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WINTERNOISE FESTIVAL 2008

Ort: Osnabrück - N8

Datum: 26.01.2008

Alle paar Monate pilgert das Metallervolk aus der näheren oder auch etwas weiter entfernten Umgebung nach Osnabrück, denn die Agentur Burning Stage lockt mit einer feinen Band Mischung und vor allem immer wieder gern mit solchen Combos, die man sonst nicht so oft hierzulande zu sehen bekommt. So auch beim Winternoise Festival, das man aufgrund der windig-regnerischen Wetterverhältnisse und Plusgrade auch genauso gut „Herbst-Schmuddelwetter-Krach“ hätte nennen können.

Leider sahen wir uns wieder dem üblichen Parkproblem ausgesetzt und kamen so erst in der Halle an, als die Dänen SVARTSOT schon 50 Prozent ihres kurzen Sets gespielt hatten. Zu meinem Erstaunen war das N8 bereits gut zur Hälfte mit einer enthusiastischen Anhängerschaft gefüllt und das, obwohl die Band gerade erst ihr Debütalbum veröffentlicht hat. Folk scheint wohl immer mehr zum Erfolgsgarant zu werden, so auch für diese Formation der Generationen, die eine Altersspanne von 25 Jahren überbrückt. Musik verbindet!

MÅNEGARM stifteten dann erstmal etwas Verwirrung, was deren aktuelles Line Up angeht. Der Schönling am Mikro kam mir doch etwas unbekannt vor und wieso singt der Drummer, der alle immer so nett zum Suchen angeregt hat, eigentlich nicht mehr? Des Rätsels Lösung:
Irgendwann im Sommer letzten Jahres entschied die Band, ihren Drummer Erik zum Frontmann zu machen. „The tall ugly troll“ Pierre (O- Ton Erik) gab sich von nun an mit dem Bass zufrieden und fürs Trommeln wurde ein Sessionmusiker verpflichtet. Da Pierre heute aber wegen seiner schwangeren Frau zu Hause geblieben ist, übernahm Multitalent Erik auch noch dessen Aufgabe am 4-Saiter. Alle mitgekommen so weit? Showmäßig kann man nur sagen, dass der Line Up-Wechsel den Schweden definitiv nicht geschadet hat, denn Erik schien sich im vorderen Drittel der Bühne pudelwohl zu fühlen, wobei die Stimmung im Vergleich zu den Vorgängern etwas abzuschwächen schien. Dies lag wohl an der nicht ganz so partyfähigen Musik, die manchmal eher durch ihre Brachialität denn durch Tanzfähigkeit hervorsticht. Trotzdem ein gelungener Auftritt!

Setlist MÅNEGARM
Genom världar nio
En fallen fader
Fimbultrollet
I underjorden
Sigrblot
Hemfärd

Auch die Faröer TYR hatten heute Verluste zu melden, denn Gitarrist und Schönling vom Dienst Terhi war nicht mit von der Partie (zur Erklärung murmelte Sänger Heri Joensen nur etwas Unverständliches von wegen Schottland in seinen Bart). Bassist Gunnar versuchte die fehlende Bühnenpräsenz zwar durch vermehrtes Tanzbeinschwingen, das beizeiten an Foxtrott erinnerte, wett zu machen, doch bei einer auch sonst oft statisch wirkenden Band, die zudem noch eher ruhigere Töne anschlägt, fiel der Ausfall doch schwer ins Gewicht. Das gleiche galt leider auch für den Sound, der ohne die 2. Gitarre an manchen Stellen beträchtlich dünn wirkte. Auch songmäßig gab es heute wenig Neues zu hören: „The Edge“ wurde wie üblich zu Beginn gespielt, es folgte „Regin Smithour“, „Hail to The Hammer“ (mit dem üblichen Spielchen), „The Wild Rover“ (hierzulande auch als „An der Nordseeküste“ bekannt) und zum Abschluss mein Favorit „Ramund Hin Unge“. Mäßiger Auftritt ohne Höhepunkte!

KAMPFAR gehören zu den Bands, die ich aus unerklärlichen Gründen immer schon einmal sehen wollte, ohne mich irgendwann mal intensiver mit ihrer Musik beschäftigt zu haben. Ihr Ruf ist in dem Fall aber vollends begründet, denn so eine überzeugende Liveband habe ich aus dem Pagan/ Black Metal Genre schon lange nicht mehr gesehen. Die Mannen leben nur so von ihrem charismatischen Frontmann Dolk, der wie in Ekstase immer wieder die Menge anfeuerte, seine Zunge präsentierte und mit seiner mitreißenden Art auch wirklich den letzten Skeptiker überzeugen konnte. „Ravenheart“ wird von der Menge frenetisch umjubelt und nachdem ich nun auch endlich mal in den CD-Genuss des letzten Albums gekommen bin, kann ich diese Reaktion nur allzu gut nachvollziehen. Auch der Rest des viel zu kurzen Auftritts war geprägt von majestätischen Songs, die eine selten erlebte Antriebskraft an den Tag legten und vor allem durch einen phänomenalen Livesound bestachen. Wenn solche Bands das doch auch mal auf Platte so abmischen würden! Mein Highlight des Tages!

