Konzert Filter

XANDRIA – STONEMAN – MELY

Ort: Köln - Underground

Datum: 09.04.2008

XANDRIA, STONEMAN und MELY, das sollte wirklich ein interessantes Package werden, bei dem alle drei Bands gleichermaßen interessant waren. Eine Symphonic Metal Band mit Frauenstimme, eine Industrialband mit Gothic-Einschlag und eine Melodic Metal Band, irgendwie gehörte man in eine ähnliche Ecke, ohne dass aber die Eintönigkeit durchkommen könnte. Dass MELY in der Position als unbekanntester Support vor allem in Sachen Zuschauermenge und -zuspruch nicht gerade profitieren würden, war abzusehen, doch dass gerade mal 20 Nasen trotz arbeitsfreundlicher Anfangszeit (19.45 Uhr) den Weg ins Underground gefunden hatten, war wirklich schade. Dabei konnten sich die Österreicher mit ihren 6 Songs vom aktuellen Album „To Leave and Enter Empty Rooms“ wirklich sehen lassen, ohne musikalisch groß in Klischees zu verfallen. Oft mehrstimmig gaben sie ihre weitestgehend melancholischen Stücke zum Besten und versuchten aus der Situation das Beste zu machen. Besonders berührte mich hierbei das Schlussstück „I Still Ask Why“, das sowieso mein Favorit der ganzen Platte ist. Bleibt zu hoffen, dass die Band neue Fans dazugewinnen konnte.

„They’re hot, they’re sexy, they’re Stoneman“- So würde sich wahrscheinlich ein englischer Slogan dieser Band anhören. Schon lange bevor der Otto-Normalverbraucher das Konzept der Metrosexualität erfunden hat, gab es sie, die Metaller männlichen Geschlechts, die nichts lieber taten, als sich von ihrer Freundin das Make up und Haarfärbemittel auszuleihen und sich mal so richtig damit auszutoben. Auch der Hüftschwung will geübt sein, doch Sänger Mikki Chix scheint ein Meister vor dem Herren zu sein. In bester Gothmanier räkelte er sich immer wieder lasziv auf der Bühne und erinnerte dabei nur allzu sehr an DEATHSTARS „Fronttucke“ Whiplasher. Seit der Tour mit eben jenen vor eineinhalb Jahren hat nun der damals noch hinterm Keyboard stehende Dave Snow live den Bass übernommen hat, was der Dynamik auf der Bühne doch sehr gut tat. Gitarrist Mr. Fly (was sollen eigentlich diese lächerlichen Pseudonyme?) hing nämlich mit seinem 6-Saiter meist ganz unspektakulär auf Kellerebene, hat er es vielleicht mit dem Rücken? Egal, die Band machte Laune, bis vor „Devil In A Gucci Dress“ plötzlich die Gitarre streikte (war also nicht der Rücken). Andächtige Stille, bis Mikki dann mal schaltete und aus dem Nähkästchen plauderte. Man spiele ja keine Balladen, deswegen könne man jetzt schlecht was machen, aber Drummer Rico habe ja am Vortag Geburtstag gehabt. Fakten, die jeder Fan wissen sollte! Nach „Wer ficken will“(…muss freundlich sein) wird auch noch verlautet “Jetzt wisst ihr Bescheid”, aber bis auf eine Dame im Korsett und ohne wirkliche Beinbekleidung fiel die Groupiefraktion heute gering aus. „Atomic Holocaust“ wurde dann noch als Ausklang präsentiert und beendete einen durchaus amüsanten Auftritt. Auch Metaller mögen es durchaus mal leicht elektronisch!

Schnell noch die 2. Umbauphase überstanden, während derer ich dem DJ am liebsten seine dämliche Maiden CD weggenommen hätte. Gibt es nicht mal was Anderes??? Das Underground schien wohl auch nicht mehr voll zu werden, doch war die Zuschauerzahl wenigstens um ein Vierfaches gewachsen, sodass XANDRIA immerhin vor etwas, das man fast schon als Menge bezeichnen kann, spielen durften. Nach den Electroklängen von zuvor war der Umschwung zwar etwas gewöhnungsbedürftig, doch die Bielefelder machten ihn mit einem perfekten Sound (so gut wie noch nie zuvor gehört im Underground) und einer bezaubernden Lisa umso leichter. Ihr schien es regelrecht Spaß zu machen, immer wieder zu posieren, den einen oder anderen Fan regelrecht anzusingen oder auch mit ihrer Band zu flirten. Stimmlich war sie wirklich top, da saß jeder Ton. Als ich einen Moment mal nicht hinschaute, ertönte plötzlich ein Grunzen, huch, unterstützt sie da etwa einer ihrer Musiker? Nein, solch Ausbruch metallischer Gewalt stammte von Lisa selbst und sie schien sich einen Keks daran zu freuen, so manch einen damit zu überrascht zu haben. Mehr davon!!! Im Gegensatz zu dieser Frohnatur einer Frontfrau machten die Mannen einen eher reservierten Eindruck, auch wenn immerhin ein bisschen gebangt wurde. Doch Gitarrist Philip, adrett in Lederjacke und mit Seidenschal (seit wann wurden Schals in die offizielle Riege der Metalleroutifts aufgenommen?) strahlte so viel Spielfreude wie eine Büchsensardine aus und bloß nicht den arroganten Blick vergessen, wie ihn vor allem die norddeutschen Landbonzen so ausgezeichnet drauf haben. Alle Stichelei beiseite, dies tat einem 1a Auftritt natürlich keinen Abbruch, bei dem eine stattlich lange Songauswahl präsentiert wurde. Es ist doch schön zu sehen, dass eine Band auch bei zwei Vorbands noch ihre 90 Minuten spielt, in letzter Zeit scheinen sich bei Packages ja immer öfter die 60 Minuten einzuschleichen. Doch spielfaul waren XANDRIA rein gar nicht und so sah man im bunt gemischten Publikum auch rege Freude und sogar einige Fans beim frohen Mattenschütteln! So muss das sein! Trotz halbleerem Club trotzdem ein wunderbarer Auftritt!

Setlist XANDRIA
A New Age
Now and Forever
Emotional Man
Save My Life
Snow-White
Ginger
Beware
Sisters Of The Light
Eversleeping
Fight Me
Salome
On My Way
Firestorm
Acapella
Answer
The End Of Every Story
In Love With The Darkness
India

Kill The Sun
Ravenheart
Black Flame

Copyright Fotos: Juliane John

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu MELY auf terrorverlag.com

Mehr zu STONEMAN auf terrorverlag.com

Mehr zu XANDRIA auf terrorverlag.com