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ZICKZACK im Neonlicht

Ort: Münster – Triptychon

Datum: 25.05.2019

Eigentlich bin ich gerne mal im benachbarten Münster, was habe ich dort schon für Bands gesehen: vor einer ganzen Ewigkeit RAMMSTEIN, die fantastischen BEATSTEAKS, die LENA und nicht zu vergessen MARIANNE ROSENBERG. Zu der waren wir vom TERRORVERLAG nur gefahren, weil uns die damalige Vorgruppe interessierte. Die war keine geringere als die Synthiepopper MELOTRON, was für eine eigenartige Kombination und im Nachhinein  war es auch ein lustiger Abend. Was aber nervt, ist die ewig lange Fahrt über Land von Bielefeld nach Münster. Da bin ich im weiter entfernten Dortmund oder Hannover dank der A2 schneller. Aber das geniale Line Up am letzten Mai-Samstag im Triptychon war zu verlockend und ich machte mich wieder auf dem Weg übers Land.

Kurz nach 21 Uhr eröffneten BRAGOLIN aus Utrecht mit ihrem Postpunk/Darkwave/Shoegaze- Sound das ZICKZACK Festival. Schon zu diesem Zeitpunkt war das Triptychon bereits gut gefüllt und Maria Karssenberg (guit, synths) und Edwin van der Velde (voc, guit, synths) begannen ihr einstündiges Set mit „Take Us Down“, „To Hide To Shine To Cross“, „Charcoal Teeth And Lies“ und „In Our Fields Of Oaks“ von ihrem auf Young & Cold Records erschienen Debüt „I Saw Nothing Good So I Left“. Beim letztgenannten Song steuerte Labelkollege ADAM USI auf dem Album die Vocals bei, live musste das Duo ohne ihn auskommen. Inspiriert vom italienischen Maler Giovanni Bragolin, der durch die „Crying Boys”-Gemälde bekannt wurde, entstand ihr Bandname. Die beiden sind auch abseits von BRAGOLIN musiktechnisch unterwegs: Edwin ist ein Teil des Duos ZWARTE POEZIE, deren Sound eine Mischung aus Wave/Alternative mit niederländischer Lyrik ist. Maria hingegen betätigt sich unter den Namen TOO MANY CREEPS zusammen mit Camy Hout als DJ. Auch hier, wie könnte es anders sein, liegt der Focus auf Post Punk/Wave/Dark Wave/Cold Wave. Mit „As Trees Do Fall” und  „Into Those Woods”  spielten die beiden  ihre letzten Songs, aber das Publikum gab sich damit nicht zufrieden, sodass Edwin und Maria mit dem Non Album Track „Hate Close To Love“ noch eine Zugabe geben mussten.

Setlist BRAGOLIN (ohne Gewähr):

  • Take Us Down
  • To Hide To Shine To Cross
  • Charcoal Teeth And Lies
  • In Our Fields of Oaks
  • I Saw Nothing Good So Left
  • This Grotesque Dance
  • The End Dwells In Us All
  • Waldweg in Planegg
  • Let Out The Noise Inside
  • Tired Eyes Tired Feet
  • As Trees Do Fall
  • Into Those Woods
  • Hate Close To Love

