Konzert Filter

WIR SIND HELDEN – ONE-TWO

Ort: Oldenburg - Kongresshalle

Datum: 01.04.2008

Perfekte Punktlandung in Oldenburg, denn wenige Minuten vor 20 Uhr betraten wir die gut gefüllte Kongresshalle und kurz danach gingen dann schon ONE-TWO aus Paris auf die Bühne und begannen mit ihrem Elektropop um die Gunst des Publikums zu buhlen. Die Frage, wer denn im Publikum französisch spreche, wurde mit vereinzelten „oui“ bejaht, dennoch schien der Funke nicht so ganz überzuspringen, zu unscheinbar war da doch die Musik des französischen Fünfers. Mit mehrstimmigem Gesang und netten Melodien konnte man zwar zum Mitwippen und Kopfnicken und gegen Mitte des Sets sogar viele Zuschauern zum Klatschen animieren, doch irgendwie wartete man eigentlich nur auf die Helden. So konnte auch bei der Single „Oh yeah, alright“ das Flehen des Sängers „Sing the chorus please. PLEASE!“ nur wenige Herzen erweichen. Insgesamt standen ONE-TWO fast 45 Minuten auf der Bühne, eine wirklich lange und faire Spielzeit für eine doch recht unbekannte Vorband, was bei vielen Konzerten in letzter Zeit alles andere als selbstverständlich war, werden die Support Acts doch allzu oft mit 20-minütigen Sets verheizt und am Ende gab es dann doch einen ordentlichen Anstandsapplaus für eine nicht so schlechte Truppe, die keinem weh tat aber auch nicht wirklich überzeugen konnte.

Setlist ONE-TWO
Bob star
Heady melody
Annie Mall
Pretty pretty
Where’s my head at
Something in my mind
Emma
Seated by
Oh yeah alright
O hot brain

Nach einer knapp halbstündigen Umbaupause gingen dann die Lichter aus und zu einem Intro kamen WIR SIND HELDEN unter riesigem Jubel auf die Bühne, griffen zu ihren Instrumenten und starteten direkt mit „Endlich ein Grund zur Panik“. Das Publikum ließ sich von der ersten Minute mitreißen und sang die Songs ihrer Helden mit. Passenderweise kam dann auch gleich zu Beginn mit „Heldenzeit“ die unmissverständliche Ansage „Wir sind gekommen, um die anderen Helden abzumelden“ mit einer von Sängerin Judith Holofernes scheinbar gestammelten letzten Textzeile „Wir sind gekommen…“ und dem umjubelten Übergang direkt zum nächsten Hit „…um zu bleiben“, wo dann kaum einer im gut gefüllten Saal der Kongresshalle noch ruhig stehen bleiben konnte. Als optischen Leckerbissen gab es zu diesem Song dann erstmals eine Videoprojektion über den kompletten Bühnenhintergrund und passend zur Musik tanzten projizierte Füße über die Leinwand. Gegen Ende des Liedes dreht sich Judith wie eine Irre im Kreis, um nach Aussetzen der Instrumente stehen zu bleiben und das „vorne zu suchen“. Da das Publikum ein wenig leise geworden war, kam dann auch bereits die Frage, ob man denn noch könne und sich wohlfühle, was mit einem großen Applaus lautstark bejaht wurde. Die Möglichkeit der Videoprojektion wurde dann bei mehreren Songs eingesetzt, als nächstes bei „Verschwinden“, wo sehr passend eine Endlos-Schleife über ein Laufband, welches Koffer am Flughafen durchleuchtet, ablief.

Neben den schnelleren und tanzbaren Mitsingnummern zeigte die Band dann gegen Mitte des regulären Sets eindrucksvoll mit einem fast psychedelisch anmutenden Intro, welches in „Echolot“ überging, dass man auch die leiseren Töne beherrscht und nicht wenige Fans sangen mit geschlossenen Augen textsicher mit, während im Hintergrund verschwommene Aufnahmen von Meer und Wellen zu sehen waren. Nach diesen Songs fragte Judith, ob denn dem Publikum irgendetwas aufgefallen wäre und bekam prompt die Antwort, sie hätte längere Haare als früher. Hinweisen wollte sie jedoch nicht auf ihre Haarlänge, sondern auf 3 zusätzliche Musiker, die Piloten aus Hannover, welche die Helden am Saxophon, der Trompete und den Keyboards begleiteten und dann auch direkt ein Stofftier zugeworfen bekamen, das ab diesem Zeitpunkt an der Trompete baumeln sollte. Diese Musiker einer Jazzcombo stimmten dann ein kurzes Stück dieses Genres an. Die folgende Ansage zog sich so dermaßen in die Länge, dass Bassist Marc Tavassol bald bemerkte „Wir müssen unbedingt weiterkommen, sonst steht morgen im Weserkurier, wir labern zuviel“. Gesagt, getan, und während zum folgenden „Ist das so“ das Publikum begeistert zu klatschen begann, brachte es die Band damit so aus dem Takt, dass sich alle gnadenlos verspielten und abbrechen mussten. Aber gerade bei solchen kleinen Patzern zeigte sich, um was für eine sympathische und authentische Band es sich handelt, denn man nahm das Ganze sichtlich mit Humor und erklärte dem Publikum noch kurz Takt und Tempowechsel, während man dann zum zweiten Mal und diesmal erfolgreich in den Song einstieg. Die Bläser wechselten während des Songs auf die vor der Bühne stehenden Boxen und genossenen posend ihre neue Popularität.

