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WITH FULL FORCE 2008 – TAG 1

Ort: Löbnitz bei Leipzig

Datum: 04.07.2008

Dieses Jahr galt es, den 15. Geburtstag des With Full Force-Festivals zu begehen und so wartete ein namhaftes Jubiläumsbilling auf, das sehr verheißungsvoll unterhaltsame Tage prognostizierte. Wenngleich mich die musikalische Gästeliste schon deutlich in das Jahr 2006 zurück versetzte, denn AGNOSTIC FRONT, A.O.K., BULLET FOR MY VALENTINE, DANKO JONES, DEVILDRIVER, HEAVEN SHALL BURN, IN FLAMES, MADBALL, MAMBO KURT und VOLBEAT waren erst vor zwei Jahren mit von der Partie. Was also zunächst ganz klar unoriginell erscheint, lässt sich dann doch recht schnell damit erklären, dass viele der genannten Bands derzeit zu den vom Publikum am meisten gewünschten Acts zählen dürften. Dazu hatte das Team des WFF für einige ganz besondere Bonbons zum Jubiläum gesorgt, indem nämlich neben der Reunion von BIOHAZARD in Originalbesetzung nicht nur ein Auftritt der unlängst wieder zueinander gefundenen Gebrüder CAVALERA auf dem Programm stand, sondern auch einer der letzten Gigs der Herren von MINISTRY.

Doch zunächst einmal galt es, sich am Freitag Vormittag quer durch die Republik nach Löbnitz vorzuarbeiten – was sich spätestens auf der A14 hinter Magdeburg als wahre Geduldsprobe entpuppte, denn hier vereitelten gleich zwei Staus hintereinander ein zügiges Vorwärtskommen. Nach knapp über einer Stunde in Stand und Schritttempo entschieden wir uns genervt und zugleich ein wenig wagemutig, von der Autobahn abzufahren und auch ohne Navi den Weg über die Provinz zu erkunden. Was streckenweise gar nicht so einfach und in jedem Falle unheimlich zeitaufwendig war. Ein Blick auf die Running Order wurde unterdessen strickt vermieden, um sich nicht noch mehr über die verpassten Bands zu erzürnen. Und irgendwann erspähten wir dann auch tatsächlich die Zeltbühne des WFF am Horizont. Nach – zum Glück erfolgreicher – Spontan-Hotelsuche konnte es dann endlich mit dem Festival beginnen. Von der langatmigen Anfahrt gezeichnet, ereilte mich gleich beim Betreten des Festivalgeländes erst einmal ein Kulturschock: In den Stunden, die wir zeitweilig recht orientierungslos auf ostdeutschen Strassen verbracht hatten, hatten die Besucher des WFF schon ordentlich vorgelegt, so dass das Gelände selbst schon arg mitgenommen aussah (Tadel: Immer noch viel zu wenig Müllsäcke auf dem Festivalgelände!) – und viele der sich auf ihm befindlichen Herrschaften nicht minder. Umringt von mal mehr, mal weniger alkoholisierten Menschen brauchte ich einen Moment, um mich zu akklimatisieren und in Festivalstimmung zu kommen.

Wie auch im letzten Jahr war das Publikum deutlich Hardcore-lastig, wenngleich das diesjährige Billing eigentlich wieder gemischter ausgefallen war. Viele bewährte und lieb gewonnene Einrichtungen waren auch wieder zu entdecken, so etwa der Asia-Stand mit seinen leckeren vegetarischen Nudeln mit süß-saurer Soße und der Inder, der traditionell seine veganen Köstlichkeiten im Angebot hatte. Meine Highlight dieses Jahr sollte jedoch der traumhafte Erdbeerbowle-Stand neben der Mainstage werden, der bei den zeitweise sehr heißen Temperaturen genau die richtige Erfrischung und zudem einen entspannten Überblick auf das Geschehen auf und vor der Bühne bot. Die gewohnt breite Palette von Verkaufsständen, von denen ein deutlicher Anteil kein Bandmerchandise oder CDs, sondern andere Arten von Klamotten und Accessoires verkauft, war ebenfalls wieder angesiedelt. Guter Umsatz wurde sicherlich erneut beim Verkauf von Kopfbedeckungen jeder Art und Sonnenbrillen gemacht, denn bis auf den Sonntagabend hatten die Festivalbesucher wirklich Glück mit dem schönen Wetter. Ein ganzes Geschwader von Zigarettenverkäufern mit ihren Bauchläden schwadronierte dann auch dieses Jahr über das Gelände, m.E. nach aber wurde die Kohorte um einige Personen aufgestockt und verfügte – soweit ich das beobachten konnte – im Gegensatz zu 2007 bis zuletzt über Nachschub. Dieses Jahr verbrachte ich auch einige Zeit damit, mir die Stunts der motorradfahrenden Herren auf dem Skater-Gelände schräg hinter der Zeltbühne anzuschauen. Eine gelungene Abwechslung vom musikalischen Festivalgeschehen!

