Mühe, das noch verschlafene Publikum amtlich aus dem Schlaf zu prügeln – doch irgendwie wollten die Besucher ihre Energie wohl etwas einteilen und der funke sprang nicht über.
(C.T.)

Das galt auch für die direkt anschließenden IN CASE OF FYR – auch ihre Mixtur aus Metalcore und New Metal brachte die Menge noch nicht zum Kochen. Der Fronter der Hannoveraner Combo gab sich zwar die größte Mühe, dennoch war es wohl noch zu früh für einen Moshpit – nur hier und da sah man einige Matten fliegen.
(C.T.)

Weiter ging es mit einer Band, von der ich schon im Vorfeld einiges gehört hatte, die ich aber zu meiner Schande noch nie wirklich bewusst gesehen hatte – zumindest nicht komplett, weil irgendwie IMMER was dazwischen kam – das galt es jetzt nachzuholen. Die Rede ist von KINGDOM OF SALVATION – der Leverkusener Death/ Thrash Truppe rund um den mit 1,65m recht kleinen Schreihals Marius aka Jussi Pesch. Aber dass kleine Leute ganz groß sein können, wissen wir spätestens seit CHILDREN OF BODOM, bei denen Fronter Alexi Laiho auch nur Zwergen-Größe aufweist. Irgendwie erinnerten mich Jussis Posen auch an den Finnen – wenngleich seine Ansagen diesmal nicht so frech waren wie sonst – dafür war seine Stimme umso kraftvoller. So kam es auch, das schon nach dem 3. Song „The Flames of Revenge“ die Fläche vor der Bühne für die Uhrzeit gerammelt voll war und die Matten einem überall um die Ohren flogen. Es wurde eine saubere, runde Show geboten, die Jungs zeigten deutlich, dass sie es draufhaben, dass sie ihre Instrumente beherrschen und auch noch Spaß an der Sache haben. Spätestens bei dem METALLICA Cover „Leper Messiah” fraß die versammelte Mannschaft vor der Bühne den 4 Leverkusenern aus der Hand. Mit dem obligatorischen „Tyrant of Terror“ entließen die Jungs die Menge aus ihren Klauen und der Applaus gab ihnen Recht, alles richtig gemacht zu haben.
(C.T.)

Setlist KINGDOM OF SALVATION
Intro
Misery Broadcast
The Flames of Revenge
Neverending
Leper Messiah (METALLICA)
Crusader
Tyrant of Terror

Nach dieser gehörigen Portion Geknüppel ging es weiter mit den Dortmundern VEGA (Abküzung für „Veiled Gap“ – dt. verborgene Lücke), die sich musikalisch anscheinend nicht allzu sehr festlegen wollen: von Gothic über Doom zu Death und sogar etwas Nu Metal konnte man hier alles heraus hören. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber nachdem sich auch Frontfrau Ines nach dem ersten Song endlich warm gesungen hatte (sollte man besser vorher tun), konnte mich das Sextett zumindest musikalisch begeistern. Ines steigerte sich mit jedem Song und bewies Facettenreichtum von Popstimme bis klassisch angehaucht – aber an ihrem völlig unmetallisch wirkenden Auftritt selbst sollte sie doch lieber noch arbeiten (wie ein Popsternchen im Fitnesstudio auf- und abhüpfen muss angeblich sein, um nicht als NIGHTWISH-Abklatsch – wohlgemerkt zu Tarjas Zeiten – zu gelten – O- Ton eines Musikers). Auch von ihrer Band kam eigentlich wenig, nein, ich korrigiere, gar keine Unterstützung. Lediglich Gitarrist und Grunzer Lasse sorgte mit seinen Ansagen für einiges Lächeln auf den Lippen der weiblichen Zuschauerschaft, der Mann hat wirklich die erotischste Sprechstimme seit Ville Laihiala! Ansonsten kann ich nur sagen: Jungs, zeigt mal selbst etwas mehr Initiative auf der Bühne und bringt eurer Sängerin mal richtig das Bangen bei, dann klappt es auch mit der Stimmung. Potenzial habt ihr schließlich!
(J.J.)

