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XANDRIA – ENTWINE – LAB

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Ort: Osnabrück - Lagerhalle

Datum: 19.11.2004

Ein gefährlicher Abend – Nicht, weil die zu erwartenden Bands nun besonders aggressiv wären, viel eher drohte ein Schnee- und Eischaos auf den Straßen. Aber wer ein richtiger Metaller ist, nimmt dieses Risiko für gute Musik gern in Kauf. Dabei ist es ja schon ein wenig ironisch, dass ich nach Osnabrück fahren muss, um eine Bielefelder Band zu sehen, langer Rede kurzer Sinn: Die Lagerhalle war dieses mal im Vergleich zum ATROCITY/ LEAVES EYES-Konzi fast zum bersten gefüllt, 300 Leutchen könnten es schon gewesen sein. Eigentlich überraschend, da Lisa und Liv doch eigentlich die gleiche Klientel ansprechen müssten. Als ich den engen, tiefen Saal betrat, stand da schon jemand auf der Bühne, LAB waren es, aus dem hohen Norden.

Das finnische Quintett um die Frontfrau Ana hatte gerade mit ihrem ersten Song begonnen und das Publikum wirkte doch recht angetan. Kein Wunder bei der interessanten Optik, die sich einem bot: Ein Britpop-Bassist, ein Rastaman an einer der beiden Klampfen und Viggo Mortensen an den Drums, dazu eine völlig verrückte Frontdame zwischen Punk und Romantik, das konnte ja was werden. Man hat 2003 bei Drakkar die Scheibe „Devil is a Girl“ veröffentlicht und bei näherer Betrachtung der in weiß gewandeten Shouterin wurde die wahre Bedeutung dieses Titels klar. Ana kann singen, schreien, knien, mit den Füssen treten, entrückt in der Gegend herum stolzieren und das alles mit einer immensen Ausstrahlung. Bassist Kirka übernahm bisweilen den Background-Gesang und rastete entgegen seines Äußeren (Krawatte) immer mehr aus. Von der überraschend langen Setlist sind mir nur die Titel „Machine Girl“ und „Hardcore“ in Erinnerung geblieben, die Performance hingegen war eher unvergesslich. Starker Auftritt im Dark Female Emotional Rock-Bereich.

Nun erst mal ein kleines Lob an den Pausenbeschaller, KATATONIA sind eine wunderbare Wahl, wenn es darum geht, die Zeit zur nächsten Finnentruppe zu überbrücken. ENTWINE, in Deutschland bei Century Media, hatten unübersehbar einige (weibliche) Fans, die nahezu ausrasteten, als die 5 Herren plus Dame die Bühne betraten. Auf Keyboarderin Riitta hatte ich mich besonders gefreut, auch wenn mir jetzt wieder Sexismus unterstellt wird. Die Dame ist eine der wenigen, die den Hanka-Gedächtnis Pony tragen und damit optisch überzeugen kann. Nebenbei spielt sich auch ordentlich die Tasten und unterfüttert somit den Gothic Metal/ Rock der männlichen Fraktion. Bei der sticht besonders Fronter Mika hervor, der auf der Homepage sein Alter nicht angibt. Ein wenig Lauri von THE RASMUS gemixt mit dem Schauspieler Joaquin Phoenix, dazu ein lässiger Schal und schon war der Saal auf seiner Seite. Mit 9 Songs fiel die Tracklist kaum länger als bei LAB aus, die Zuschauerreaktionen waren allerdings doch noch ein wenig euphorischer, es wurde auch ordentlich mitgeklatscht. Im Interview mit meinem Kollegen hatten sie sich wohl dahingehen geäußert, dass sie eher ruhigere Lieder spielen wollten/ sollten, dennoch rockte der Laden ordentlich. Man hat ja auch schon genügend Material an der Hand, dennoch entstammten gleich 6 Tracks dem aktuellen Album „diEversity“. Sichtlich zufrieden verabschiedeten sich die Skandinavier, nur um beim nachfolgenden Umbau bei jedem Sichtkontakt noch mal frenetisch bejubelt zu werden.

