Konzert Filter

WITH FULL FORCE 2008 – TAG 2

Ort: Löbnitz bei Leipzig

Datum: 05.07.2008

A.O.K.

Schon letztes Jahr hatte es sich mit MANOS bewährt, eine spaßige Combo als Opener des Tagesprogramms auf die Mainstage zu setzen. Für viele Besucher war der Auftritt von A.O.K. mit ihrem Fäkalhumor dann auch genau der richtige Start in den Festivaltag. Es war schon gut was los im Bereich vor der Bühne. Bei mir selbst weckte der schon bald bedrohlich über dem vorderen Teil des Publikums schwebende, aufblasbare Riesen-Schniepi Erinnerungen an das WFF 1999, wo ich – um einige Jährchen jünger und erstmals mit A.O.K. live konfrontiert – doch ein wenig irritiert war von der Performance der Frankfurter und der Einbindung gerade benannten Accessoires. So richtig auf einer Wellenlänge liege ich immer noch nicht mit dem Humor A.O.K.s, aber der wuselige Auftritt war dennoch recht unterhaltsam. Das Publikum wurde deutlich eingebunden – nicht nur in die spätere Salatschlacht – und Drummer Stefan, der zugegeben ein wenig mopsig im Format ist, wurde rücksichtslos von seinen Bandkollegen gemobbed. Die Eindrücke des Gigs werden allem Anschein nach in einem zukünftigen Clip A.O.K.s verarbeitet, also bei Interesse öfters mal deren Homepage überprüfen. Am Ende des Spektakels jedenfalls, um 14:37h, zog einer der beiden Fronter noch halbwegs blank, präsentierte sich jedoch nur von hinten. Er wird schon wissen warum.

ILLDISPOSED

Als ILLDISPOSED die Bühne betraten und die bewährten heimeligen Dänemark-Fläggchen im Publikum erschienen, lag passend dazu – wenngleich um einiges weniger anheimelnd – eine deutliche Alkoholfahne in der Luft: Fronter Summer war entweder dermaßen strahlig, dass er vermutlich am frühen Abend schon röchelnd in irgendeiner Ecke eingeschlummert ist, oder befand sich während des knapp 40-minütigen Gigs mental schlichtweg in einer Paralleldimension. Was er zwischen den Songs von sich gegeben hat, war wirklich total dämliches Zeug und hat mindestens einem Song die Spielzeit gekostet. Aber immerhin schaffte er es dann doch noch irgendwie, in seiner markanten Stimmlage Titel wie „Dark“ und einige Werke der neuen Scheibe „The Prestige“ zum Besten zu geben, darunter „A Child is Missing“ und „Ich bin verloren in Berlin“. Immer wieder gerne, demnächst aber bitte nüchtern!

ENTOMBED

Auf der großen Bühne deutlich verloren zeigten sich ENTOMBED. Formtief oder wird man langsam alt? Fronter Lars Petrov stand zumeist wie angewurzelt herum, und auch die anderen Bandmitglieder schafften es nicht, einen wirklich ambitionierten Eindruck zu hinterlassen. Was schon in einem Jugendzentrum wenig elektrisierend herüber gekommen wäre, führte bei mir zu einem deutlichen Anflug von Langeweile. Dem Sound fehlte es obendrein an Kraft, und so plätscherte alles so vor sich hin. Im weiteren Verlauf ohne mich.

DEVILDRIVER

Um 17:40 Uhr betraten die Kalifornier von DEVILDRIVER die Mainstage und legten gleich ohne viel Gefackel los. Fronter Dez Fafara wartete mit einem weniger kleidsamen Tattoo am Kinn auf – was zunächst aus etwas Entfernung den Anschein erweckte, der Herr hätte einen etwas stümperhaften Versuch unternommen, grünlichen Lippenstift aufzutragen. Aber einen hübschen Menschen entstellt ja bekanntlich nichts, und so war ich ihm nicht lange böse. Vor der Bühne war es – zu Recht – gerammelt voll, und schon bald sah man vom weniger gefährlichen Randbereich aus Gliedmaßen durch die Luft fliegen. So muss das sein! Eine tüchtige Wall of Death gab es auch wieder, an deren Ausgangsformation Fafara einiges zu meckern hatte, bis endlich alles seinen Wünschen entsprach und DEVILDRIVER sich bereit erklärten, sich im Set weiter vor zu arbeiten. Zu hören gab es Titel wie „Clouds over California“, „These Fighting Words“ und „I could care less”. Ein gewohnt energiegeladener Auftritt mit einem angestachelten Fafara, der deutlich zeigte, dass DEVILDRIVER sich inzwischen ganz klar etabliert haben.