Apropos Musik: Was mir beim Betrachten der Bands auf der Hauptbühne recht bald bedauernd auffiel war, dass die Kameraübertragung auf der praktischen Digitalleinwand links neben der Bühne nur sehr selten Ausschnitte aus dem Publikum zeigte (wenngleich es im Verlauf der drei Tage immer mehr zu werden schien). Ist schon ein wenig blöd, wenn man nach der Aufforderung zu Wall Of Death oder einem simpleren Circlepit von weiter hinten nicht beurteilen kann, ob der Animationsversuch denn gefruchtet hat. Insgesamt habe ich dann aber doch zu bemängeln, dass das diesjährige Jubiläums-With Full Force nicht noch mit einigen Überraschungen oder weiteren Besonderheiten aufgewartet hat. So gesehen hat es sich nicht von den Ausgaben andere Jahre unterschieden – abgesehen vielleicht davon, dass in diesem Jahr tatsächlich nicht eine einzige Band noch kurzfristig vom Billing abgesprungen oder spontan erst gar nicht erschienen ist. Hätte mir also irgendeine Art von Gimmicks gewünscht, denn schließlich wurde im Vorfeld auch immer auf den Geburtstag-Aspekt hingewiesen. Was in diesem Zusammenhang bspw. das obligatorische Feuerwerk an einem der Abende betrifft, so hätte man da deutlich mehr draus zaubern können: Die Knallerei war ziemlich unkoordiniert und wenig beeindruckend, so dass im Vergleich das Feuerwerk von 2007 klar gewonnen hat. Abgesehen davon also, dass es zum Jubiläum ruhig etwas mehr an Extras hätte geben können, wurde dem Besucher ein gewohnt souveränes Festival geboten mit vielen hochkarätigen Bands und grundsätzlich guter Stimmung im Publikum.

MORBID ANGEL

Der Sound bei MORBID ANGEL war leider nicht so prickelnd und richtig gut rüber kommen die Jungs auf Festivals mysteriöser Weise ohnehin meist immer dann, wenn es draußen schon ein wenig dunkel ist. War in diesem Falle – der Gig begann um 19:15h – aber nicht so. Anstatt mich gleich auf die Musik einzulassen, fallen mir bei solchen Gelegenheiten gerne mal Banalitäten auf, wie etwa die Notwendigkeit für Fronter David Vincent, sich die Haare nachzufärben oder nach der einen oder anderen Saison, die sein Pentagramm-Lacktop nun schon auf dem Buckel hat, ruhig mal in etwas Neues zu investieren. Der Gig selbst gestaltete sich dann leider recht ereignislos, zeitweise sogar einigermaßen langweilig, und da konnten selbst das souveräne Gitarren-Gefrickel von Trey Azagthoth oder Klassiker wie „Maze of Torment“ oder „Pain Divine“ nichts dran rütteln. So zeigte sich das Publikum zu weiten Teilen auch nicht allzu frenetisch. Nachdem MORBID ANGEL einen neuen Titel, „Nevermore“, präsentiert hatten – was messerscharf kombiniert auf Arbeiten an einem neuen Album hinweist -, verließen sie zunächst die Bühne und ließen das Publikum bei gruselig-sphärischen Synthesizerklängen warten, um einige Minuten später mit neuen Saiteninstrumenten bestückt zurück zu kehren. Zu hören gab es dann noch Titel wie „Dawn of the Angry“ und „God of Emptiness“, bevor die Bühne nach der zugestandenen Dreiviertelstunde für die nachfolgenden Bands frei gegeben wurde.