AGAMENDON schienen wie einige andere Bands auch ihre eigene Fangemeinde mitgebracht zu haben, denn vor der kleinen Bühne herrschte mächtig Stimmung. Auf moderne Weise wird hier groß geschreddert und gegrunzt, was das Zeug hält, doch mehr Details geben selbst meine sonst akribisch notierten Aufzeichnungen nicht her. Aber mal ehrlich: Thrash ist doch sowieso das musikalische Gegenstück des Actionfilms, wer braucht da schon groß Handlung?! Eben! Hauptsache das Ganze macht Spaß, was bei der kopfschwingenden und pogenden Menge allemal der Fall war.
(J.J.)

LAYMENT zeigten als erste Band es Tages, wie man richtig Show auf der großen Bühne macht. Obwohl mir die Band vorher schon des Öfteren ans Herzen gelegt wurde, konnte ich mit ihnen nie wirklich warm werden, doch das änderte sich mit diesem Gig schlagartig. Auch wenn Sänger Marosh – War nur ich das oder sah er dem Bassisten doch recht ähnlich? Und dieser sah wiederum dem Gitarrist mit der ebenfalls gelockten Mähne ähnlich. Die sind doch nicht etwa alle Brüder? Doch! – ein doch etwas gewöhnungsbedürftiges Organ an den Tag legt, machte das live unglaublich Laune, vor allem, da man auch endlich mal eine geschlossene Formation vor sich sah, der man ihre Spielerfahrung und -freude nur allzu deutlich ansehen konnte. Musikalisch machte man es VEGA nach, Schubladendenken ist heute wohl fehl am Platz, aber als vagen Anhaltspunkt könnte man SYSTEM OF A DOWN nennen, wobei die Herren nicht ganz so tief in die musikalische Wundertüte greifen und zumindest innerhalb eines Songs etwas durchgängiger klingen. Daumen hoch!
(J.J.)

Zu THE CLAYMORE sag ich nur: NEIN, NEIN, NEIN! Noch mehr Power Metal-Cliché kann man nicht auffahren, die zigmal gehörten Riffs, die allzu typischen Solos und am allerschlimmsten: Das Gejaule. Tobias Sammet ist ein zurückhaltender Chorknabe dagegen. Dann aber IN FLAMES mit so einem „Gesang“ zu covern, das gehört bestraft! FLUCHT!
(J.J.)

Ja, auf dieses Gejaule hatte ich an dem Tag auch keinen Nerv, weswegen ich mir eine „jaul- freie Zeit“gönnte – nur wusste ich im Vorfeld, was man besser bleiben lässt und verkrümelte mich hinter die Bühne, wo ich es mit bei der ein oder anderen Gestensaftkaltschale gut gehen ließ und außerdem mit Organisator Seeb die letzten sahen bezüglich des Auftritts seiner Band ORDEN OGAN durchsprach. Zu M.I.GOD. Traute ich mich dann wieder aus meinem Versteck – die Beschreibung „modern action rock“ klang für mich so interessant, dass ich mir das mal mit eigenen Augen ansehen musste. Der erste Song war bereits über die Bretter gebracht und der große freie Platz mitten in der Menge verriet, dass es hier wohl schon amtlich zur Sache gegangen sein muss – als der nächste Song aus den Boxen donnerte, wusste ich auch warum. Halleluja – das geht aber echt gut ab hier! Aus Mangel an Songkenntnissen kann ich nicht sagen, ob es sich um Klassiker, selten Gespielte oder gar neue Songs handelte – jedenfalls ging es sehr gut zur Sache und diese Band steht jedenfalls ab heute auf meiner „must have“- Liste. Das Publikum schien es ebenfalls so zu sehen und belohnte die Band mit einer gehörigen Portion Aktion vor der Bühne. Absolut – Daumen hoch – mehr davon!!! (C.T.)

