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Zurück Zuhause Festival 2019

Ort: Bielefeld - Lokschuppen

Datum: 14.12.2019

Ausverkauft! Auch das mittlerweile 8. Festival konnte dies, wie in den Jahren zuvor, nach kurzer Zeit vermelden, obwohl zu diesem Zeitpunkt kein weiterer Act neben dem Headliner CASPER bekannt gegeben worden war. PABST, AMILLI und KUMMER folgten der Einladung CASPERs, mit ihm das Event zu bestreiten.

Den Abend eröffneten überpünktlich PABST aus Berlin. Im letzten Jahr veröffentlichte das Trio seinen ersten Longplayer „Chlorine“  und es folgten Einladungen von DRANGSAL und den LEONIDEN, auf der jeweiligen Tour als Support dabei zu sein. Gerade letztgenannte Band hat mit ihrer energiegeladenen Show beim ZZHF 2018 nicht nur bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch Erik Heise (git, voc), Tilmann Kettner (bass) und Tore Knipping (drums) standen den Norddeutschen in nichts nach und legten gleich mit „Vagabondage“ und „Forever OK“ los wie die Feuerwehr. Das Publikum ging von Anfang an mit und das blieb auch die nächste halbe Stunde so, deren Schlusspunkt „Skinwalker“ von der gleichnamigen EP aus dem Jahr 2016 markierte. Mit ihren Garagenrock – wie sie ihren Stil selbst betiteln – kamen sie beim Publikum sehr gut an.

Setlist PABST (ohne Gewähr)

  • Vagabondage
  • Forever OK
  • Accelerate
  • Ibuprofen
  • Shake The Disease
  • Ocean Cruise
  • Cheapskate
  • Skinwalker

Nach einer kurzen Umbaupause wurde es ruhiger, viel ruhiger auf der Bühne. Die zierliche junge Bochumerin AMILLI bekam im letzten Jahr den 1Live Krone Förderpreis des Radiosenders und konnte sich über die Unterstützung der Musikredaktion freuen. Mit ihrer souligen Stimme und den R`n`B-Beats wusste sie zu gefallen. Dennoch verhaspelte sie sich beim ersten Song. Sie entschuldigte sich mit einem Lächeln und führte zusammen mit ihrer Band – besser bekannt als I AM JERRY – durch die knapp halbstündige Show. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf ihrer aktuellen EP „Wings“, mit den Songs „Rarri“ und „Wings“, aber auch „Movie“, bei dem sie sich selbst an den Tasten begleitete. Merkwürdig (oder bin ich einfach zu alt dafür) ist die Veröffentlichungspolitik ihrer Werke. Wie es scheint, gibt es keine physischen Tonträger, sondern alles wird im Stream angeboten. Ich bin mir sicher, von AMILLI wird in Zukunft noch viel zu hören und zu sehen sein.

Beim nächsten Künstler brandete ein ohrenbetäubender Jubel auf, als stände schon der Headliner auf der Bühne. Kein Geringerer als KUMMER aka Felix Brummer, Sänger der äußerst erfolgreichen Gruppe KRAFTKLUB enterte die Bühne, die abgesehen von ein paar im Hintergrund platzierten meterhohen LED-Towern sehr spartanisch wirkte. Mit „KIOX“ veröffentlichte der Chemnitzer in diesem Jahr sein erstes Solowerk, bei dessen Vertrieb er ungewöhnliche Wege ging. Für ein Wochenende wurde eigens dafür ein Plattenladen in Chemnitz hergerichtet, um dort die Tonträger zu verkaufen oder man orderte sie über den KIOX-Online-Shop. Kaum waren die letzten Klänge des Openers „Nicht die Musik“ verklungen, skandierten die ersten Fans schon: „Ausziehen!“. Felix schmunzelte nur und verteidigte sich, indem er verriet, dass es sich im gleichnamigen Video nicht um seinen Körper handele. Neben der ersten Single „9010“, „Okay“ und „Aber nein“ war klar, dass er auch Gebrauch vom Material seiner Band mit K machen würde. Mit „500K“ und „Randale“ schickten die Bielefelder zusammen mit Felix einen kleinen Gruß in Richtung seiner abwesenden Bandmitglieder. Klar, diese Songs wurden am meisten abgefeiert, aber auch seine eigenen Songs wurden lautstark mitgesungen. „Wie viel Ist dein Outfit wert“ beendete das reguläre Set des drahtigen Jungen, der sofort zusammen mit der Stimme von MAX RAABE die Zugabe „Der Rest meines Lebens“ hinterher schob. Es ist schon etwas komisch zu sehen, dass Felix alleine auf der Bühne agiert und die Musik vom Band kommt, aber es wird mit Sicherheit auch wieder eine Zeit mit KRAFTKLUB geben.