AGNOSTIC FRONT

Da fühlt man sich doch gleich noch mal wie 16, wenn die Hardcore-Urgesteine aus NYC die Bühne entern! Dementsprechend war auch echt viel los vor der Mainstage und das Publikum zeigte viele Reaktionen auf Band und Musik, besonders natürlich bei Titeln wie „For my Family“ und „Gotta Go“. Erstaunlich, wie agil sich die Herren mit ihren inzwischen erstaunlichen 50+ noch präsentiert haben. Wenngleich man anmerken muss, dass die Aktion auf der Bühne nicht immer stringent bis zum Ende eines Songs durchgehalten wurde. Man möge es verzeihen, und AGNOSTIC FRONT waren wirklich sehr ambitioniert und der Sound sehr druckvoll. Da merkt man, dass es den Herren nach all den Jahren immer noch Spaß macht, auf der Bühne zu stehen. Etwaigen Sell Out-Vorwürfen zum Trotz. Mit „Friend or Foe“ und dem als letztes dargebotenen Titel „Crucified“ bot man standesgemäß auch einige Schmankerl aus der ganz frühen Diskographie. Ob der zwei Mal von Fronter Roger Miret geforderte Circlepit im vorderen Bereich der Zuschauer funktioniert hat, konnte ich von meinem – aus Furcht vor fliegenden Gliedmaßen und/ oder Schuhen etwas dezentraler ausgewähltem – Standort aus nicht erkennen. Jedoch marschierten immer wieder sehr lädierte Herrschaften aus dem Epizentrum kommend an mir vorbei Richtung Randbereich, was auf einen turbulenten Pit schließen lässt. Zwischendurch gab es das eine oder andere Feature von Musikern aus dem Hause MADBALL inkl. massiver Werbung für deren nachfolgenden Gig auf der Zeltbühne. Ob letzteres nun später die tatsächlich monströsen Publikumsströme Richtung Zelt auslöste ist ja eigentlich auch irrelevant. Einziges Manko hier: Der Gig von AGNOSTIC FRONT war m.E. nach viel zu kurz; laut meines Uhrenvergleichs begann man erst gegen 20:20h und schöpfte die eigentlich zugestandenen 50 Minuten nicht aus, sondern verließ die Bühne um kurz vor 21h, nach also nicht einmal ganz 40 Minuten Spielzeit. Sehr mysteriös, vermutlich aber mussten AGNOSTIC FRONT hier her halten, um den Zeitplan der Hauptbühne, der im Laufe des Abend rund 15 Minuten in Verzug geraten war, wieder auszugleichen. Schade!

BULLET FOR MY VALENTINE

Mit dem Erscheinen von BULLET FOR MY VALENTINE, deren Intro plangemäß um fast genau 21:15h startete, wurde der Zeitplan dann tatsächlich wieder eingehalten. Zum Auftritt selbst ist nicht viel zu berichten, denn während BULLET FOR MY VALENTINE mich noch zwei Jahre zuvor wirklich positiv überraschten mit ihrer Präsentation, so konnten mich die Briten dieses Mal nicht wirklich packen.

MACHINE HEAD

Erwartungsgemäß lieferten die Herren von MACHINE HEAD ein echtes Highlight an diesem ersten Festivaltag! Robb Flynn präsentierte sich als unheimlich charismatischer Frontmann und die Interaktion mit dem zahlreichen und sehr ambitionierten Publikum, die immer wieder zwischen den Songs stattfand, war überaus passend und sympathisch. Der Sound war druckvoll, so dass der geneigt Zuhörer deutlich vereinnahmt wurde von Titeln wie „Halo“, „Imperium“, „Davidian“ oder „Take my Scars“. Die Publikumsscharen feierten MACHINE HEAD immer wieder mit „Machine fucking Head“-Rufen, was bei der gesamten Bandbesetzung zu diversen rührseligen und dankbaren Szenen führte: Immer wieder hielten Flynn & Co inne, um deutlich ergriffen ihre Blicke über das Gelände schweifen zu lassen. Zwischendurch wurde noch eine Coverversion zu IRON MAIDENs „Hallowed be thy Name“ dargeboten, die auf dem entsprechenden Sampler „Maiden Heaven“ veröffentlicht wurde, welcher vom britischen Kerrang!-Magazin unlängs seiner End-Juli-Ausgabe beigelegt worden war. MACHINE HEAD demonstrierten jedenfalls eindrucksvoll, dass ein Headliner auch ohne Pyro-Kram, Schneekanonen und andere Gimmicks überzeugen kann. Einfach nur so mit authentischer Musik. Auch, wenn hinterher hier und da über vermeidliche Soundprobleme und Verspieler der Combo gemeckert wurde. Wem bitte ist das angesichts dieses überzeugenden Auftritts denn schon aufgefallen?