So fiel es mir schwer, mich schon während des letzten Songs von den Jungs zu lösen, um meine Fotokamera gegen eine Videokamera zu tauschen, damit ich den folgenden ORDEN OGAN Gig nun in bewegten Bildern festhalten konnte. Hilft alles nix – Auftrag ist Auftrag – schnell nach hinten geflitzt, Kameras getauscht und passend zu Beginn wieder an der kleinen Bühne. Hier gab es nun das Kontrastprogramm zum eben Gehörten – das Ganze nennt sich „Fantasy Prog Power Metal“ und beschreibt den stil der 5 Einheimischen meiner Meinung nach sehr gut. Die Show stand ganz im Zeichen des neuen Albums „Veil“, welches kurze Zeit später bei der Plattenfirma Yonah Records veröffentlicht wurde. Um es kurz zu fassen: die Show war klasse! Einfach geil – die erste Band, die hier mehr als nur „normal“ abgefeiert wurde. Die erste Band, die was fürs Ohr, für die Augen und auch was für die Lachmuskeln war (Tastenmann Nils ist schon so ein kleiner Kasper – aber es hatte echt extrem was!). Mit einer erstaunlichen Perfektion wurden alte sowie eine menge neuer Songs über die Bühne gebracht und das Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde gefesselt. Dass die Menge den Jungs aus der Hand fraß, wurde vor allem dadurch mehr als deutlich, dass sie jeder Aufforderung von Sänger Seeb oder Keyboarder Nils direkt nachkamen („Hallo Publikum!“ – „Hallo Keyboader“) oder die beim letzten Song geforderte „Grimasse“ – verdammt – ich weiß jetzt gar nicht wie ich das beschreiben soll [Daumen an die Schläfen, mit den Fingern wackeln und gleichzeitig Zunge rausstrecken und ein Pustgeräusch machen – J.J.], aber ich bin vor Lachen fast von der Bühne gefallen – und wir hatten einen Running Gag für das komplette restliche Wochenende… Einfach geil Jungs! Weiter so! Nach der Show meldete sich erstmal mein Magen – damit hatte ich die perfekte Ausrede, mir die Kastratenmetaller MYSTIC PROPHECY nicht ansehen zu müssen und verzog mich schnell Richtung Imbisstand, wo es lecker essen zu fairen Preisen gab – so muss das sein
(C.T.)

Meiner grenzenlosen Schusseligkeit zum Dank hatte ich beim heutigen Headliner MYSTIC PROPHECY aus unerfindlichen Gründen die Black Metaller MYSTIC CIRCLE im Hinterkopf, danach war der Schock umso größer, dass da schon wieder Power Metal der klassischen Sorte angesagt war. Immerhin hielt der hiesige Sänger sich mit dem Vibrato etwas zurück und musikalisch machte die Band ja auch Laune, auch wenn es den altbekannten, schon 1836237 durch die Konserve gedrehten und neu aufgelegten musikalischen Erguss zu hören gab. Eins gibt mir jedoch zu denken: Wenn selbst Leute in CANNIBAL CORPSE und LEGION OF THE DAMNED- T-Shirts die Songtexte auswendig (!) mitsingen, müssen sich dann diese Bands um ihre Fans sorgen oder sollte man diese Fans mal zum musikalischen Geschmacksberater schicken? Heften wir es mal unter „musikalische Offenheit“ ab.
(J.J.)

Während ich mich noch darüber amüsierte, dass Julie wohl den heutigen Headliner mit was „Vernünftigem“ verwechselt hatte, und genüsslich meine Currywurst Pommes mampfte, war das Ganze auch schon schneller vorbei, als ich dachte, so dass nun die „Age Control“ stattfand: alle unter 18 ohne Begleitung mussten nun die Halle verlassen. Für einige sicher nicht das Verkehrteste. Auch mir war nach schlafen zumute, weshalb ich die letzten beiden Bands – BÄD INFLUENCE und vor allem CUSTARD nicht so ganz mitbekam – was ich mitbekam, ist, dass die BÄD INFLUENCE Jungs und Mädels ordentlich Party machten – die Winternachtstraum-Urgesteine heizten den Partyofen zu fortgeschrittener Stunde noch mal so richtig an und ließen es mit Coversongs und Eigenmaterial krachen. Sänger Mark verließ das ein oder andere Mal die Bühne, um durchs Publikum zu laufen und auf der anderen Seite wieder draufzuklettern. Alles in allem eine sehr witzige Show, die noch mehr Einlagen gehabt haben soll, die aber bei mir etwas im Bierdunst untergegangen sind. Genau wie die letzte Band des Abends, CUSTARD – die ich mir dann gar nicht mehr wirklich angesehen, sondern eher nur noch gehört hatte.
(C.T.)

