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ZERAPHINE – ENTWINE

Ort: Rostock - Mau-Club

Datum: 31.10.2006

Zum ersten Mal überhaupt in Rostock beehrten die Gothic-Rocker ZERAPHINE zum Tourauftakt ihrer „Still“-Tour 2006 am Halloween Abend den geschmückten Mau-Club. Sehr gemütlich mit vielen Spinnweben und hier und da auch ein paar extra zurechtgemachten Hexchen. Das Publikum bestand zu ca. 95% aus weiblichen Gästen, viele davon unter 18 Jahren und teilweise in Begleitung ihrer Mütter. Etwas argwöhnisch betrachteten die ZERAPHINE Fans den finnischen Support-Act ENTWINE, der leider schon etwas früher begonnen hatte und von dem ich deshalb gut die Hälfte verpasst hatte. Sänger Mika, Keyboarderin Rita, Bassist Joni, die Gitarristen Tom und Jaani sowie Drummer Aksu drängten sich auf der kleinen Bühne, um ihr aktuelles Album „Fatal Design“ live zu präsentieren. Mit „Surrender“ und „Break me“ rockte das Sextett auch richtig los und zeigte, dass das neue Material härter ausgefallen ist. Leider sah man den Finnen aber auch schnell an, dass sie mit so wenig Resonanz nicht gerechnet hatten und hin und wieder gab es enttäuschte Blicke und Versuche die Gäste mitzureißen, die leider scheiterten und noch mehr Lustlosigkeit verursachten. Da konnten auch ältere Songs der Gothic Rocker wie „Frozen by the Sun“ oder „Bitter Sweet“ nicht punkten. Sehr schade, aber etwas mehr Professionalität sollte schon drin sein.

Eine etwas zu lang geratene Umbaupause, die weit über 40 Minuten dauerte, bot mir einige amüsante Gespräche des jüngeren Publikums über ZERAPHINE Sänger Sven Friedrich, der hin und wieder im dicken Schal aus dem Backstage-Bereich schaute und aufgeregtes Gemurmel verursachte. Endlich erklang das Intro und die ZERAPHINE Bandmitglieder nahmen ihre Positionen auf der Bühne ein. Endlich betrat der heißersehnte Sven die Bühne und wurde noch etwas schüchtern begrüßt und umjubelt. Die Gitarristen Manuel und Norman standen rechts und links hinter ihrem Sänger, dahinter bediente Drummer Marcellus sein Instrument und auf einem Podest hinten rechts stand Bassist Michael. So hatte man auch aus den hinteren Reihen die Band perfekt im Blick. Den Anfang machte der Singleerfolg „Die Macht in Dir“ vom Album „Blind Camera“, welcher allseits bekannt schien. Trotzdem blieb das Publikum zurückhaltend, aber applaudierte brav. Neben einigen Soundproblemen und durchscheinender Nervosität hatten die Berliner ihr neues Album „Still“ im Gepäck und spielten daraus fast alle enthaltenen Songs, wie „I’ll follow you“, „Niemand kann es sehen“ oder „State of the moment“. Svens großartige Stimme zog alle Anwesenden in ihren Bann und so wurden kleine Patzer nur belächelt. Spätestens nach den bekannteren Sachen wie „Kaltes Herz“ oder „I’m Numb“ hatten die sympathischen Berliner das Rostocker Publikum erobert und punkteten mit witzigen Kommentaren im Berliner Dialekt. Noch wärmer und lauter wurde es auf und vor der Bühne bei dem Klassiker „Be my Rain“ und der DEPECHE MODE Coverversion „Walking in my Shoes“. Die Band wirkte harmonisch, spielfreudig und hatte eine Menge Spaß. Außerdem gewannen die Jungs immer mehr an Sicherheit und Selbstvertrauen. Wunderschön, emotional und melancholisch stellten ZERAPHINE schon ihren letzten Song des Abends „Wenn Du gehst“ vor. Noch gar nicht ganz von der Bühne verschwunden, erklangen schon die ersten Zugabe-Rufe, die immer lauter wurden. Während die Musiker auf die Bühne zurückkamen und „Flieh mit mir“ anspielten, gönnte sich Sven noch eine Zigarette und gesellte sich dann zu seinen Kollegen. Mit dem Kommentar, dass in Berlin kein Feiertag und die Band selbst noch „frisch“ sei, folgten „Traumaworld“ und „Sterne sehen“ bevor ein letzter Dank Richtung Publikum ging und der endgültige Abschied nahte. Ein warmer Applaus begleitete ZERAPHINE bis in den Backstage-Bereich und viel zu wenige Gäste blieben hartnäckig beim Fordern einer weiteren Zugabe, die leider nicht gewährt wurde.

Pünktlich vor Mitternacht endete ein emotionales Konzert. Passend zum Titel der Tour war es ein verhältnismäßig stiller Abend, der jedoch nicht minder genussvoll war. Svens warme, tiefe Stimme und die eleganten und gefühlvollen Texte fesseln und verzaubern. Ein kleiner Tipp für alle, die ein ZERAPHINE Konzert dieser Tour besuchen: Ordentlich Beifall klatschen, denn laut Setlist sind noch zwei weitere Zugaben drin!

Setlist ZERAPHINE
Intro
Die Macht in Dir
I’ll follow you
No more doubts
In der Tiefe
Niemand kann es sehen
Still
State of the Moment
Jede Wahrheit
Nichts aus Liebe
Toxic Skies
Kaltes Herz
I’m Numb
Ohne Dich
No Tears
United and Lost
Die Wirklichkeit
Be my Rain
Halbes Ende
Walking in my Shoes
Fang mich
I never want to be like you
Inside your arms
Wenn Du gehst

Flieh mit mir
Traumaworld
Sterne sehen

Copyright Fotos: Cath Niemann

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