MAYHEM

Waren MAYHEM im letzten Jahr noch recht kurzfristig vom Billing des WFF abgesprungen, so galt es nun, das Versäumnis wieder gut zu machen. Und dass der Name MAYHEM in der härteren Musikszene inzwischen schon zu einer Institution geworden ist, bewiesen auch die Menschenmengen, die sich zu später Stunde, wenige Minuten nach 2h, noch vor der Zeltbühne eingefunden hatten. So gut besucht habe ich keinen anderen Start in die Knüppelnacht in Erinnerung! Abgesehen davon kann man sicherlich behaupten, dass die Hälfte der Besucher nicht in erster Linie wegen der Musik, sondern aus Neugierde angetreten war. Denn immerhin sind MAYHEM ein Garant für Überraschungen – inzwischen ja eigentlich recht unblutigen. Aber der Mythos haftet an, und so musste ich mir erst meinen Weg in den vorderen Bereich der Bühne bahnen, um einen näheren Blick auf das Spektakel zu erhaschen. Eingangs hörte man einige Minuten lang tief gesprochene Textpassagen aus dem Off, während die Bühne in Nebel uns Strobo-Licht gehüllt wurde. Spannung lag deutlich in der Luft. Dann betraten die Musiker die Bühne. Während ich von weitem noch dachte, MAMBO KURT hätte sich auf selbige verirrt, so zeigte sich nun, dass sich Attila für diesen Auftritt richtig in Schale geworfen hatte: Ein rotes Hemd mit schmaler, schwarzer Krawatte im topmodischen, britischen Stil, darüber ein helles Sakko, aufgepeppt mit dem obligatorischen umgedrehten Kreuz in XXL, schneidiger Biker-Sonnenbrille und einer roten Armbinde mit unerkennbarem Aufdruck. Nach hinten gegelter Zopf und unten herum BW-Bondage-Hose mit eingearbeitetem Lendenschurz, dazu Stiefel. Der Rest der Combo sah dagegen ganz normal aus. Und dachte ich von weitem noch, Attila würde wie anno dazumal mit so etwas wie einem Schweinedarm herumhantieren, so konnte ich nun erkennen, dass es sich um eine Hänkersschlinge handelte. Respekt. Top Outfit, innovatives Konzept – die Show konnte ja nur gut werden! Und Respekt auch an die anderen Musiker, dass sie sich nicht krümmen mussten vor Lachen. Attila performte wie ein junger DJ BOBO, wenngleich um einiges dezenter. Zaghafte Pirouetten mit leichtem Flamenco-Touch, orientalisch anmutende Handbewegungen, kryptisches Fingerzählen und immer wieder atemberaubend gruselige Griffe zur Schlinge, um Erhängen zu symbolisieren. Nicht schlecht! Besonderes Highlight: Der „Stop – in the name of love“-Move in bester SUPREMES-Manier, der leider nur sehr akzentuiert Verwendung fand. Um mich herum verwirrte Gesichter. Die Menge hatte mit etwas Extravagantem gerechnet, aber definitiv nicht mit so etwas. Ich für meinen Teil war höchst amüsiert, während so mancher Musikfreund kopfschüttelnd zum Rückzug blies. Der Applaus zwischen den Stücken war überaus verhalten und zeugte davon, dass es MAYHEM wieder einmal gelungen war, zu überraschen. Einige Herrschaften direkt vor der Bühne bewegten sich mehr oder weniger rhythmisch, was sie aber vermutlich selbst zur Titelmelodie von Alfred J. Kwak getan hätten. Dazwischen ein Freak mit „blutverschmiertem“ Gesicht. Der Typ kam wohl ein paar Jährchen zu spät. Um anschließend doch noch kurz auf die Musik sprechen zu kommen: Vom Schrammel- und Gebolzfaktor passten MAYHEM optimal auf die Knüppelnacht. Sehr coole, extrem wummernde Bässe – wenngleich die Abmischung hätte besser sein können. Nach dem Gig ernteten MAYHEM dann auch deutlich mehr Zuspruch vom Publikum, als ich erwartet hätte. Höflichkeit? Angst vor der Schlinge? Man weiß es nicht. Attila jedenfalls grinste breit und zeigte dem Publikum ein „two thumbs up“, bevor er die Bühne verließ.

KRISIUN

Wenige Minuten nach 3h in der Früh enterten die Brasilianer von KRISIUN die Bühne und weckten die in der Umbaupause ein wenig weggedösten Festivalbesucher barsch mit ihrem charakteristisch temporeichen Set. Von denen waren dann auch spürbar weniger noch auf den Beinen als zuvor bei MAYHEM, dafür aber allesamt überaus ambitioniert, so dass die Stimmung echt klasse war. Ich fand es schon ein wenig mysteriös, wo auf einmal all die (optischen) Metaller her kamen, die doch tagsüber deutlich in der Unterzahl waren. Insgesamt ein guter Wachmacher, wenngleich ich das, was ich als China-Becken lokalisieren konnte, als ziemlich penetrant am Drumming wahrgenommen habe; war ne Ecke zu laut abgemischt – ganz im Gegensatz zum Gesang, der gerne etwas lauter hätte sein können. Nach der planmäßigen dreiviertel Stunde war Schluss und Fronter Alex bedankte sich brav für den Support des „Undergrounds“, wenngleich KRISIUN dieses Level – so zeigte sich auch hier – doch inzwischen eigentlich überschritten haben sollten.

