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ZITA ROCK FESTIVAL 2008

Ort: Berlin - Zitadelle Spandau

Datum: 31.05.2008

Die Zutaten für ein gelungenes Festival sind ganz klar: Tolles Wetter, gute Bands und eine nette Location! Von allem hatten die feierfreudigen Besucher des ZITA ROCK FESTIVALs in Berlin am vergangenen Wochenende reichlich. Ein strahlend blauer Himmel und gefühlte 40 Grad in der Sonne begleiteten uns auf dem Weg in die Spandauer Zitadelle, die als eine der bedeutendsten und besterhaltenen Renaissancefestungen Europas gilt. Inmitten dieser beeindruckenden Festung, im Zitadellenhof, sollte das 2. Zita Rock Festival stattfinden.

Trotz großer Eile und ortskundiger Führung schafften wir es leider nicht zum Opener DOWN BELOW, die pünktlich um kurz nach 15.00 Uhr ihren Auftritt begannen. Die Darkrocker aus Dessau konnten sich auf der kürzlich beendeten UNHEILIG-Tour als Support-Gig viele Anhänger erspielen und auch ich freute mich auf ein Wiedersehen, was nun leider ausfiel. So blieb uns ein bisschen Zeit, das gemütliche Gelände zu erkunden. Schattenspendende Bäume, ganz viel Grün und Stände für das leibliche Wohl sowie Shoppingmöglichkeiten gab es rund um das Gelände. Doch nun hieß es auch sich sputen, denn die Norweger ZEROMANCER standen als nächstes auf dem Plan. Während Kim (Bass) und Dan (Gitarre) ihre Instrumente bereit machten, stieg im Publikum die Spannung. Zum Intro kam er dann endlich: Frontmann Alex Møklebust stürmte energisch die Bühne und ließ (wohl fast) allen anwesenden Damen für einen Moment den Atem stocken. Mit freiem Oberkörper, darum drapierten Bondage-Gurt, Hose, Stiefeln und wie immer stylischer Frisur begann er mit einem ZRM Klassiker: „Need you like a drug“. Das Publikum war sofort dabei und tanzte und sang den Refrain, was die Band freute und zur Hochform aufliefen ließ. Immer wieder posierte Alex am vorderen Rand der Bühne, aalte sich in der Sonne und in dem Zuspruch des Publikums. Trotz enormer Hitze und stechender Sonne ging das Auditorium auch bei dem neueren Stück „Doppelgänger“ gut ab. Jedoch wurde das alles noch übertroffen, als die Hits „Clone your Lover“ und vor allem „Dr. Online“ erklangen. Bei letzterem sprangen wir im Publikum im Takt, wenngleich der Schweiß schon in Strömen lief. Alex wirbelte von einer Bühnenseite zur anderen und um seine Bandkollegen herum. Auch ein ganz neues Stück wurde an diesem Nachmittag präsentiert, welches laut Ansage „I’m into deep“ hieß und Ohrwurmpotential mitbrachte. „Cupola“ sorgte für eine kurze Verschnaufpause, bevor es mit dem brachialen „Fade to Black“ noch einmal richtig rockig wurde und der Auftritt leider auch schon zu Ende ging.

Setlist ZEROMANCER
Intro
Need you like a drug
Doppelgänger
Clone your Lover
Dr. Online
I´m into deep?
Cupola
Fade to Black

Selten habe ich so kurze Umbaupausen erlebt. Es blieb gerade mal Zeit, sich mit kalten Getränken einzudecken, bevor es weiterging. Immer noch knallte der Planet, die schattigen Plätze wurden nur widerwillig verlassen und die Münchner EISBRECHER enterten die Bühne. Jedoch wurde es kein bisschen kühler, im Gegenteil, denn auch Fronter und Checker Alexx war ein Augenschmaus. Uniformiert mit Käppi und Brille betrat dieser als letzter nach seinen Bandmitgliedern Noel (Gitarre), Jürgen (Gitarre), Max (Keyboards), Martin (Bass) und René (Drums) die Bühne. Der erste Song „Kein Mitleid“ donnerte über uns hinweg und Alexx’ Energie steckte alle an. Keine Spur von Trägheit auch bei „Willkommen im Nichts“. Witzige Kommentare wie: „Ich glaube wir sind die einzige Band, die hier spielen und noch nicht beim Bundesvision Songcontest mitgemacht haben!“ brachten eine Menge Lacher im Publikum. „Antikörper“ und „Leider“ wurden textsicher vom Publikum mitgesungen und die Stimmung stieg weiter. EISBRECHER rockten einfach alle weg. Es folgte ein geniales Gitarrensolo und nach „Phosphor“ das wunderschöne „Ohne Dich“. Ausziehrufe konternd erklärte Alexx, dass er seinen Winterspeck noch nicht abtrainiert hätte und er das jedem ersparen möchte. Mit brachialem Sound und tiefer Stimme folgte zum Schluss noch „Miststück“, in dem Alexx beeindruckend rappte und sich zum Publikum in den Fotograben begab. Für mich die Überraschung des Festivals und Entertainment pur!