MINISTRY

Nachdem MINISTRY sich in der Musikwelt über Dekaden hinweg absolut verdient zu etablieren wussten und live immer ein Hingucker sind, war ich nun ganz besonders auf den – bedauerlicherweise zur Abschiedstour gehörenden – Gig der texanischen Formation gespannt. In der Umbaupause installierten die Bühnentechniker diverse Maschendrahtzaun-Elemente auf der Bühne, hinter denen die Musiker sich letztlich – zum Ärger der Fotografen – platzieren sollten. Ein wenig erstaunt war ich schon, als sich zu Beginn des Gigs gegen 21:15h nur verhältnismäßig wenig Publikum vor der Bühne einfand – was sich im Laufe der einstündigen Spielzeit jedoch deutlich änderte! Zwar hätte ich mir gewünscht, dass der Slot ein wenig später gewählt worden wäre, damit eine entsprechende Lightshow den Auftritt MINISTRYs noch eindrucksvoller hätte inszenieren können, aber auch so sollte ich absolut zufrieden gestellt werden. Al Jourgensen – der seine E-Gitarre inzwischen über weite Strecken nur dekorativ um den Hals hängen hat – und seine Mannen betraten die Bühne sehr engagiert. Los ging’s passend mit „Let’s Go“, gefolgt von „Watch Yourself“ und „Life is Good“, allesamt vom 2007er-Album „The Last Sucker“. Neben weiteren Titeln von den neueren Alben, „No W“, „Waiting“, „Señor Peligro” und den Krachern „Rio Grande Blood“ und „Lies, Lies, Lies“ tauchten MINISTRY noch einmal ganz tief in die Historie ein und präsentierten die frühen Titel „New World Order“ und „Just on Fix“, die einfach zu einem gelungenen Gig der Formation dazu gehören. Insgesamt wurde ich also nicht enttäuscht: MINISTRY spielten sich mit ihren politischen und sozialkritischen Botschaften, verpackt in dynamischem Industrial-Metal, einmal mehr in die Herzen der Zuhörer. Hoffentlich überlegen es sich die Herren noch mal mit dem Ruhestand!

IN FLAMES

IN FLAMES sind sicherlich inzwischen eine Institution im Bereich des melodischen Death Metals und präsentieren ohne Frage einen eigenen Stil. Dennoch muss man einfach sagen, dass ihre Gigs ohne die ganzen Karnevals-Kracher nur halb so sehenswert wären. Musikalisch hat sich mein Interesse an der Live-Darbietung der Göteborger auch dieses Mal schon nach 45 Minuten erschöpft, als Headliner aber durften sie hier nun noch 30 lange weitere Minuten füllen. IN FLAMES durchgehen gerade ein ähnliches Stadium wie die Landsmannen von AMON AMARTH vor einiger Zeit, die in diversen aufeinander folgenden Festivalsaisons viel zu präsent waren und ihr Repertoire nicht wirklich modifizierten: Nach zwei, drei Jahren Tour mit der ollen Wikingershow und den immer gleichen Pyro-Effekten bei „Death in Fire“ wird es irgendwann belanglos. Gleiches geschieht nun bei IN FLAMES. War es wirklich nötig, die Schweden zwei Jahre nach ihrem letzten Headlining schon wieder aufs WFF zu zitieren – mit nahezu dem gleichen Song- und Showkonzept? Und was wollen IN FLAMES dem Publikum in drei Jahren präsentieren? Es gab zweifelsohne eine sehr druckvolle und solide, musikalische Darbietung, und viele der Pyros waren auch wirklich beeindruckend. Aber mein Bedarf ist erst einmal gedeckt. Auch, wenn das die Massen vor der Bühne deutlich anders gesehen haben und gerade Fronter Anders Fridén mit seiner sympathischen Art zu überzeugen wusste. Präsentiert wurde ein bunter Rundumschlag aus der Diskographie mit Titeln wie dem traditionellen Opener „Cloud Connected“, „Transparent“, „Only for the Weak“ – bei dem fast das ganze Publikum (außer mir) mit sprang – und „Take this Life“. Auch einige Stücke vom neuen Album „A Sense of Purpose“ fehlten nicht, wie etwa „Delight and Angers“, dessen Inhalt Fridén mit einem morgendlichen Tritt in die Weichteile – unmissverständlich ausgeführt von der Dame, mit der man die letzte Nacht verbrachte – verglich. Zuletzt gab es noch „My Sweet Shadow“ zu hören und zeitgleich wurde ein weiteres Gimmick gezündet, und zwar ein Apparillo, der Papierschnipsel in die Luft feuerte. Sah schon recht cool aus. Aber wie gesagt: Ich weiß nicht, ob IN FLAMES immer noch so viele Leute ziehen würden, wenn sie ohne den ganzen Tamtam zu einem mittäglichen Slot auftreten müssten und nicht so gehyped würden.

Copyright Fotos: Sebastian Steinfort

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu A.O.K. auf terrorverlag.com

Mehr zu DANKO JONES auf terrorverlag.com

Mehr zu DEVILDRIVER auf terrorverlag.com

Mehr zu ENTOMBED auf terrorverlag.com

Mehr zu HEAVEN SHALL BURN auf terrorverlag.com

Mehr zu ILLDISPOSED auf terrorverlag.com

Mehr zu IN FLAMES auf terrorverlag.com

Mehr zu LAGWAGON auf terrorverlag.com

Mehr zu MAD SIN auf terrorverlag.com

Mehr zu MINISTRY auf terrorverlag.com

Mehr zu SIX FEET UNDER auf terrorverlag.com