SAMSTAG

Der Samstagmorgen wurde für die Frühaufsteher mit dem Frühschoppen eingeleitet. Für alle „normalen“ Bürger – sprich mich – begann der heutige Bandmarathon mit den Lokalmatadoren ARSON. Zur frühen Stunde sind die Erwartungen ja meist niedrig, in diesem Fall aber völlig unbegründet, denn die Jungspunde haben schon einiges auf dem Kasten. Zwar ließen die Bandshirts der Jungs ihre musikalischen Einflüsse schon eindeutig durchblicken, aber ihre Mischung aus MOONSORROW und EQUILIBRIUM gab durchaus was her. Da kann man sicher noch was draus machen. Ich frag mich nur, was die rosa Schleifchen an den Instrumenten zu bedeuten hatten. Das ist wohl der Humor der Sauerländer. Den gab es auch zu spüren, als die Jungs trotz früher Spielzeit eine Zugabe gewährt bekamen, welche dann aus gerade mal einem Takt bestand. Spaß beiseite, es wurde dann natürlich noch ein Song in voller Länge gespielt. Netter Auftakt!
(J.J.)

RUN AMOK waren genau das Richtige für diese Uhrzeit: energetischer Thrash, der einfach Laune macht. Mit einer guten Portion Nostalgie, einem gutgelaunten, Grimasse schneidenden Gitarristen und einer Stimme, die genau das richtige Maß Rauheit versprüht, hatten sich die Süddeutschen vorgenommen, die noch spärliche Meute auf Trab zu bringen. Dazu gab es auch zum ersten Mal zusätzlich zur eh schon tollen Lichtshow noch LED Blitzlichter; das muss man den Veranstaltern schon lassen, nicht jeder stellt auch den kleineren Bands die volle Montur zur Verfügung. So gehört sich das! (J.J.)

Die nachfolgenden DOWNTIME bekam ich nur vom Hören her mit, da ich mal wieder damit beschäftigt war, überall rum zu laufen und diverse Leute zu suchen – unter anderem die ORDEN OGAN Leute, um mit ihnen den Feldversuch eines Grimasseninterviews zu starten – urkomisch sag ich euch – da musste der auf der Bühne gebotene Todesmetall leider hinten anstehen. (C.T.)

Auch von HEXENHAMMER bekam ich so nicht allzu viel mit , doch gut die Hälfte des Gigs fand den Weg in meine Ohren und Augen und erinnerte mich voll und ganz an CANNIBAL CORPSE: wunderbares Gegrunze vom Feinsten, damit auch die ganz harten unter den Fans nicht zu kurz kamen und die Jungs, die deutlich den härtesten Ton des Tages anschlugen, abfeiern konnten. Sehr gelungen – wenn auch nicht ganz meine Welt – aber man versucht ja offen für alles zu sein.
(C.T.)

THE MYSTERY, O-Ton eines Festivalbesucher: „Die Band mit der Sängerin, die wie Doro klingt, nur besser!“ weckten graue Erinnerungen und tatsächlich war ich schon einmal in den Livegenuss gekommen (den Gitarristen mit dem Lederoutfit und der Sonnenbrille vergisst man nicht), damals allerdings noch mit einer so gar nicht rockröhrigen, zu aalglatten und eher nach Popband schreienden Dame am Mikro. Der Wechsel hat der Formation wirklich gut getan, denn Korry, die Frau mit der Riesenmähne, hat sowohl optisch als auch stimmlich einen hohen Wiedererkennungswert. Zwar bietet die doch stark vom 80er Metal/ Rock beeinflusste Band musikalisch nichts Neues, aber wer gern in Nostalgie schwelgt, hat hier genau das Richtige gefunden. Leider zeigte sich, dass Qualität nicht gleich Quantität ist, denn im Publikum klafften große Löcher. Schade eigentlich!
(J.J.)