Setlist EISBRECHER
Kein Mitleid
Willkommen im Nichts
Antikörper
Leider
Phosphor
Ohne Dich
Schwarze Witwe
Miststück

Noch immer zeigte die Sonne kein Erbarmen und ließ die Festivalbesucher weiter schwitzen. Sonnencreme, Regenschirme und rote Gesichter überall. Im Jahre 2000 aufgelöst spielen die DREADFUL SHADOWS derzeit nur ausgewählte Konzerte und bestehen darauf, diese nur als reine Live-Gigs anzusehen. So ist Sven Friedrich (ZERAPHINE, SOLAR FAKE) auch von keinem Festival wegzudenken, denn eines seiner Projekte ist garantiert vertreten. 8 Jahre nach der Trennung standen sie fast in alter Originalbesetzung in Berlin auf der Bühne. Verstärkung hatten sich Sven, Norman, André und Jens in Form einer Violinespielerin und Sängerin Jule (EMINENCE OF DARKNESS) mitgebracht. Alte Klassiker wie „Chains“, „Desolated Home“ oder die Ballade „A Sea of Tears“ verleiteten zum Träumen. Spielfreudig und stimmig präsentierte die Darkrock-Band eine kleine Auswahl ihrer zahlreichen Stücke, wobei man viele Parallelen zu ZERAPHINE entdecken konnte, oder andersrum. Gesang und Stil sind fast immer identisch. Somit gab es für mich wenig Überraschungen und viele der Anwesenden nutzten die Zeit, um sich ein bisschen zu entspannen und durchzuatmen.

An dem nächsten Act kommt seit langem einfach niemand mehr vorbei. Headliner der Herzen an diesem Abend waren definitiv UNHEILIG. Zur bekannten Kerzendekoration ließen die alteingesessenen Live-Musiker, Gitarrist Licky und Keyboarder Henning, das Intro zu „Puppenspieler“ erklingen und unser Lieblings-Graf kam auf die Bühne gelaufen, nicht ohne sich einen herzlichen Willkommensbeifall abzuholen. So weit ich nach hinten schauen konnte, waren Arme in die Luft gestreckt und freudig jubelnde Gesichter weit und breit zu sehen. Dankbar und gerührt gab der Graf alles und verausgabte sich schon beim ersten Stück völlig. Es folgte „Spiegelbild“ vom aktuellen Album und wir sangen „Jetzt sind sie still, endlich still“ laut im Chor. Immer wieder animierte uns der Graf zum Mitmachen und seine Freude darüber bestärkte das Publikum noch mehr. Weiterhin Gänsehaut und lautes Mitsingen bei „Astronaut“, dazu noch alle Arme in die Höhe und sanftes Hin- und Herschwingen ergaben ein traumhaftes Bild und eine wunderbare Atmosphäre. Nach dem älteren Song folgte mit „Fieber“ wieder ein aktuelleres und auch schnelleres Stück. Der Graf vollführte seinen unnachahmlichen Tanz, während wir lautstark pfiffen und jubelten. Nicht genug bekommen kann ich von dem Stück „An Deiner Seite“, welches im Anschluss ertönte. Wieder sanftes Schunkeln und gerührte Gesichter, während der Graf den Tränen nahe schien. Die gut gewählte Mischung aus alt und neu, schnell und langsam ließ die Zeit wie im Fluge vergehen. Nach den Klassikern „Maschine“ und „Freiheit“ ging es mit „Mein Stern“ auch schon wieder dem Ende entgegen. Es war noch immer hell und so gab es diesmal keine Feuerzeug-Lichter-Atmosphäre. Der Song wirkte trotzdem und wir sangen, ohne auch nur ans Aufhören zu denken, jedes einzelne Wort mit.

