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ZITA POP FESTIVAL 2008

Ort: Berlin - Zitadelle

Datum: 29.08.2008

Nachdem mich die Zitadelle in Berlin Spandau schon beim diesjährigen ZITA ROCK Festival restlos begeistert hatte, freute ich mich umso mehr auf das synthpoppige Pendant, welches auf einen Freitag gelegt wurde. Sicherlich ist so ein Event mit frühzeitigem Einlass um 16.00 Uhr nicht für alle Fans günstig gelegt und man merkte anhand der Besucherzahlen und Anzahl der Verkaufsstände deutlich, dass man hier nicht mit der Gästeanzahl des ZITA ROCK Festivals mithalten konnte bzw. auch nicht gerechnet hatte. Jedoch verzauberte auch dieses Mal die wunderschöne Atmosphäre der Renaissancefestung, in der wir unter perfektem Festivalwetter (trocken und nicht so heiß), die erste Band des Tages PSYCHE erleben konnten.

Lange wurde der Opener geheim gehalten und für viele war die Freude über die Zusage der Band um den Kanadier Darrin Huss groß, die sich seit 25 Jahren erfolgreich in der Szene herumtreiben. Neben Darin erschienen Stefan Rabura am Keyboard und Niels Hesse an der Gitarre pünktlich um 17.30 Uhr auf der Bühne und begannen ihr sehr kurzes Set mit „The Crawler“. Der Platz war mäßig gefüllt und bei hellem Tageslicht wollte auch bei „Snowgarden“ und dem folgenden Song „Unveiling the Secret“ keine rechte Stimmung aufkommen. Neu war die Unterstützung durch den Livegitarristen Niels, was vielen Songs richtig gut stand. Darrin wurde nach jedem Stück agiler und tanzte wie wild auf dem kleinen Steg dicht vor dem Publikum. Sehr sympathisch war auch immer wieder sein herzhaftes Lachen vor, nach und auch während der Interpretationen. Nach „Eternal“ stieg dann die Stimmung plötzlich bei „Prisoner to Desire“ und die ersten Arme wurden zum Clubhit „Sanctuary“ in die Luft gestreckt. Bedächtiger ging es beim legendären „Goodbye Horses“ (ursprünglich von Q LAZZARUS aus „Das Schweigen der Lämmer“) zu, wo wir alle brav mitsangen. Der echte 80ies Wave-Oldie „The Outsider“ aus dem Jahre 1988 beendete den Auftritt und hinterließ ein gut eingestimmtes Publikum, wobei ich mir jedoch aus dem riesigen PSYCHE Repertoire mehr schnellere und tanzbare Stücke gewünscht hätte.

Setlist PSYCHE
The Crawler
Snowgarden
Unveiling the secret
Eternal
Prisoner to Desire
Sanctuary
Goodbye Horses
The Outsider

Die Umbaupause ging zügig vorbei und schon standen MESH auf der Bühne. Nach einigen Terminschwierigkeiten wurden diese vor einiger Zeit für dieses Festival angekündigt, dann abgesagt und zuletzt wieder bestätigt. Die Engländer starteten mit „What are you scared of?“, wie kürzlich auf dem M´era Luna Festival und konnten auf ein begeistertes Publikum mit vielen MESH-Shirts blicken. Das Markenzeichen Mütze durfte bei Sänger Mark auch dieses Mal nicht fehlen. Weiterhin auf der Bühne befanden sich Gitarrist Richard Silverthorn, Keyboarder Geoff Pickney und Drummer Sean Suleman. Zur Begeisterung aller war der Sound am ganzen Abend brillant und ließ keine Wünsche offen. Mark griff bei „Leave you nothing“ zur Gitarre und überzeugte mit wunderbarer Stimme und Ausdruckskraft. Das balladeske „Not prepared“ verursachte Gänsehaut und die Zuschauer wiegten sich ruhig im Takt. Nach viel Beifall und Jubel ging es dann mit „Petrified“ vom aktuellen Album „We collide“ wieder tanzbarer zu. Auch danach hieß es weitertanzen zu „Friends like These“ und der einheitliche Gesang schien auch der Band zu gefallen. Der Single-Hit „Chash“ schlug in die gleiche Kerbe und das bedeutete singen, tanzen, Arme hochstrecken. In spezieller Live-Version, die viele schon auf der letzten Tour genießen durften, beendete „From this Height“ den Auftritt. Richard und Geoff gaben alles an den Keys und forderten das Publikum zum Mitklatschen auf, dem durch die treibenden Klänge ganz schon eingeheizt wurde. Dankbar zeigte es sich im Anschluss mit herzlichem Beifall und lauten Schreien, als MESH die Bühne verließen.

Setlist MESH
What are you scared of?
People like me
Leave you nothing
Not prepared
Petrified
Friends like these
Crash
From this Height

