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WINTERNACHTSTRAUM FESTIVAL 2010 – TAG 2

Ort: Arnsberg-Oeventrop - Schützenhalle

Datum: 20.02.2010

Verschlafen begann der zweite Tag nicht nur für uns. Nach langer Nacht und kurzem Schlaf wären viele unter uns wohl gern in die Winterruhe zurück gekehrt. Doch auch hier zeigten sich Arnsberger und Angereiste stand- und trinkfest. Während einige unter uns sogar schon wieder zum Frühshoppen gehen konnten, gönnte ich mir mit den anderen Schreiberlingen ein opulentes Frühstück, um den Blutzuckerspiegel wieder etwas an zu heben. Nun können wir von den ersten drei Bands nur berichten, was uns zugetragen wurde: „Joa, war alles ziemlich okay!“ Bis 16:30 hatten dann auch die ersten 3 neuen zahlenden Gäste den Weg zu uns gefunden, bis zum Abend wuchs unsere Zahl dann aber doch noch auf knapp 700 Mannen und Frauen an, von denen ein paar der 100 Neuankömmlinge genau wie ich sowohl die beiden Appetitappen DIVINE IMPUTATION und CHEESES KREIST verpasst haben als auch die erste Band des Festivaltages ESCALATION. Schande auf mein faules Haupt!
(Jujoweh)

SERPENT SOUL aber stritten sich bei unserem Eintreffen gerade, welches Lied als nächstes angestimmt werden sollte, haben sich aber schließlich doch noch geeinigt und mit amtlichem Metal nach Kultrezept der Death- und Thrash-Szene den frühen Tag gerockt. Mit guter Bühnenshow und erkennbarem Spaß an der Sache hat der Pirat von Frontmann mit Powerstimme alles aus sich rausgeholt. Publikum gab’s zu so früher Stunde (JA! 15 Uhr IST früh!) allerdings noch nicht wirklich viele und viele Anwesende waren auch noch nicht wirklich gewillt, alles zu geben. So blieben Beine und Köpfe – mit ein paar wenigen Ausnahmen – doch leider noch sehr unbeweglich. Eine Band, die zu einem späteren Zeitpunkt sicher noch mehr Stimmung gemacht hätte!
(Jujoweh, Peter G.)

Auf dem Fuße der Schlangenseele folgte die recht junge Band KADAVRIK, die mit hauseigenem Auf-die-Fresse-Metal und vielen tollen Gitarrenriffs überzeugte. Stiltechnisch waren sie nicht extrem herausragend, aber technisch einwandfrei und auf jeden Fall hörbar – und mit den harschen Tönen ist sicherlich so mancher Anwesende erst richtig wach gegrowlt worden. Das jedenfalls bewies die stetig anwachsende Menge vor der Bühne. Die Damenwelt munkelte mir zu, der Sänger sei auch ganz schmuck an zu schauen. Ich selbst schließe bei solchen Aussagen kopfschüttelnd die Augen und genieße die Musik.
(Jujoweh, Peter G.)

SOLAR FRAGMENT fiel zunächst durch ein Bild mit Engelchen auf der Bühne auf. Ähnlich freundlich und melodisch klang auch die Musik, wie man es von Namen und Bühnengestaltung her erwartet hätte. Was ich selbst nicht erwartet hätte ist, dass so früh am Abend schon jemand meinen Geschmack dermaßen gut treffen würde. Die Bühnenshow selber war einwandfrei und nach etwas Stimmungsmache von Frontmann Robert füllte sich der Raum und es wurden auch die ersten erhobenen Pommesgabeln des Tages sichtbar. Nach kurzer Aufforderung des Frontmannes wurden auch noch mehr Metaller von der Bühne angezogen, wie die Motten vom Licht und so hatten wir bald eine einigermaßen ansehnliche Menge vor der Bühne versammelt. Doch schüchtern ist das Metallervölkchen! Ein paar Minuten ohne den Zuspruch des Frontmanns und die Reihen vor der Bühne lichteten sich wieder etwas, aber was geblieben ist hatte gute Laune und gab auch ordentlich Applaus an die Band zurück.