Setlist UNHEILIG
Puppenspieler
Spiegelbild
Astronaut
Fieber
An Deiner Seite
Kleine Puppe
Maschine
Freiheit
Mein Stern

Mittlerweile dämmerte der Abend und die Temperaturen wurden erträglicher. Viele Bandmitglieder konnte man im Publikum erblicken, wo sie sich unterhielten oder bereitwillig Autogramme schrieben. Es wurde Zeit für den Co-Headliner ASP, die einen riesigen Schmetterlingsbanner an der Bühnenwand angebracht hatten. Auch hier muss man die Band kaum vorstellen, ist man doch in aller Munde und auf allen Festival- und Konzertbühnen zu Hause. Mit „How far would you go?“ zeigte Sänger Asp gleich, dass dieses Festival seinen Namen Zita Rock wirklich verdient hat. Das Publikum lag dem Quartett zu Füssen. Gitarrist Matthias, Bassist Tossi und Schlagzeuger Oliver gaben alles an den Instrumenten und mit irren Gesichtsausdrücken bewies der Fronter einmal mehr, wie stark die Band auch live immer wieder ist. Ob „Sing Child“ oder „Ich bin ein wahrer Satan“ – es wurde gnadenlos im Takt gesprungen und Refrains mitgegrölt bis zur Erschöpfung. Hervorstachen auch das geniale Gitarrensolo im Song „Werben“ und die Feuershow bei „Ich will brennen“, wo der absolute Höhepunkt des Auftritts erreicht wurde. Laute Zugaberufe drangen von hinten nach vorne zur Bühne, die allerdings auch dem straffen Zeitplan zum Opfer fiel und nicht gewährt werden konnte.

Setlist ASP
How far would you go?
Sing Child
Sanctus Benedictus
Ich bin ein wahrer Satan
Duett (Das Minnelied der Incubi)
Werben
Und wir tanzten – Ungeschickte Liebesbriefe
Ich will brennen
Schwarzes Blut

SUBWAY TO SALLY gehörten zugegebenermaßen noch nie zu meinen Favoriten. Allerdings ist an den Siegern des Raabschen Bundesvision Songcontest auch kein Vorbeikommen in diesem Jahr. Auf allen großen Sommerfestivals sind sie so gut wie immer vertreten. Umso erstaunlicher, dass die Künstler noch nie auf einem Festival in Berlin gespielt hatten. Dies verkündete Sänger Eric Fish, während er und seine Mannen plus Frau Schmitt ihren Auftritt mit einem kleinen Feuerwerk und Songs aus ihrem aktuellen Album „Bastard“ begannen. Durch die Vielzahl der Bandmitglieder gab es überall was zu schauen, was man gar nicht alles auf einmal aufnehmen konnte. Beeindruckend war auf jeden Fall die wahnsinnige Stimmung im Publikum. Die ersten Reihen bestanden nur aus wirbelnden Köpfen und Haaren. Dieser Eindruck verstärkte sich noch bei älteren Songs wie „Falscher Heiland“, „Sag dem Teufel“ oder „Kleid aus Rosen“. Die Rock/ Metalsongs mit eingebundenen Mittelalterklängen kamen an. Die Feuershow war ebenso immer einen Hingucker wert, auch als wir uns schon langsam auf den Weg zur Autogrammstunde von DOWN BELOW machten. So wollten wir nach verpasstem Auftritt wenigstens noch ein Foto machen.

Auf dem Weg dahin begeisterten uns die vielen farbigen Lichter innerhalb der Zitadelle. Da wurden Bilder auf die Mauern der alten Burganlagen projiziert, der Juliusturm in rotes Licht gehüllt und Gräser und Bäume in blau oder lila Licht getaucht. Die Autogrammstunde von DOWN BELOW begann, wir bekamen unser Foto und sahen, wie sich der Platz der Open Air-Aftershow-Party langsam füllte. Müde, verschwitzt und voller schöner Eindrücke ging es auf den Weg zurück, quer durch Berlin, mit der Gewissheit: Zita Rock Berlin, bei so einer perfekten Planung und Bandauswahl kommen wir gerne wieder!

Copyright Fotos: Cath Niemann

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