Im Gegensatz zu ihren Vorgängern überzeugten SOLAR FRAGMENT weniger mit ihrer musikalischen Leistung als mit ihrer enthusiastischen Bühnenshow. Bassist Dominic bewies, dass man auch ohne lange Haare und mit modischem Kopftuch die imaginäre Matte schütteln kann, ohne lächerlich auszusehen, seine Bandkollegen an den Gitarren (allerdings mit wallendem Haupthaar) standen ihm in Nichts nach und Robert, der Mann am Mirko, bekommt wegen seines SENTENCED- Shirts eh Pluspunkte. Musikalisch begeistern die Ruhrpottler mit oldschooligem Power Metal, der im Gegensatz zu den bisherigen Bands dieses Genres auch mal richtig Druck macht.
(J.J.)

Während auf der kleinen Bühne der Betrieb ohne Verschnaufpause weitergeht, ging’s erstmal auf Essenfang und dann zur ENSIFERUM-Autogrammstunde, die noch spontan am selbigen Tag angekündigt worden war. Da hierfür der eigene Merch-Stand verwendet wurde, sprich nur ein paar lose Tische, geriet die Band bei dem starken Andrang doch etwas in Bedrängnis, da ordentlich geschoben wurde. Nichtsdestotrotz hielten die 5 Finnen sicher eine Stunde durch und signierten alles, was ihnen unter die Stifte gehalten wurde: Tickets, Poster, CDs, Hosenbeine, Shirts, ja sogar eine Gitarre und die handgeschriebene Ankündigung der Autogrammstunde (obwohl auf der Rückseite das viel schönere Festivalposter zu finden war). Als besonderes Highlight durfte man auch dann auch Zeuge der Übergabe der Pommesgabel 2007 werden!
(J.J.)

Von alledem bekam ich nichts mit – denn eine für mich von der Beschreibung her sehr interessante Band – THE VEIL – sollte nun mit ihrem elektronisch angehauchten Gothic Metal die Bühne betraten. Allein das Wort elektronisch verursachte bei mir eine gewisse Vorfreude auf einen gewissen Ausflug in die zweite von mir favorisierte Musikrichtung. Leider wurde ich doch etwas enttäuscht – so elektronisch wie ich gehofft hatte waren THE VEIL gar nicht – und die Stimme und das gesamte Auftreten der Sängerin waren irgendwie nicht so wirklich meine Welt…. Nun ja, dass man nicht so ganz ins Billig passte, wurde auch an der schwindenden Zuschauerzahl bemerkbar – man gönnte sich wohl eine Bierpause oder einen Snack – verstehen kann man’s. Nicht jeder Metaller kann etwas mit elektronischen Klängen anfangen oder – um ehrlich zu sein – die wenigsten. Auch mir fiel es schwer, mich mit der Mischung, die da geboten wurde, anzufreunden. Der Sound lag doch etwas schwer im Magen und braucht wohl eindeutig eine Warmhör-Phase. Eine zweite Chance im heimischen CD-Player sollen sie bekommen – aber vorher ungehört ist das Ganze, was uns dort serviert wurde, wohl doch etwas schwer verdaulich. Schade eigentlich….
(C.T.)

Ganz und gar nicht schade war der folgende Auftritt – wohl eher das komplette Gegenteil – nämlich super Spitzenklasse: ALL WE HATE standen auf dem Plan – und das steht für geballte Power, eine großartige Show und viel Spaß und Publikumsnähe. Die üblichen GEMA Jokes und das obligatorische „ich lauf einmal in die Menge und sing da weiter“ war ebenso dabei wie das RAGE AGAINST THE MACHINE Cover „Killing in the Name of“. Auch wetterte Sänger Marcello wie immer gegen die rechte Szene, ein wichtiges Zeichen, das frenetisch umjubelt wurde. Leider schien der Technikgott plötzlich verstimmt zu sein, denn zu Beginn fielen immer wieder die Boxen und stellenweise auch das Mikro aus, wovon sich aber weder die Band noch die Fans ihre Stimmung vermiesen ließen und unbeirrt weitermachten. Basser Westi, mittlerweile auch wieder mit kinnlangen Haaren, und Marcello schienen sich außerdem ein Duell zu liefern, wer mehr Fans animieren kann, Ausgang unentschieden. Diese Band macht einfach Spaß!
(C.T./ J.J.)