Setlist KAMPFAR
Troll
Ravenheart
Ny
Troll, død og trolldom
Hymne
Norse

Da NECROPHOBIC als erste Formation des Tages eine volle Stunde Spielzeit gewährt bekommen, gebe ich meinem knurrenden Magen nach und gehe erstmal auf Essensjagd. Unkluge Entscheidung, denn als ich kurz nach Beginn des Sets zurückkam und einen Blick auf die Setlist warf, musste ich feststellen, dass die Band ihren Oberkracher „Blinded By Light, Enlighted by Darkness“ bereits gespielt hat. Verdammte Axt! Leider mussten die Schweden dann auch noch um 10 Minuten kürzen, so dass der Gig (für mich) viel zu kurz ausfiel. Immerhin geben die Herren Vollgas, selbst Sänger Tobias, der noch vor kurzem mit einer Knieverletzung zu kämpfen hatte und dem man kaum glauben konnte, dass er seine Krücken erst wenige Tage zuvor abgelegt hat. Daher hatte er seinen 4-Saiter auch erstmal einem zusätzlichen Bassisten überlassen, der sich aber perfekt ins Bandmotto „Rocken bis der Arzt kommt und immer schön die Zunge raus“ einfügt und augenscheinlich am liebsten auch den Gesang mit übernehmen würde. Während des letzten Stücks passiert es denn plötzlich: Das komplette Bühnenlicht geht aus, die Technik hält aber zum Glück noch bis zum Schluss durch. „That’s what happens if you upset Necrophobic“, so die Schlussfolgerung von Gitarrist Sebastian.

Und was auch immer die Verärgerung der Bühnengötter ausgelöst hat, es muss groß gewesen sein, denn eine Stunde lang ging erstmal gar nichts. Die Bühne ist duster, die Boxen wollten auch nicht mehr, so dass die Technik eifrig jedes einzelne Kabel überprüft musste. Nach einer halben Stunde scheint alles wieder im Lot zu sein, doch EQUILIBRIUM dachten gar nicht daran, sich mit dem Aufbau und Soundcheck mal ein bisschen zu beeilen, aber warum auch, die Fans liegen ihnen eh zu Füßen. Wie immer herrschte bei den Süddeutschen Bombenstimmung, die mit jedem Song wuchs, wenngleich das N8 mittlerweile fast die Luftfeuchtigkeit und Temperatur einer Sauna erreicht hat. Genau die richtigen Temperaturen also für eine richtige Pagan-Party! Den Met dafür gab es dann auch beim gleichnamigen Song, natürlich aber erst kurz vor Ende des Gigs, denn erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Ansonsten war es schön, auch mal Bandküken Sandra richtig aus sich herausgehen zu sehen, so viel Elan und Einsatz bekommt man von der sonst so schüchternen Bassisten selten zu erleben. Neben den altbekannten Songs vom bisher einzig veröffentlichten „Turis Fratyr“ gibt es mit „Blut im Auge“ und „Nach dem Winter“ Kostproben vom im Sommer erscheinenden neuen Werk „Saga“, das ja schon seit geraumer Zeit von den Fans sehnsüchtig erwartet wird.

Rocken bis der Arzt kommt und immer schön die Zunge raus – Teil 2. Was haben die werten Herren heute bloß nur mit ihrer Zunge zu schaffen? Ist es vielleicht ein neues Balzritual? Oder eine Absprache unter den härteren Bands des Tages? Man weiß es nicht. Es war jedenfalls erstmal Schluss mit lustig, denn die Grinder/ Thrasher IMPALED NAZARENE hatten sich vorgenommen, mit gefühlten 3 Drumbeats, 4 Akkorden und 5 Riffs das N8 in Grund und Boden zu holzen. Und wer sagt denn, dass Musik immer hochgradig anspruchsvoll sein muss, wenn auch so eine Band mal richtig Spaß machen kann; der Spaßfaktor ist bei Songtiteln wie „Motorpenis“ oder „Hardboiled and still Hellbound“ sowieso gegeben. Nach einer ersten Runde fröhlichen Bangens und Moshens begann dann die Stunde des heiligen Nutztiers der extremen Szene: „Lost Art of Goat Sodomy, Goat Sacrificing, Goat Justice, Goat Perversion“, das arme Tier muss wohl für alles herhalten. Super Auftritt, der auch vom überschwänglichen Sänger und Ersatzbasser von NECROPHOBIC aus dem Publikum (!) gewürdigt wurde.

EISREGEN durften auch zu später Stunde noch vor ein enthusiastisches Publikum treten. Die vom Index gepeinigte Band hat es ja selten leicht gehabt mit deutschen Behörden, aber das scheint ihrer Popularität wenig geschadet zu haben. Zum Jubel aller gab es einige verbotene Stück in umgeschriebenen Versionen (das darf gern mit einem Augenzwinkern gesehen werden) zu hören, es sei mir an dieser Stelle aber verziehen, welche Stück dies genau waren, da ich mich bis dato nicht mit dieser Band auseinandergesetzt habe. Ehrlich gesagt konnten mich die Thüringer auch kaum noch begeistern und da meine Mitgefahrgelegenheit auf Heimreise drängte, fiel mir die Entscheidung leicht, den Festivaltag an dieser Stelle zu beenden.

Wie auch bei den anderen Burning Stage Veranstaltungen hat die Bandauswahl die (weite) Reise wert gemacht, doch sollte man sich vielleicht mal überlegen, noch einen 2. Essenstand außer der Pommes- und Würstchenbude draußen aufzustellen, denn Platz wäre dort ja allemal.

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