Die erste Hälfte seiner KIOX Tour ist beendet und für den zweiten Teil im nächsten Jahr werden die Karten knapp, also sollten sich die Fans ranhalten.

Setlist KUMMER (ohne Gewähr)

  • Nicht die Musik
  • Schiff
  • 9010
  • Okay
  • Aber nein
  • 500K (KRAFTKLUB)
  • Randale (KRAFTKLUB)
  • Wie viel ist dein Outfit wert
  • Der Rest meines Lebens

Nachdem die letzten Takte des STONES-Klassikers „Sympathy For The Devil“ verklungen waren, betraten unter tosendem Gekreische endlich CASPER und seine Band die Bühne und mit „Alles ist erleuchtet“ vom letztem Album „Lang lebe der Tod“ begannen sie ihre schweißtreibende Show. „Im Ascheregen“, „Auf und davon“ und „Alles endet“  wurden frenetisch abgefeiert, ehe mit AHZUMJOT der erste Gast auf der Bühne stand. Zusammen mit CASPER wurde „Lass sie gehen“ performt. Mit „Ariel“, „Sirenen“ und „Die letzte Gang der Stadt“ bekamen die Fans weitere Perlen aus CASPERs Feder serviert, ehe zu „Ganz schön okay“ ein alter Bekannter stürmisch begrüßt wurde, der nur ein paar Minuten vorher die Stage ganz für sich alleine hatte, sich nun zu dem gebürtigen Ostwestfalen gesellte, um diesen Song zu präsentieren. Genauso viel Jubel empfing MARTERIA, der die Anwesenden mit den Worten „Bielefeld, was ist los? Nächstes Jahr erste Liga?“ begrüßte. Die derzeitige komfortable Tabellensituation des heimischen Fußballclubs deutet ja daraufhin. Der Smasher „Adrenalin“ forderte vdem Publikum alles ab und auch die beiden Protagonisten nutzten die komplette Stage für ihre Performance. Zu Recht wählten die Hörer des Radiosenders 1Live CASPER/MARTERIA als besten Live Act des Jahres, nachdem sie im letzten Jahr schon für das beste Album und als bester HipHop Act eine 1Live Krone bekamen. Nach “Supernova” verabschiedete sich der Rostocker Rapper wieder und der Headliner übernahm mit „Mittelfinger hoch“ wieder das Ruder. Aber schon der nächste Besuch stand in den Startlöchern: DRANGSAL steuerte seinen Part zu „Keine Angst“ bei und Benjamin Griffey – so der bürgerliche Name des Fronters, stellte ihn witzigerweise als besten Tänzer der Stadt vor und das passte perfekt zu der Performance von Max Gruber. Eher besinnlich kündigte Benjamin seinen persönlichsten Song an. „20 qm“ sei das Beste was er je geschrieben habe und diese „20 qm“ befänden sich nur ein paar hundert Meter vom Lokschuppen entfernt. Mit „Lang lebe der Tod“ endete die kurzweilige Show, aber es war noch lange nicht Schluss an diesem Abend. Mit „Hinterland“ und „Jambalaya“ ging es noch einmal in die Vollen, ehe mit „Endlich angekommen“ mal wieder ein fantastischer Abend endete. Überglücklich bedankte sich die Band bei den Fans und den Künstlern auf der Bühne. Und Benjamin kündigte an, dass er sich etwas zurück ziehen werde, um an einer neuen Platte zu arbeiten. Und dann gibt es natürlich ein Wiedersehen.

Setlist CASPER (ohne Gewähr)

  • Alles ist erleuchtet
  • Im Ascheregen
  • Auf und davon
  • Alles endet
  • Lass sie gehen feat. AHZUMJOT
  • Ariel
  • Sirenen
  • Die letzte Gang der Stadt
  • Ganz schön okay feat. Felix Brummer
  • Der Druck steigt
  • Blut sehen
  • Adrenalin feat. MARTERIA
  • Supernova feat. MARTERIA
  • Mittelfinger hoch
  • Keine Angst feat. DRANGSAL
  • Das Grizzly Lied
  • 20 qm
  • Lang lebe der Tod
  • Hinterland
  • Jambalaya
  • Endlich angekommen

Auch das diesjährige traditionelle ZZHF war wieder mal ein Highlight des Konzertjahres in Bielefeld und wie schon angekündigt die vorerst letzte Show von CASPER. Jetzt gilt es, ein neues Album zu produzieren. Kann man „Lang lebe der Tod“ noch toppen? Für mich ist es das beste Album, was die Band je veröffentlicht hat und da ist der Knackpunkt: War es erfolgreich wie die Vorgänger? Ich glaube nicht, dazu war das Werk nicht Mainstream genug, nicht massenkompatibel. Es ist aber meiner Meinung nach ein Meisterwerk. Ich bin gespannt auf das neue Album und freue mich auf das ZZHF 2020.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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