SUIDAKRA leiteten nun das letzte Drittel des Abends ein und meine Güte, die Herren gingen aber mächtig ab. Gebt den Jungs eine große Bühne, eine fette Lichtshow und einen 1A Sound und schon wird klar, dass sich die Düsseldorfer ihren Posten als Co-Headliner wirklich verdient haben. Ähnlich wie ENSIFERUM bedient man sich folklorer Elemente, verpackt diese allerdings etwas thrahiger und härterer, was hier zu kollektivem Headbangen führte. Die super Stimmung im Publikum färbte auch auf die Band ab, Bassist Markus sah man heute am Dauerbangen und auch der neue Livegitarrist Tim, der den im letzten Jahr ausgestiegenen Marcel ersetzt, hatte ein stetes Grinsen auf den Lippen, auch wenn er noch etwas scheu wirkte und sich gern im dunkleren Teil der Bühne versteckte. Dafür kann der Zupfer aber wesentlich besser singen und posierte zudem auch mal extra für die Fotografen, das hat er sich aber schön von Arkadius abgeguckt. Von einem Fan wurde ihm dann eine Zipfelmütze zugeworfen, die natürlich gleich aufgesetzt wurde. Einen Song später wurde diese dann gleich mal an seinen Sänger weitergereicht, welcher sich zuvor schon seines T-Shirts entledigt hatte (huch, so warm war es doch gar nicht). Das war wirklich ein köstlicher Anblick. Zum Schluss hatten zwei Briten dank langer Anreise dann die besondere Ehre, ihre Lieblingsband mattenschüttelnderweise auf der Bühne zu begleiten und die Jungs gaben alles, als wäre es der letzte Tag auf Erden. Wenn solch treue Fans nicht eine wahre Belohnung sind!
(J.J.)

Wenn Westi einen Gig braucht, um so richtig warum zu werden, sollte er mit seinen beiden Bands öfter mal am gleichen Tag auftreten. Mit CONTRADICTION legte er jedenfalls noch mal einen Zahn zu und stahl diesmal, man glaubt es kaum, seiner gesamten Band die Show. Wie schon zuvor, konnte er es nicht lassen, ständig in den Fotograben zu springen und das (Beinahe-) Bad in der Menge zu nehmen, wie von der Tarantel gestochen rumzuhüpfen und dabei immer noch schön für die Fotografen zu posieren. So macht das Spaß! Ansonsten gab es ähnlich wie bei ALL WE HATE politisch orientierte Aussagen, allerdings in trashigerer Ummantelung und ohne technische Probleme. (J.J.)

Die Autogrammstunde zeigte schon, dass der Andrang bei den Finnen groß war, ähnlich drängelten sich die Fans nun vor der Bühne. Wie schon von der letzten Tour bekannt, ertönte zunächst einmal das Intro „Ad Victoriam“, bevor Schreihals vom Dienst Petri mit einem markerschütternden Schrei das Set der Headliner ENSIFERUM eröffnet. Weiterhin ist man dem Bandmotto treu, oben ohne aufzutreten, nur die Lederhosen hat man(n) mittlerweile gegen knielange Röcke im Finnlandflaggenstil ausgetauscht. Bisweilen kam man im Graben dank hoher Bühne und gern mal auf Monitoren aufgestützten Beinen der Erkenntnis, was Mann denn unter dem Finnenrock trägt, auch bedenklich nahe. Musikalisch präsentierten die Helsinkier wie immer eine Auswahl aller drei Alben, wobei doch auffällt, dass eigentlich immer dieselben Songs gespielt werden. Da könnte man ruhig mal etwas flexibler werden und auch mal vergessene Perlen wie „Slayer of Light“ oder „Goblin’s Dance“ spielen. Auf der anderen Seite hat der Fünfer natürlich seine partyfähigsten Songs im Gepäck. „Tale of Revenge“, „One More Magic Potion“, „Iron“ und den Oberkracher „Treacherous Gods“, das verlangte den Fans wirklich einiges ab. Da wurde die Mähne geschüttelt, gehüpft, getanzt und mitgesungen, vor allem die Leitmelodie von „Iron“ und sogar vor dem finnischen Text von „Lai Lai Hei“ wurde nicht halt gemacht. Wie in der Menge herrschte auch auf der Bühne beste Stimmung, vor allem Gitarrist Markus und Bassist Sami schienen sich immer wieder gegenseitig zeigen zu wollen, wie gut sie doch spielen können und gelegentlich jagte man sich auch über die Bühne, woraufhin Markus fast seinen Einsatz verpasste. Dass nach dem epischen 10-minütigen „Victory Songs“ schon Schluss sein sollte, war schwer zu glauben und glücklicherweise kamen die Finnen für 2 weitere Songs noch einmal zurück. Im Anschluss wurde dann auch noch ein handsigniertes Schwert an den Festivalbesucher mit den letzten drei Ziffern 666 (was ach sonst) seines Plastikbändchens verlost, na dann mal fröhliches Axt schwingen!
(J.J.)