THARSYS schenkten uns die erste weibliche Stimme des Festivals, wobei die Sängerin und Keyboarderin Sara ansonsten leider hinter ihrem Keyboard etwas verloren ging und ihrem growlenden Bandkollegen die Show überließ. Die Instrumentenwahl sorgte auch für Überraschungen und interessante Effekte, so dass viele der Winternachtsträumer vor die Bühne gelockt wurden, um einer fantastischen Mischung aus femininem Gesang und aggressiv-männlichem Growlen zu lauschen. Das große Mysterium zu Beginn war ein Geiger. Man sagte mir, beim Aufbau habe man kurz einen Streicher gesehen und, dass dieser schon zu Beginn des Auftrittes wieder verschwunden sei. Ich selbst nahm an, dass da einige Leute zu tief ins Glas statt auf die Bühne geschaut hatten, jedoch tauchte der ominöse Geiger gegen Mitte des Konzertes auch wieder auf und stellte sich als ein Gastspieler heraus, der die Band tatkräftig bei der Präsentation eines Songs vom neuen Album „Under her Dead Hands“ unterstützte. Auch hier also ein großes Lob für ein atemberaubendes Geigensolo!
(Jujoweh, Peter G.)

Der Frontmann von JACK SLATER ließ zu beginn des Gigs direkt sein Mikro mit dem Spruch „War ich nicht!“ fallen. Ich habe es gesehen und sehe mich gezwungen diese infame Lüge zu enttarnen! Er war es eben DOCH! 😉 Ich bin kein wirklicher Fan von JACK SLATER, aber der volle Raum vor der Bühne war doch sehr beachtlich und dies zeigte mal wieder, dass man sich über Geschmack nun einmal doch streiten kann. Die eher gleichförmig klingenden Songs, mit eintönigem Gitarrengeschrammel und Gegröle, welches eher durch Lautstärke als durch alles andere überzeugte, müssen ja nicht allen gefallen. Dazu gab’s gewohnt aggressive Ansagen gegen Gott und die Welt. Das letzte Mal sah ich die Jungs auf dem Summerbreeze und wie auch dort hat die Band ordentlich gezogen. Die vielen grellen Spots waren etwas… viel und… eh… grell, aber harter thrashiger Grindcore muss eben amtlich weh tun. Das dachten sich auch die Fans in den vorderen Reihen und so gab es teilweise auch erste kleinere Moshpit-Ambitionen. Dazu gab’s die gewohnt rüpelhaften Ansagen von Frontsau Horn, dessen Gespringe und Gefeier auf der Bühne die meisten anderen Bands in den Schatten gestellt hat.
(Jujoweh, Peter G.)

Die Norweger von HIGHLAND GLORY warteten mit der zweiten Sängerin und der ersten Frontfrau des Tages auf und brachten uns Gothic Metal ganz im Stile von NIGHTWISH und TRISTANIA. Dabei wurde auch der Ruf laut, dass diese Band nach JACK SLATER wirke „als würde man TRISTANIA nach Cannibal Corpse spielen lassen.“ Stiltechnisch also ein echtes Wechselbad und auch vom optischen her ein großer Unterschied zur Vorband, wobei Latex und Korsage vor allem der Männerwelt zusagten. Da war ein paar Schreiberkollegen die Musik auch egal und es wurde auf die „optische Qualitäääät“ hingewiesen. Was mir persönlich fehlte, war etwas eigener Stil. Was nicht fehlte, waren Männer vor der Bühne. Party gab’s eher weniger, dafür aber was fürs Auge und Gitarrist Jack-Roger animierte zu romantischer Kerzenlichtaktion. Beachtlich waren des Weiteren die Absätze der Sängerin und dass sie es sich nicht nehmen ließ, trotz dieser Männertöter noch recht beachtlich über die Bühne zu hüpfen. Das entschuldigt auch ihre teilweise etwas steife Bewegungsweise.
(Jujoweh, mit freundlicher Unterstützung von Peter G.)

