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YOUNG REBEL SET – NORTH ALONE

Ort: Osnabrück – Kleine Freiheit

Datum: 05.08.2015

Alte Bekannte in der Kleinen Freiheit – nicht nur der Osnabrücker Manuel Sieg aka NORTH ALONE stand zum wiederholten Mal auf der kleinen Bühne der ehemalige Bahnkantine am alten Güterbahnhof, auch die Jungs vom YOUNG REBEL SET waren an diesem kuscheligen Mittwochabend Wiederholungstäter und lockten jede Menge Leute in die Konzertvenue bzw. zunächst einmal davor, denn die „sandigen“ Außenanlagen luden vorab dazu ein, die letzten Sonnenstrahlen zu genießen, ehe es im Inneren mit knackiger Live-Mucke zur Sache ging.

Den Anfang machte Manuel, unterstützt von So-Kumneth Sim an der Geige. Vergangene Woche war er noch in Bandstärke im Hyde Park aktiv, heuer zeigte der bärtige Brillenträger, dass seine Songs auch in minimalistischer Darreichungsform mit Fidel und Akustikgitarre funktionieren. Los ging’s um 20.15 Uhr mit „Hydrogen Peroxide“ vom aktuellen Album „Cure & Disease“, dessen schwungvoller Titeltrack im weiteren Verlauf des Abends ebenfalls noch zu hören war. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch der große Sicherheitsabstand, den die Hasestädter zur Stage hielten, deutlich verkleinert; Lieder wie das temperamentvolle „Old Dog Barking“ oder das eindringliche „Black Water“ lockten das Auditorium näher an die beiden Musikanten, wenngleich es trotzdem eindeutig zu viele Menschen gab, die ungeniert quatschten und sich keinen Deut darum scherten, dass sich auf der Bühne gerade zwei Leute ziemlich viel Mühe gaben, ihr Publikum zu unterhalten. So gestaltete sich Manuels Ansage zu „Inscription“, seiner Aufforderung, das Leben zu leben, auch ein wenig schwierig; schade, dass man immer wieder auf solche ignoranten Menschen trifft. Warum bleiben die nicht einfach draußen oder gehen erst gar nicht zu einem Konzert? Dem Hörgenuss konnten die Hintergrundgeräusche letztlich aber nur ganz begrenzt schaden, während parallel die Violine zunächst nur gezupft wurde, bevor So-Kumneth wieder zum Bogen griff. Mit einem etwas wehmütigen Stück über das Älter werden bzw. Eltern werden schloss sich alsbald „Collecting Pictures“ an – übrigens verbunden mit der Feststellung, dass zu NORTH-ALONE-Gigs mehr Leute mit Plattenspielern als mit Kindern kommen. Über mögliche Zusammenhänge kann ja jeder für sich nachdenken… Als musikalische Untermalung böte sich da durchaus „Scatter My Ashes Into The Sea“ an und wenn Bedarf an einem Liebeslied besteht, kann man es ja wie Herr Sieg machen und eine entsprechende Nummer bei CHUCK RAGAN ausleihen. Stimmliche Ähnlichkeiten sind bei den beiden Reibeisen-Vokalisten eh schon vorhanden und da die NORTH-ALONE-Lovesongs immer von der Sorte „Sie ist weg, ich will mich betrinken und dann sterben“ sind, stand „Nothing Left To Prove“ vom HOT-WATER-MUSIC-Vorstand auf der Setlist. Mit „The Road Most Travelled“ inklusive A-cappella-Finale und den letzten pädagogischen Hinweisen, dass man RAMONES-T-Shirts nicht bei H&H kauft und bei Konzerten besser den Mund hält, sollte es das eigentlich nach 45 Minuten gewesen sein, doch die Zuschauerschaft verlangte eine Zugabe, die es in Form des temporeichen TIGERYOUTH-Covers „Vor Berlin“ auch noch gab. Ein feiner Einstand, der definitiv Lust auf mehr machte, mal ganz davon abgesehen, dass weitere Aufwärmübungen auch wahrlich nicht nötig waren.