Nach kurzer Stärkung versammelten wir uns wieder vor der Bühne, wo schätzungsweise 3000 Festivalbesucher auf CAMOUFLAGE warteten. Seit dem Überhit „The Great Commandment“ im Jahre 1987 sind Marcus Meyn, Oliver Kreyssig und Heiko Maile mal mehr mal weniger präsent gewesen. Auch die letzten beiden Alben „Sensor“ und „Relocated“ sind echte Electro-Perlen, die leider an den Riesenerfolg in den Achtzigern nicht anknüpfen konnten. Trotzdem ist das Trio auch von „schwarzen“ Festivals nicht mehr wegzudenken und begeistert mit seinen Liveauftritten. Als Opener wurde „Crime“ ausgewählt, wo Marcus auch gleich an den Bühnenrand stürmte und das Publikum sofort für sich einnahm. Oli links von ihm wirkte noch etwas nervös und suchte Blickkontakt zu Heiko auf der rechten Seite. Doch schon der zweite Song „I can´t feel you“ aus dem Jahr 2003 schien den Anwesenden wohlbekannt und wurde abgefeiert. Im Anschluss bewies Oli seine Gesangsqualitäten mit „Confusion“. Nach dem neueren schnellen Stück „We are Lovers“ folgte der Klassiker „Neighbours“ und ließ zumindest die Älteren unter uns in Erinnerung schwelgen. Marcus glänzte auf der Bühne durch starken Gesang und energiegeladene Tanzeinlagen. Nach weiteren neuen Stücken kam dann für viele sehnsüchtig erwartet „The Great Commandment“ in einer tollen Liveversion. Hier wurde der Text von Anfang bis Ende mitgesungen und die Arme in die Luft gerissen. Die Band genoss den Anblick und das Publikum die Atmosphäre. Hier passte einfach alles. Nach alt folgte wieder neu und trotzdem konnte die Stimmung auf diesem hohen Niveau gehalten werden. Das Trio wirkte frisch, spielfreudig und kaum gealtert. Das Set wurde mit zwei weiteren Klassikern und einem wahren Stimmungsfeuerwerk beendet „Suspicious Love“ und natürlich „Love is a Shield“. Bei letzterem holten Oli und Marcus ihre Kids mit auf die Bühne und genossen die Beifallstürme. Im Zuge des Auftritts wurde auch das Erscheinen der lang ersehnten Live-DVD im November angekündigt. CAMOUFLAGE ist definitiv immer ein Garant für gute Stimmung und bot den Anwesenden an diesem Abend eine kleine musikalische Zeitreise.

Setlist CAMOUFLAGE
Crime
I can´t feel you
Confusion
We are lovers
Neighbours
Me and you
I´ll follow behind
The Great Commandment
Conversation
Motif Sky
Suspicious Love
Love is a Shield

Pünktlich zum Auftritt des Headliners AND ONE war es dunkel draußen und ein riesiger schwarzer Vorhang verdeckte die Bühnendeko. Der Vorhang fiel zur Musik und gab den Blick frei auf zwei hintereinander stehende Podeste, an denen vorne Chris und dahinter Gio standen. Podeste und Hintergrund im knalligen Gelb mit durchscheinenden Lichtern und Säulen mit den Leuchtschriftzügen „AND“ und „ONE“ ergaben ein tolles Bild. Dann stürme Steve auf die Bühne, wie gewohnt im schwarzen Anzug und bodypopfarbiger (orange) Krawatte. Mit „Fools“ wurde eine riesige Party gestartet und wohin das Auge blickte, feierten die Festivalbesucher ihre Lieblinge. Charmebolzen Steve grinste, tanzte und sang und überraschte bei jedem Stück. Ob neue Sachen wie „Body Company“, „Stand the Pain“ oder alte Hits wie “High” oder “Sometimes”: Jeder führte gleichermaßen zu Begeisterungsstürmen im Publikum. Steve hatte sie wieder mal alle in der Hand und nutzte das auch aus, indem er Witze riss und alle regelmäßig mit wahnwitzigen Ankündigungen (anstehende Konzerte mit Geschlechtertrennung) schockte. Nach der vergangenen grandiosen Bodypop Cover Lover Supershow-Konzerttour in diesem Jahr durften auch die Cover-Versionen nicht fehlen, darunter waren „It´s a Sin“ (PET SHOP BOYS), das legendäre „Timekiller“ (PROJECT PITCHFORK) oder die in die eigenen Songs eingebauten DEPECHE MODE Stücke wie „Personal Jesus“, „Photographic“ oder „Fly on the Windscreen“. Hier flippten die Besucher noch immer einen Tick mehr aus, was ja bei der Stimmung schon fast gar nicht mehr ging. Die Setlist ließ jedenfalls keine Wünsche offen. Ein wahrer Augenschmaus waren Steves Pirouetten und sein Hüftschwung, aber auch stimmlich glänzte er durchweg. Weitere Klassiker wie „Für“ oder „Deutschmaschine“ reihten sich in das Programm ein und bei „Fernsehapparat“ zog dann wie schon gewohnt Chris Ruiz seine eigene Show ab. Durchgeknallt, irrwitzig aber vom Publikum geliebt. So war eine ausgiebige Zugabe keine Frage mehr und gemeinsam performten Steve und Chris „Technoman“. Woher die beiden noch diese Energie nahmen, war nicht nur mir ein Rätsel. Den krönenden Abschluss bildete „So klingt Liebe“. Gnadenloser Jubel durchzogen von Schreien, ein Meer aus Armen und eine springende Masse, die diesen Abend bestimmt nicht so schnell vergessen wird, bescherte sicherlich auch der Band einen unvergesslichen Abend.

Setlist AND ONE
Fools
Body Company
High
Sometimes
But not tonight
Recover you
Wasted/Personal Jesus
Stand the Pain
Timekiller
Für
It´s a sin
Enjoy the Unknown
Schwarz
Traumfrau
Deutschmaschine
Steine sind Steine
Fernsehapparat
Sternradio/Photographic
Get you closer
Speicherbar/Fly on the Windscreen

Technoman
Military Fashion Show
Body Nerv
So klingt Liebe

So ging gegen 22.30 Uhr ein wunderbares kleines Festival zu Ende, welches im nächsten Jahr in Form einer Verschmelzung beider Festivals (Rock und Pop) am 13. und 14. Juni 2009 erneut stattfinden wird.

Copyright Fotos: Nadine Ginzel (AND ONE)/ Cath Niemann (Rest)

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