Um Punkt 22:00 startete dann das Intro für den ersten Headliner-Gig von XANDRIA. Ich habe die Band zuletzt auf ihrer Tour mit TANZWUT gesehen und war gespannt, wie man sich gemacht hat. Und ich war echt positiv überrascht. Agierte man als Support-Act noch merklich nervös und etwas unsicher, so rockten die fünf Bielefelder nun, als hätte man nie etwas anderes getan. Dazu haben auch sicher die erfolgreichen Asien-Abstecher eine Menge beigetragen. Mittlerweile kann man einige Die-Hard-Fans vorweisen, die sich sogar extra frei nahmen, um der Band zu allen Gigs nachzureisen. So rockte sich die Band sehr souverän durch das 90 Minuten Set (und das bei gerade 2 Alben, Respekt!!) und man hatte merklich Spaß auf der Bühne. Am meisten “Wind” machte Neu-Basser Nils, der unermüdlich über die Bretter wuselte und immer wieder ordentlich sein Mähne schüttelte. Zudem sieht man ihm deutlich an, was für ein großer KISS-Fan er ist, so ähnlich wie manchmal seine Posen aussehen. Gitarrist und Bandleader Marco konzentrierte sich größtenteils auf sein Gitarrenspiel und verließ seine Position nur selten, um in eine kurze Mosh-Choreographie einzusteigen oder mit Lead-Gitarrist Philipp die Gitarren zu kreuzen. Dieser war auch zu Beginn der Pechvogel des Abends. Erst wollte der Amp nicht, dann zickte die Monitor-Box und später fiel im noch andauernd der Funksender aus der Halterung. Doch trotz aller Schwierigkeiten spielte er seine Soli absolut souverän und gekonnt und ließ sich den Spaß nicht verderben. Augenmerk dieser Band ist aber natürlich Sängerin Lisa, die ja leider oft etwas belächelt wird. Klar, man braucht nicht darüber streiten, dass sie vor allem bei den hohen Tönen nicht ganz die stimmliche Kraft hat, wie z.B. ihre Kollegin Sharon von WITHIN TEMPTATION. So wird die junge Bielefelderin vor allem live oft von den fetten Riffs ihrer Kollegen geradezu überrollt. Aber auch sie hat in Sachen Live-Performance um einiges zugelegt, so kommuniziert sie gekonnt mit den Fans, betört immer wieder ihre Mitmusiker (so dass man sich fragt, ob sie vielleicht mit allen zusammen ist ;-) ), bringt die Songs sicher rüber und setzt bei neueren Werken, wie “Drown in me” oder den härteren “Snow-White” und “Black Flame” ihre kräftigere, tiefere Stimme ein, was meiner Meinung nach sehr gut zu Lisa passt. Sogar einige Grunts finden den Weg in die letzten Lieder… Na, da kommt der Metal wieder hoch, was? Bei diesem Stichwort wären wir auch schon beim letzten Mitglied, dem Schlagwerker Gerit. Dass dieser junge Mann einer der besten Drummer der deutschen Szene ist, dürfte schon lange kein Geheimnis mehr sein. Und live kann er sich, im Gegensatz zu den CD-Versionen, auch endlich etwas austoben. So kommen immer wieder Double-Bass-Parts zum Einsatz und sah der gute doch zu Beginn der Karriere auf seinem Hocker immer etwas gelangweilt aus, so geht er diesmal bei den meisten Songs sogar richtig mit!

Ich muss sagen, dass ich wirklich positiv angetan bin, von der Entwicklung, die XANDRIA dieses Jahr vor allem Live durchgemacht haben. Und man kann sich nur wünschen, dass die Band ihre Live-Stärken auch für das neue Album, welches Mitte/ Ende 2005 kommen soll, nutzen wird.

Setlist ENTWINE
Someone to blame
Thru the Darkness
Bleeding for the cure
Still remains
Time of Despair
Bitter sweet
Frozen by the sun
Six feet down below
The Pit

Setlist XANDRIA
Fire of Universe
She’s Nirvana
Answer
My Scarlet Name
Drown in me
Ravenheart
Mermaids
So Sweet
So you disappear
Too close to Breathe
Casablanca
The Lioness
Back to the River
Kill the Sun
Eversleeping
Some like it cold
Snow-White
Black Flame

Ginger
Keep my Secret well
Isis/Osiris

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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