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ZITA ROCK & FOLK FESTIVAL 2010

Ort: Berlin - Zitadelle

Datum: 05.06.2010

Sommer und Sonnenschein. Der 5.6.2010 war ein perfekter Tag für das ZITA Rock & Folk Festival in Berlin Spandau. Insgesamt erwarteten 12 Bands aus den Bereichen Gothic-, Mittelalter- und Electro-Rock die Zuschauer innerhalb der malerischen Kulisse der Zitadelle. Der Veranstalter hatte sich in diesem Jahr dazu entschlossen, das Festival nach Musikrichtungen zu trennen, so dass der Samstag ganz im Zeichen des Rocks und der Sonntag im Zeichen des Mittelalters stand. Sicherlich eine interessante Überlegung, jedoch sind nicht gerade Festivals eine Gelegenheit, neue Musikrichtungen und deren Bands kennenzulernen? Als wir gegen halb drei die Tore der Zitadelle betraten, staunten wir nicht schlecht, denn eine riesige Menschenschlange wartete bereits bis zur Straße auf Einlass. Nachdem wir dann endlich das Gelände betreten durften, wurde uns nochmals bewusst, welch umwerfenden Eindruck die Location immer wieder hinterlässt. Schnell besorgten wir uns eine kleine Erfrischung und suchten uns ein schönes Plätzchen vor der Bühne.

Als Opener an diesem Samstag betraten STAUBKIND pünktlich um 15 Uhr die Bühne. Sänger Louis Manke (TERMINAL CHOICE) und seine Berliner Kollegen Rico Meerheim (Gitarre), Friedemann „Friedel“ Mäthger (Schlagzeug) und Sebastian „Bassty“ Scheibe (E-Bass) kamen wie gewohnt in weißen Hemden, schwarzen Hosen und teilweise Krawatten auf die Bühne und begannen mit elektronischen, düsteren Klängen und dem Song „Halt mich“. Die rockigen Gitarren und der melancholische Gesang des Louis Manke ließen die eisernen Fans in den ersten Reihen feiern. Textsicher konnten sie jeden Song lauthals mitsingen. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass es die Band als Opener etwas schwer hatte, die hinteren Reihen anzuheizen. Und das, obwohl die Setlist durch einen guten Mix vom sowohl 2004 veröffentlichten LongPlayer „Traumfänger“ als auch vom aktuellen Album „ Zu Weit“, dass im Jahre 2007 erschien, bestach. So folgten unter anderem „Königin“, das gefühlvolle „Schlaflied“ und „Dein Engel“. Der weitere Tagesverlauf stand ganz im Zeichen des Louis Manke, denn wir sollten ihn noch weitere Male auf der Bühne erleben…

Setlist STAUBKIND
Intro
Halt mich
Königin 
Viel Mehr
Dein Engel
Zu weit
Schlaflied
Ein Traum der nie vergeht
Mein Herz

Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann auch schon weiter mit der bayrischen Dark-Rock Band LACRIMAS PROFUNDERE. Nach der Veröffentlichung des aktuellen Albums „The Grandiose Nowhere“ zeigte sie uns mit Stücken wie „Dear Amy“ oder „The Letter“, was sich hinter der selbstbenannten Stilrichtung „Rock´n´ Sad“ genau verbirgt. Ein Hingucker war das Quartett bestehend aus Oliver Nikolas Schmid (Gitarre), Tony Berger (Gitarre), Korl Fuhrmann (Schlagzeug) und Rob Vitacca (Gesang) allemal. Insgesamt fiel die Stimmung wieder ein wenig ab, was wohl auch am geringeren Bekanntheitsgrad gelegen haben mag. Die Setlist wurde von aktuellen Songs dominiert, in der natürlich Klassiker wie „Ave End“ und „Amber Girl“ ebenfalls ihren Platz fanden. Insgesamt fehlte aber etwas Herausstechendes und Besonderes, so dass man sich im Nachhinein eher an die Highlights der nachfolgenden Bands erinnert.