Die Gewinner des MySpaceContests STILLBIRTH gaben sich auf dem Winternachtstraum ebenfalls die Ehren und waren – LAUT! Bermuda-Shorts und nackte Oberkörper wollten kaum zu den winterlichen Temperaturen vor der Halle passen, aber immerhin wurde der Blick auf die vielen interessanten Tätowierungen des Frontmannes, der sogar ein Goldkettchen und nach hinten gedrehte Kappi trug. (Hopperstyle auf einem Metallerkonzert ist in etwa so geschmackvoll wie ein KKK-Mitglied auf einem Rap-Battle.) Kurze Zeit später schmetterten unverständliche Songs und harte Gitarrenakkorde auf uns hernieder. Dass die Band größtenteils auf Deutsch singt, ging dabei total unter. Man kann sagen, dass solch aggressive Musik schnell auch einen sehr ansehnlichen Cyrcle- und Mosh-Pit erzeugen konnte. Für Stimmung war also trotz eher schlichter Musik gesorgt. Laut ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit gut und Prügeleien vor der Bühne sind ja nicht unbedingt ein Gütesiegel für Gigs. Ich wurde gebeten zu sagen, dass „schlechter Geschmack zu polarisieren scheint, anders sei der Contest Gewinn wohl nicht zu erklären.“. Ich schließe mich der Meinung an.
(Jujoweh, Peter G.)

Eigens angereist aus den USA erschienen die Musiker von KORR mit CRADLE OF FILTH-ähnlichem Black-Metal auf der Bühne, um uns die Trommelfelle weg zu pusten. Man sah sie bereits vorher unter der Menge und die extrem weiße Schminke zusammen mit den harten bösen Ledermänteln wirkte AUF der Bühne dann doch besser als VOR ihr. Der Sänger hat vielleicht etwas mit der „Malerei“ übertrieben, aber wir sind ja nichts anderes von der üblichen Masse an Blac -Metal-Pandabären gewohnt und auch die Musik blieb überraschungsfreier Klischee-Black-Metal. (Zusatz von Peter G.: Ich fand die plötzlich auftauchenden Wechsel in der Melodie überraschend irritierend. Waren die Dissonanzen gewollt, oder konnten die das nicht besser?) Das Publikum erschien zahlreich, blieb aber bis auf ein paar Feierwütige in der ersten Reihe unbewegt und applaudierte am Ende jedes Songs pflichtschuldig. Meiner Ansicht nach wäre diese Band durch jede andere Klischee-Metalband mit Möchtegern-Vampiren zu ersetzen gewesen. Da habe ich mir von einem Import mehr erwartet!
(Jujoweh, Peter G.)

NIGHTMARE – Ob Alptraum oder nicht: Nach der Reihe wirklich schlechter Bands waren sie musikalisch auf jeden Fall ein Fortschritt. Die ganze Zeit in grelles Licht getaucht haben sie die Stimmung sichtbar wieder gehoben und das nicht nur bei mir. Vor der Bühne gab es kreischenden Gitarrensound und ebenso kreischende Stimmen zu hören. Der Frontsänger lebte in seiner Musik regelrecht auf. Endlich also wieder ordentlicher Metal, der pur und ohne extreme Bühnenshow auskam. Da hat sich also der Import aus dem Land von Baguette und Eifelturm gelohnt. Die Franzosen brachten also die beinahe verloren geglaubte Athmo wieder zurück und es wurde endlich wieder gefeiert statt geposed. Von der Stimme her erinnerte der Sänger dabei extrem an AXXIS, die den Saal in Arnsberg schon im Vorjahr ordentlich durchgerockt hatten und in positiver Erinnerung geblieben sind. Äußerlich gab’s dabei Aussehen und Ausstrahlung von Metalgott Dio. Zugegeben, an und für sich war der Stil von NIGHTMARE ein bisschen der normale Klischee-Power Metal, aber nach dem ganzen düsteren, dunklen Gesocks waren sie wirklich absolute Stimmungsmacher und haben nebenbei noch Merchandise und Drumsticks wie Karnevalskamellen ins Publikum geschleudert. Auf der anderen Seite gab es zum Dank ans Publikum zwischendurch wirklich auch noch Süßigkeiten von der Band. Von uns gibt’s zwar keine Kamellen für NIGHTMARE, dafür aber einen dicken Applaus, dass sie uns den Abend doch noch gerettet haben.
(Jujoweh)