Setlist ENSIFERUM
Blood Is The Price Of Glory
Token of Time
Ahti
Tale of Revenge
One More Magic Potion
Lai Lai Hei
Iron
Treacherous Gods
Victory Song
Zugabe:
Guardians of Fate
Battle Song

Die letzte Band des Abends und damit die „Rausschmeißer“ des Winternachtstraums, die GRAILKNIGHTS, fanden trotz der recht undankbaren Spielzeit eine noch sehr gut gefüllte Halle vor. Nicht nur durch ihre anmutigen Superhelden- Verkleidungen wussten sie die Massen zu begeistern und diejenigen, die anfangs noch aufgrund des ungewöhnlichen Auftretens der Band lachten, erlebten schon beim Beginn des ersten Liedes ihr blaues Wunder. Die GRAILKNIGHTS lieferten neben einer ausgefeilten Bühnenshow auch noch eine erstklassige musikalische Untermalung ab. Nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch ihre Musik und vor allem die Bühnenshow unterschied sich sehr stark von allen anderen Bands, die dieses Jahr beim WNT angetreten waren – der Unterschied zu anderen Combos lag vor allem darin, dass sie nicht einfach nur Lieder nach Plan spielten, sondern diese auch mit einer kleinen Geschichte miteinander verknüpfen. So nennt man Auftritte dieser Band auch nicht „Konzerte“ sondern „Schlachten“, deren Ziel es ist, den Oberbösewicht Dr. Skull zu besiegen. Um diese Schurken zu besiegen, brauchen die Knights die Hilfe des mächtigen Battlechoir. Mit dem Battlechoir ist das Publikum gemeint das mit der Band sehr stark interagiert. Die Band brüllt zum Beispiel: „GRAILKNIGHTS BATTLECHOIR“ und das Publikum antwortet: „YES SIR“ . Die Bemühungen des Publikums sind aber niemals umsonst, denn auch die GRAILKNIGHTS haben ihre Handlangerin: Zapf Beauty Die Bierstute und jeder, der schon mal ein Konzert von der Band besucht hat weiß, dass diese immer ein Geschenk parat hat, nämlich ein kleines Bierfass. Letzten Endes ist es die Mischung aus einer gelungen Bühnenshow, erstklassigem Death Metal mit verschiedenen Einflüssen und einer außergewöhnlich intensiven Interaktion zwischen den Kriegern und dem Publikum, die die Schützenhalle in Arnsberg – Oeventrop zu so später Stunde noch mal zum Beben brachte. Der Höhepunkt der Show war, als kurz vor Schluss dem Battelchoir freier Zugang zur Bühne gewährt wurde. So endete eine erfolgreiche Schlacht um den Holy Grail und damit leider auch das diesjährige Winternachtstraum Festival welchem man getrost den Stempel „sehr gut“ aufdrücken kann.

Copyright Fotos: Juliane John/ Cynthia Theisinger

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