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ZEROMANCER – DREADFUL SHADOWS – ARMY OF THE UNIVERSE

Ort: Hannover - Musikzentrum

Datum: 30.11.2013

Was lange währt, wird endlich gut oder auch: Totgesagte leben länger. Diese Floskeln hätten auch gut gepasst für das Event, das uns an diesem ersten Adventswochenende 2013 bevorstand. Und es trifft auch auf beide Headliner des Abends zu: die DREADFUL SHADOWS spielten seit ihrer Reunion und über 12(!) Jahren Pause wieder eine Tour und auch ZEROMANCER waren 4 Jahre nicht unterwegs und traten in diesem Jahr das erste Mal recht kurzfristig als Ersatz für IMAX auf dem M’ERA LUNA auf. Nun machte diese interessante Live-Kombination mit zwei Headlinern Halt im niedersächsischen Hannover.

Den Einstieg in den langen Abend bestritten aber zunächst die Jungs von ARMY OF THE UNIVERSE. Die italienische Dark-Elektro-Band startete druckvoll, obwohl die Drums vom Band kamen. Im Gepäck hatten die drei „Soldaten“ Lord K, Albert Vorne und Davide Tavecchia ihr aktuelles Album „The Hipster Sacrifice“. Es hatten sich erst wenige Konzertbesucher direkt vor der Bühne eingefunden und in Erwartung der Hauptacts hatten es ARMY OF THE UNIVERSE auch schwer, zu überzeugen. Dabei animierte Frontmann Lord K immer wieder zum Mitmachen, aber mehr als höfliches Klatschen konnte der bemühte Italiener auch mit vollem Körpereinsatz inklusive oberkörperfreier Performance nicht ernten. Dabei passten die Songs wie „Lord of the death“ oder „Goodnite“ gut in das heutige Line-Up, aber der Funke sollte nicht so recht überspringen.

Nach einer wirklich knackig kurzen Umbaupause, das Musikzentrum hatte sich nun gut gefüllt, betraten die Bandmitglieder der DREADFUL SHADOWS rund um den sympathischen Frontmann Sven Friedrich die Bühne und eröffneten die Show mit „Chains“. Nach diesem Song stieß Backgroundsängerin Juliane zur Kombo und sollte Sven in den nun folgenden anderthalb Stunden stimmlich unterstützen. Der Sound war deutlich besser als bei der Vorband, dennoch hatte man ein paar Probleme mit der Technik: so musste Gitarrist Andre Feller in der Mitte der Show sein Kabel austauschen. Aber das tat der Spielfreude aller keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: man hatte das Gefühl, dass diese Reunion wie ein Befreiungsschlag gewirkt hatte. Schlagzeuger Ron Thiele, Bassist Jens Riediger, die beiden Gitarristen Andre Feller und Norman Selbig und Fronter Sven Friedrich spielten wie entfesselt, getragen vom frenetischen Jubel der Fans.

Jeder, wirklich jeder, Song wurde gefeiert, sei es das gefühlvolle „Sea of Tears“, das kraftvolle „Desolated Home“, das rockige „Dead can wait“ oder auch die wirklich tollen Cover von „Twist in my Sobriety“ und „Hurt“. Sven selbst zeigte sich während seiner Ansagen jedes Mal wieder aufs neue belustigt, dass ihre erfolgreichsten Titel nicht mal selbstgeschrieben wären und die neuesten auch gerade mal aus den 90ern stammten. So witzelte er über „das aktuelle Album von 1999“. Dennoch waren alle Lieder noch gut im Gedächtnis der Anwesenden, denn tosender Applaus ließ die Musiker nach Beendigung des offiziellen Sets mehrfach wieder zurück auf die Bühne kommen und das eben schon angesprochene NIN INCH NAILS-Cover „Hurt“ bildete dann auch den endgültigen und krönenden Abschluss dieses fulminanten Auftritts.

Während nicht wenige Fans immer noch eine Zugabe verlangten, begann auch schon der Umbau für den zweiten Headliner. Das Musikzentrum leerte sich merklich, aber pünktlich zu den ersten Klängen von „Sinners International“ wurde es dann doch richtig voll vor der Stage. Allerdings nicht so voll wie bei den DREADFUL SHADOWS, es hatten doch offensichtlich ein paar Leute den Weg nach Hause angetreten. Kim Ljung (Gesang und Bass), Dan Heide (Gitarre), Lorry Kristiansen (Keyboard) und Noralf Ronthi (Schlagzeug) enterten die Bretter und passend zum Einsatz des Gesangs folgte auch Frontmann Alex Møklebust. Das alles unter tosendem Beifall und mit demselben frenetischen Jubel wie zuvor bei den DREADFUL SHADOWS.

Nach langer Pause hatten ZEROMANCER Anfang 2013 das vielsagende Album „Bye-Bye Borderline“ und vor kurzem das Best-of-Album „Something for the pain“ rausgebracht. Letzteres auch Motto für die diesjährige Tour. Die Setlist in Hannover war witzigerweise betitelt mit „Hannover in Pain“! Was aber nun folgte, hatte so gar nichts mit Schmerzen und Qual zu tun, sondern mit Spaß, Spielfreude und ausgezeichneter Musik. Die Norweger hatten ganz offensichtlich Bock und das Publikum nicht minder. So wurden uns etliche Knaller wie „Stop the noise“, „Industrypeople“ oder auch „Need you like a drug“ in die Gehörgänge und Tanzbeine geprügelt. Dabei brauchten sowohl ZEROMANCER als auch Fans keine Aufwärmphase. Beiderseits war man völlig aus dem Häuschen und ZEROMANCER bewiesen einmal mehr, dass sie die Bezeichnung „Norwegens Electro Rock-Ästheten“ redlich verdient haben. Kim brachte dabei zwischen den Stücken immer wieder seine Deutschkenntnisse an den Mann und freute sich über den Zuspruch, den seine Ansagen bei der Crowd auslösten. Einen Zuhörer hielt es dann nicht mehr auf festem Boden, er erklomm die Theke und schwenkte enthusiastisch die norwegische Flagge. Die Protagonisten auf der Bühne waren ein ums andere Mal erstaunt, so gefeiert zu werden und auch sichtlich gerührt.

Sie quittierten diesen Beifallsdonner dann auch mit „Clone your lover“, „House of card“ und „Dr. Online“ als Zugabe. Doch so einfach entließen die Anwesenden die Nordmänner nicht und lockten sie mit viel Applaus noch ein Mal zurück ins Scheinwerferlicht. Als letzter Song wurde dann das DEPECHE MODE-Cover „Photographic“ performt. Ein fantastischer Konzertabend – sowohl für die Bands als auch für die Zuhörer. Dafür fährt man doch gerne ins niedersächsische Nachbarland.

Setlist Zeromancer
Sinners International
Doppelgänger I Love You
Stop The Noise
LCYD
Hollywood
Auf Wiedersehen Boy
Industrypeople
Cupola
Something for the Pain
The Underground
Need You Like A Drug
Hate Alphabet
Tortured Artist

Clone Your Lover
House Of Cards
Dr. Online

Photograhic

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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