Direkt danach gab’s mit DARK AGE ebenfalls wieder einmal eine sehr melodische Death Metal Band, die mit Neonröhren und starken, eingängigen Gitarrensounds überzeugt hat. Dabei war Sänger Eike Freese mit abwechselnd gesungenen und gegrowlten Parts richtig gut bei Stimme. Wahnsinn, dass ein so kleiner Kerl eine so böse Stimme haben kann! Sowohl in unserer Truppe, als auch vor der Bühne gab’s ordentlich Party und auch ein altes Schätzchen aus der „Silent Republic“ wurde noch zum Besten gegeben. Ich selbst befand mich spätestens zu diesem Zeitpunkt ebenfalls feiernd vor der Bühne. Musikalisch also toll, jedoch baten mich die DARK AGE-Fotografen anzumerken, dass „dunkle Zeiten“ nicht gleichbedeutend sein sollte mit dunklen Lichtverhältnissen auf der Bühne. Perfekte Fotos gab’s also wohl nicht, dafür aber gute Musik!
(Jujoweh)

UNLEASHED fielen zunächst durch das große Banner mit dem fies grinsenden Schädelkopf auf und starteten gleich von 0 auf 100 mit ihrem heftigen Sound, der sogar mir noch was gesagt und der die anderen Vertreter dieser Gattung auf dem WNT in den buchstäblichen Schatten gestellt hat. Es wurde nicht mit Gitarrensoli gespart und vor der Bühne bildete sich sehr schnell ein Moshpit, während die ersten Crowdsurfer den Raum durchquerten. Erwähnenswert ist sicherlich, dass der Song „Winterland“ bestimmt nicht zufällig als erster Song des Gigs ausgewählt wurde, und dass der Drummer trotz drei gebrochener Rippen sehr gute Arbeit geleistet hat, soll hier ebenfalls lobend erwähnt werden.

Lange nach Mitternacht wiegten die Jungs von BLOODWORK jene Metaller in den Schlaf, die auf den hinteren Bänken schon zu schlafen schienen. Trotz guter Musik und Bühnenarbeit waren die Anwesenden nicht mehr ganz so motiviert, wurden aber durch Frontmann David noch zu so mancher Bewegung veranlasst werden. Gute Arbeit wird ja auch gern mit Party belohnt! Wer wollte konnte noch bei vielen, harten Songs die Sau raus lassen und natürlich waren unter den Gästen nicht nur zerschlagene Helden der Nacht, sondern auch ein paar unermüdliche Krieger, die der Aufforderung „Jetzt ist es noch mal Zeit sich richtig auf die Fresse zu geben!“ gerne entsprochen haben. So wurde die beinahe obligatorische letzte Wall of Death auch an diesem Abend bei der letzten Band kreiert. Wie auch am Vortag war BLOODWORK eine Band, die eigentlich zu schade fürs nächtliche Verheizen ist. Trotzdem glaube ich, dass sie dem Winternachtstraum einen würdigen Ausklang verliehen hat.
(Jujoweh)

Zusammengefasst kann man wohl behaupten, dass man nicht jede Combo mögen muss. Wir haben die Winternacht aber ordentlich durchgerockt und als Lösung für die Bands, die nicht ganz unser Metier waren, das Destillat an der Bar zu uns genommen. Vor allem der erste Tag hat in unseren Augen perfekt gerockt, der zweite bekam mit Flaute, Höhepunkt und ruhigem (- so ruhig Metal eben sein kann -) Ausklang eine perfekte Spannungskurve und so dürfen wir uns jetzt hoffentlich auf eine schneechaosfreie Zeit nach dem Festival freuen.
(Jujoweh)

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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