Setlist LACRIMAS PROFUNDERE
Intro
Lips
Dear Amy
My little fear
Again it’s over
Her occasion of sin 
The Letter
Be mine in Tears
Ave end
A pearl
Amber Girl
I don’t care

Vor der Bühne versammelten sich immer mehr Leute und selbst die mittlerweile stechenden Sonnenstrahlen konnten die gute Laune der Festivalbesucher nicht mindern. Kein Wunder, denn nun war es an der Zeit für das Nebenprojekt TERMINAL CHOICE des Frauenschwarms Chris Pohl. Wie immer weiß bemalt, mit verrückten Outfits und einer bombastischen Laune betraten Gordon Bass (Gitarre), wiederum Herr Manke (Gitarre), Jens Gärtner (Keys) und Chris Pohl (Gesang) für ein echtes Heimspiel die Bühne. Auch an die männlichen Bedürfnisse wurde gedacht, so dass zu „We are back“ nett ausschauende Cheerleader die Bühne verschönerten. Neben den aufheiterten und anheizenden Zwischenrufen der Jungs war ein weiteres Highlight das etwas schwer zu erkennende YAZOO-Cover „Don’t go“. Dieser Song, sowie das allseits bekannte „Collective Suicide“ konnten auch die letzten Besucher zum Mittanzen bewegen. Nachdem bereits „der Mann mit der Uhr“ das Ende eingeläutet hatte, ging das erfrischende und tanzbare Set von TERMINAL CHOICE mit „Keine Macht“ nach rund 50 Minuten zu Ende.

Setlist TERMINAL CHOICE
We are back
Bad trippin
Don’t go
Injustice
I´m a monster
Kommerz
Fight the system
Collective Suicide
Keine Macht

Raum für Spekulationen gab es an diesem schönen Nachmittag aufgrund der nächsten zwei Bands. MEGAHERZ und EISBRECHER zusammen bzw. nacheinander auf einer Bühne. Wobei, so selten ist das mittlerweile auch nicht mehr. Standen doch beide bereits am Vortag beim CASTLE ROCK Festival in Mühlheim an der Ruhr auf einer Bühne. Kommen wir zu MEGAHERZ, die als Ersatz für THE BIRTHDAY MASSACRE engagiert wurden und derzeit aus dem Sänger Lex, Gitarrist X-ti, Bassist Wenz Weninger, Schlagzeuger Jürgen „Bam Bam“ Wiehler und Gitarrist Roland Vencelj bestehen. Der Start mit dem Klassiker „Beiss mich“ beeindruckte schon mal, durch einen vor Energie strotzenden Fronter. Ich hatte mich vorher nie wirklich mit MEGAHERZ beschäftigt und wusste nur, dass EISBRECHER-Alexx dort mal Sänger und Gründungsmitglied war und einige Streitigkeiten zwischen den Bands existierten. Auffallend war die Ähnlichkeit von Lex mit Alexx (nicht nur im Namen), die sich durch Aussehen und Kleidungsstil zog. Nach einem weiteren „alten“ Stück namens „Perfekte Droge“ folgte der Song „Fauler Zauber“ vom 2008er Album „Heuchler“. Besonders eindrucksvoll für mich war der abermalige Gastauftritt von STAUBKINDs Louis bei „5. März“. Louis performte anfangs allein und zum Schluss mündete das Ganze in einem stimmungsvollen Duett mit Lex. Das machte richtig Spaß. Die Stimmung hielt und viele schienen überrascht zu sein von diesem Auftritt. „Heuchler“ erinnerte mich dann irgendwie zu sehr an das legendäre „Miststück“, welches sich ebenfalls bald ankündigte. Alle hatten es wohl ein wenig gehofft, aber nicht daran geglaubt. Jedoch war es nun soweit Lex kündigte Alexx für das eben genannte Stück an, welches beide Bands auch aktuell immer (noch) live spielen. Für Fans beider Bands wurde hier ein Stück Geschichte geschrieben, denn beide Fronter zusammen auf der Bühne zu sehen, schien für die Meisten unmöglich. Egal ob aus einer Wodkalaune heraus oder nicht, die beiden könnten Zwillinge sein und erwiesen sich als Duo als Rampensäue hoch zehn. Ganz großes Kino! Also spart Euch die Vergleiche zwischen MEGAHERZ und EISBRECHER. Ich finde beide haben ihre Berechtigung und ziehen die „Musik“ mit Spaß, Professionalität und Leidenschaft durch.