Nach einer kurzen Umbaupause betraten FIX UND FERTIG die Bühne. Auf den ersten Blick sah es gar nicht so aus, als würde es wavigen Sound geben, die beiden Saxophone in verschiedenen Größen irritierten etwas. Nach dem die Amis ELEVEN POINT ihren Europatrip und somit auch ihren Auftritt in Münster abgesagt haben, wurde mit FIX UND FERTIG mehr als nur ein Ersatz für diesen Abend verpflichtet. Dem Veranstalter war ihr Auftritt beim diesjährigen WAVETEEF Festival in guter Erinnerung geblieben, sodass es nur ein kurzes Überlegen war, sie einzuladen. Ludwig London (voc, sax, synth) und Bernd Reingruber (voc, bass) aus dem Süden der Republik ließen es sich nicht nehmen, auf ihrer „Wie der lichte Tag“ – Tour auch Station in Münster zu machen. Die 1977 gegründete Combo – nach einer kurzzeitigen Auflösung im Jahre 2007 wieder aktiviert – brachte ein wenig NDW-Feeling in den Laden. Schwungvoll legten die beiden mit „Le Gamma“ und „Cube Carrelage Blanc“ los – unterstützt vom Drumcomputer, der den Rhythmus vorgab und einige im Publikum zum Tanzen animierte. Fronter Ludwig gab die Rampensau und sprintete in den hinteren Teil der Bühne, um seine elektronischen Geräte zu bedienen. Einen Augenblick später schnappte er sich ein Saxophon und spielte einen Part, ehe er ab und zu von der Bühne sprang, bewaffnet mit dem Micro, um es einigen Anwesenden unter die Nase zu halten, damit sie ihren Teil zum Song beisteuerten. Nach knapp einer Stunde endete die Party und die Anwesenden forderten lautstark eine Zugabe. FIX UND FERTIG waren noch nicht fertig und es gab mit „Donald Trumb Praesidend (Quack, Quack)“ einen Song, bei dem ANNE CLARK die Vocals beigesteuert hat. Ludwig bedauerte schelmisch im Anschluss, dass die Britin heute nicht da sein konnte. Ja, das wäre der Hammer gewesen, ANNE CLARK beim „ZICKZACK im Neonlicht“.

Setlist FIX UND FERTIG (ohne Gewähr):

  • Le Gamma
  • Cube Carrelage Blanc
  • Bad Day
  • Einmal da will Ich König sein
  • Gebt uns Computer
  • Mbit Träume
  •  Eingesperrt
  • Sag mir bitte lebst du noch
  • Ahoi Seemann
  • Die Welt ist so kalt
  • Tanz auf dem Vulkan
  • Im Osten geht die Sonne unter
  •  Raumschiff Enterprise
  • Donald Trumb Praesidend (Quack, Quack)

Die größte Überraschung des Abends war die längst überfällige Reunion des französischen Dark- Electro-Wave-Duos MINUIT MACHINE, die pünktlich zum Festival ihr mittlerweile drittes Album „Infrarouge“ veröffentlichten. Nicht nur ich war gespannt auf die Liveumsetzung der brandneuen Songs des Duos. Und schon die Opener „Chaos“ und „Fear of Missing Out“ stammen vom aktuellen Album und fügten sich nahtlos in den Klangkosmos, den MINUIT MACHINE ausmachen, ein. Den direkten Vergleich hatte man im Anschluss mit „Ego“ vom Erstlingswerk „Live & Destroy“ von 2014. Mit „DRGS“ präsentierten Amandine Stioui (voc) und Hélène de Thoury (synth) ihre erste Single vom 2019er Werk. Mit „Black is My Anger”, „Ballet”, „98”, „Sacrifice”, „Everlasting” und  „Empty Shell” gab es einen Querschnitt der letzten beiden Alben, bevor mit „Prey/Hunter” das Ende angekündigt wurde. Aber auch hier wurde mit Nachdruck eine Zugabe gefordert und zum Abschluss bekam das Publikum „Battles“ und „Forgive Me For My Sins“ präsentiert. Schon bei meinem ersten Besuch eines ihrer Konzerte vor ein paar Jahren in Bielefeld war ich beeindruckt von der dunklen Stimme Amandines , die auch hier wieder verdammt gut zum Tragen kam. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sie live sogar noch besser klingt als auf Konserve. Mit ihrem Soloprojekt HANTÈ feiert Hélène mittlerweile auch einige Erfolge und tourt dabei relativ häufig nicht nur durch Europa, sondern gab auch Konzerte auf dem amerikanischen Kontinent. Ab Mitte Juni sind dann auch MM für ein paar Gigs in Nordamerika unterwegs um „Infrarouge“ zu promoten.

Setlist MINUIT MACHINE (ohne Gewähr):

Chaos
Fear of Missing Out
Ego
DRGS
Black is My Anger
Ballet
98
Sacrifice
Everlasting
Empty Shell
Prey/Hunter

Battles
Forgive Me For My Sins

Anschließend gab es noch eine After-Show-Party mit den DJs Linearnetrik, Friedi,  Flederwolf und Neon Waves, die das kleine aber feine Festival abrundete. Ich für meinen Teil besuchte noch den Merchandise Stand und deckte mich mit einigen Platten ein. Und dann ging es auch schon wieder übers Land zurück nach Hause.

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