BELPHEGOR

Die Österreicher, die mit ihrem Neulingswerk „Bondage Goat Zombie“ und einigen darauf enthaltenen Stücken weitere Meilensteine im Bereich der obskuren Titelgebung gesetzt haben (ich sage nur: „Sexdictator Lucifer“), sorgten recht schnell dafür, dass mir das Schmunzeln verging: Temporeich und ohne Kompromisse donnerten Helmuth und seine Mitstreiter den noch verbliebenen Musikfreunden während der ihnen zustehenden Dreiviertelstunde neben dem Titeltrack vom neuen Album Songs wie „Stigma Diabolicum“, „Lucifer Incestus“ und „Hells Ambassador“ um die Ohren. Zweifelsohne wirkungsvoller als der Espresso vom Getränkestand!

1349

Der wahre Grund, warum ich die Knüppelnacht bis zum Ende auf dem Programm stehen hatte, betrat die Bühne, als es draußen schon wieder allmählich hell wurde. Leider offenbarte ein kurzer Blick auf die Herren von 1349, dass es sich hier um eine B-Mannschaft handelte, denn auf Drummer Frost musste man traditionell auch an diesem Morgen wieder verzichten. Ob der Beinbruch vom letzten Dezember noch als Grund gelten kann – immerhin können gebrochene Knochen ja tatsächlich Musikerkarrieren beenden – oder ob er, was nahe liegt, einfach zwei, drei Bandengagements zu viel angenommen hat – auf keiner der Anlaufportale im Netz war eine Stellungnahme zu finden. Wenn mich nicht alles dünkt, so war es der kahlköpfige Mads Hardcore formerly known as Mads Gullbekkhei, der 1349 schon häufiger ausgeholfen hat und nun hinter dem Drumkit Platz nahm. Präsentiert wurden viele neuere Songs wie „I am Abomination“, „To Rottendom“ und „Sculptor of Flesh“, aber auch ältere Klassiker wie „Beyond the Apocalypse“ und „Satanic Propaganda“. Bassist Seidemann, der anscheinend einen recht radikalen Friseurbesuch hinter sich gebracht hat, sah wenig authentisch aus für das, was er da auf der Bühne verkörpern sollte, denn die niegelnagelneue BW-Hose mit blitzenden Stiefeln, das sauber entärmelte, frisch gebügelte T-Shirt und die akkurate Kriegsbemalung trugen wenig bei zu einem überzeugenden Image von dreckigem Black Metal. Zudem war der Sound scheiße und Zyniker merken jetzt sicherlich an, dass das bei echtem Black Metal ja so sein muss, aber nein, so hat das selbst auf selbst produzierten Platten aus dem Underground nicht zu klingen. Gesang viel zu leise, beim ersten Song sogar derart, dass ich mich wie in einer – von Fronter Ravn jedoch sehr eindringlich präsentierten – Pantomime fühlte. Doch nicht nur der miese Sound, sondern auch die vielen Pappnasen, die noch auf den Beinen waren, schafften es tatsächlich, mir den Gig über weite Strecken zu vermiesen: Volltrunkene Hardcore-Kiddies, die am Besten einfach hätten umfallen und liegen bleiben sollen, amüsierten sich entweder vorpubertär über die Warpaints der Bandmitglieder, inszenierten immer wieder vollkommen irrationale Mosh-Zonen – egal, wo man stand, stets bekam man irgendwelche Gliedmaßen in die Weichteile gerammt – oder schnorrten mit feuchter Aussprache und amnestischer Hartnäckigkeit nach Kippen. Bin fast wahnsinnig geworden. So ätzend habe ich das wirklich auf noch keiner Knüppelnacht erlebt. War gar nicht sonderlich enttäuscht, als es nach dem Gig keine Zugabe gab – wenngleich genau das ja i.d.R. der Bonus der Bands ist, die als allerletztes an einem Festivaltag spielen. Das Publikum jedenfalls hat es nicht hinbekommen, eine solche einzufordern, obwohl eine solche sicherlich möglich, wenn nicht geplant gewesen wäre. Whatever.

Copyright Fotos: Sebastian Steinfort

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