Sängerin Judith hielt ihre Tasse Tee in die Luft und erklärte: „Ich trinke Tee, ich bin erkältet“, um dann vom Publikum ein mitleidsbekundendes „ooooooohhhh“ einzufahren und direkt zum nächsten Hit „Müssen nur wollen“ überzugehen, in dessen Verlauf sie dem Publikum verschieden Bewegungen erklären wollte, wie z.B. „Das Korallenriff“ (in die Höhe gehaltene winkende Hände), „Den Scheibenwischer“ (wedelnde Arme), „Die geballte Faust“ oder „Das doppelte Klatschen“. Schließlich hampelte sie mit wilden Gesten und Schrittfolgen einmal über die komplette Bühne und erklärte den Fans, man müsse sich das jetzt nicht unbedingt zwingend alles merken. In diesem Teil der Show setzten die Helden dann auch ganz verstärkt auf die Interaktion mit ihren Anhängern, wenn auch angemakelt wurde, dass alle viel zu friedlich seien und man daraufhin das Publikum aufteilte und versuchte, beide Hälften gegeneinander auszuspielen, zu loben und beleidigen und mit Mitgrölspielchen zu testen, welche Seite denn wohl die lautere, als bessere sei um dann passenderweise das Lied „Konkurrenz“ zu spielen. Die gute Stimmung machte man sich dann gleich zunutze, um das Publikum tanzend in die Endphase des Konzertes zu führen. Die Frage „Habt ihr Bock auf noch mehr Interaktion“ wurde lauthals bejaht, also suchte man kurzerhand ein Kamerakind und fand dieses in der auf die Bühne gehobenen Kira, die zum folgenden Song „Aurelie“ mit einer Handkamera fleißig Band und Publikum filmen durfte; die Ergebnisse gab es zeitgleich auf den Bühnenbackground projiziert. Der Song ging nach einem Mundharmonika-Solo von Marc in „Why can’t I be you“ über und endete dann mit einem Saxophon-Solo und frenetischem Applaus. Mit „Nur ein Wort“ beendeten WIR SIND HELDEN dann ihr reguläres Set nach guten 1.5 Std. Spielzeit und verließen die Bühne. Auf dem Bühnenhintergrund stand übergroß das Wort „ENDE“.

Doch damit gab sich natürlich niemand in der Halle zufrieden und mit lautstarkem Applaus und Zugaberufen wurde die Band kurzerhand zurückbeordert. Ein weiteres Mal sorgte man dann für Gänsehaut, indem nur Gitarrist Jean-Michel, jetzt aber an der Orgel, und Sängerin Judith eine Akustik Version des grandiosen MONEYBROTHER-Songs „Blow him back into my arms“ performten und diesen geschickt in „Ein Elefant für Dich“ übergehen ließen. Was dann folgte, war ein recht überflüssiges Gitarrensolo, was aber wenigstens kurz war und nur dazu diente zum folgenden „Soundso“ überzuleiten. Da man gerade so einen großen Spaß an Überleitungen hatte, wurde kurzerhand SLEDGE HAMMER angestimmt, welches dann unter riesigem Jubel in den Überhit „Denkmal“ überging, bei dem nun wirklich alle noch einmal mitsprangen und sangen. Der Refrain wurde dann nur unter Bassbegleitung gleich mehrfach lautstark vom Publikum gesungen.

Danach versuchte die Band erneut sich brav verbeugend zu verabschieden, wurde aber mit noch größerem Applaus, Geschrei und Getrampel ein weiteres Mal zurück auf die Bühne geholt. Schlagzeuger Pola wurde von seinen Bandkollegen gleich zurückgetragen. Man nutzte nun die Gelegenheit, auf das neu erschienende WIR SIND HELDEN Tourtagebuch hinzuweisen, aus dem Judith einen sehr unterhaltsamen Ausschnitt aus dem Kapitel „Nahrungsbeschaffungsmaßnahmen“ vortrug. Leider habe man keine Bücher zum verkaufen mitgebracht, das eine vorhandene Exemplar schenkte man dann Kamerakind Kira und verabschiedete sich dann nach kurzweiligen 2 Stunden abermals passend mit dem Song „Bist Du nicht müde“.

Ein wirklich grandioses Konzert einer supersympathischen Band, die komplett ohne Allüren freundlich und fannah rüberkam. Das zeigte sich dann auch in den mehr als fairen Merchpreisen, denn T-Shirts für 15 Euro bei einer Band dieser Größenordnung sind mittlerweile eine Seltenheit geworden. Auch der Stand von AMNESTY INTERNATIONAL im Foyer der Halle zeigte, dass sich die Band nicht nur mit sich selbst beschäftigt.

Setlist WIR SIND HELDEN
Intro/ Ode
Endlich ein Grund zur Panik
Von hier an blind
Heldenzeit
Gekommen um zu bleiben
Wenn es passiert
Verschwinden
Kaputt
Echolot
Ist das so
Müssen nur wollen
Konkurrenz
Guten Tag
Aurelie/ Why can’t I be you
Nur ein Wort

Blow him back into my arms/ Elefant
Soundso
Sledge Hammer/ Denkmal

Bist Du nicht müde

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ONE-TWO auf terrorverlag.com

Mehr zu WIR SIND HELDEN auf terrorverlag.com