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YAZOO

Ort: Hamburg - Stadtpark

Datum: 28.05.2008

„YAZOO? Die gibt es noch?“ – Fragte man mich, wenn ich meinem Umfeld berichtete, von eben dieser Formation ein Konzert besuchen zu wollen. „Noch“ ist hier der falsche Ausdruck, „wieder“ trifft es besser. Ende letzten Jahres ging das Gerücht um, dass ALISON MOYET und VINCE CLARKE eine Reunion-Tour planen würden. Zunächst wurden nur in Großbritannien einige Gigs gebucht aber wegen der starken Nachfrage kamen immer mehr Termine weltweit dazu. Auch Deutschland stand mit Hamburg und Berlin auf dem Tourplan – das kann sich der geneigte 80er und Elektro-Freund nun auf keinen Fall entgehen lassen!

Nach einer wider Erwarten entspannten Autotour von OWL in den hohen Norden kamen wir frühzeitig am Hamburger Stadtpark an, um zunächst die wunderbare Location auf uns wirken zu lassen und uns an den zahlreichen Versorgungsständen zu stärken. Wobei die Zahl der Anwesenden doch noch recht überschaubar war, im Laufe der nächsten Stunde sollte sich der Platz vor der Bühne aber noch zusehends füllen. Allerdings – so erfuhren wir – waren es dann doch nicht mehr als ca. 1500 – 2000 Elektro-Pop-Freunde, die den Weg in den Hamburger Stadtpark gefunden hatten. Vielleicht war der Termin mitten in der Woche ungünstig gewählt, vielleicht zogen BON JOVI, die zeitgleich auch in Hamburg spielten, mehr Gäste oder es lag dann doch an den recht gepfefferten Preisen (ca. 50,- Euro pro Kopf), dass sich nicht mehr Zuhörer eingefunden hatten?

Laut Ticket sollte das Konzert um 19:00 starten, gegen 20:00 war immer noch die Einstimmungsmusik vom Band zu hören. Die war allerdings sehr gut gewählt: Elektronische Musik aus den letzten 25 Jahren verbreitete schon zu Beginn eine nostalgische Stimmung. Zu hören gab es Songs von OMD, PROPAGANDA, SOFT CELL, HUMAN LEAGUE etc…. Die Bühne war – wie ja auch nicht anders zu erwarten – äußerst spartanisch bestückt: Ein Clubsessel, zwei Plattformen jeweils links und rechts auf der Bühne, wobei die rechte ein kleines Stück höher war, um den Größenunterschied der beiden Musiker auszugleichen. Da konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Links stand ein Mikrofon plus Pult mit Wasserglas, auf der anderen Seite war unschwer zu erkennen, dass der Arbeitsplatz von VINCE mit Notebook und Keyboards bestückt war. Zur visuellen Untermalung standen im Hintergrund zwei riesige LED-Leinwände. Ganz rechts ein fast altertümlich anmutendes Tonbandgerät, das später noch eine besondere Rolle spielen sollte.

Gegen 20:20 Uhr – nach einigem Hin und Her mit uns Fotografen, Alison und Vince wollten uns nicht direkt vor sich stehen haben und nur von links fotografiert werden (by the way war es auch nur gestattet, die ersten zwei Songs statt wie üblich die ersten drei abzulichten) – betraten YAZOO endlich die Bühne und legten gleich mit einem ihrer Klassiker los: „Nobody’s Diary“. Das Publikum wirkte doch recht überrumpelt und quittierte erst nach einigen Sekunden diesen furiosen Start mit gebührendem Applaus. Bereits hier zeigte sich, dass der Zahn der Zeit wohl etwas am Gedächtnis von Mrs. Moyet genagt hatte: Sie brach unerwartet im Lied ab und man startete neu. Das sollte aber der einzige Texthänger bzw. falsche Einsatz an diesem Abend gewesen sein. ALF überzeugte mit einem fast mädchenhaften Charme und genoss sichtlich die Hingabe der Zuhörer, während Vince erwartungsgemäß starr hinter seinen Keyboards stand und die Knöpfe bediente. Der Sound ließ nichts zu wünschen übrig: Er schallte klar und vielleicht etwas zu steril aus den Lautsprechern, im Gegensatz dazu die warme, voluminöse und Gänsehaut erzeugende Stimme ALISONs. Dieser Gegensatz stellte wohl schon immer den großen Reiz von YAZOO dar. Während des Songs „Too Pieces“ verschwand die Dame hinter den Vorhang und überließ dem DEPECHE MODE Gründer und ERASURE Member jetzt allein die Stage. Pünktlich zu „In My Room“ waren sie wieder vereint und Frau MOYET nahm auf dem Sessel Platz und performte von dort aus den Titel. Auf den Leinwänden pendelte jetzt jeweils eine Glühlampe hin und her. Moment mal, das kenn ich doch aus dem DM Video „In Your Room“. Es sollte aber nicht der einzige Seitenhieb auf seine alten Mitstreiter sein, denn in der Mitte des Konzerts verschwanden die beiden Protagonisten, nachdem Vince die Bandmaschine in den Mittelpunkt der Bühne gezogen hatte und ließen das verwunderte und erstaunte Publikum mit den Klängen von „I before E except after C“ allein zurück. Anfang der 80er stand eben auch diese Bandmaschine bei DEPECHE MODE Konzerten mitten auf der Bühne. Arroganz oder Selbstironie?

Zum nächsten Song erschienen die beiden Engländer aber schon wieder auf der Bühne. Und während im Hintergrund auf den riesigen LED-Wänden bei jedem Stück Bilder von YAZOO aus alten 80er Zeiten zu sehen waren, rasten wir schon mit Riesenschritten auf das Ende des Sets zu. Hier folgten dann auch die größten Hits des Duos mit „Bring you love down“, „Situation“ und „Don’t go“ – „Only You“ gab es als fulminante Zugabe. Und wie nicht anders zu erwarten ging das Publikum gerade bei den letzten drei Songs richtig ab. Darauf hatte man gewartet. Ca. 21:45 Uhr war dann die Zeitreise in die 80er beendet. So richtig fassen konnte das keiner der Umstehenden. Ein wenig enttäuscht ob der Kürze, aber doch beseelt von dem Gedanken „Ich habe YAZOO live gesehen!“ verließen wir das Gelände und traten die Heimreise an.

Setlist (ohne Gewähr)
Nobody’s Diary
Bad Connection
Mr Blue
Good Times
Tuesday
Ode To Boy
Goodbye 70’s
Too Pieces
In My Room
Anyone
I Before E Except After C
State Farm
Sweet Thing
Winter Kills
Midnight
Unmarked
Bring Your Love Down (Didn’t I)
Situation
Don’t Go

Only You

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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