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YOUTH CODE – TREPANERINGSRITUALEN

Ort: Leipzig - Conne Island

Datum: 04.10.2016

Die Jungs von White Circles hatten heuer wieder einen musikalischen Leckerbissen vorbereitet. Der Weg führt uns in den Süden Leipzigs ins Conne Island, nicht zu verwechseln mit dem New Yorker Coney Island. Allerdings ist dieser Ort auch ein wenig berühmt, fand hier schließlich 1992 das erste Wave-Gotik-Treffen statt. An diesem Dienstag gab es Besuch aus Kalifornien und Schweden, und so verschieden die Herkunftsorte der Musiker sind, so unterschiedlich ist auch die Musik, die sie performen. Auch für Leipzig ist ein Wochentag ein gewagter Termin für alternative Konzerte. Als wir gegen 20:30 Uhr ankamen, war der schmale Weg zum Gelände vom Conne Island menschenleer und auf dem Hof befand sich ebenfalls nur eine überschaubare Menge.

Punkt 21 Uhr begannen dann die Konzerte und der Zuschauerbereich hatte sich bis dahin tatsächlich gut gefüllt. Den Auftakt gab TREPANERINGSRITUALEN. Hinter dem Projekt steht der Göteborger Thomas Martin Ekelund, der sich seit 2008 hiermit neben DEAD LETTERS SPELL OUT DEAD WORDS ein zweites, etwas härteres Standbein geschaffen hat. Mit einer inzwischen recht umfangreichen Diskografie, einem gewissen Mythos und nicht zu vergessen grandioser Musik aus dem Umfeld des Death Industrial verschaffte sich Ekelund schnell einen Namen in der Szene und brachte wieder frischen Wind in die Ritual Musik. Zu schleppend für Death Industrial und zu „rhythmisch“ für Dark Ambient, siedelt sich TREPANERINGSRITUALEN irgendwo dazwischen an. Auf der Bühne stand der hünenhafte, wohlbeleibte und bärtige Schwede alleine und anfangs mit einer Henkersmütze verhüllt. Zu seiner rechten ein kleiner Altar aus Schädel, Kerzen und Räucherstäbchen. Ob der Schädel echt war, ließ sich leider nicht erkennen. Auf der linken Seite elektronische Geräte, die Ekelund gelegentlich zu benutzen schien, der Sound kam aber wohl doch komplett aus der Konserve. So hatte er aber genug Freiraum, sich „gesanglich“ zu entfalten und blies den Zuhörern seine Weisen über Religion, Magie und Okkultismus entgegen. Im Hintergrund ein obligatorisches Video und der Lichttechniker war bei diesem Auftritt arbeitslos, es war dunkel wie in einer Gruft. Das vordere Publikum wippte mit zu den spärlichen aber stampfenden Beats. Insgesamt ein sehr düster-atmosphärischer Auftritt. Obwohl TREPANERINGSRITUALEN seit einiger Zeit regelmäßig in unseren Gefilden auftritt, war das mein erstes Live-Erlebnis mit Ekelund. Und auch wenn es einigen zu leise und zu unspektakulär war, konnte der Auftritt doch die große Mehrheit überzeugen. Allerdings war leider nach einer guten halben Stunde schon Schluss.

22 Uhr ging es dann weiter mit dem düsteren, aggressiven Abend. Allerdings in einer ganz anderen Richtung. YOUTH CODE, das sind Sara Taylor und Ryan George aus Los Angeles. Die beiden Hardcore-Musiker haben sich 2012 zusammengefunden und als Einheizer bei zum Beispiel SKINNY PUPPY oder FRONT LINE ASSEMBLY schnell eine große Fangemeinde bekommen. Das Publikum im Conne Island hatte die Reihen getauscht, die Anlage wurde auf Maximum aufgedreht und von der ersten Sekunde an gab es ordentlich auf die Mütze. YOUTH CODE spielen regelrecht klassischen Old School-EBM. Stellenweise hatte man das Gefühl, einem verschollenen NITZER EBB-Song zu hören. Doch alles wird anders, wenn die Stimme einsetzt. Mit geschlossenen Augen würde man auch einen großen, breiten Typen vermuten, tatsächlich macht aber eine kleine, zierliche Blondine Krawall. Mit einer Energie wirbelte Taylor im RAMLEH-Shirt über die Bühne, schwang das Mikro, schreite und brüllte in selbiges, tanzte, rastete aus, rotzte herum, dazwischen ein verstörender Blick zu den Zuschauern, dass man meinen könnte, der Duracell-Hase wäre an Starkstrom angeschlossen. Etwas in Hintergrund geriet bei dieser Bühnenpräsenz George an der Elektronik, der zwar „tänzerisch“ auch gut abging und am Mikro stand, aber gegen Taylor keine Chance hat. YOUTH CODE-eigen sind auch die gelegentlichen Melodien in diesem Sturm aus harten Beats und aggressivstem Schreigesang. Von der Bühne so dermaßen mit einem Hit nach dem anderen angefixt, gab es für die Zuschauer auch keine Möglichkeit mehr, ruhig stehen zu bleiben. EBM meets Hardcore und ein wenig Industrial. Eine Mischung, die an Härte ihres Gleichen sucht… und das ausgerechnet mit einer Frau in der sonst von männlichen Musikern dominierten Szene. Ein sensationelles Spektakel von der ersten bis zur letzten Sekunde… plus eine kurze Zugabe. Und die beiden bisher veröffentlichten Alben wandern direkt in den heimischen Plattenschrank.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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