Setlist MEGAHERZ
Beiss mich
Perfekte Droge
Fauler Zauber
Ebenbild
Kopfschuss
5. März
Alles nur Lüge
Heuchler
Gott sein
Miststück

Nach einer raschen Umbaupause und zwei drei schnellen Schlücken zur Erfrischung wurde es „kalt“ in der Zitadelle. Und zwar so richtig „kalt“. Die Münchner Jungs von EISBRECHER enterten nacheinander in dicken Daunenjacken die Bühne und eröffneten ihren Auftritt mit „Eiszeit“ vom gleichnamigen Longplayer. Bereits beim Erscheinen der Musiker Olli (Bass), Maximilian (Keyboard), René (Schlagzeug), Jürgen (Gitarre), Noel Pix (Leadgitarre) und zuletzt Sänger Alexx brachen wahre Beifallsstürme los. Nachdem nach und nach die dann doch etwas zu warme Winterkluft abgelegt wurde und diverse Ausziehbitten auf später vertröstet wurden, ging es mit brachialem Sound und tiefer Stimme auch schon weiter mit Krachern wie „Leider“ oder „Vergissmeinnicht“. Als kleines Schmankerl an diesem Abend nahm Alexx diesmal selbst die Gitarre in die Hand und sang uns MICHAEL HOLMs „Tränen lügen nicht“ und den diesjährigen Eurovision Songcontest-Gewinnersong „Satellite“ von LENA. Natürlich waren wir textsicher! Für Sondereinlagen ist die Band bekannt und beliebt und gerade Frontmann Alexx sorgte mit seinem Wortwitz für so manchen Lacher im Publikum. „This is Deutsch“ und „Amok“ rockten. Letzteres glänzte mit einer genialen Trommeleinlage. Als letzten Song gab es nochmals „Miststück“, wie sollte es anders sein. Alexx stellte jedoch nochmals klar, wer diesen ursprünglich geschrieben hatte. Für den Refrain sangen die Mädels gegen die Jungs, wobei die Jungs haushoch gewannen.

Setlist EISBRECHER
Eiszeit
Bombe
Leider
Vergissmeinnicht
Schwarze Witwe
Die Engel
Heilig
This is deutsch
Amok
Miststück

Bei schönstem Wetter folgte nun für viele DAS Highlight mit dem Headliner ASP. Gitarrist Matthias, Bassist Tossi, der Schlagzeuger und Sänger ASP betraten umjubelt die Bühne, die im Hintergrund mit einem riesigen Schmetterlingsbanner geschmückt war. Der Funke sprang sofort über und bei altbekannten Songs wie „Denn ich bin Dein Meister“ und „Sing Child“ konnten die Anwesenden vom ersten bis zum letzten Ton die Texte auswendig mitsingen. Besonders beeindruckend war das Schwenken der „Die Zusammenkunft“-Fahne. Man konnte sagen, dass der Auftritt zum Ende hin immer mehr an Energie und Intensität gewann, was auch an den Songs „Werben“, „Ich bin ein wahrer Satan“ oder „Und wir tanzten“ gelegen haben könnte. Die Band rockte, das Publikum tanzte und feierte. Ringsherum herrschte gute Laune und Spaß. ASPs Stimme glänzte in sämtlichen Tonlagen, nur die gewohnte Pyroshow fehlte etwas. Allerdings wäre das bei dem Wetter auch kaum auszuhalten gewesen, denn auch nach 21.00 Uhr hatten wir Bombenwetter mit klassischem Sonnenuntergang. Als Zugabe durfte der Kracher „Ich will brennen“ nicht fehlen, der heiß umjubelt wurde. Punkt 21:59 Uhr war der Auftritt beendet, was aufgrund der Lärmschutzauflagen immer wieder einen bitteren Nachgeschmack bei den Festivals in der Zitadelle hinterlässt.

Setlist ASP
Denn ich bin Dein Meister
Kokon
Lykanthropie
Sing Child (schwenkende Fahne)
Werben
Ich bin ein wahrer Satan
Und wir tanzten
Schwarzes Blut

Ich will brennen

Die Aftershow-Party besuchten wir nicht und somit ging ein gelungener und entspannter Festivaltag mit tollem Publikum und zauberhaften, einmaligen Momenten zu Ende. Der zweite Festivaltag musste für uns leider aufgrund eines Sonnenstichs ausfallen. Die Bilder des Tages sprechen aber Bände…

Copyright Fotos: Amy Unte/ Cathie Niemann

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