Setlist NORTH ALONE
Hydrogen Peroxide
Missing Heart Shadow
The Last Inch
Old Dog Barking
Black Water
Inscription
Cure & Disease
Collecting Pictures
Scatter My Ashes Into The Sea
Nothing Left To Prove (CHUCK-RAGAN-Cover)
The Road Most Travelled
Vor Berlin (TIGERYOUTH-Cover)

Zu Recht merkte Matty Chipchase später am Abend beim großartigen „Lash of The Whip“ schließlich auch an, dass Ventilatoren eine gute Idee seien – wenn sie denn auch liefen. Die beiden Modelle, die am Bühnenrand von der Decke hingen, laufen aber wohl nur im Discobetrieb und verteilen dann die Nebelschwaden im Raum, wohingegen eine leichte Brise insbesondere auf der Stage bestimmt gut gekommen wäre. Wie man es von den Jungs vom britischen Eiland kennt, verausgabten sich YOUNG REBEL SET nämlich wieder ganz gehörig. Es dauerte nicht wirklich lange und der Schweiß tropfte von den Instrumenten, aber der Fünfer hatte ganz offenkundig auch jede Menge Spaß und zog auch das Auditorium ruckzuck in seinen Bann. Die Hütte war rappelvoll und mit dem Opener „Lion’s Mouth“ vom 2011er Debüt „Curse Our Love“ hauten die Herrschaften gegen 21.30 Uhr auch gleich eine richtige Granate raus. „Strangers“ und „Tuned Transmission“ (2013 auf „Crocodile“ erschienen) ließen sich da nicht lumpen und legten ebenfalls hochenergetisch nach und auch der Neuzugang „Machete“ ging sehr straight nach vorn. „Another Time, Another Place“ startete mit einer nur schwer zu verstehenden Einführung des undeutlich nuschelnden Fronters, der zunächst im Sprechgesang verweilte und dazu seine Akustikklampfe beiseite gelegt hatte, ehe die Nummer wieder sehr melodiös und tanzbar fortgesetzt wurde. In die Kleine Freiheit war so bereits einiges an Bewegung gekommen und auch wenn „Yesca & The Fear“ anfangs etwas gemächlich erschien, entwickelte sich auch dieser Track sehr druckvoll und ging abermals in Ohr und Bein. Rhythmusgetrieben übernahm „Berlin Nights“, ehe „Precious Days“ zunächst verspielte Akkorde offerierte, um dann wieder in die Vollen zu gehen. Mit „Show Your Feathers & Run“ markierten YRS nach absolut kurzweiligen 45 Minuten das Ende der regulären Spielzeit, doch Mattys Abgang war an dieser Stelle auch so plötzlich, dass er unbedingt noch mal zurückkommen musste.

Das tat der Mann aus Stockton-on-Tees dann auch – anfangs sogar solo, denn „Penny For My Name“ und ein weiterer Akustiksong gingen allein auf sein Konto. Eine überzeugende Darbietung, auf die eine Sangeskollaboration mit Drummer Luke Evans folgte, der mit einem Schellenkranz bewaffnet beim fantastischen „Unforgiven“ mit in die Bütt ging. Die Fans dankten es mit lautstarken Gesangseinlagen, bevor auch die beiden Gitarristen Mark Evans und Andrew Parmley sowie Bassmann Chris Parmley wieder ihre Positionen einnahmen. Mit „If I Was“ und „Measure of A Man“ hatten die Engländer, die von Thees Uhlmann (TOMTE, Grand Hotel van Cleef) entdeckt und unter Vertrag genommen worden sind, noch zwei echte Schmankerln auf dem Zettel. Gemeinsam feierten Band und Zuschauer die Tracks nach allen Regeln der Kunst ab, dann war es in der Tat auch schon an der Zeit Abschied zu nehmen. Wer nach diesen hochenergetischen und äußerst unterhaltsamen 75 Minuten noch nicht genug von der Kapelle hatte, wurde auf ein Getränk an der Bar vertröstet, inwieweit es jedoch noch zu gemeinsamen Besäufnissen gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber man sagt ja, dass YRS das deutsche Bier durchaus zu schätzen wissen. Hauptsache, die Truppe beehrt uns auch zukünftig regelmäßig und macht dann erneut an der Hase Station. Vielleicht muss dann allerdings auch eine größere Location her. Verdient hätten YOUNG REBEL SET es allemal!

Setlist YOUNG REBEL SET
Lion’s Mouth
Strangers
Tuned Transmission
Machete
Another Time, Another Place
Yesca & The Fear
Berlin Nights
Precious Days
Lash of The Whip
Show Your Feathers & Run

Penny To My Name (Akustik-Solo)
? (Akustik-Solo)
Unforgiven
?
If I Was
Measure of A Man

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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